Lübeck kritisiert: Deutsche Bahn trickst bei Stresstest

Eine Analyse der Lübecker Stadtverwaltung lässt kaum ein gutes Haar an einem DB-Stresstest zum dortigen Knotenpunkt. Die Bahn arbeite methodisch unsauber und ziehe falsche Schlüsse. Damit behindere sie Zukunft des Personen- und Güterverkehrs mit der Eisenbahn in Norddeutschland sowie nach Skandinavien. Das sind die Kritikpunkte.
Paul Meerkamp
Der Lübecker Hauptbahnhof: Knotenpunkt für zahlreiche Regionalverkehrslinien, Fern- und Güterverkehr. (Foto: NAHVERKEHR HAMBURG)
Der Lübecker Hauptbahnhof: Knotenpunkt für zahlreiche Regionalverkehrslinien, Fern- und Güterverkehr. (Foto: NAHVERKEHR HAMBURG)

Der Lübecker Hauptbahnhof ist nach Kiel der zweitgrößte Bahnknoten Schleswig-Holsteins. Jeden Tag steigen hier rund 31.000 Menschen ein, aus oder um. Acht Regionalzuglinien kommen aus allen Himmelsrichtungen zusammen, zudem gibt es spärlichen Fernverkehr und viele Güterzüge von und zu den Lübecker Häfen, die ebenfalls durch den Hauptbahnhof müssen.

Und dabei soll es in den nächsten Jahren nicht bleiben: Sobald der Fehmarnbelttunnel nach Dänemark eröffnet wird, soll fast der gesamte deutsche Skandinavien-Bahnverkehr via Lübeck abgewickelt werden. Außerdem wird zusätzlicher Güterverkehr zu den Lübecker Häfen erwartet und die Stadt Lübeck würde außerdem noch gern den Regionalverkehr rund um die Stadt ausbauen.

Schon lange weist die Hansestadt an der Trave darauf hin, dass der bisherige Schienenknoten dafür kaum ausreichen und zum Flaschenhals werden dürfte.

Jetzt hat die Deutsche Bahn offenbar endlich reagiert und einen lang geforderten Stresstest durchgeführt. Das Ergebnis schmeckt der Lübecker Baubehörde allerdings überhaupt nicht. Sie kritisiert die Untersuchung scharf und wirft der Deutschen Bahn Tricksereien vor.

NAHVERKEHR HAMBURG erklärt, worum es im Detail geht.

Es ist ein Wort, mit dem Laien nicht viel anfangen können: „Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung“ – kurz: EBWU. Einfach ausgedrückt verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff eine Art Stresstest. Eine Analyse, die untersucht, wie gut eine Eisenbahnanlage funktioniert und wie zuverlässig sich in Simulationen verschiedene Fahrplanszenarien fahren lassen.

Und genau das hat die Deutsche Bahn-Tochter DB Infrago jetzt offenbar in Lübeck durchgespielt. Damit sollte geklärt werden, ob die geplante Infrastruktur in und um Lübeck den künftigen Anforderungen des Deutschlandtaktes, der neuen Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) und künftiger Pläne für den Nahverkehrsausbau gewachsen ist.