Jahresabo-Verlosung und weitere Sonder-Angebote: HVV will Erfolg des 9-Euro-Tickets fortsetzen

Der HVV hat gestern zusammen mit Hamburgs Verkehrsbehörde eine sehr positive Zwischenbilanz zum 9-Euro-Ticket gezogen und zwei eigene neue Marketing-Maßnahmen vorgestellt – die Verlosung von 999 Jahresabos zum Monatspreis von 9 Euro bis zum 21. August und ein 36 Euro-Profi-Monatsticket für Neukunden bis Ende des Jahres. Verschwiegen obwohl schon beschlossen: Weitere Ticket-Sonderangebote hat NAHVERKEHR HAMBURG auf der HVV-Website versteckt gefunden.
NAHVERKEHR HAMBURG Redaktion
Menschenmassen warten im Sommer auf S-Bahn im Hamburger Hauptbahnhof
Volle Züge dank 9-Euro-Ticket: Inzwischen sogar mehr Menschen unterwegs als vor der Pandemie.
Foto: Christian Hinkelmann

5er-Tageskarte, Abo-Wochen Plus, Flex-Abo: NAHVERKEHR HAMBURG hat sich angeschaut, welche weiteren neuen Sonderangebote der Verbund ab September noch in Planung hat und wie die erstmalige Verlosung von HVV-Tickets funktioniert. Nicht preisgeben wollte der HVV gestern, wann das Handy-Bestpreis-Angebot „hvv any“ eingeführt wird. Verkehrssenator Anjes Tjarks schloss Preiserhöhungen des HVV wegen der enorm steigenden Energiepreise nicht aus und forderte eine „nationale Kraftanstrengung“ der Bundesregierung zusammen mit den Bundesländern, ein bundesweites Anschlussangebot an das 9-Euro-Ticket zu vereinbaren, das ebenso einfach und digital sei.

Mehr Menschen in Bussen und Bahnen als vor Corona

Die Zwischenbilanz des HVV könnte kaum besser sein: Verbundweit wurden bisher bereits 1,8 Millionen Tickets verkauft – 800.000 für den Juni, 700.000 für den Juli und bisher 300.000 für den August. Hinzu kommen jeweils die 680.000 Abonnentinnen und Abonnenten, die ebenfalls nur 9 Euro im Monat zahlen. Im Vergleich zu 2019 waren fünf Prozent mehr Fahrgäste mit den Bussen, Bahnen und Fähren unterwegs. Damit wurde erstmals seit Beginn der Pandemie das Vor-Corona-Niveau nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten.

Zudem seien mehrere Millionen Autofahrten seien in den ersten zwei Monaten eingespart worden. Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin des HVV, sagte: „1,8 Millionen verkaufte 9-Euro-Tickets, Fahrgastzahlen über dem Vor-Corona-Niveau und aussagekräftige Marktforschungsergebnisse: Das 9-Euro-Ticket ist für den öffentlichen Nahverkehr ein Experiment von unschätzbarem Wert – für die Fahrgäste wie für uns. Die Marktforschung zeigt: Mehr Fahrgäste fahren häufiger mit Bussen und Bahnen und lassen immer öfter das Auto stehen – wenn Angebot und Preisgestaltung stimmen. Das ist eine Riesenchance für die Mobilitätwende, deswegen schließen wir mit attraktiven Ticket- und Tarifangeboten an die 9-Euro-Aktion an.” Mit neuen Sonderangeboten will Korbutt den „positiven Schwung“ des Tickets mitnehmen.

So funktioniert die Jahresabo-Verlosung

Zu den gestern vorgestellten Angeboten des HVV gehört erstmalig die Verlosung von Ticket-Abos: 999 Vollzeit-Jahres-Abonnements für je 9 Euro pro Monat s…

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Hier schreiben die Autorinnen und Autoren der NAHVERKEHR HAMBURG-Redaktion mit einem konstruktiv-kritischen Blick auf nachhaltigen Nahverkehr und die Verkehrswende in Hamburg.

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8 Antworten auf „Jahresabo-Verlosung und weitere Sonder-Angebote: HVV will Erfolg des 9-Euro-Tickets fortsetzen“

Wenn dem HVV außer Rätselspielen mit Verlosung und mager ausgesattete Lockvogelangeboten nichts einfällt für eine Anschlusslösung zum 9-Euro-Ticket, dann gute nacht Frau Korbutt. Die in dem Artikel zusätzlich vorgesgtellten Angebote bestätigen doch nur wieder den von allen Seiten beklagten Tarifwirrwarr im deutschen ÖPNV. Aber vermutlich bremsen die hochbezahlten Ticketexperten und Teilnehmer an den Tarifabstimmugnsrunden eine einfache Flatrate- Lösung mit bundesweiter Gültigkeit. Der Zuschussbedarf bei einem 365-Jahresticket seitens des Bundes dürfte sich auf 2,5 Mrd. Euro eingrenzen lassen. Es sei angemerkt, dass in 2021 allein 5 Mrd. Euro für die Förderung von Citypanzern äh E-Mobilen/Plug-ins verballert wurden, da sollten doch wohl 2,5 Mrd. für eine sozialfreundliche Ticketstruktur drin sein.

Ich glaube, das liegt ein wenig außerhalb der Entscheidungshoheit von Frau Korbutt, da wäre Herr Dressel wohl eindeutig der bessere Ansprechpartner…

Wie kommen Sie auf die Mehrkosten von 2,5 Mrd. Euro? (Ich will das gar nicht anzweifeln oder kritisieren, ich würde gerne nur wissen, wie die Zahl zustande kommt?)

Die Autolobbyisten brauchen überhaupt nichts zu tun, solange sich der ÖPNV so präsentiert wie derzeit! Seit über 40 Jahren weiss man, dass die Menschen in den ÖPNV geholt werden sollen und dass die Kunden einfache Ticket-Angebote wollen. Die Branche war trotzdem von fridaysforfuture total überrascht und holte nur ihre veralteten Pläne raus und forderte erstmal dreistellige Milliardensummen.

Die ganzen Verbünde gehören abgeschafft und deren Verwaltungen und Aufsichtsgremien gleich mit, denn die kosten nur Geld.

Künftig sollte es eine Zwangsabgabe von 18 Euro im Monat geben. Dafür darf jeder ab 18 Jahren ab 18 Uhr den ÖPNV in der eigenen Homezone (drei mal 18 Kilometer) nutzen und an Wochenenden ganztags.

Über 18 Jahren gibt es zwei Optionen:

Monatlich 18 Euro dazu = ganztägig freie Fahrt in der Homezone (quasi drei mal 18 Kilometer Radius unabhängig von Kreis- oder Landesgrenzen). Menschen bis einschließlich 9 Jahre fahren ganztägig gratis, ab 9 Jahren zahlen sie 9 Euro/Monat.

Monatlich 18 Euro dazu = ab 18 Uhr und an Wochenenden deutschlandweit den Nahverkehr nutzen (Teenies 9 Euro). Anreiz für Autopendler, die Wochenendausflüge mit Bus und Bahn zu machen.

Werden beide Optionen zusammen gebucht = Deutschland-Flat im Nahverkehr.

Für ausländische Touristen gibt es künftig die 18 Euro Zwangsabgabe zusätzlich zur Übernachtungssteuer und sie können sich beide Optionen dazu buchen = alle Fälle abgedeckt.

Kosten ähnlich wie 69 Euro/Monat. Der psychologische Vorteil ist, dass niemand lange überlegen muss, ob es sich lohnt und alle Bürger über die Zwangsabgabe auch in den Randzeiten den Nahverkehr nutzen können.

Die FDP darf das einführen und in Memoriam von Möllemann und Westerwelle auch “Projekt 18” nennen. 😉

Was soll der Quatsch, für die Eingabe einen vorgegebenen Kalender zu benutzen. Bin 70 Jahre plus und soll 840 Klick vornehmen, um in mein Geburtsjahr zu gelangen. Lassen wir Mal besser. 🥴

Auf dem RE1 soll es ja zur Zeit katastrophale Zustände geben, da viele diese Verbindung als “S-Bahn-Beschleunigung” nach Bergedorf nutzen. So wird es zumindest im anderen Forum heiß diskutiert.
Klar, dass das Hauptproblem darin besteht, dass das Bahn- und ÖPNV-Abbauland Mecklenburg-Vorpommern nur einen Zwei-Stunden-Takt nach Rostock gestattet, was dann leicht zur Überfüllung führt. Aber trotzdem könnten die Bergedorfer Nutzer*innen etwas weniger egoistisch sein, und den nach MV Fahrenden Vortritt lassen.
(Wir haben bei der RB81 ja auch nicht solche komfortablen Zusätze, im Gegenteil. Dazu hatte ich vor längerer Zeit schon mal mit jemandem eine Maildiskussion, der mir einreden wollte, dass zwischen Bergedorfer und Rahlstedter Anbindung kein Unterschied bestehe.)

Übrigens wird im anderen Forum zur Zeit auch wieder heiß bezüglich Elbgaustraße und “Kaki” diskutiert und gar schon von einer S7 und S8 phantasiert. Da muss es ja ein unerhörtes Interesse geben.
Bei der S4 dagegen wurde wieder mal nur ein Satz hingeworfen, der zwar den Link auf die Seite von Herrn Buschhüter mit den umfangreichen Vorplanungen der nächsten Jahre beinhaltet. Interesse und Diskussion dazu aber Fehlanzeige. Auch kein Kontra auf einen anderen Vorschlag, die S4 bei “Innenstadt-Problemen” in Hasselbrook (ver)enden zu lassen.

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass bei uns so wenig ÖPNV-Interesse besteht. Dazu wäre eine Nutzungsstatistik nach Stadtregionen mal sehr interessant und hilfreich. So pauschal, wie vom >hvv angegeben, sagen dann die Erfolgsmeldungen doch nichts aus, wenn in Altona oder Eimsbüttel z.B. 40% mehr Leute mit dem ÖPNV fahren und in Wandsbek nur 2%.

das mit der R1 ist in der Tat problematisch, weil die S-Bahn ja auch zwischen Berliner Tor und Bergedorf nicht fuhr. Allerdings gab es als Alternative Expressbusse und die waren schon als temporärer Ersatz ganz ok. Viele – ich auch – haben es halt einmal mit dem R1 “versucht” und dann aufgegeben. Wenigstens wird nach 10 Jahren die Bauerei am Berliner Tor endlich zu Ende gehen und irgendwann muß man das ja mal reparieren.

tja Schade, daß die Autolobby die Weiterführung eines modifizierten Deutschland tickets für den Nahverkehr verhindert. Denn da geht es nicht um die Finanzierung, sondern darum, daß Pendler weiterhin meinen, auf das Auto angewiesen sein zu müssen, da der Kostenunterschied nicht so erheblich sei, sich aber lohn für höhere Bequemlichkeit und Zeitgewinn.
Wenn man ein Nahverkehrsticket anbieten würde für 69 EURO ohne Einschränkungen, eines für 49 EURO begrenzt auf das Bundesland, in dem gekauft wurd und die Angrenzenden und eins für 29 EURO mit Speerzeiten 06:00-09:00 und 16:00-18:00, dann würde nicht in 3 Monaten aber mittelfristig ein signifikantes Umsteigen vom Auto auf die Bahn/Bus stattfinden. Ein Pendler, der jeden Monat 200 bis 300 EURO sparen kann (ok, dafür dauert die Fahrt zur Arbeit etwas länger), wird ja nicht nur die Fahrt mit dem Auto sparen, sondern sich auch fragen, wozu er überhaupt ein Auto braucht (und ob car share nicht ausreicht). Und das wollen die Autolobbyisten natürlich verhindern. Schlimm daran ist natürlich, daß die Grünen das nicht einmal thematisieren geschweige auf ein Nachfolgeprodukt drängen.
Die Problematik mit der Überfüllung – es sah gestern schön merkwürdig aus als 22:30 in Bad Oldesloe mehr als 300 Fahrgäste in den Zug nach Neumünster einsteigen wollten – würde sich zum einen durch einen nachhaltigen Ausbau des ÖPNV über die Jahre erledigen. Kurzfristig würden aber auch die Fun Fahrten abnehmen, die nun einmal durch ein temporäres Angebot begünstigt werden. Gern bin ich auch bereit, meine etwas skeptische Ansicht zu revidieren; ich hatte befürchtet, daß Bahnpendler aufgrund von Überfüllungen nicht mehr zu Arbeit kommen.

Aber all das ist nur Träumerei: Deutschland will was seine gewählten Vertreter angeht, die Verkehrswende nicht und leider haben Autolobbyisten in Deutschland immer noch überall das einzige und letzte Wort.

Ganz so ists ja nicht – in der gestrigen PK hat Anjes Tjarks genau das von Dir beschriebene als Wunschziel ausgegeben: Ein mögl. bundesweit gültiges NV-Ticket, mit ermäßigten Preisen für bedürftige Personen.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie bei den aktuellen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung, Forschung, , Verkehrsbetrieben, Landespolitik usw. der Widerstand auf Bundesebene ernsthaft durchgehalten werden kann.

Interessant war die Frage eines Journalisten, ob denn das Mantra des HVV (sinngemäß: “Der Fahrpreis kann gerne höher sein, den Fahrgast interessiert nur die Qualität”) so noch Bestand haben könne. Darauf wurde nicht direkt geantwortet, aber viel von 7% Onlinerabatt, Ermäßigungen für Rentner, Kinder, Azubis und Studierende uswusf gesprochen.

Ich bin überzeugt, dass es ein Anschlussticket geben wird, dass der HVV dann erheblich seine Tarifstruktur anpassen muss, da die Zwei-Zonen-Karte schon mehr kostet als der 9€-Nachfolger, und dass sich die Situation mit den überfüllten Zügen außerhalb der Feiern und mit einem dauerhaft verfügbaren (und 7x teureren) Angebot schnell entspannen wird.

Spannend wird es sein, zu sehen wie weit sich der Anteil von 12 % Fahrten mit Verzicht aufs KFZ bundesweit bestätigen wird.
Das müsste der Porsche-Partei ja entgegenkommen, wenn die Straßen freier sind. 😉

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