Einen unpassenderen Zeitpunkt hätte es nicht geben können: Hamburg, Freitagnachmittag, 15:45 Uhr. Der Feierabend- und Ab-ins-Wochenende-Verkehr lief gerade an, zehntausende Menschen strömten in die Bahnstationen, die S-Bahnen fuhren im Höchsttakt und auf St. Pauli stand ein Hochrisiko-Fußballspiel gegen Hansa Rostock kurz bevor, das die Polizei schon Stunden vor dem Anpfiff mächtig in Atem hielt.
Und dann passierte es: Am Hauptbahnhof, dem Epizentrum des Hamburger Bahnsystems, krachte ein Hilfszug der Deutschen Bahn gegen die Ernst-Merck-Brücke und blieb hängen. Ein Container rutschte teilweise von einem Wagen und stellte sich auf den S-Bahn-Gleisen quer. Sieben Menschen der Hilfszug-Besatzung wurden dabei verletzt. Der Zugverkehr am Hauptbahnhof wurde daraufhin komplett eingestellt. Keine S-Bahn, kein Regionalzug, keine Fernbahn durfte an dem Knotenpunkt mehr fahren – zwei Stunden lang. Der S-Bahn-Verkehr brach im ganzen Netz zusammen. Zig Züge strandeten auf freier Strecke in der Innenstadt, weil der Strom abgestellt wurde. Fahrgäste berichteten, dass sie teilweise anderthalb Stunden lang in den Zügen festsaßen. Sieben Bahnen wurden im Laufe des Abends evakuiert. Feuerwehr, Bundespolizei und DB holten knapp 1.600 Menschen aus den Fahrzeugen und brachten sie zu Fuß zur nächsten Haltestelle.
HVV-App zeigt störungsfreien Betrieb an
Besonders brisant: Die HVV-App und die Fahrplanauskünfte auf bahn.de, bzw. hvv.de wussten auch Stunden nach dem Unglück noch nichts von der Sperrung und zeigten weiterhin einen pünktlich fahrenden S-Bahn-Verkehr an. Damit lockten Sie noch weitere Menschen falsch informiert ins Chaos. Auch auf den Bahnsteigen und auf anderen digitalen Informationskanälen haperte es offenbar. Die S-Bahn Hamburg informierte zwar eine Viertelstunde nach dem Unfall erstmals bei X (ehemals Twitter) über eine „schwere Betriebsstörung am Hauptbahnhof“ und schob rund eine Stunde nach dem Unglück auf Ihrer Website weitere Informationen hinterher, doch in den sozialen Netzwerken beschwerten sich zig Fahrgäste über zu späte und zu unkonkrete Infos. „Fahren die S-Bahnen überhaupt über den Hbf (wenn ja, welche?) oder fallen die aktuell komplett aus? Könntet ihr ein bisschen konkreter sein mit eurer Kommunikation?“, monierte etwa der X-User „Detailgeschrei“. Auch an den Bahnsteigen fehlten offenbar Durchsagen: „In Hammerbrook ist gerade eine Bahn aus Neugraben eingefahren die jetzt wieder Richtung Stade zurückfährt. Keine Info, warum, nichts …“, so die X-Userin „Gisa“.
S-Bahn informierte Hochbahn mit großer Verzögerung
Und auch die Kommunikation zwischen der S-Bahn und der Hochbahn, die die U-Bahnen und die meisten Buslinien in Hamburg betreibt, funktionierte offenbar nicht richtig. Das ist zumindest der Vorwurf vom Verkehrsclub Deutschland. Alexander Montana, der zum Hamburger Vorstand des Verbands gehört und nebenbei für die Hochbahn als Busfahrer arbeitet, war während des Bahnunfalls als Busfahrer unterwegs und hat die Folgen des Unfalls direkt zu spüren bekommen. Nach seinen Schilderungen hat die S-Bahn die Hochbahn viel zu spät über den Unfall informiert.
Im Interview mit NAHVERKEHR HAMBURG schildert er, wie lange die Hochbahn-Leitstelle offenbar noch nichts von der Großstörung wusste, was sich in seinem Bus abspielte und welche Verbesserungen er bei der Fahrgastinformation fordert.
NAHVERKEHR HAMBURG: Alexander Montana, Sie waren als Busfahrer auf der Metrobuslinie 25 unterwegs, als der Unfall am Hauptbahnhof passierte. Wie haben Sie davon erfahren?
Alexander Montana: Ich stand…
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