Mobilitätsstudie: Hamburger fahren weniger Auto und mehr ÖPNV

Die Hamburger fahren weniger Auto und dafür mehr Bahn als noch im Jahr 2018. Das ist das Ergebnis einer neuen Mobilitätsstudie. Der Radverkehr hat nur wenig zugenommen.
Von Christian Hinkelmann
Menschen steigen in eine U-Bahn am Hauptbahnhof in Hamburg
Menschen steigen in eine U-Bahn am Hauptbahnhof in Hamburg

Die Menschen in Hamburg sind im vergangenen Jahr weniger mit dem Auto und stattdessen mehr mit dem Öffentlichen Nahverkehr gefahren als noch im Jahr 2008.

Das geht aus der neuen Großstudie “Mobilität in Deutschland” des Infas-Instituts im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hervor, für die zwischen Mai 2016 und September 2017 bundesweit rund 155.000 Haushalte zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt wurden. In Hamburg nahmen rund 12.000 Menschen in rund 7.000 Haushalten an der Studie teil.

Die Studie ist für Städte und Gemeinden eine wichtige Grundlage bei verkehrspolitischen Entscheidungen und Investitionen.

Auto bleibt meistgenutztes Verkehrsmittel in Hamburg

Laut der Analyse bleibt das Auto das mit Abstand meistgenutzte Verkehrsmittel in Hamburg. 36 Prozent aller Wege in der Stadt werden weiterhin mit dem Auto durchgeführt. Allerdings ist das deutlich weniger als noch im Jahr 2008. Damals waren noch 42 Prozent mit dem Auto unterwegs – ein Rückgang von 6 Prozentpunkten in neun Jahren.

Zweitbeliebteste Mobilitätsform ist das Zu-Fuß-Gehen. Sie liegt fast unverändert bei 27 Prozent.

Hamburger fahren öfter mit Bahnen und Bussen

Angestiegen ist dagegen der Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs: 2008 hatten die Hamburger noch 18 Prozent ihrer Wege mit Bahnen, Bussen und Fähren zurückgelegt, inzwischen sind es 22 Prozent – ein Zuwachs von 4 Prozentpunkten.

Radverkehr ist in neun Jahren nur um drei Prozentpunkte gestiegen

Nur leicht angestiegen ist dagege…

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12 Antworten auf „Mobilitätsstudie: Hamburger fahren weniger Auto und mehr ÖPNV“

Die Befragung ist ja erstmal nur die Rohstoffbeschaffung für quantitative und qualitative Auswertungen des Mobilitätsverhaltens. Das war bei früheren MiD-Untersuchungen nicht anders. Bemängeln könnte man aber, dass es ziemlich lange gedauert hat. Zuvor hatte man nur die Ergebnisse von 2008. Da hat das BMVI bzw. die beauftragten Institute auch noch den Fehler gemacht, regelmäßig zu verkünden, dass es bald so weit ist. Aber nun denn, Geschichte lässt sich nicht ändern und vielleicht läuft’s nächstes mal — gerne ohne zehn Jahre Abstand — besser. Jährliche Minischwankungen, die schon durch einen statistischen Fehler bei repräsentativen Stichproben entstehen können, sind ja verkehrsplanerisch uninteressant (und höchstens für fachfremde oder spitzbübische Politiker von Nichtregierungsparteien), aber so alle drei bis fünf Jahre wäre frisches Datenmaterial ganz charmant. Warum es aber noch immer die Trennung im Deutschen Mobilitätspanel (MOP) gibt, weiß vermutlich nicht einmal der neue Verkehrsminister, der derzeit viele (innerparteiliche) Baustellen hat, aber leider keine aus den Bereichen Mobilität und Verkehrswesen…

Ich finde die Interpretation der Zahlen etwas merkwürdig. 4% Anstieg beim ÖPNV werden als viel angesehen, 3% beim Rad als wenig. Dabei ist der Anstieg von 12 auf 15% eine Steigerung von 25%, während der Anstieg von 18 auf 22% nur eine Steigerung von 22% ist.

Die ÖPNV-Entwicklung in den fast vier Jahrzehnten seit 1982 finde ich absolut ernüchternd.
Der Anteil am Gesamtverkehr schwankt knapp um oder über 20 Prozent. Das zeigt trotz aller Jubelmeldungen von Senat und HVV, dass sich das öffentliche Verkehrssystem nicht grundlegend verändert oder gar verbessert hat. Und schon der Fahrgastzuwachs der vergangenen 4-5 Jahre ist für das System z.T. kaum zu verkraften, wie die Klagen über überfüllte S-Bahnen und Busse zeigen.

Andere Städte haben in diesen Jahrzehnten in den Schienenverkehr investiert – egal ob S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn oder Regionalzüge. Das ist für Strecken über 3 Kilometer eine echte Alternative zum Auto oder zum Bus, der sich auch nur durch überfüllte Straßen quält.

Inzwischen gibt es auch für Hamburg neue U- und S-Bahnpläne. Aber man kann wirklich nicht behaupten, dass sie energisch vorangetrieben werden. Ein Vorlauf von 10 Jahren bis zum ersten Spatenstich! Und trotz aller Planung meist noch Bauverzögerungen. (Flughafen S-Bahn, S4, U5, S21…).
Das ist nun absolut nicht Weltstadtniveau, das Hamburg sonst so gern für sich in Anspruch nimmt.

Stattdessen wird an Nebenschauplätzen “rumgehühnert”: Elektro-, Wasserstoff- oder Hybridbusse sind zwar interessant – aber sie bringen keinen einzigen Fahrgast mehr für den ÖPNV. Für die Nutzer sind es in der Praxis eben auch nur Busse – wenn vielleicht auch saubere. Und auch der barrierefreie Ausbau ist zwar gut und richtig. Aber auch hier bringen die investierten Millionen nur einen überschaubaren Fahrgastzuwachs.

Fazit: Ernsthafte und energische Bemühungen, den ÖPNV zu stärken, kann ich in Hamburg derzeit nicht erkennen.

Schöne wäre es gewesen, wenn die Infas-Studie auch mal Vergleichzahlen aus andren europäischen Metropolen (z.B. Amsterdam, Wien, Kopenhagen) zum Vergleich dargestellt hätte. Dann würde sich zeigen, dass Hamburg im internationeln Vergleich ganz schön alt aussieht! Dieselfahrverbote sind reine Symbolpolitik. Was einzig hilft, ist der konsequente Ausbau der Radwege (bitte schön, dann mal auch den Investitionsetat nach den heutigen Modal-Splitanteilen aufteilen!!!) und der Elektromobilität durch den Aufbau eines Straßenbahnnetzes in Hamburg, aber da hersscht ja bekanntlich Denkverbot.

Interessant wäre auch eine Auswertung über die Strecke und den Grund, warum das Auto bevorzugt wird oder eben nicht. Daraus ließe sich ableiten, ob der Radverkehr überhaupt noch ausbaufähig ist. Vielleicht sind die restlichen Fahrten über 15km und es werden über 100kg transportiert (nicht der Fahrer;)
Ich kann mir ja nicht vorstellen, dass heute noch jemand die 500m zum Bäcker mit dem Auto fährt oder für 2km zur Arbeit das Auto anschmeißt. ODER?

Auch wenn es nicht vorstellbar ist, mach ich es trotzdem. Aus meiner Tiefgarage in der Warnstedtstraße 59 bis zur Kleinen Kondotorei in der Warnstedtstraße 32 sind es bis zur Ladentür 350 Meter. Leider ist dort manchmal eine Schlange von Wartenden. Dann stell ich das Auto halt irgendwo ab und muss die letzten 10 Meter gehen.
Warum ich das mach? Weil ich es mir leisten kann!

Was mich am meisten wundert ist, dass für ganz Deutschland (analog auch für Hamburg) die absoluten Wege pro Tag mit dem PKW zwischen der Erhebung 2008 und 2017 spürbar rückläufig sein sollen. Das bei gleichzeitig beständig steigenden zugelassenen PKW (auch in HH, siehe jährliche Statistiken Kraftfahrzeugbundesamt bzw. DeStatis), deutlich mehr Straßen(aus)bau als Investition in den ÖPNV. Das gleiche gilt übrigens für die Wege zu Fuß. Die Wege mit dem Fahrrad sind nahezu konstant. Dass der ÖPNV in Hamburg über die Jahr zulegt, dass sehe bzw. spüre ich rein subjektiv auch, dass allerdings der PKW in absoluter Anzahl der Wege abgenommen und somit der prozentuale Anteil des ÖPNV gegenüber dem PKW-Verkehr in Deutschland und auch speziell in Hamburg zugelegt haben soll, kann ich subjektiv für viele Ecken in HH nicht nachvollziehen. Wäre schön wenn mal jmd. schreibt, bei dem rund ums Haus in HH praktisch kaum noch PKW-Verkehr wahrnehmbar ist 🙂

Zulassung sagt erstmal wenig über Nutzung. In Hamburg nimmt die Anzahl autofreier Haushalte zu. Gleichzeitig gibt es aber auch mehr Zweit- und Drittwagen, insb. in den Elbvororten, Walddörfern, im Alstertal, in den Vier- und Marschlanden sowie in gallischen Dörfern wie Moorburg. Da eine Person aber nicht zwei Fahrzeuge gleichzeitig fahren kann, sondern seine Fahrleistung weitestgehend beibehält, sinkt aufgrund der “neuen” Haushalte ohne Fahrzeug die Fahrleistung als Ganzes. Zum anderen beinhalten Zulassungen auch Dienstwagen, Carsharing etc. pp., während bei der MiD vor allem nach privaten Nutzungen (Einkauf, Arbeitsweg, Freizeit, …) gefragt wird. #mussmanwissen

Nichtsdestotrotz hängt es natürlich auch davon ab, wo man wohnt. Wer ein Großbauprojekt im Nacken hat, das einen gängigen Parkplatzschlüssel aufweist, wird wohl spürbar mehr MIV-Verkehre feststellen. Zudem sind die Grenzen administrativer Entitäten nicht einfach zu ignorieren. Da müsste man schon die Agglomeration oder besser gleich die gesamte Metropolregion erfassen. Schenefeld ist nun auch nicht weiter weg von der City als Bergedorf.

@Verkehrsfuchs: in weniger öffentlichen Veranstaltungen hört man öfter mal, dass die Steigerungsraten im ÖPNV deutschlandweit nur die absolute Steigerung des Verkehrs abbilden, aber keine Steigerung des Modal-Split-Anteils sind. Wenn Hamburg tatsächlich eine Steigerung um vier Prozentpunkte geschafft hat, dann ist das ein großartiger Erfolg. Gerade weil die Schnellbahn-Dichte nicht so hoch ist.

@Markus: Hamburg hat fast flächendeckend Tempo 30 in den Wohngebieten und viele Schleichwege verpollert. In diesen Nebenstraßen ist es ruhig geworden. Das bedeutet automatisch auch, dass es auf den Hauptstraßen voller geworden ist, weil dort nun viel mehr Autos fahren.

Außerdem hat Hamburg nur wenige Ost-West-Querrungen über die Alster, an denen sich traditionell der Verkehr staut. Da viele Autofahrer an diesen Punkten vorbei kommen, erleben sie auch immer Staus. Auch der Fernverkehr von Osten nach Nordwesten muss immer noch durch die Stadt fahren.

Ferner gibt es viele Baustellen. Vor allem nach Fertigstellung der A7 sollte im Stadtgebiet die Entspannung fühlbar werden.

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