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Kostenexplosion bei der U5 in Hamburg: Lohnt sich der Bau jetzt noch?

Der Bau der neuen U-Bahnlinie U5 in Hamburg verteuert sich massiv um mehr als eine Milliarde Euro. Damit wird die U5 zur teuersten Tunnellinie, die jemals in Hamburg gebaut wurde. Doch ein Ausstieg ist im Grunde keine Alternative. Bei einem Baustopp müsste die Stadt wohl ähnlich viel zahlen wie bei einem Weiterbau der kompletten Strecke…

Avatar von Christian Hinkelmann
Bauarbeiten für die U5 südlich der Haltestelle Sengemannstraße: Die beiden Gleise der U5 werden zwischen den bestehenden Gleisen der U1 liegen und schwenken dann auf Höhe der Kräne Richtung City Nord aus.
Bauarbeiten für die U5 südlich der Haltestelle Sengemannstraße: Die beiden Gleise der U5 werden zwischen den bestehenden Gleisen der U1 liegen und schwenken dann auf Höhe der Kräne Richtung City Nord aus.

Es war zu erwarten: Die massiv gestiegenen Baupreise durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg erwischen auch den Ausbau des Hamburger U-Bahn-Netzes mit voller Härte und lassen die Preise dort regelrecht explodieren.

Der erste Abschnitt der neuen U-Bahnlinie U5 zwischen City Nord und Bramfeld, der bisher schon mit einen relativ hohen Preis von 1,754 Milliarden Euro veranschlagt war, soll sich wegen der Inflation nun um weitere 1,1 Milliarden Euro verteuern. Das entspricht einem Kostenanstieg von 61 Prozent, wie das Hamburger Abendblatt am vergangenen Freitag berichtete und sich dabei auf eine interne Rechnung des rot-grünen Senats bezog. 2,857 Milliarden Euro soll das 5,8 Kilometer lange Streckenstück nach dieser neuen Berechnung nun kosten.

Zieht man die Kosten für eine zusätzliche U5-Betriebswerkstatt an der Sengelmannstraße ab, die offenbar in der Gesamtsumme enthalten sind, und kalkuliert diese mit ca 100 Millionen Euro, käme man auf einen reinen Kilometerpreis von umgerechnet 475 Millionen Euro. Damit wäre die U5 mit großem Abstand die teuerste jemals in Hamburg gebaute U-Bahn.

Zum Vergleich: Die U4 zwischen Jungfernstieg und HafenCity hat 84 Millionen Euro pro Kilometer gekostet, die Verlängerung zu den Elbbrücken 137. Auch die aktuell im Bau befindliche U4-Verlängerung in die Horner Geest kostet pro Kilometer nicht einmal halb so viel wie die U5. 215 Millionen Euro kalkuliert der Senat dort für jeden Streckenkilometer. Auch dort haben sich die Kosten inflationsbedingt deutlich verteuert. Bisher waren für die 2,6 Kilometer lange Strecke 465 Millionen Euro veranschlagt, nach jüngster Kalkulation sind es rund 561 Millionen Euro.

Die Reaktionen aus der politischen Opposition kamen prompt: Die LINKE-Verkehrspolitikerin Heike Sudmann warf dem Senat vor, bei der Planung der U5 keine Alternativen zum U-Bahn-Bau geprüft zu haben – beispielsweise eine Straßenbahn, die nach ihren Worten um ein Vielfaches günstiger sei. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Richard Seelmaecker, forderte im Abendblatt, eine „ehrliche Analyse“ der Kostensteigerungen, um im Anschluss zu prüfen, welche Kosten reduziert werden könnten.

In der Tat wirft die neue Kostenkalkulation in Bezug auf die U5 viele Fragen auf: Zahlt der Bund jetzt überhaupt noch Fördergeld? Was bedeuten die Zahlen für die weitere Planung? Lohnt sich der Bau der U5 überhaupt noch? Wird die Planung nun nachträglich abgespeckt und wo wäre das überhaupt möglich? Gab es in der Hamburger Verkehrsgeschichte schon einmal einen ähnlichen Fall und was lässt sich daraus lernen? Und warum sind die Hamburgerinnen und Hamburger eigentlich nie gefragt worden, ob Ihnen der Nutzen der U5 wirklich so viele Milliarden wert ist?

Dieser Artikel sucht nach Antworten auf die wichtigsten Fragen, schaut in die Hamburger Verkehrsgeschichte und erklärt, warum ein Abbruch der U5-Planung für die Stadt wahrscheinlich ähnlich teuer käme wie ein Weiterbau der kompletten Linie.

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Christian Hinkelmann, Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG

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