„Ich wünsche mir, dass mich der Busfahrer einfach mal an der Haltestelle stehen lässt“

Wie voll sind Bahnen und Busse in Corona-Zeiten wirklich? Auf welchen HVV-Linien fahren Menschen besonders dicht gedrängt? Warum wird die Passagierzahl nicht begrenzt? Eine Suche nach Zahlen, erstaunliche Nutzungsveränderungen bei Carsharing-Autos in Hamburg und die Frage, wie andere Städte mehr Abstand im ÖPNV schaffen.
Von Christian Hinkelmann
Menschen warten auf der hochbelasteten Metrobuslinie M5 in Hamburg auf ihren Bus
Menschen warten an der Hoheluftbrücke auf einen Bus der Linie M5

Saskia K. aus Hamburg pendelt normalerweise täglich mit dem Bus von Lokstedt zu ihrem Arbeitsplatz in der Innenstadt. Seit Jahren. Die Linie 5, mit der sie unterwegs ist, gehört zu den meistgenutzten Buslinien Deutschlands. Vielen Menschen und Gedränge sind für sie Alltag – normalerweise.

Doch seit die Corona-Fallzahlen wieder steigen, fühlt sich die 35-jährige damit zunehmend unwohl. Schon öfter saß sie in Bussen, die während der rund 20-minütigen Fahrt so voll wurden, dass an Sicherheitsabstand nicht mehr zu denken war. Und schon öfter fragte sie sich, warum die Busfahrerinnen und Busfahrer die maximale Fahrgastzahl in Corona-Zeiten nicht künstlich limitieren und keine zusätzlichen Menschen mehr einsteigen lassen, sobald es drinnen zu eng wird. „Warum gucken sich Busfahrer da nicht ein bisschen was von Türstehern ab und machen einfach zu?“, fragt sich die Pendlerin in solchen Situationen. „Ich würde mich da sicherer fühlen“.

Tatsächlich gibt es im Öffentlichen Nahverkehr in Hamburg keine coronabedingten Kapazitätssenkungen, wie beispielsweise in kleinen Ladengeschäften. Bahnen und Busse dürfen weiterhin so voll sein wie eh und je.

Die Verkehrsunternehmen verweisen in diesem Zusammenhang stets auf die Maskenpflicht, die regelmäßige Reinigungen der Fahrzeuge, die Kürze der durchschnittlichen Fahrzeit und die Tatsache, dass die Fahrzeuge durch das ständige Türenöffnen an den Haltestellen gut durchlüftet würden.

Wie voll die Bahnen und Busse im HVV in diesen Herbstwochen tatsächlich sind und wie oft kein ausreichender Sicherheitsabstand zwischen den Fahrgästen möglich ist, wird nicht öffentlich kommuniziert. Die Suche nach Antworten gestaltet sich dementsprechend schwierig.

173 überfüllte Busse in knapp sechs Wochen – viel oder wenig?

Bekannt ist nur, dass die HVV-Fahrgastzahlen im Oktober – also vor Beginn des zweiten Lockdowns – insgesamt um rund 30 Prozent unter dem üblichen Niveau lagen. Das geht aus einer aktuellen Senatsantwort auf eine Anfrage der Verkehrspolitikerin Heike Sudmann von der LINKE hervor. Demnach verteilt sich die Fahrgastnachfrage „sehr unterschiedlich auf die einzelnen Angebote“. Dies sei „insbesondere im Busverkehr spürbar, wo beispielsweise „zu bestimmten Arbeitsstandorten oder im Schülerverkehr eine starke Nachfrage“ bestehe.

Laut Senat wurden zwischen dem 1. Oktober und dem 10. November beispielsweise bei der Hochbahn 173 so genannte Besetztmeldungen von Busfahrerinnen und Busfahrern an die Leitstelle abgegeben. Solche Meldungen bedeuten, dass ein Bus so randvoll ist, dass er an einer Haltestelle nicht mehr alle wartenden Fahrgäste mitnehmen kann. Sie bedeuten nicht, dass eine Busfahrerin, bzw. ein Busfahrer sein Fahrzeug in Corona-Zeiten schon vorzeitig als „überfüllt“ erklärt, um seinen Insassen mehr Abstand zu ermöglichen.

Und sind 173 Besetztmeldungen jetzt viel oder wenig? Das hängt von der Sichtweise ab: Grundsätzlich ist die Zahl eher gering, wenn man bedenkt, dass sich der Erhebungszeitraum über fast sechs Wochen erstreckt und allein die Hochbahn tagtäglich knapp 1.000 Busse auf 113 Linien fahren lässt.

Auf diesen Linien gab es die meisten überfüllten Busse

Allerdings beschreibt diese Zahl aber wohl nur die Spitze eines Eisbergs, denn laut Senat kommt es aufgrund von Sicherheitsmargen und mitgeführten Gegenständen (Gepäck, Schulranzen, Mobilitätshilfen) in der Praxis „selbst bei sehr dicht gedrängter Beförderung“ nur sehr selten vor, dass ein Bus tatsächlich überfüllt ist. Das heißt: Die Zahl der Busse, in denen Menschen dicht gedrängt stehen müssen, ist mit diesen 173 Besetztmeldungen längst nicht umschrieben.

Die meisten dieser Besetztmeldungen zwischen Anfang Oktober und dem 10. November gab es laut Senat auf einer eher unscheinbaren Buslinie: Dabei handelt es sich um die Stadtbuslinie 154, die meist im 20-Minuten-Takt zwischen Berliner Tor und Harburg fährt und eine Art Bypass zur hochbelasteten und pannenanfälligen S-Bahnlinie S3 (siehe hier) bietet. In den vergangenen Wochen wurde sie offenbar so gern von HVV-Fahrgästen genutzt, dass insgesamt 20 Mal ein Bus als überfüllt gemeldet wurde.

17 Besetztmeldungen gab es im gleichen Zeitraum auf der Metrobuslinie 8 zwischen dem U-Bahnhof Wandsbek Markt und dem Bramfelder Dorfplatz. Die Metrobuslinie 24, die zwischen Niendorf Markt und dem Bahnhof Rahlstedt fährt, kam auf 14 Besetztmeldungen. Auf der Stadtbuslinie 141 zwischen dem S-Bahnhof Neugraben und dem Schulzentrum in Meckelfeld wurden acht Mal überfüllte Busse gemeldet, auf der Metrobuslinie 4 (Wildacker – Brandstwiete) und der Stadtbuslinie 261 (Barmbek – Berliner Tor) kam es zu sieben Besetztmeldungen.

Aus U-Bahnen und S-Bahnen wurden nach Angaben des Senats gar keine Besetztmeldungen abgegeben.

Mehr als 100 Kundenbeschwerden wegen überfüllter Fahrzeuge

Ein weiterer Indikator, der einen Eindruck davon vermitteln kann, wie oft es in Corona-Zeiten im HVV zu voll sein könnte, ist die Zahl der entsprechenden Beschwerden von Fahrgästen. Laut Senat sind zwischen dem 1. Oktober und dem 10. November insgesamt 108 solcher Beschwerden eingegangen.

Die meisten von ihnen, nämlich 42, landeten bei der Deutschen Bahn und bezogen sich auf die S-Bahnlinie S3. Die Hochbahn bekam 39 Beschwerden, wovon sich 20 auf den Busverkehr und 19 auf die U-Bahn bezogen. 13 Beschwerden gingen beim HVV ein, wobei sich davon nur 5 auf das Hamburger Stadtgebiet bezogen. Fünf weitere Eingaben landeten bei der Hamburger Verkehrsbehörde.

Verkehrsunternehmen steuern nach – haben aber wenig Reserven

Nach Angaben des Senats beobachten die Verkehrsunternehmen die Auslastung der einzelnen Linien sehr genau und reagieren mit gezielten Verstärkerfahrten und größeren Fahrzeugen, sobald „wiederkehrende Muster einer erhöhten Fahrgastnachfrage festgestellt“ würden.

Allerdings räumt der Senat auch ein, dass es gerade im Berufsverkehr nur „sehr geringe Spielräume“ für zusätzliche Fahrten gebe. „Im Busverkehr bestehen derzeit aufgrund der Fahrtendichte in den Hauptverkehrszeiten und wegen der aktuell zusätzlich geleisteten Fahrten kaum mehr ausreichend Fahrzeug- und Personalreserven, um zusätzliche Fahrten zu leisten“, heißt es. Gleiches gelte auch für die S-Bahn. Im U-Bahn-Verkehr bestünden dagegen noch Spielräume, „um bei regelmäßig besonders hoher Auslastung einzelner Fahrten punktuell Verstärkerdienste vorzusehen.“

Klingt so, als würden die Hamburger Verkehrsunternehmen und der Senat volle Bahnen und Busse auch in Corona-Zeiten im Großen und Ganzen wohl so hinnehmen.

Rom limitiert Passagierzahlen im ÖPNV

Andere Städte im Ausland sind da offenbar vorsichtiger. Beispiel Rom. Dort darf in Bussen nur eine begrenzte Anzahl von Passagieren mitfahren. Ist die Zahl erreicht, muss man auf den nächsten Bus warten. Auch in den Metrostationen und U-Bahnen sind die maximalen Passagierzahlen vorübergehend begrenzt. Außerdem werden dort im Berufsverkehr entlang der Metrolinien zusätzliche Busse eingesetzt, um die Fahrgastmengen zu entzerren (siehe hier). Auch in Griechenland soll es Kapazitätsbegrenzungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis und auf Fähren geben (siehe hier).

Amsterdam zeigt volle Fahrzeuge per App an

Und in Amsterdam haben die örtlichen Verkehrsbetriebe beispielsweise eine „Überlastungsanzeige“ in ihre App eingefügt, die anzeigt, wie voll einzelne Bahnen und Busse voraussichtlich sein werden. Ziel ist, dass Fahrgäste möglichst gar nicht mehr in ein Fahrzeug einsteigen, das in der App als „voll“ gekennzeichnet ist.

Die Anzeige wird auf Basis von Daten elektronischer Tickets errechnet (siehe hier), die Fahrgäste beim Einstieg in Fahrzeuge vor einen Chipkartenleser halten müssen – ähnlich wie die HVV-Card, die der Verkehrsverbund seit einigen Jahren einführt. Vielleicht wäre so eine Funktion auch eine Idee für die HVV-App?

Bislang kein gestaffelter Schulbeginn in Hamburg

Eine weitere Möglichkeit, mit der sich gerade morgens Überlastungen im HVV zu vermeiden lassen könnten, wäre, den Schülerverkehr zu entzerren, indem der Unterricht an den Schulen gestaffelt beginnen würde. Hochbahn-Chef Henrik Falk hatte dies bereits vor fünf Monaten vorgeschlagen (siehe hier). Die Schulbehörde signalisierte damals Offenheit für so einen Meinungsaustausch.

Doch bis heute ist dieser Vorschlag nicht realisiert, wie der rot-grüne Senat auf Nachfrage der LINKE-Politikerin Sudmann jetzt einräumen musste. „Die zuständige Behörde und der HVV stehen seit dem Frühjahr in fortwährendem Austausch“, heißt es auf die Frage nach dem aktuellen Stand der Dinge lediglich. Ansonsten verweist der Senat nur auf einzelne Buslinien mit einem hohen Schüleranteil, die bereits im vergangenen April gezielt verstärkt wurden, sowie auf den anstehenden Fahrplanwechsel Mitte Dezember, bei dem es weitere dauerhafte Verstärkungen im Busverkehr geben soll.

Somit werden HVV-Fahrgäste im Berufsverkehr wohl auch weiter mit vollen Fahrzeugen und wenig Sicherheitsabstand leben müssen. Die 35-jährige Saskia K, die bisher jeden Morgen mit dem Bus von Lokstedt in die Hamburger Innenstadt pendelte, will dies allerdings immer seltener hinnehmen.

Obwohl sie aus Kostengründen eigentlich auf den HVV angewiesen ist, greift sie inzwischen immer mal wieder zum Carsharing: „Mir ist das Risiko im Bus zu groß. Wenn ist sehe, dass er zu voll ist, suche ich mir schnell ein freies Auto und fahre damit“.

Carsharing-Anbieter beobachten steigende Nachfrage

Damit liegt die Pendlerin offenbar im Trend: Der größte Carsharing-Anbieter in Hamburg, Share Now, der aus den ehemaligen Anbietern car2go und Drive Now hervorgegangen ist und in der Hansestadt aktuell eine Flotte von 1.100 Wagen betreibt, beobachtet seit dem ersten Lockdown im Frühjahr eine stark steigende Nachfrage. Bundesweit sind die Buchungszahlen seit April um 65 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen gegenüber NahverkehrHAMBURG mit. Demnach ist die Nutzung der Share Now-Autos in Hamburg und Berlin nach dem ersten Lockdown stärker angestiegen als die Nutzung im Öffentlichen Nahverkehr.

Besonders auffällig: Die durchschnittliche Mietzeit pro Fahrt ist in Hamburg spürbar angestiegen: „Im Oktober waren in der Hansestadt die Mieten der Share Now Flotte um 36 Prozent länger als noch 2019“, so Unternehmenssprecher Hannes Schumann. „Ein ähnlicher Effekt ist bei der gefahrenen Distanz erkennbar. In Hamburg war die Anzahl der durchschnittlich pro Miete gefahrenen Kilometer um 10 Prozent höher als vergangenes Jahr. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass die durchschnittliche Mietdauer in Hamburg zwischen Oktober 2019 und Oktober 2020 von 30 auf 40 Minuten angestiegen ist. Die zurückgelegte Strecke pro Fahrt stieg im Schnitt von 8,2 auf 9,1 Kilometer.

Steigen HVV-Kund:innen verstärkt auf Carsharing um?

Ob und inwiefern dieser Effekt Rückschlüsse darauf zulässt, dass vermehrt ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer auf Carsharing umsteigen, ist unklar. Share Now beobachtet auf NahverkehrHAMBURG-Nachfrage grundsätzlich nicht, dass sich Kund:innen gegen den ÖPNV und für Share Now entscheiden würden. Außerdem sei die Tendenz zu längeren Mietzeiten schon vor Ausbruch der Corona-Krise festgestellt worden. Gleichzeitig hebt das Unternehmen aber auch als Vorteil gegenüber dem öffentlichen Nahverehr hervor, dass Carsharing in der Pandemie die Möglichkeit biete, Abstand zu halten.

Auch der Autovermieter Sixt, der in Hamburg ebenfalls eine Carsharing-Flotte betreibt, beobachtet eine verstärkte Nutzung seines Angebots und macht auf NahverkehrHAMBURG-Nachfrage kein Geheimnis daraus, dass sich darunter auch ehemalige ÖPNV-Nutzer:innen befinden: „Seit Beginn der Krise sehen wir sehr deutlich, dass die Menschen die Nutzung eines Mietwagens oder Share-Fahrzeugs als sinnvolle und vergleichsweise sichere Mobilitätsalternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln schätzen“, erklärt eine Sprecherin. „Dieser Trend gilt auch für Hamburg.“ Auffallend ist auch hier eine Tendenz zu Langzeit-Mieten. Ob es sich dabei möglicherweise um bisherige HVV-Stammkunden ohne eigenes Auto handelt, die in der Pandemie längerfristig auf einen Mietwagen umgestiegen sind?

Carsharing wird bei Kurzurlauben beliebter

Der Carsharing-Anbieter Cambio, der in Hamburg aktuell 165 Wagen betreibt, hat dagegen andere Erfahrungen gemacht: „Zu Beginn der Pandemie ging die Nutzung zurück. Die Menschen sind ins Homeoffice gegangen, die berufsbedingten Fahrten wurden entsprechend weniger. Auch die privaten Fahrten nahmen ab, da soziale Kontakte reduziert wurden“, so Unternehmenssprecher Arne Franke zu NahverkehrHAMBURG. Allerdings habe Cambio dann zu Beginn des Sommers eine starke Nachfrage nach Fahrzeugen beobachtet, um damit Kurztrips oder Urlaube in der Region zu machen. Wie sich die Nachfrage in Zukunft entwickelt, ist laut Franke unklar: „Es ist im Moment noch schwierig einzuschätzen, wie sich die Corona-Pandemie auf das Geschäft in Hamburg auswirken wird.“ Derzeit gehe man davon aus, dass die Cambio-Flotte vergrößert werde.

Limitierte Passagierzahl in HVV-Bussen?

Für Saskia K. aus Hamburg ist Carsharing aber auf Dauer kein Ersatz für den HVV – allein schon aus finanziellen Gründen. Sie würde dem ÖPNV gern treu bleiben und hofft, dass der Verbund die maximale Passagierzahl in den Bussen zumindest während der kommenden Wintermonate vorübergehend senkt, um mehr Abstand zwischen den Fahrgästen zu ermöglichen. Dafür würde sie notfalls auch mal einen vollen Bus fahren lassen und auf den nächsten warten, sagt sie und lächelt: „Ich wünsche mir, dass mich der Busfahrer einfach mal an der Haltestelle stehen lässt!“

Wie hilfreich ist dieser Artikel für Sie?

Mit Ihrer Bewertung helfen Sie uns, unsere Berichte besser an Ihre Bedürfnisse anzupassen.

Empfehlen Sie diesen Bericht auch gerne an Bekannte und Kolleg:innen weiter, von denen Sie glauben, dass er ihnen helfen könnte.

Bislang gibt es für diesen Artikel noch keine Bewertungen

Schade, dass Sie diesen Bericht nicht hilfreich fanden

Lassen Sie uns diesen Artikel gemeinsam besser machen

Mögen Sie uns kurz sagen, wie wir diesen Bericht für Sie lesenswerter machen könnten?

Auch interessant

7 Antworten auf „„Ich wünsche mir, dass mich der Busfahrer einfach mal an der Haltestelle stehen lässt““

Der Hochbahn-Chef hat doch schon vor Monaten allen Dummköpfen (wie mir z.B.) erklärt, dass Abstand halten in Bus und Bahn scheißegal ist, solange alle Fahrgäste in den Fahrzeugen Masken tragen. Man könnte allerdings als Sofortmaßnahme die Schulbusse voller machen (die Kids sind ja angeblich alle keine Corona-Schleudern, also kuscheln sie halt noch ein bisschen mehr) und die dadurch frei werdenden Kapazitäten (Busse und Fahrer) auf anderen Strecken nutzen. Das könnte dann z.B. Saskia K. zugute kommen.

“Aus U-Bahnen und S-Bahnen wurden nach Angaben des Senats gar keine Besetztmeldungen abgegeben.”

Soweit mir bekannt ist gibt es das Instrument der Besetztmeldung zumindest bei der Hochbahn nur im Busverkehr. Im Bereich der U-Bahn ist sowas wenn ich mich recht entsinne nicht vorgesehen, die Fahrer können gar nicht einfach per Knopfdruck eine Besetztmeldung geben. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass zumindest von der U-Bahn keine solcher Fälle aufgetreten sind. Bei der S-Bahn könnte es ähnlich begründet sein.

“Soweit mir bekannt […]”

Da kann man erfahrungsgemäß aufhören zu lesen.🤦‍♂️

Aber zum Thema:

“Und in Amsterdam haben die örtlichen Verkehrsbetriebe beispielsweise eine „Überlastungsanzeige“ in ihre App eingefügt, die anzeigt, wie voll einzelne Bahnen und Busse voraussichtlich sein werden.”

Sowas ähnliches gab es ja mal bei uns. Leider hat man es in Wandsbek getestet, wo nicht die hellsten Kerzen auf der Torte leben. Folglich wurde es eingestampft statt ausgerollt.

Der Test wäre zu Corona-Zeiten sicher anders ausgegangen.

Die Auslastungsanzeige, die die Hochbahn testete, ging über die Informationen, die für Amsterdam abrufbar sind, hinaus – dort erfolgt ebenfalls nur eine Aussage über die gesamte Auslastung eines Zuges, keine Differenzierung nach einzelnen Wagen, wie die Hochbahn das testete. Vielleicht war sie einfach ihrer Zeit voraus.

Nicht zuletzt testet die Bahn aktuell für die Fernzüge auch eine detailliertere (wagenweise) Angabe der Auslastung. Ob Lokstedter an dem Test beteiligt sind, wurde indes nicht bekannt.

Ich bin mir sicher, dass bei weitem nicht alle Busfahrer überhaupt sogenannte “Besetztmeldungen” abgeben – auch wenn der Bus randvoll ist. Vielen ist das einfach fürchterlich egal. Und wenn man die Stellungnahme zu Fahrzeug- und Personalkapazitäten liest, dann frage ich mich was aus der großmäuligen Ankündigung der Angebotsoffensive geworden ist. Die dringend benötigte Ausweitung der Betriebszeiten der S11 -möglichst ganztägig – ist noch immer nicht in Sicht und bei der S-Bahn wurde der Wagenpark durch die neue 490er-Serie kaum vergrößert – es sind nur wenig Züge mehr angeschafft worden, als 472er verschrottet wurden – also auch keine Kapazitätserweiterung. Auf der Buslinie 173 fährt stadteinwärts bereits vor 20 Uhr teilweise 25 Minuten kein Bus – wie war das mit alle 5 Minuten kommt man weg? Ich habe auch den Eindruck, dass unser Herr Verkehrssenator sehr einseitig vor allem den Radverkehr im Blick hat. Ein auffallendes Engagement in Sachen ÖPNV ist mir bisher nicht aufgefallen. Herr Tjarks Sie sind hier gefordert! Radverkehr ist schön und gut, aber nicht für jeden geeignet – ÖPNV muss das Rückrat bilden. Auch bei der U3 gibt es den Verstärkerverkehr am Abend nur in eine Richtung – mit der Begründung es würde die “Lastrichtung” verstärkt. Schon mal aufgefallen, dass die U3 eine Ringlinie ist, und somit beide Fahrt-Richtungen mal “Lastrichtung” und mal “Nicht-Lastrichtung” sind? Es besteht erheblicher Verbesserungsbedarf – und damit darf auch gerne in Corona-Zeiten begonnen werden, denn die Busse und Bahnen sind häufig deutlich voller als sie unter den gegebene Umständen sein sollten.

@Arne – Bei der S-Bahn geht das ganze auf vielen Strecken ja sowieso nicht, da nicht erkennbar ist ob ein wartender Fahrgast jetzt nicht einsteigt weil der Zug zu voll ist oder weil sie/er auf eine andere Linie wartet.

@Torsten – ich dagegen bin mir sicher dass die allermeisten Busfahrer immer Besetzmeldungen durchgeben wenn sie Fahrgäste zurücklassen. Denn Fahrgäste an Haltestellen stehen lassen ist sonst nicht erlaubt. Wenn ich das richtig verstehe ist es so dass wenn ein Fahrgast stehen gelassen worden ist und sich dann beschwert, die Beschwerdestelle erstmal bei den Besetzmeldungen nachschaut ob das der Grund ist. Wenn es keine Besetzmeldung gab wird der Fahrer gefrag, und dann zu sagen ‘der Bus war voll aber ich habe vergessen eine Besetzmeldung abzugeben’ ist keine akzeptable Ausrede.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.