Das im vergangenen Frühjahr mit großem Tam-Tam eröffnete Fahrradparkhaus am U-Bahnhof Kellinghusenstraße kommt immer noch nicht so richtig in Schwung. Viele Radfahrerinnen und Radfahrer machen offenbar einen großen Bogen um die Anlage. Drinnen herrscht meist gähnende Leere. Das belegen auch aktuelle Zahlen, die der rot-grüne Senat kürzlich auf Nachfrage der Hamburger CDU-Fraktion nannte.
Demnach sind innerhalb der ersten acht Monate nach Eröffnung von den rund 400 kostenlos nutzbaren Stellplätzen im Haus durchschnittlich nur 30 belegt gewesen. Das entspricht einer Auslastung von unter 10 Prozent. Von den 145 abschließbaren Dauerstellplätzen waren im gleichen Zeitraum nur 29 vermietet (siehe hier).

Der Bund der Steuerzahler bezeichnete den drei Millionen Euro teuren Neubau bereits als „Millionengrab“, das NDR-Satiremagazin Extra3 nahm vor allem aufs Korn, dass das Zwei-Etagen-Fahrradparkhaus keine befahrbaren Rampen und schlecht erkennbare Eingänge hat – eine Tatsache, die auch bei Radfahrenden in den sozialen Netzwerken mit Kopfschütteln und Häme quittiert wurde (mehr dazu hier).
Kann Hamburg etwa keine richtigen Fahrradparkhäuser bauen? Fast ein Jahr nach Eröffnung spricht jetzt der Architekt und Planer der Anlage im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview darüber, warum das Haus so aussieht, wie es aussieht, wieso die Rampen nicht befahrbar sind, was die Fahrradnation Niederlande aus seiner Sicht besser macht und warum er glaubt, dass das Fahrradparkhaus doch noch ein Erfolg werden könnte.
NAHVERKEHR-HAMBURG: Herr Hein, sind Sie Fahrradfahrer?
Mathias Hein: Ja, und auf meinem Grundstück in Niendorf parkt mein Elektro-Smart mit eigener Ladebox.
NAHVERKEHR-HAMBURG: Sie haben zahlreiche öffentliche Verkehrsbauten in Hamburg geplant und realisiert: den barrierefreien Umbau der U-Bahn-Haltestellen Lübecker Straße, Rödingsmarkt, Dehnhaide und Uhlandstraße, die Hochbahnbrücke Kajen, das U-Bahn-Viadukt Binnenhafen, sowie die Busumsteigeanlagen Wandsbek-Markt und Billstedt. Dann auch das Fahrradparkhaus Kellinghusenstraße, das ein wenig aus der Reihe fällt, da es nicht ein Bahnbauwerk im engeren Sinne ist. Wie kam es dazu?
Mathias Hein: Es war eine öffentliche Ausschreibung, für die wir uns zusammen mit dem Ingenieurbüro für Tragwerksplanung Weber-Poll beworben haben. Für uns war das eine Bauaufgabe, bei der wir uns, wie bei allen anderen Projekten, zuerst mit der Aufgabenstellung und den konkreten Nutzungsanforderungen auseinandergesetzt haben. Mit dem Unterschied, dass diese Aufgabenstellung hinsichtlich Machbarkeit, Lage und Größe zunächst in einem vorgeschalteten Arbeitsgang gemeinsam mit dem Auftraggeber und vielen anderen Entscheidungsträgern erarbeitet wurde. Wir haben die gesamte Entwicklung also von Beginn an begleitet, was mit der Standortsuche für einen geeigneten Bauplatz rund um die Haltestelle Kellinghusenstraße begann.
NAHVERKEHR-HAMBURG: Wie war die Ausgangslage?
Mathias Hein: Vor dem Planungsbeginn gab es über einen Zeitraum von 1,5 Jahren verschiedene Verkehrszählungen. Es wurden im Schnitt 50.000 Umstiege an…
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