Mit drei Jahren Verspätung: Neue Elektrozüge für Schleswig-Holstein sind da

Mit dreijähriger Verspätung gehen im Dezember neue Elektro-Doppelstockzüge zwischen Hamburg, Kiel und Flensburg in Betrieb. Gestern wurde das erste Fahrzeug vorgestellt.
Christian Hinkelmann
Präsentation des ersten neuen Elektro-Doppelstock-Triebzugs vom Typ 445 am 13.9.2017 in Kiel
Präsentation des ersten neuen Elektro-Doppelstock-Triebzugs vom Typ 445 am 13.9.2017 in Kiel
Foto: NAH.SH

Eigentlich sollten die neuartigen Doppelstock-Elektrotriebwagen schon seit Ende 2014 in Schleswig-Holstein fahren – doch die Produktion beim Hersteller Bombardier verzögerte sich immer wieder – um letztendlich ganze drei Jahre.

Jetzt sind sie endlich da. Gestern hat der schleswig-holsteinische Verkehrsverbund NAH.SH in Kiel das erste Fahrzeug vom Typ ET445 der Presse präsentiert.

Ab dem 10. Dezember sollen die neuen Züge auf den Strecken Hamburg – Kiel und Hamburg – Flensburg fahren und den Fahrplan deutlich beschleunigen. Künftig soll die Fahrt zwischen Hamburg und Kiel nur noch 70 Minuten dauern. Das sind sieben Minuten weniger als bisher. Außerdem werden künftig pro Stunde zwei durchgehende Verbindung zwischen den beiden Städten angeboten. Der derzeit noch bei jeder zweiten Verbindung nötige Umstieg in Neumünster entfällt.

Fahrt zwischen Hamburg und Kiel wird sieben Minuten schneller

Auf der Strecke zwischen Hamburg und Flensburg verkürzt sich die Fahrzeit durchgängig auf zwei Stunden. Derzeit dauern hier einige Verbindungen noch 20 Minuten länger, weil in Neumünster umgestiegen werden muss. Das ist künftig nicht mehr nötig.

Möglich sind die kürzeren Fahrzeiten und wegfallende Umstiege, weil die neuen Elektrozüge in Neumünster geflügelt werden. Das bedeutet: Ein doppelter Triebzug fährt von Hamburg nach Neumünster und wird dort geteilt. Ein Teil fährt nac…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Dicht gedrängte Menschen in einem HVV-Regionalzug während der Corona-Pandemie.

Mehr Abstand in Zügen auch nach Corona?

Social Distance könnte auch nach der Pandemie ein dauerhaft wichtiges Qualitätskriterium bei Fahrgästen bleiben. Wie Verkehrsunternehmen und Fahrzeugdesigner darauf reagieren und warum der Nahverkehrsverbund in Schleswig-Holstein kapitulieren muss.

S-Bahnen am Hamburger Hauptbahnhof

Neues Liniennetz für die Hamburger S-Bahn?

Seit 40 Jahren ist das S-Bahnliniennetz in Hamburg fast unverändert. SPD und Grüne wollen es jetzt auf den Prüfstand stellen. Kommt eine große Reform? Das sind die Hintergründe.

10 Antworten auf „Mit drei Jahren Verspätung: Neue Elektrozüge für Schleswig-Holstein sind da“

Jetzt bin ich aber gespannt, ob wir auf der RB81 auch endlich wieder besseres Wagenmaterial bekommen, nachdem wir die letzten Jahre für Kiel/Flensburg “bluten” mussten. Es müssten ja nun moderne Dostos wieder frei werden, wenn die Twindex im Nordwesten zum Einsatz kommen.
(Besonders “kundenfreundlich” fand ich im Sommer, dass oftmals ein 4-Wagenzug mit zwei 1.-Klasse-Einheiten fuhr, meistens gerade auf dem Oldesloer Umlauf.)

Auch bisher gab es einen annähernden Halbstundentakt zwischen HH und Kiel, einmal RE 70 und einmal die Kombination RE 7 HH – FL mit Umsteigen in Neumünster in RB 77 nach Kiel (mit zusätzlichen Zwischenhalten in Einfeld und Flintbek). Gefahren werden RE 7 HH-FL meines Wissens mit 5 Wagen, HH-Kiel mit 6 (in verkehrsschwächeren Zeiten auch 5) und RB 77 mit 4 Wagen, alles Doppelstock.

Da ist das neue Angebot platzmäßig wohl durchaus knapper kalkuliert als die Meldungen suggerieren. Ein Vorteil immerhin: Für Fernreisende nach/von Kiel war die Verbindung mit RB77 unattraktiv, die zusätzliches Umsteigen in NMS erfordert, in Richtung Süden grundsätzlich inklusive Wechsel des Bahnsteiges. D.h. die Fernreisenden werden sich jetzt besser verteilen.

Gespannt sein darf man, ob die versprochenen Fahrzeitverkürzungen haltbar sind. Nicht zuletzt muss ja mindestens ein Zug pro Stunde zwischen NMS und Kiel alle Bahnhöfe bedienen, um die wegfallende RB 77 zu ersetzen.

@Oliver: Die Waggons fahren schon seit einem Jahr zwischen Hamburg und Kiel hin und her, nur eben noch mit den alten Triebwagen. Also ja, es werden jetzt schon DS-Wagen eingesetzt.

Hmm, da muss man wohl ein wenig rechnen …
zurzeit fahren 2 Verbindungen pro Stunde nach Neumünster, wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, bleibt das so, immer in Doppeltraktion, also 2 Züge mit je 4 Wagen.
Ich mach mal eine Tabelle, um zu sehen, ob das mit den 17 Zügen (alle über Nacht in HH) aufgeht:

Stunde 0,0: Zug 01 + 02 ab HH
Stunde 0,5: Zug 03 + 04 ab HH
Stunde 1,0: Zug 05 + 06 ab HH, Zug 01 an KI
Stunde 1,5: Zug 07 + 08 ab HH, Zug 03 an KI, Zug 01 ab KI
Stunde 2,0: Zug 09 + 10 ab HH, Zug 05 an KI, Zug 03 ab KI, Zug 02 an FL
Stunde 2,5: Zug 11 + 12 ab HH, Zug 07 an KI, Zug 05 ab KI, Zug 04 an FL, Zug 02 ab FL, Zug 01 an HH
Stunde 3,0: Zug 01 + 13 ab HH, Zug 09 an KI, Zug 07 ab KI, Zug 06 an FL, Zug 04 ab FL, Zug 03 an HH
Stunde 3,5: Zug 03 + 14 ab HH, Zug 11 an KI, Zug 09 ab KI, Zug 08 an FL, Zug 06 ab FL, Zug 05 an HH
Stunde 4,0: Zug 05 + 15 ab HH, Zug 01 an KI, Zug 11 ab KI, Zug 10 an FL, Zug 08 ab FL, Zug 07 an HH
Stunde 4,5: Zug 07 + 16 ab HH, Zug 03 an KI, Zug 01 ab KI, Zug 12 an FL, Zug 10 ab FL, Zug 09 + 02 an HH
Stunde 5,0: Zug 09 + 02 ab HH, Zug 05 an KI, Zug 03 ab KI, Zug 13 an FL, Zug 12 ab FL, Zug 11 + 04 an HH

Natürlich stehen Nachts nicht alle Züge in HH, aber ich wollte mit dieser Tabelle auch nur sehen, ob das System “rund” laufen kann. Der 17. Zug ist vermutl. erforderlich, damit immer einer in Inspektion stehen kann.

Vielleicht ist das auch alles totaler Quatsch, aber es hat Spaß gemacht darüber nachzudenken 😉

Die Frage ist, wieviel Platz bieten 4 DS-Wagen im Gegensatz zu 6 bis 7 normalen Wagen. Oder werden auf den Strecken auch jetzt schon Doppelstöcker eingesetzt?

Zudem sollen auch auf dem RE70 weiterhin Wagen älterer Bauart eingesetzt werden. Zum einen, damit die Züge des RE1, RE8, RE80, RB81 ins Bw nach Kiel kommen, und zum anderen weil ein Reserve Triebwagen sicherlich nicht ausreichen wird.

Soweit ich es verstanden habe, wird es nen ungefähren halben Stundentakt zw. Kiel und Hamburg geben. Eines der Züge werden in Neumünster geteilt, so dass pro Stunde eine doppeltraktion und ein normaler nach Kiel fährt. Der Stundentakt nach Flensburg bleibt dabei erhalten

Bei insgesamt 17 Zügen mit wie in den Kieler Nachrichten (05.07.17) zu lesen war, heißt das doch, dass sich das Angebot zwischen Hamburg und Neumünster deutlich verschlechtert: Der Zug Hamburg — Kiel verkehrt künftig nur bei 1 von 4 Zügen in Doppeltraktion (8 Wagen), wohingegen heute alle Züge mit 6 oder 7 Wagen verkehren. Der Zug Hamburg — Flensburg verkehrt durchgehend mit Doppeltraktion und schafft damit etwas mehr Kapazitäten zu dem heutigen Niveau.

Das wird doch ab dem 11. Dezember spätestens ab Elmshorn Hauen und Stechen geben, um in den Kieler Zug, der dann grundsätzlich bei drei von vier Fahrten mit zwei bis drei Wagen weniger als heute fährt, zuzusteigen – oder hab ich das Betriebskonzept nicht richtig verstanden?

“Ein doppelter Triebzug fährt von Hamburg nach Neumünster und wird dort geteilt. Ein Teil fährt nach Kiel weiter, der andere Teil nach Flensburg.” Wo steht denn dort, dass zwischen Hamburg und Neumünster nur jede vierte Fahrt in Doppeltraktion gefahren wird?

Es wird ein Halbstundentakt zwischen Hamburg und Kiel angeboten (zwei Züge pro Stunde), bei dem die Züge in Doppeltraktion von Hamburg aus starten und bis Neumünster fahren. Dort angekommen wird der Zugverband geteilt, ein Teil fährt weiter nach Kiel, der andere nach Flensburg. Umgekehrt kommen zwei einzelne Züge jeweils aus Kiel und Flensburg und bilden ab Neumünster bis Hamburg eine Doppeltraktion.

Der zweite Takt nur bis Kiel fährt entweder durchgehend in Doppeltraktion oder ein Triebwagen verbleibt in Neumünster.

So verstehe ich das Konzept. Heißt im Grunde, aus RE7 und RE70 wird eine neue Linie mit zwei nördlichen Endpunkten in Kiel und Flensburg und einem südlichen in Hamburg.

Entsprechend der Mitteilung von Pro Bahn SH fühle ich mich bestätigt:

“Die Regionalexpress-Linie 70 wird um rund 8 Minuten beschleunigt und verkehrt mit einem Doppelstock-Triebwagen. Montags bis freitags werden einzelne Züge in Lastrichtung mit einem zweiten Doppelstock-Triebwagen verstärkt.”

Also auf dem Kieler-RE nur einzelne Züge in Doppeltraktion…

http://pro-bahn-sh.de/?p=2805

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.