Neue Gebührenpflicht: Auslastung der P+R-Anlagen in Hamburg sinkt weiter

Nach Einführung der Kostenpflicht ist die Auslastung der Park-and-Ride-Anlagen in Hamburg auch im vergangenen Jahr weiter gesunken. Aber es gibt jetzt scheinbar eine Trendwende.
Christian Hinkelmann
Gespenstischer Anblick: Das komplett leer stehende Parkdeck der P+R-Anlage an der Elbgaustraße an einem Werktag (Dienstag, 7. August 2018)
Gespenstischer Anblick: Das komplett leer stehende Parkdeck der P+R-Anlage an der Elbgaustraße an einem Werktag (Dienstag, 7. August 2018)

Seit Sommer 2014 müssen HVV-Fahrgäste, die ihr Auto am Stadtrand auf einem Park-and-Ride-Parkplatz abstellen und den restlichen Weg in die Hamburger City umweltfreundlich mit der Bahn zurücklegen, für ihren Parkplatz Geld bezahlen – ursprünglich 200 Euro im Jahr.

Seitdem haben offenbar immer mehr Autofahrer einen großen Bogen um die P+R-Plätze gemacht, denn die Parkanlagen wurden spürbar leerer (siehe hier).

Auslastung der P+R-Plätze lag 2018 nur noch bei 59 Prozent

Auch im vergangenen Jahr ging die Auslastung weiter zurück, wie das Hamburger Abendblatt berichtet und sich dabei auf Antworten des rot-grünen Senats auf eine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering stützt.

Demnach lag die Gesamtauslastung aller von “P+R” betriebenen 7.600 Stellplätze im vergangenen Jahr nur noch bei 59 Prozent. Vor Einführung der Gebühr im Jahr 2013 waren es noch rund 85 Prozent.

Auslastung in Neuwiedenthal fällt von 90 auf 27 Prozent

Besonders drastisch ist die Nutzungszahl zum Beispiel im P+R-Parkhaus Neuwiedenthal gesunken: 2013 lag die Auslastung laut Verkehrsbehörde noch bei 90 Prozent (siehe hier), im vergangenen Jahr waren es nur noch 27 Prozent.

Auch die Zahl der verkauften Jahreskarten für Park-and-Ride-Plätze ist weiter gesunken: Wurden im Jahr 2017 noch 94…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Ein U-Bahnzug vom Typ DT5 auf der Linie U3 an den Landungsbrücken in Hamburg mit Bewegungsunschärfe

Hochbahn: Fahrgäste kommen schneller zurück als gedacht

Fahrgastzahlen liegen seit vergangener Woche wieder auf Vor-Corona-Niveau. Dafür waren die finanziellen Verluste im vergangenen Jahr bei der Hochbahn so schlimm wie seit langem nicht mehr. Das sind die Zahlen im Detail – und die geplanten Zukunftsprojekte.

Großes Vorhaben: Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke will das Netz in den nächsten Jahren digitalisieren.

Diese Vorteile soll die digitale S-Bahn den Fahrgästen in Hamburg bringen

Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke im Interview über den bevorstehenden Fahrgasteinsatz der ersten automatisch fahrenden Züge, welche Verbesserungen die Technik im Alltag bringen soll und wie weit die Planungen an der Strecke nach Harburg sind, damit dort künftig mehr Bahnen fahren können.

Für den Bau dieser Wagenhalle muss das Gelände neben der U1 an der Feuerberstraße großflächig abgesenkt werden.

Fotoreport: So weit sind die Bauarbeiten für Hamburgs neue U5

Seit neun Monaten laufen die Vorarbeiten für die neue U-Bahnlinie 5 zwischen der City Nord und Bramfeld. Was wurde bis jetzt geschafft? Wie weit sind die Arbeiten inzwischen? Und was steht in den nächsten Monaten an? Wir waren entlang dem künftigen U-Bahn-Verlauf unterwegs.

7 Antworten auf „Neue Gebührenpflicht: Auslastung der P+R-Anlagen in Hamburg sinkt weiter“

Die Lösung ist ganz einfach: (Mehr oder weniger) Flächendeckende Parkraumabgabe in Hamburg, gestaffelt nach Einwohnerdichte. Dann sinkt auch der sog. “Parkdruck” außerhalb der Parkhäuser.

Also woher kommt einfach die Idee dass die Leute die nicht mehr P+R benutzen jetzt den ganzen Weg mit dem Auto fahren? Die Untersuchungen die ich aus Grossbritannien kenne zeigen dass in solchen Situationen einige dann den ganzen Weg mit Bussen und Bahnen fahren.

Insbesondere bei stadtnaeheren P+R-Anlagen (Bahrenfeld!) ist es sehr wahrscheinlich dass jetzt insgesamt weniger Auto gefahren wird: Zwar werden jetzt einige 2x7km mehr fahren, aber wenn Leute aus, z.B., Neu Wulmstorf jetzt den ganzen Weg mit der Bahn fahren (oder Leute aus Elstorf, wo es keine Bahn gibt, in Neuwulmstorf in die Bahn steigen), dann sind das 2x23km weniger. D.h. es muss bei solchen stadtnahen P+R-Anlagen nur wenige Leute auf Busse und Bahnen umsteigen, und trotzdem wird insgesamt weniger Auto gefahren…

In den Kostenvergleich sollte ein kostenpflichtiger Stellplatz in der Innenstadt einbezogen werden (10€-20€..?).
Zur Historie: Das Umland hatte vor der Einführung der Hamburger Gebühren selbst Gebühren eingeführt. Wäre HH bei dem “FreiParken” bei P+R geblieben, wäre es verlockend gewesen, aus dem Umland mit dem Auto (statt mit der Bahn) nach HH zu fahren und dort das Auto kostenfrei abzustellen. So hat HH preislich nachgezogen.
Was fehlt bei der aktuellen Preisreform: B+R-Nutzer mit HVV-Abo sollten auch nur die Hälfte zahlen müssen für ihre abschließbaren Stellplätze!

Wenn die Entscheider sehen wollen wie und wohin die Pendler ausweichen, sollten sie mal morgens in die innerstädtischen Wohnviertel rings um U-Bahnhöfe kommen, z.B. Schlump, Lattenkamp usw., da gibt es mörder Parkplatzsuchverkehr von Pinnebergern, Elmshornern, Heidern, Segebergern, usw.. Einige von denen sind meine Kolleginnen, die sich im grünen Speckgürtel von Hamburg ein Häuschen (samt Zweitwagen) geleistet haben, und wegen ab 7 Uhr voller oder eben “teurer” P+R-Plätze statt dessen bis in die Innenstadt kurven. GLÜCKWUNSCH!!!

Hallo, wer ein Auto besitzt und daher eh alle allgemeinen Betriebskosten tragen muss rechnet nicht mit 0,40 Cent je Kilometer, im obigen Beispiel verbraucht man 1 – 1,5 Liter Benzin, dazu etwas Verschleiß, dann ist man für die Strecke deutlich unter 3 Euro. Finanziell lohnt sich Nahverkehr bei Autobesitzer aus meiner Sicht nur bei längeren Strecken, wer auf sein Auto verzichten kann hat aber im Nahverkehr eine dann günstige Alternative, soweit er zur Verfügung steht. Ich steige in den Nahverkehr um, aber nicht weil es günstiger ist und Zusatzgebühren wie für P + R sind daher durchaus entscheidend.

Wer seine Mobilitätskosten so schönrechnet, belügt sich aber schon etwas selbst. Das sind dann oft Leute, die ins Umland ziehen, weil da die Mieten doch so günstig sind. Und dann muss der zweite Pkw gekauft werden. Die Strecken werden länger und öfter. Taxiunternehmen Mama kennt jeden Winkel des Landkreises in- und auswendig. Aber hey, 300 Euro weniger kalt und nur eine Stunde länger zur Arbeit pro Tag.

Zudem schreibt der Autor ja, die Annahme ist ein kostenloser Parkplatz bei der Firma. Am Jungfernstieg unwahrscheinlich, wenn man nicht gerade Geschäftsführer eines größeren Unternehmens ist. In der Hafencity gibt’s zwei Parkhäuser. Kostenpunkt sind im Abo 150 bis 180 Euro für den Pkw-Stellplatz. Die HVV-Proficard (AB) kostet den Arbeitnehmer maximal 54 Euro, plus ggf. 20 Euro für den P&R-Stellplatz. Das sind keine 3 Euro am Tag.

Bleibt natürlich die Frage, warum die Stadt Autofahrern unbedingt billiges Parken auf Kosten des Steuerzahlers ermöglichen soll. Öffentliche Parkplätze sind ja schon, um die Wortwahl des Bundesautoministers zu nutzen, mit dem gesunden Menschenverstand nicht in Einklang zu bringen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie finden Sie eigentlich unsere Wochenrückblicke?

Lesen Sie diese Rubrik regelmäßig? Was finden Sie daran gut oder schlecht? Ihre Meinung interessiert uns! Wir haben fünf kurze Fragen an Sie. Es dauert nur wenige Sekunden.