Neue Zahlen setzen den Senat unter Druck: Wo Hamburgs Verkehrswende im Alltag scheitert

Neue Mobilitätsdaten widersprechen der politischen Erfolgserzählung. Bei Rad-, Fuß- und öffentlichem Nahverkehr wächst der Frust – und beim HVV zeigt sich ein Befund, der für Hamburgs Verkehrspolitik besonders heikel ist.
Paul Meerkamp
Viele Menschen erkunden Hamburgs neue (temporäre) Fußgängerzone am Rathaus
Braucht es in Hamburg mehr Fußgängerzonen wie diese temporäre Variante am Rathaus 2019? Neue Daten deuten darauf hin.

Viele Menschen würden sich gerne anders fortbewegen, scheitern aber an den Rahmenbedingungen. So fahren immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger inzwischen nur noch selten Auto, einige wenige schaffen sogar ihren eigenen Wagen ab. Doch das bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Menschen in der Hansestadt mit der Qualität der Fuß- und Radwege oder dem Angebot des öffentlichen Nahverkehrs vollends zufrieden sind – im Gegenteil.

Laut neuen Ergebnissen der Befragungsreihe „Mobilität in Deutschland 2023“ (kurz: MiD), die im Januar veröffentlicht wurden, sinkt die Zufriedenheit mit dem so genannten Umweltverbund. Die befragten 16.490 Hamburgerinnen und Hamburger, darunter auch Kinder, gehen mit der Hansestadt kritisch ins Gericht. Denn in der Befragung konnten für jedes…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Paul Meerkamp besitzt, seit er zehn Jahre alt ist, eine ÖPNV-Dauerkarte. Der Politik- und Datenjournalist wohnt in Kiel. Nach der Arbeit düst er gerne mit dem Rad oder der Fähre zum nächsten Strand. Seine Recherchen drehen sich oft um Statistiken und Gesetzesänderungen.

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8 Antworten auf „Neue Zahlen setzen den Senat unter Druck: Wo Hamburgs Verkehrswende im Alltag scheitert“

Der Artikel hält gut den vollmundigen Ankündigungen des Senats einen Spiegel vor und dann zerplatzen diese wie Seifenblasen. Anstatt jahrelang Fußgänger, RAdfahrer und auch Atuofahrer mit Großbaustellen wie bei der U4-Verlängerung und dem U5-Bau zu nerven, könnte man beim Bau von Straßenbahn- statt U-Bahnlinien und den Ersatz überfüllter Busse durch STraßenbahnen schneller punkten und reale Verbesserungen für die ÖPNV-Nutzer schaffen, als beim derzeitigen Ausbaukonzept des Senats. Warum können nicht können nicht lange Verkehrsachsen durch Wohngebiete als Fahrradstraßen ausgeweisen werden, aber für Autorfahrer durch Poler so abgesperrt werden, dass sie nicht als Schleichwege genutzt werden? Die berechtigte hohe Unzufriedenheit der Radler rührt auch aus der mangelnden Pfelge und Reinigung der Bestandsradwege (zur zeit gut beim Winterdienst zu beobachten). Die auch häufig auf Radwegen herumliegenden E-Scooter tun ihr Übriges. Warum kann diese Seuche nicht einfach wie in Paris und Prag verboten werden? Pikanerweise gibt es diese Dinger in China, wo die alle produziert werden überhaupt nicht, sind schlicht nicht zugelassen!!! Also Herr Senator, da ist viel Luft nach oben, auch wenn das Geld knapp ist. Voraussetzung dafür ist aber die Verabschiedung von unrealsitschen U-Bahnträumen.

Ich habe den Eindruck, dass allseits „wachsender Frust“ mit Gewalt aus den Statistiken herausgequetscht wird. Schlechte Nachrichten sorgen halt für Aufmerksamkeit. Eine sinkende überdurchschnittlich hohe Zufriedenheit ist noch lange kein Frust. Die Ansprüche aller Verkehrsteilnehmer sind halt höher geworden, was sicher auch auf die medienwirksame Lobbyarbeit der einzelnen Interessenverbände zurückzuführen ist. Unter dem Strich steht für mich hier eine durchaus hohe Zufriedenheit aller Verkehrsteilnehmer, die so manchen Lobbyverband Lügen straft. Allenfalls die Unzufriedenheit der Radfahrer fällt aus dem Rahmen; aber gerade die ist m.E. extrem durch deren Interessenverband getriggert. Elne Anmerkung noch: die Erläuterung der Statistiken ist verdienstvoll, aber warum fällt der Autor in plumpe und populistische Mutmaßungen zurück, wenn er etwa die Unzufriedenheit von Fußgängern spekulativ den Autofahrern in die Schuhe schieben will. Genauso wahrscheinlich könnte die Unzufriedenheit an den immer wieder erlebten Fahrradrambos oder auch dem jüngst in China umgefallenen Sack Reis liegen.

Moin Linie 15,

mit Blick auf Erwartungen einer schnellen Verkehrswende und die sinkende Zufriedenheit mit dem Umweltverbund erscheint mir der Begriff „Frust“ durchaus passsend. Frust meint qua definitionem ein Gefühl der Enttäuschung, das entsteht, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Das passt also durchaus zu Ihrer Annahme gestiegener Ansprüche.

Ihren Vorwurf des Populismus möchte ich ausdrücklich zurückweisen. Die Stelle zu den Falschparker:innen auf Gehwegen ist im Konjunktiv geschrieben und mit der Einleitung „unter anderem“ versehen. Selbstverständlich gibt es hier – wie so oft im Leben – keinen monokausalen Zusammenhang.

Wir haben uns bei NAHVERKEHR HAMBURG aber sehr intensiv mit dem Thema Falschparken beschäftigt und dabei gravierende strukturelle Probleme gefunden, unter anderem mit fehlenden Lieferzonen, uneindeutig gekennzeichneten oder nicht baulich geschützten Flächen sowie seltenen Kontrollen an bestimmten Wochentagen:
Teil 1: Falschparker:innen auf Businfrastruktur
Teil 2: Falschparker:innen auf Radwegen
Teil 3: Falschparker:innen auf Gehwegen etc.

Radfahrer:innen auf Gehwegen werden sicherlich auch zum Unwohlsein von Fußgänger:innen beitragen, das ist unbenommen. Hier interagiert aber die Situation auf Gehwegen mit der teilweise mangelhaften Radinfrastruktur: Je schlechter die Verkehrsführung für den Radverkehr, umso höher die Wahrscheinlichkeit von Gehwegradlern.

Beste Grüße
Paul Meerkamp

So schlecht sind die Umfragewerte doch gar nicht! Die Unzufriedenheit hat meines Erachtens seit Corona in fast allen Bereichen zugenommen. Warum, weiß ich auch nicht. Vielleicht sind die Menschen einfach kritischer geworden. Dennoch sollten wir uns lieber an den guten Zustimmungswerten für die Verkehrsinfrastruktur erfreuen, als die wenigen schlechten Bewertungen so in den Vordergrund zu stellen. Und vor allem freut euch doch, dass der ÖPNV so grandios abschneidet!

Kurzer Hinweis: Im zweiten Absatz fehlt das Ende des Satzes, er endet aktuell mit einem Komma: „Denn für die Befragung konnten für jedes Fortbewegungsmittel Schulnoten vergeben,“

„Wo Hamburgs Verkehrswende im Alltag scheitert:“ Interessante Analyse mit vielen Fakten. Ich würde es jedoch sehr begrüßen, wenn journalistisch klar zwischen Bericht und Kommentar unterschieden würde.

Moin Herr Kühl,

danke für Ihr Lob und Ihre Rückmeldung. Die Analyse und der Kommentar sind durch die Überschrift „Kommentar: Senat verzettelt sich mit Streit um Einzelfälle“ getrennt. Oder meinen Sie, sie hätten diese lieber in zwei getrennten Artikel mit eigenen Unterseiten gelesen?

Beste Grüße
Paul Meerkamp

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