Wohin steuert rot-grün beim Thema Verkehr

SPD und Grüne in Hamburg wollen miteinander Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Ein Knackpunkt dürfte das Thema Verkehr werden, bei dem die Positionen weit auseinander liegen. Während die Grünen selbstbewusst verhandeln wollen, warnte Bürgermeister Scholz gestern vor "Auto-Feindlichkeit".
Von Christian Hinkelmann
Eine moderne Stadtbahn in der französischen Hafenstadt Le Havre in Frankreich
Eine moderne Stadtbahn in der französischen Hafenstadt Le Havre in Frankreich

Die Weichen für Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen in Hamburg sind gestellt. Nach den Sozialdemokraten haben gestern Abend auch die Grünen auf einer Landesmitgliederversammlung entsprechenden Gesprächen zugestimmt.

Einer der spannendsten Punkte in den Koalitionsverhandlungen wird das Thema Verkehrspolitik, in dem SPD und Grüne weit auseinander liegen: Die Sozialdemokraten wollen ihr Busbeschleunigungsprogramm fortsetzen, die Grünen nicht. Die SPD will eine neue U-Bahnlinie, die Grünen eine Stadtbahn.

Noch ist offen, wer sich in welchem Punkt durchsetzen wird. Beide Seiten haben gestern aber schon einmal verbal aufgerüstet. So kündigte Fraktionschef Kerstan an, selbstbewusst in die Verhandlungen zu gehen und bei den Kernthemen der Grünen Akzente zu setzen.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wiederum fand im Rahmen einer Autohauseröffnung deutliche Worte, die man als Warnung an die Grünen verstehen kann: “In Hamburg setzen wir nicht auf „Auto-Feindlichkeit“ oder „Auto-Verbote“, sondern auf einen intelligenten Mix: auf einen attraktiven, klimafreundlichen und optimierten Öffentlichen Personennahverkehr, auf umweltfreundliche Autos, aufs Fahrrad. Und auf Car Sharing und Elektromobilität.”

Unterdes…

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23 Antworten auf „Wohin steuert rot-grün beim Thema Verkehr“

“Unterdessen rückt die CDU offenbar von ihrem eigenen Wahlkampfthema Stadtbahn ab.”

Nachvollziehbar. Die Stadtbahn ist halt extrem unbeliebt, weil sie für Hamburg ungeeignet ist und das Sonnerloch-Thema nervt (woran die Befürworter nicht ganz unschuldig sind). Daher war diese Festsetzung der CDU selbst im Wahlkampf verwunderlich, nachdem von Beust/Schill und Ahlhaus die Stadtbahn-Planungen im Namen der CDU in weniger als zehn Jahren zweimal beerdigt haben. Sollte tatsächlich irgendwer in Hamburg die Stadtbahn wünschen, dann wird er wohl gleich die Grünen wählen. Das bringt zwar nichts, aber ist immerhin ehrlich.

Was sagen eigentlich die Parteien zum Vorschlag der Handelskammer? Ich kann den in letzter Zeit eigentlich nur befürworten…

Ob die CDU deswegen so schlecht abgeschnitten hat, kann man, vorsichtig ausgedrückt, mal dahin gestellt lassen. Und ob ihr ein Abrücken von der Stadtbahn jetzt zum Vorteil gereicht ebenfalls. Die Grünen haben ja bekanntlich (u.a. mit dem Thema) dazu gewonnen.

Und, lieber Verkehrsfritze, mögen Sie dem geneigten Publikum ihre Thesen denn auch mal begründen? So von wegen “unbeliebt, weil ungeeignet” (Warum ist das ein Zusammenhang und warum ungeeignet?) und “Sonnerloch-Thema” (sic) (Ich hielt das für ein verkehrspolitisches Thema und zur Zeit ist Winter, wenn mich nicht alles täuscht.)

Dass die Grünen die Busbeschleunigung ablehnen, die einer Stadtbahn ebenfalls zugute käme, ist verwunderlich. Aber es passt in das grüne Weltbild, dass Verkehr vor allem langsam und beschwerlich zu sein hat.

Seit 30 Jahren wurde die Straßenbahn beerdigt, wieder ausgegraben und wieder beerdigt. Investitionen in den Busverkehr wurden bewusst vermieden, damit eine Straßenbahn besser glänzen konnte. Ein eindeutiges Bürgervotum hat diesen Spuk letztlich beendet und die längst überfällige Modernisierung des Busnetzes konnte starten. Dabei wurden entlang der Busstrecken die ebenfalls maroden Straßen und Versorgungleitungen erneuert – und genau das wird dieser Modernisierung jetzt zum Verhängnis.
Ich denke, der Weg die U- und S-Bahnen auszubauen und mit Bussen zu ergänzen ist gut. Ein weiteres Bahnsystem zusätzlich hilft da nicht wirklich.

Ich war jahrelang ein großer Anhänger der Stadtbahn, aber habe meine Meinung inzwischen geändert. Ich will das kurz begründen:
Viele europäische Städte zeigen, dass Stadtbahnsysteme verschiedener Form ein hoch attraktives ÖPNV-Angebot sind. Und das funktioniert auch in Städten unterschiedlicher Größe und Struktur. Gerade in Frankreich gab es seit 2000 eine ganze Welle unterschiedlichster Netzneubauten (Paris, Marseille, Nizza, Mulhouse, Lyon, Nantes, Bordeaux, Straßburg, Aubagne, Montpellier, Nancy… es sind viele!) Teilweise wurden dafür sogar Innenstadtstraßen komplett gesperrt, manche Netze sind mit Bahnlinien ins Umland verknüpft.
Dass in Hamburg für eine Stadtbahn kein Platz sei, kann ich vor diesem Hintergrund nicht gelten lassen. Es funktioniert (fast) überall! Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: In Hamburg wird nach meiner Wahrnehmung der Verteilungskampf um Verkehrsflächen besonders vehement und wenig pragmatisch geführt. Schon der Rückbau einzelner Parkbuchten wird Gängelung der Autofahrer angesehen, auch Busspuren (s. Stresemannstraße) stoßen auf verhältnismäßig wenig Akzeptanz. Dazu kommt auch eine Frage der Mentalität: Das Häuschen im grünen Speckgürtel war jahrzehntelang ein Ideal. Aber auch die (möglichst staufreie) grüne Welle zum Arbeitsplatz oder den Parkplatz direkt vor Karstadt möchte man nicht verzichten. Wozu hat man schließlich das Auto…
Die Folge der u.a. dieser festgefahrenen Diskussion: In den vergangenen 30 Jahren hat sich im Hamburger ÖPNV im Kern wenig verbessert. Andere deutsche Großstädte bieten engmaschige U- und S-Bahnnetze. Oder Stadt- und Straßenbahnen. Hier stehen wir vor dem inzwischen dritten Anlauf zu einem Stadtbahnnetz (nach rot-grün bis 2001 und schwarz-grün bis 2011).
Wieder gibt es also teure Planungen (die vielleicht kurz nach der Fertigstellungnach der nächsten Wahl wieder in der Tonne landen), wieder wird es Bürgerinitiativen, Volksentscheide und Gerichtsverfahren geben, sobald eine konkrete Trassenplanung auf dem Tisch liegt.
Meine Prognose: Es werden wieder viele verlorene Jahre und vergeudete Millionen sein!
Bei aller Liebe zur Stadtbahn, die viele Vorteile hat – baut endlich die U5, die S4 und die S21!!

Lieber VERKEHRSFUCHS,
Sie stecken viel tiefer in der EU-Strassenbahn-Übersicht drin, als ich; gleichzeitig geben Sie aber nach, wenn bei Veränderungen “gegen das Auto” Volkeszorn droht.
Wahrscheinlich haben Sie den heutigen Abendblatt-Artikel gelesen:
“Enteignung für den Klimaschutz?
Um die Erderwärmung zu stoppen, müssten 90 Prozent der Öl-, Kohle- und Gasreserven im Boden bleiben, sagen Experten”-
Das muss die Hauptmotivation für eine rein Physikalische Betrachtung sein, welches Verkehrsmittel am effektivsten ist – im Vergleich der Rollreibung GUMMIREIFEN-STRASSE und Stahlrad-Schiene. Wobei die Stadtbahn auch noch mit “Windstrom” fahren kann, wenn das Öl für die Busse immer knapper wird. Da hat sich Herr Tüpker von
http://www.pro-stadtbahn-hamburg.de/index.php/ct-menu-item-71 ausführlich zu Gedanken gemacht.
Gegen diese Physik kann keine BI gegen an stinken. Alleine reine Kaufleute und Rechtsanwälte der Stadt haben sich davon drängen lassen, die Stadtbahn aufzugeben.
Sie sind doch Fachmann und sollten weiter am Ball bleiben.
Na?
Besten Gruß @windotto

@verkehrsfuchs: Ihre Beobachtung lässt sich auch begründen. Durch die Staatsgrenze fährt die Hamburger S-Bahn anders als in München kaum ins Umland. Die wenigen Regionalzüge sind überfüllt und unattraktiv. Billiges Bauland gibt es nur weit weg von den Schienenstrecken. Im Umland begann das Bevölkerungswachstum auch eher als in Hamburg. Das sind inzwischen zehntausende Autofahrer, die nur per Auto zu Hamburger Arbeitsplätzen gelangen können.

Für diese Bewohner hat sich eine autogerechte Struktur am Stadtrand mit Einkaufszentren und Freizeitmöglichkeiten und auch Arbeitsplätzen entwickelt. Der so entstandene neue Autoverkehr lässt sich mit ÖPNV-Angeboten nie mehr zurückholen. Diese Menschen können nicht ohne Auto mobil sein. Wenn der Staat Straßenflächen durch Stadtbahnspuren “vernichten” würde, dann macht er einer sehr großen Zahl von Menschen einfach nur das Leben schwerer, denn nur ein ganz kleiner Teil davon könnte hinterher wirklich auf die Stadtbahn umsteigen. Es würde zehn oder 15 Jahre dauern bis das Stadtbahnnetz groß genug wäre um soviele Menschen zum Umsteigen zu bewegen und die Straßenfläche vielleicht (!) wieder für alle reicht. Darum wehren sich viele Autofahrer mit allen Mitteln gegen eine Umverteilung der viel zu geringen Straßenfläche und dass ihnen für bis zu einem Drittel ihres gesamten Arbeitslebens von der Politik der Arbeitsweg unnötig verlängert und erschwert wird.

Schlimmer noch: das hätte ähnliche Folgen wie ein City-Maut, weil die Menschen sich so etwas nie gefallen lassen: die Suburbaniniserung würde noch mehr zunehmen und noch mehr Arbeitsplätze und Kaufkraft aus Hamburg abziehen und noch mehr Aktivitäten an den Stadtrand verlagern: Folge dort würde eben noch mehr Auto gefahren als jetzt schon. Der ÖPNV spielt dort kaum eine Rolle CO2 lässt sich damit definitiv nicht reduzieren.

Bei aller Liebe zur Stadtbahn – aber das ist nie wirklich zu Ende gedacht worden. Daher ist es gut, wenn jetzt endlich auf U-Bahn gesetzt wird.

#Verkehrsfuchs:
Ihre Aufzählung der Probleme ist sehr treffend.
Nur begründen Sie damit nicht, weshalb Sie die Stadtbahn ablehnen.
Nur weil die Durchführungsversuche bisher schlecht, erfolglos und inkonsequent waren?
In Ihrem Beitrag begründen Sie ganz richtig, warum ein Volksentscheid gegen die Stadtbahn votieren würde, was allerdings die Probleme nicht löst.
Volksentscheide zu neuen Verkehrstrassen gehen immer in die Hose, siehe Aachen, Frankfurt(Oder) und und und…
Der nächste steht in Oberhausen an (SL 105 nach Essen)
Das Ergebnis ist vorhersehbar!
Leider siegen dabei immer nur persönliche Interessen. das Allgemeinwohl fällt hinten runter.
Um in Deutschland neue Stadt- und Straßenbahnprojekte durchzusetzen braucht es kluge, mutige Politiker, die gut und ehrlich rechnen und den A…- in der Hose haben, etwas auch gegen Anfeindungen durchzuziehen.

Welche Deutsche Stadt betreibt “Autofeindliche Politik”??? Mir fällt keine ein. Ernsthaft, falls jemand eine kennt möge er mir bescheid sagen. Aber haufenweise Städte die eine ÖPNV-freundliche Politik betreiben. Hamburg ist keine davon. Außerdem ist eine Auto-Feindlichkeit gar nicht nötig. Bei einer ÖPNV-freundlichen Politik steigen Autofahrer schon von selbst um. Nur mal so am Rande.

@R. Korte Ihre Argumentation ist, gelinde gesagt, ein wenig gestelzt und insbesondere ist Ihre Anreihung von Argumenten eben nur das. Oder gibt es irgendwelche Studien, die ihre Thesen unterstützen? @Ole Hinnerksen hat das eigentliche Problem genannt: Klugheit, Mut und dann am Ende auch Durchsetzungskraft in der Politik. Ich würde das noch erweitern: Das gilt nicht nur für Stadt- und Straßenbahnprojekte sondern für nahezu alle Verkehrsprojekte, z.B. auch Busbeschleunigung und U-Bahnbau. Und ist es mutig jetzigen Problemen mit U-Bahn-Längstfristplaunungen aus dem Weg zu gehen? Ob das viele Geld (sollte es sich denn anfinden) wirklich klug in eine U-Bahn investiert ist? Wir werden sehen.

Suburbanaisierung kann nebenbei auch was gutes sein, siehe Berlin.

Dann baut man halt die Stadtbahn, sie wird dann genutzt und schick is.

Dann kombiniert man’s notfalls mit der U-Bahn, man spart Geld im Gegensatz zur “vollwertigen” U-Bahn und schick is.

Dann sorgt man endlich für Querverbindungen und kommt von diesem
elendigen “Alles über Hauptbahnhof!”-Prinzip weg und schick is.

Man soll das nicht so beengt sehen. Jedes Problem hat eine Lösung!

Zunächst einmal: Vielen Dank für die interessante Resonanz auf meinen Beitrag!
@Heinz Otto: Es gibt sicher viele gute, ökologische Argumente die für eine Stadtbahn sprechen. Das gilt aber (zugegeben in unterschiedlichem Maße) für fast jede Form von ÖPNV im Vergleich zum Individualverkehr. Wenn es in fünf Jahren ein funktionierendes Stadtbahn-Grundnetz in Hamburg gäbe, würde ich es auch sofort unterstützen. Nur kommt die Diskussion darüber in Hamburg seit 15 Jahren nicht vom Fleck, die Fronten sind festgefahren und es gibt zeitweise oder auch an betroffenen Orten sogar eher Mehrheiten gegen eine Stadtbahn, obwohl die Idee der Wiedereinführung der “Straßenbahn” Ende der 90ger Jahre von viel Sympathie begleitet war.
Mein Plädoyer ist deshalb keines gegen das Verkehrssystem Stadtbahn, sondern für das konsequente Vorantreiben alternativer Projekte, die derzeit bessere Umsetzungschancen haben. Das gilt besonders für neue U-Bahnstrecken. Da hat es beim ersten Teilstück der U4 jedenfalls keine Bürgerentscheide und langwierige Prozesse gegeben. Zugegeben: U-Bahnen sind zwar erheblich teurer, haben aber eine deutlich größere Transport- und Erschließungskapazität. Und fragen Sie mal einen (Ost-) Berliner, ob er lieber die Straßenbahn oder U- und S-Bahn nutzt, wenn er oder sie die Alternative hat!
@ole hinnerksen und @Valentin: Sie haben recht: Politik sollte mutig sein und sich im Sinne der Allgemeinheit auch gegen Partikularinteressen durchsetzen. Nach meiner Wahrnehmung tut sie das häufig auch. Fakt ist aber auch: Die Hamburger haben sich für eine Volksgesetzgebung mit Volks- und Bürgerentscheiden ausgesprochen. Und es gibt in Deutschland weitreichende Klagemöglichkeiten und langwierige Verwaltungsgerichtsverfahren über mehrere Instanzen. Die Motive der Kläger mögen egoistisch sein. Aber selbst, wenn sie am Ende scheitern, gelingt ihnen eine “Blockade auf Zeit”. Wie lang wird es also dauern, bis eine Stadtbahn durch Eppendorf oder Winterhude fahren kann, wo viele Wohnungseigentümer gegen den vermuteten Wertverlust ihrer Immobilie klagen werden? Und wie lang verzögern sich Planung und Bau einer Stadtbahn, wenn ein Bürger- oder Volksentscheid aufschiebende Wirkung erlangt (also bis zum Tag der Abstimmung keine Fakten geschaffen werden dürfen. Auch das lässt sich einklagen und da sind die Verwaltungsgerichte meist sehr “bürgernah”)

Eine Stadtbahn ist absolut unrealistisch. Die Straßen sind voll. Die Stadt wird nach Kaltenkrichen, Ahrensburg, Geesthacht, Stade, Lüneburg hin wachsen. Fahrten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln sind unattraktiv, wenn es schnell gehen soll und die Fahrt zum und vom Arbeitsplatz nicht in Stress ausarten soll. Die Arbeit selbst wird schon immer stressreicher.

Die dezentralisierte Wirtschaftsform (heute 300 km zwischen zwei Arbeitsschritten, künftig mehr), der Internet-Versandhandel, Lebensmittel von überall nach überall (von Niedersachsen nach China, von Australien nach Saudi-Arabien). LKW müssen auch an ihre Ziele gelangen können. Sonst ist es nichts mehr mit dieser WIrtschaftsform, mit diesem so genannten “Reichtum” (was für ein Wort! bei soviel Armut) in Deutschland in einer globalisierten Welt im Griff der Finanzwirtschaft.

Mir kommt es so vor, als herrsche hier eine sehr eingeschränkte Stadtkern-Betrachtungsweise vor. Im realen Leben gibt es den Menschen in Berne, der in Lurup arbeitet. Den in Norderstedt Mitte, der in Barsbüttel arbeitet. Etc. Das Einkaufen wird auch immer konzentrierter. Leute aus Ellerbek kaufen in Eidelstedt ein. Etc.
Steigende Immobilienpreise in der Stadt führen auch dazu, dass Leute ins Umland ziehen. Elmshorn, Norderstedt, Bergedorf. Die müssen zu ihren Arbeitsplätzen und zu ihren sozialen Kontakten hinkommen. Und um 23 Uhr zurückfahren können. Von Langenhorn nach Rahlstedt oder Stellingen. Nach Glinde oder Winsen (nicht am Bahnhof).

Das mit dem letzten Tropfen Öl kann man übrigens vergessen. Jedenfalls für die nächsten 120 Jahre. Die Voraussage, das Öl wäre ca. 2045 alle (BP World Energy Report 2009) hat zu enormen Explorations-Anstrengungen geführt. Man weiß heute von riesigen Vorräten, mehr als der Mensch bisher verbraucht hat (BP-statistical-review-of-world-energy-2014-full-report.pdf). Und mit Shale Oil (“Fracking” und verwandte Methoden) lassen sich bestehende Lagerstätten viel stärker ausbeuten (z.B. kann Saudi-Arabien so noch dreimal soviel bringen). Das z.Zt. noch massenhaft abgefackelte Erdgas kann verflüssigt zur Verfügung gestellt werden.
Und last but not least steht mit Power-to-Liquid künftig eine Methode zur Verfügung, um aus elektrischem Strom einen Kraftstoff zu machen, der sich wie Superbenzin tanken lässt. Strom aus Windenergie, oder eben auch aus Kohle, die es noch reichlich gibt.

Der Beitrag des Öffentlichen Nahverkehrs ist enorm und unverzichtbar. Jedoch müssen bei einer realistischen Betrachtungsweise das Auto und der Lastwagen als unverzIchtbar angenommen werden.

@Tom.
Falls hier noch niemand vorgeschlagen hat “das Auto und den LKW zu ersetzen”, dann will ich das hiermit nachholen.

@ Verkehrsfritze
Ein sehr guter Kommentar, der die Sache auf den Punkt bringt.
Wer die Diskussionen der letzten Jahre und ebenso die Handlungen der Parteien beobachtet hat, stellt fest, dass man mit dem Thema Stadtbahn Schlitten gefahren ist.
Gegner und Befürworter haben allerdings sowohl gute und vernünftige Argumente vorgebracht, als leider auch unsinnige und vor allem ideologische. Für mich ist seit Jahren klar, dass das Thema nur noch von anderen Themen ablenkt, die den ÖPNV betreffen. Man will in meinen Augen nur auf Zeit spielen und man nutzt das Thema, um teure, schwierige, nicht populäre und aufwendige Maßnahmen hinauszuzögern bzw tot zu schweigen. Die anstehenden S-Bahn-Projekte sind eigentlich Selbstgänger und zudem “unvermeidlich”

@Tom

” Bei einer ÖPNV-freundlichen Politik steigen Autofahrer schon von selbst um. Nur mal so am Rande.”

Das sehe ich anders. Richtig starke ÖPNV-Zuwächse haben eigentlich nur Städte, wo der ÖPNV-Ausbau radikal das Auto verdrängt hat (s.z.B Frankreich) Das hat nichts mit freiwilligem Umstieg zu tun, sondern das ist aus der Not heraus knallhart durchgesetzt. Dort schreit aber (jedenfalls nicht hörbar) kein Autofahrer herum..Wer übrigens mal französische Großstädte in der Rush-Hour gesehen hat, der würde Hamburg als völlig staufreie und optimal funktionierende Autostadt bezeichnen..das nur mal am Rande:-) Auch HH hat in den letzten 10 Jahren zwar erheblichen Zuwachs an ÖPNV, OBWOHL man den MIV sozusagen in Ruhe lässt, aber das Blatt bringt man so nicht zum Wenden.
Was ich sagen will: mit “ÖPNV-Freundlichkeit” überzeugen sie nicht den Autofahrer. Einzelne, in Randgebieten wohnende Leute würden vielleicht umsteigen, wenn die Bahn vor der Tür hält, aber gegen die Ideologie des bornierten, ewig fordernden,egoistischen, bequemen und verwöhnten Menschen von heute ist kein Kraut gewachsen. Wer ernsthaft den ÖPNV annehmen will, der kann das schon jetzt in HH wunderbar tun. Den hintern zur Haltestelle bewegen, muss man aber schon. Diesen “Willen” sehe ich aber in dieser Stadt nicht. Um das deutlich zu ändern, müsste man einfach (wie in Frankreich) Straßen sperren und die Leute in den ÖPNV sozusagen zwingen.

@ Busfahrer

Muss leider Busfahrer zu seinem 2.Kommentar hier ein wenig Recht geben:

Paris in der Rush-Hour mit dem Auto, Ja ! Wer das mal erlebt hat, weiss um das Bangen einer ständigen Gefahr eines Blechschadens an seinem Auto. Das erste was wir mit dem Auto in Paris gemacht haben, war es in eine öffentliche Tiefgarage zu stellen und da blieb das Auto dann für die restlichen Tage der Reise auch stehen. In Paris würde ich auch deshalb jedem empfehlen, lieber mit der Metro zu fahren.

Zum Thema: “die Ideologie des bornierten, ewig fordernden,egoistischen, bequemen und verwöhnten Menschen…”

Ich saß neulich im M5 Richtung Niendorf zur HVZ. Am Rathausmarkt füllte sich dieser ziemlich extrem. Dort fragte eine junge Frau (so ein Mitte-20er Nobelweibchen mit ihren vielen Boutiquen-Papiertütchen in der Hand) den Busfahrer von draussen an der Haltestelle, während diese mit ihrem Smartphone telefonierte, ob der Bus nach Winterhude fahren würde. Der Busfahrer sagte: “Nein”. Wahrscheinlich dachte er aber genau das Gleiche wie ich: Mädchen lies mal, wenn du des Lesens mächtig bist, was am Haltestellenschild steht, was am Haltestellenaushang steht und was auf dem Bus-Zielanzeiger oben drauf steht. Oder wenn du nicht lesen kannst, frag dein ultra teures mit Strasssteinen besetztes Smartphone. Doch das wäre ja vermutlich zu umständlich gewesen, denn dann hätte sie ihr Telefonat ja unter Umständen beenden müssen. Ich denke, das Beste wäre für sie gewesen sich ein Taxi zu bestellen, wenn sie es schon nicht zu Fuß zum Taxistand (ca. 70 Meter entfernt) schafft.

Ich will das jetzt und hier zwar nicht pauschalisieren, aber es ist leider schon etwas Wahres dran, was Busfahrer hier schreibt, dass es solche bornierten, ewig fordernden, egoistischen, bequemen und verwöhnten Menschen gibt. Doch zum Glück leben nicht nur solche Leute hier in Hamburg.

@ Busfahrer

Ich denke zum Beispiel an Freiburg oder Karlsruhe. In letzterer Stadt lies der Verkehrsverbund mal verlauten 90% Der Kunden hätten ein eigenes Auto. Wer mal dort war wird feststellen dass man keine Spur von Autofeindlichkeit erkennen kann, aber dennoch der ÖPNV sehr hohe Anteile am Modal Split hat. Das Angebot stimmt einfach. Warum? Eben weil die Bahn vor der Tür hält, weil man den ÖPNV nicht als Verpfluchtung sondern als Indstrument der Stadt- und Regionalentwicklung betrachtet. Es geht also auch so. Vielleicht nicht zwingend in Hamburg, nur dann bräuchten wir ja auch keine U5 oder S4.

@ Busfahrer

“Richtig starke ÖPNV-Zuwächse haben eigentlich nur Städte, wo der ÖPNV-Ausbau radikal das Auto verdrängt hat (s.z.B Frankreich)” – radikal das Auto verdrängt? – Wo denn das? Wo sehen sie ÖPNV-Zuwächse, richtig starke? Der webseite nwww.epomm.eu/tems/compare_cities.phtml entnehme ich, dass kaum eine französische Stadt auf weniger als 50% Autoanteil kommt, wobei die Anzahl der Wege gezählt wurden, noch nicht mal die Personenkilometer.

Seit Jahrzehnten wird das Heil im Ausbau des kollektiven ÖPNV gesucht und seit Jahrzehnten bewegt sich praktisch NICHTS. Wie lange wollen Sie diese untaugliche Strategie noch fortsetzen, bevor Sie bereits sind über neue Wege nachzudenken?

@ Mr.C.
Herzlichen Glückwunsch! Und Dank an die Redaktion.

Zum Beispiel:

„Ich denke zum Beispiel an Freiburg oder Karlsruhe.“ (Tom).

Warum auch nicht? Es ist ja nicht verboten zu denken, auch nicht an Freiburg oder Karlsruhe. Aber warum gerade an diese beiden? „In letzterer Stadt lies der Verkehrsverbund mal verlauten 90% der Kunden hätten ein eigenes Auto.“

Wikipedia sagt zu Karlsruhe: „zweitgrößte Stadt des Landes Baden-Württemberg. … 297.000 Einwohner. … 1715 … als barocke Planstadt gegründet … Haupt- und Residenzstadt des ehemaligen Landes Baden. Charakteristisch für den ursprünglichen Stadtplan sind die 32 ringsum vom Schloss in die Parkanlagen und den Hardtwald … ausstrahlenden Straßen. Nur das südliche Viertel wurde zentrumsnah bebaut; seinem fächerförmigen Grundriss verdankt Karlsruhe den Beinamen „Fächerstadt“. …

Seit dem Bau der Badischen Hauptbahn ab Mannheim in den 1840er Jahren bzw. der Rheintalbahn bis Basel hat sich Karlsruhe zu einem wichtigen Bahnknotenpunkt entwickelt. Der Karlsruher Hauptbahnhof ist Haltepunkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz und gehört zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Bahnhofskategorie 1 der DB Station&Service.[55] Direkte Verbindungen mit dem deutschen ICE und einigen französischen TGV-Zugpaaren gibt es unter anderem nach Berlin, Hamburg, Köln, München, Amsterdam, Marseille, Paris und Zürich sowie zum Frankfurter Flughafen.“

Ein Beispiel, so definiert es der Duden, ist ein „beliebig herausgegriffener, typischer Einzelfall (als Erklärung für eine bestimmte Erscheinung oder einen bestimmten Vorgang); Exempel“.

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