Neue S-Bahnlinie S4: Zwei neue Brücken und das Risiko der Inflation

Nachdem der Bau der S4 in den vergangenen Monaten kaum sichtbar vorankam, wurden vorgestern zwei neue Brücken eingehoben. Wofür sie gebraucht werden, wann die Baugenehmigungen für die weiteren Streckenabschnitte kommen sollen, wie der aktuelle Zeitplan aussieht und was die Inflation für die Kostenkalkulation bedeutet.
Christian Hinkelmann
Am vergangenen Samstag wurden am S-Bahnhof Hasselbrook zwei neue Brücken installiert – sie sind aber nur indirekt für die S4.
Am vergangenen Samstag wurden am S-Bahnhof Hasselbrook zwei neue Brücken installiert – sie sind aber nur indirekt für die S4.
Foto: Christian Hinkelmann

Seit zwei Jahren laufen die Bauarbeiten an der neuen S-Bahnlinie S4, die in Zukunft zwischen Hamburg und Bad Oldesloe fahren und die Regionalbahnlinie RB81 ersetzen soll. Doch während die Bauarbeiten im Bezirk Wandsbek anfangs sichtbar voran kamen, drängte sich in den vergangenen Monaten mehr und mehr der Eindruck auf, dass entlang der Baustelle nur noch wenig passiert.

Aufmerksame NAHVERKEHR HAMBURG-Leserinnen und Leser meldeten, dass es seit dem Frühjahr kaum sichtbare Baufortschritte gegeben habe und zweiweise nur einzelne Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Baustelle zu sehen waren. „Dass es dort kaum vorangeht, ist auch unser Eindruck“, bestätigte Stefan Barkleit, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn im September.

Auch die offizielle Bauwebcam auf der S4-Projektseite der Deutschen Bahn dokumentiert, dass im vergangenen halben Jahr auf der Hauptbaustelle nahe des S-Bahnhofs Hasselbrook kaum Sichtbares passiert ist. Die monatlichen Informationsschreiben der Deutschen Bahn an die Anwohnenden an der Strecke vermitteln zudem den Eindruck, dass es zwischen April und August im Wesentlichen nur Leitungsarbeiten und Kampfmittelsondierungen gab.

Und: Der vor knapp einem Jahr für die S4-Bauarbeiten überraschend schnell geschlossene Regionalbahnhof Wandsbek ist bis heute nicht abgerissen worden. Für betroffene Fahrgäste, die deswegen seit Dezember vergangenen Jahres auf Busse umsteigen müssen, eine ärgerliche Tatsache.

Ist der anfängliche Schwung beim S-Bahn-Bau inzwischen passé? Hat das Bahnprojekt möglicherweise sogar Verspätung?

Bahn: „sind gut in der Zeit“

Diesen Eindruck will die Deutsche Bahn nicht bestätigen. „Es gibt keine Bauverzögerung“, betonte eine Bahn-Sprecher vor einigen Wochen auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage. „Wir haben im ersten Bauabschnitt ohne Verzug unsere Arbeiten verrichtet – nur halt nicht immer am gleichen Ort.“

Und auch die Projektleiterin der S4, Amina Karam, erklärte Mitte September vor dem Verkehrsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft, man „sei gut in der Zeit“, was die Bauaktivitäten im ersten Bauabschnitt angehe.

Der Hamburger SPD-Verkehrspolitiker Ole Thorben Buschhüter, der die S4 seit vielen Jahren vorantreibt und fast täglich mit dem Zug an der Baustelle vorbeifährt, bestätigt zwar den Eindruck, dass es in den vergangenen Monaten wenig größere Bauarbeiten an der neuen Strecke gegeben habe – aber: „es gab fast täglich Verände…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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7 Antworten auf „Neue S-Bahnlinie S4: Zwei neue Brücken und das Risiko der Inflation“

Hat der Einhub der Behelfsbrücken über der GUB nicht eher etwas mit den durch die Bauarbeiten aufgetretenen Schäden an der Bestandsbrücke zu tun, die offensichtlich ersetzt werden muss?
Der Abzweig der künftigen zweigleisigen Verbindungskurve liegt noch östlicher als die bereits neu gebaute S4-Brücke über die Hammer Straße und hat meiner Meinung nach keine Auswirkung auf die Kreuzung der GUB.

PS: Wie konnte man den Info Point gerade unbedingt weiß gestalten? Das war doch voraus zu sehen.

Bei Betrachtung des Bilds von der Einfädelung frage ich mich, warum die S-Bahn in Hasselbrook ohne einen zusätzlichen Bahnsteig auskommt, die Hochbahn aber bei derartigen Gleisführungen nicht. Gerade bei der Horner Rennbahn wird derzeit deshalb doch ein sehr aufwändiges Bauwerk erstellt.

Die Weiche unten links im Bild stellt ein Risiko dar. Nun weiß ich nicht, inwieweit ein Überfahren eines roten Signals noch möglich ist und ich frage mich, warum es überhaupt noch Zugführer braucht. Na ja, die S-Bahn zeigt ja schon Ansätze zum automatischen Fahren.

Abgesehen vom Risiko, was vielleicht keines ist, wird diese Weiche wohl immer wieder zu Wartezeiten auf freier Strecke führen, was ja eigentlich auch ganz normal ist. Vielleicht ist der weitere Bahnsteig in Volksdorf, Barmbek, am Schlump und bald auch in Horn nur ein sehr teurer Luxus der Hochbahn.

Abgesehen davon habe ich schon seit vielen Jahrzehnten den Eindruck, dass in Hamburg beim Schnellbahnbau – egal ob Hochbahn oder S-Bahn – stets die Luxus-Ausführung gewählt wird. Daher dauert es hier auch meist fast ein Menschenleben lang, bis mal irgendwann was vorankommt.

Die dreigleisige Gestaltung der Haltestelle Horner Rennbahn hat mit der Sicherheit im Tunnel der Strecke zu tun und soll sicherstellen, dass es stadteinwärts keinen Stau gibt, wenn es auf einer der beiden Linien zu Verzögerungen kommt. Dann können sowohl U2 als auch U4 am Bahnsteig halten. Stadtauswärts ist das unproblematisch, da die Tunnelstrecke bereits gemeinsam befahren wird.

dann wollen wir mal so gläubig sein wie der gute Herr Buschhüter (und ich meine das nicht zynisch. Buschhüter ist wirklich bemüht und fleißig aber gegen die Bahn in ihrem jetzigen Zustand kommt er doch auch nicht an.) Daß die Bahn nicht nur in Hamburg Bauvorhaben nicht zeit und preisgerecht umsetzen kann bzw. will, dafür gibt es unzählige Belege. (siehe nur Ottensen) Und das SH seine Planungskapazitäten seit Jahrzehnten nicht richtig aufsetzt, das ist ja auch nichts Neues. Es ist grotesk, daß für ein Bauvorhaben, wo im Grunde genommen ja lediglich Trassen freigeräumt (und das ja sichtbar bereits geschehen) und dann Schienen verlegt werden müssen, Bauzeiten von 6 Jahren erforderlich sind, ist grotesk. Uns läuft wegen dem Klimawandel die Zeit davon und die Bürokratie tut so als würde man eine Modeleisenbahn bauen und diese wird ja bekanntlich auch nie fertig.
Man soll aber auch nicht naiv sein: So inkompetent ist die Bahn nicht; man hat halt nur die Priorität, möglichst billig zu bauen und dann rum zu jammern, daß das Geld nicht reicht weil es zu Bauverzögerungen gekommen ist. Wenn wir im privaten Bereich uns so wie die Bahn verhalten würden, dann säßen wir alle längst im Knast.

Hallo flieg wech, der Prellbock hat im Zusammenhang mit der neuen Verzögerung bei Ottensen wieder mal die S4 als Feindbild entdeckt. Die hätte wegen der Abstellgleise (als Ersatz für die künftig wegfallenden in Hasselbrook) Schuld an der Verzögerung und wäre sowieso ein falsch geplantes Projekt.

Allerdings hat Prellbock insoweit natürlich völlig recht, daß die Bauverzögerungen in Ottensen ein einziger Skandal sin – wobei die Begründung von Prellbock teilweise etwas schräg ist.
Dass es der DB AG offensichtlich sch..ß egal ist wie ihre Projekte vorankommen, darf man wohl nicht nur unterstellen, sondern als gegeben betrachten.

Ja, das finde ich immer lustig, die Extreme zu beobachten.
Typisches Userverhalten bei Drehscheibe online, wenn ein seit zwanzig Jahren nicht mehr genutzter Güteranschluss stillgelegt wird: “Skandal, so klappt die Verkehrswende nie”. Baut man mal zusätzliche Abstellgleise, um flexibler zu sein, kommt Prellbock direkt auch mit “Skandal, völlig unnötig um die Ecke.”

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