Neuer Fernbahnhof Altona: LINKE befürchtet Finanzierungslücke

Anfrage der LINKE ergibt, dass der Bund nur 251 Millionen für den Bahnhofsneubau zahlen will. Bahn rechnet mit deutlich höheren Kosten, aber erklärt, dass die Finanzierung des Projekts sicher sei.
Von Christian Hinkelmann
Siegerentwurf für den neuen Fernbahnhof Hamburg-Altona vom dänischen Architekturbüro C.F. Möller
Siegerentwurf für den neuen Fernbahnhof Hamburg-Altona vom dänischen Architekturbüro C.F. Möller
Foto: C.F. Möller

Droht dem umstrittenen neuen Fernbahnhof Altona eine Finanzierungslücke? Eine Anfrage der LINKE an die Bundesregierung hat ergeben, dass der Bund offenbar nur 251 Millionen Euro für den Neubau des Bahnhofs am Diebsteich bezahlen will.

Der Bau wird aber voraussichtlich deutlich teurer. Bereits im Jahr 2013 schätzte die Deutsche Bahn die Baukosten auf 360 Millionen Euro. Eine aktuellere öffentlich bekannte Schätzung gibt es nicht.

Die Kosten dürften seitdem gestiegen sein, befürchtet die Hamburger LINKE, die in einer Pressemitteilung anmerkt, dass die Bahn im Verkehrsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft selbst von einer jährlichen Steigerung der Baukosten in Höhe von 5 bis 7 Prozent gesprochen habe.

Setze man lediglich 5 Prozent an, ergebe sich bereits jetzt eine Bausumme von 506 Mio. Euro, rechnet die verkehrspolitische Sprecherin der LINKE-Fraktion, Heike Sudmann, vor ­– also 255 Millionen Euro mehr als vom Bund zugesagt. „Die Deckelung der Bundesmittel bringt die Bahn in Bedrängnis, denn den Rest muss sie selbst bezahlen. Mehr als die Hälfte der Bundesmittel geht allein für die steigenden Baukosten seit 2013 drauf“, so Sudmann.

Die Bürgerinitiative „Prellbock Altona“, die den Bahnhofsneubau ablehnt, sieht sogar eine Finanzierungslücke von mehr als 300 Millionen Euro und nennt dafür beispielsweise den zusätzlichen Einbau von 18 Weichen, worauf sich die Bahn und die Stadt Hamburg mit dem Verkehrsclub Deutschland geeinigt hatten, damit der Verband seine Klage gegen das Projekt zurückzieht (siehe hier). Die Bürgerinitiative beziffert die Mehrkosten allein dafür auf 50 Millionen…

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2 Antworten auf „Neuer Fernbahnhof Altona: LINKE befürchtet Finanzierungslücke“

Lieber Nahverkehr Hamburg.
Vorweg Gratulation:
Ihr seid ein Juwel in Hamburg!
zu 10 Jahren tolle Arbeit und viel Schweiß und Alles was zum Betreiben einer Website zu tun ist.
Prellbock Altona ist 6 Jahre aktiv und ebenfalls ein Danke an euch: Nahverkehr hat uns immer gut zu Wort kommen lassen.
Zu den Kostenlücken des Bahnhofs Altona und unsere Rechnung, die
kein Haar in der Suppe ist, wie Finanzsenator Dressel meint.
Kosten Diebsteich:
1.Kostensteigerungen seit 2013
2.Die Kosten 2013 wurden wie mit einem Märklin-Katalog zusammengestellt.
3.Es waren nie reale Kosten des Projektes.
4.Die DB hat immer bei Kosten den Mund zu gemacht und lieber geschwiegen, wenn sie gefragt wurde.
5.Dazu jetzt 18 Weichen und Schienen und Infrastruktur
Dabei hat die DB große Kopfschmerzen, das Ganze mit 18 Weichen umzusetzen.
Der Diebsteich muss wohl auch verschoben werden.
6.Die neue dann notwendige AutoreisezugVerladeanlage auch mindestens 50 Mio€
7. Alles was dann am jetzigen Bahnhof abgerissen werden muss.
Da sind viele unklare Verhältnisse unter den Bahnsteigen und Gleisen
Bunkeranlagen etc.
8. Und die Stadt, also Finanzsenator Dressel, sagt auch nicht zu den Kosten, die die Stadt um den neuen Diebsteich haben wird.
Straßen, Plätze, Kiss&Ride, Busanbindungen etc.
Bisher Null Infos zu diesen Kosten
9.Und dann ist da noch der Investor, der für über 120 Mio€ zwei Hochhausteile für Büro und Hotel bauen soll/will/kann/ nicht mehr kann?
10. Und der Investor soll auch Bahnhofshalle, Parkhaus, Fahrradparkhaus, DB-Dienstgebäude bauen.
Alles zusammen kein Haar in der Suppe!
In der Bürgerschaft* fragte die CDU nach den Gesamtkosten. Dazu gab es nur Schweigen.
So sieht es jedenfalls Prellbock-Altona

*22.10.2020 im Verkehrsausschuss, der Diebsteich diskutierte. Dabei die beiden Senatoren, die DB, der VCD-Nord und auch Prellbock.

Die Rechnung, die hier aufgemacht wird ist sogar noch zu optimistisch! Denn es fehlen die Kosten für den neubau der Autoreisezuganlage in Höhe von Mindestens 50 Mio. Euro, die dem Bahnhofsverlagerugnsprojekt auch zuzurechnen sind, und die die DB finanzieren muss.
Also beträgt die Finanzierungslücke nicht nur 360 Mio + Kostensteigerungen seit 2013 = 560 Mio. minus Bundeszuschuss von 250 Mio. plus 50 Mio. Euro für die zusätzlichen Weichen + 50 Mio. für die Autoreisezuganlage. Das macht rund 400 Mio. Euro und das bevor überhaupt nur der erste Spatenstich erfolgt ist!!! Und diese 400 Mio Euro hat die DB mal nicht so eben einfach über (das entspricht den Kosten von 12 Zuggarnituren vom Typ ICE 4. Der Finanzsenator bleibt ein Schelm, wenn er glaubt dass dies ohne weitere öffentliche Zuschüsse zu finanzieren ist.

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