Neuer VW-Fahrdienst MOIA startet heute in Hamburg

Ab heute ist der neue VW-Fahrdienst MOIA in Hamburg unterwegs. Im ersten Monat kostet jede Fahrt maximal 5 Euro und ist damit nur knapp teurer als der HVV. So sehen die Preise aus.

Von Christian Hinkelmann
Der neue Fahrdienst Moia wird per App bestellt und sammelt Fahrgäste an "virtuellen" Haltestellen ein
Der neue Fahrdienst Moia wird per App bestellt und sammelt Fahrgäste an "virtuellen" Haltestellen ein
Foto: Volkswagen / MOIA

Wer in Hamburg ohne eigenes Auto von A nach B will, hat ab heute neben HVV, Taxi und Carsharing eine weitere Möglichkeit: Am Vormittag um 11 Uhr startet der neue Fahrdienst MOIA von Volkswagen.

Die elektrischen Kleinbusse können per Smartphone-App bestellt werden. Der Fahrgast gibt dazu seine Start- und Zieladresse ein und muss sich dann zu einer von insgesamt 10.000 virtuellen Haltestellen in Hamburg begeben, die laut MOIA nur wenige hundert Meter auseinander liegen.

Dort wird er dann zu einer verbindlichen Uhrzeit vom nächsten MOIA-Shuttle abgeholt. Eine Abholung direkt vor der eigenen Haustür, wie beim Taxi, gibt es bei MOIA nicht.

MOIA-Busse fahren gelegentlich Umwege – aus diesem Grund

Während der Fahrt kann es passieren, dass der Shuttlebus kleinere Umwege fährt und unterwegs noch weitere Kunden einsammelt. Ein Algorithmus bündelt nämlich ähnliche Fahrtwünsche, die mehr oder weniger auf der Strecke liegen.

Die Bündelung von Fahrgästen mit ähnlichen Zielen in einem Auto ist eines der Kernfeatures von MOI…

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12 Antworten auf „Neuer VW-Fahrdienst MOIA startet heute in Hamburg“

An sich ist es zu begrüßen, dass die Aluhutträger ausgeschlossen sind. Im Bus ist es immer ein Elend zu sehen, wie die Leute mit krankheitsverbreitendem Klimpergeld ihr Ticket kaufen und bei Verweis auf die HVV-App mit 1984 ankommen… Aber alles mit Payback mitnehmen und sich freuen, dass “die da oben” nur wissen, dass man um 18:23 Uhr 50 Euro am Automaten bei einer Tankstelle abgeholt hat und nicht, dass man für 47,94 Euro getankt hat. Die Kameras sieht ja eh keiner.

Schade aber, dass der Süden wieder konsequent ausgeklammert wird und sich daran zeitnah nichts ändern dürfte. Dass sich dort viele Anwohner wie Bürger zweiter Klasse fühlen, verwundert nicht.

Letztens war ich zum ersten mal in meinem Leben bei der Station Wandsbek Markt. Mein lieber Scholli! Erst die entspannte Fährt vom Hbf mit der U1 und dann der blanke Wahnsinn. Alles piccobello sauber, gepflegter Kiosk, funktionierende Rolltreppen und dann wird man total geflasht von dynamischen Fahrgastinformationsanzeigen mit unzähligen Buslinien. Nachts um 1 fuhren drei Gelenkbusse gleichzeitig los am Wochenende. Auf der Veddel, wenige Meter von der City entfernt, unvorstellbar.

“An sich ist es zu begrüßen, dass die Aluhutträger ausgeschlossen sind. Im Bus ist es immer ein Elend zu sehen, wie die Leute mit krankheitsverbreitendem Klimpergeld ihr Ticket kaufen und bei Verweis auf die HVV-App mit 1984 ankommen…”

Ich zahle im Bus aus Prinzip mit der guten Geldkarte.

Die Fahrgastabwanderung von der U-Bahn in New York City muss man sicherlich genauso im Zusammenhang mit den erheblichen Problemen im U-Bahnbetrieb sehen. (Wer in Hamburg über S-Bahn-Probleme klagt, war 2017 nicht in New York….) Die Züge sind überfüllt und überaltert und das ganze System ächzt unter jahrzehntelanger finanzieller Vernachlässigung. Die vielen Repartur-Baustellen (teils mit Betriebsunterbrechungen) sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein; die Schäden vom Supersturm Sandy sind noch nicht ale beseitigt. Um das System auf einen modernen Stand zu bringen, würden 38 Milliarden US-Dollar gebraucht und die sind nicht in Sicht! Die örtlichen Medien waren in den letzten Jahren daher voll von Negativ-Berichten und die Fahrdienste hatten teils außerdem Kampfpreise angeboten.

New York City hat das einzige wirklich stark genutzte ÖPNV-System der USA. Schon die Systeme in Boston oder San Francisco weisen viele Schwächen auf. In sofern sind die mir teils im Detail bekannten Studienergebnisse also auch eine klare Aussage über den wenig erfreulichen Zustand des ÖPNV in den USA. Dass eine Stadt wie Seattle ihr Busnetz umkrempelt und so tatsächlich mehr Fahrgäste gewinnt, ist eher die Ausnahme. Hinzu kommen riesige Vorstädte, die vom ÖPNV nicht vernünftig erschlossen werden können und das Negativ-Image von Bus und Bahn. Wenn man sozial schwache Gebiete sinnvoll an das Stadtleben anbinden will, drängen sich in den USA die Fahrdienste geradezu auf, weil die finanzierbaren ÖPNV-Lösungen dies nicht adäquat leisten könnten.

In Deutschland sind die Verhältnisse anders und die Frage wird sein, ob die Fahrdienste die mit Steuergeldern subventionierte ÖPNV-Infrastruktur trotzdem untergraben oder ob und wie man eine Regulierung bzw. intelligente Verknüpfung schafft.

Naja, Seattle hatte auch einen rasanten Zuwachs aufgrund des fahrscheinlosen ÖPNV. Das System stieß an seine Grenzen und man hat wieder Fahrscheine eingeführt statt den ÖPNV weitestgehend über Steuermittel zu finanzieren. Ein kleiner Betrag in Kombination mit hohen Investitionen war dann doch sinnvoller als das System an seine Kapazitätsgrenzen zu bringen und weder zeitlich, noch finanziell mit dem Ausbau voranzukommen. San Francisco leidet aus touristischen Gründen an den Cable Cars, also quasi einer Kabel- bzw. Straßenbahn. In New York wurde zwar die erste Straßenbahn für Personenbeförderung in Betrieb genommen, aber das System aus dem 19. Jahrhundert hat man dann Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgreich verbannt. Nun muss sich zeigen, dass New York die Wege findet, um im 21. Jahrhundert anzukommen.

Ich seh Moia ja persönlich etwas skeptisch, aber fürchte nicht unbedingt einen Verlust beim HVV, da es preislich für wenige Personen für den täglichen Weg zur Arbeit zu gebrauchen ist, solange es da keine Abos gibt. Die 5-Euro-Grenze gilt ja nur am Anfang. Wenn ich mich rechte entsinne, fährt der Hamburger Pendler im Schnitt 15 Kilometer zur Arbeit. Das würde 30 Euro pro Tag bedeuten. Und nach zwei Tagen hat man schon ein Profiticket drin. Bei Uber hingegen gab es einen brutalen Wettbewerb nach unten ohne irgendwelchen Sozial- und Arbeitsschutz für die Selbstständigen. Das dürfte hier anders sein, da MOIA ja nicht vermittelt, sondern selbst befördert. Wer keine Aufträge reinbekommt (bei Uber etc.), kriegt auch kein Geld. Entsprechend billig bot man seine Dienstleistung an, wenn man froh ist, überhaupt irgendwas zu kriegen. Ich bezweifle jedenfalls, dass die angestellten Fahrer nur Geld kriegen, wenn sie gerade Personen befördern. VW muss schon genug Vertrauen wieder aufbauen. Da wäre das ein ziemlich medialer GAU.

In San Francisco gibt es gerade mal 3 Cable-Car Linien von denen die beiden Powell-Linien dermaßen touristisch überlaufen sind, dass man die eher als städtische Touristenattraktion denn als regulären ÖPNV-Angebot betrachten sollte (ähnlich der Straßenbahnlinie 28 in Lissabon). Abseits dieser Linien gibt es aber auch – anders als in den meisten US-Städten – ein dichtes Netz und Bussen, Trolleybussen sowie Stadtbahnen. Dementsprechend würde ich SF abseits der CableCars ein sehr gutes ÖPNV-Angebot attestieren.

Kein Wunder, dass LOKSTEDTER diesen Dienst toll findet, ist es doch am Ende einfach nichts anderes als das Prinzip Bus. Aber das nur als Eingangsspitze.

Wer glaubt denn bitte ernsthaft, dass sich die verbrecherischen Betrüger aus Wolfsburg ernsthaft aufmachen und nun selbstlos die Menschheit in die Automobile Freiheit führen.

Und wenngleich ich die Abneigung gegenüber technikfeindlichen Mitbürgern von LOKSTEDTER teile: Was die MOIA App angeht kann ich verstehen, wenn man der Kombination aus Software und Volkswagen keinen Meter traut.

Welchen Teil von “Ich seh Moia ja persönlich etwas skeptisch” verstehst Du nicht?

Und von Selbstlosigkeit sprach auch niemand. Natürlich will VW damit Geld verdienen. Ist das verwerflich? Wollen Taxis doch auch. Immerhin haben sie geklagt und den Moia-Start fast unterbunden, wenn man der Mopo Glauben schenken mag.

Nun stelle man sich vor, Moia wertet die Nachfrage aus und passt damit das Angebot an. Schreckliche Vorstellung, oder?

Tolle Sache. Gerade abends spart das extrem Zeit. Letztens von Eimsbüttel (Nähe Lutterothstr.) nach Dulsberg (Nähe Alter Teichweg) mit Clever Shuttle gefahren. 8 Euro, null Umstiege, garantierter Sitzplatz, Wagen fährt bis vors Haus, Tür-zu-Tür genau 17 Minuten. Mit der Hochbahn kostet es 3,30 Euro, zwei Umstiege, Stehplatz bis Wandsbek Markt, 1 Kilometer Fußweg, 40 Minuten. Obwohl die Strecke nicht in die Außenbezirke geht und wir uns rein im U-Bahn-Netz bewegen.

Die 23 gesparten Minuten kosten 4,70 €. Wird es mir häufiger wert sein.

Der Fahrer meinte, am Wochenende nachts seien die Karren richtig voll. Kann ich nachvollziehen. Wer nicht an einer Schnellbahn wohnt, fährt mit dem HVV semibillig und ultraunbequem, mit dem Taxi unbezahlbar teuer und bequem, mit dem eigenen Wagen gar nicht und mit Clevershuttle, MOIA & Co. erstmals bezahlbar und bequem.

Adieu, Alkoholleichen, überfüllte Stehplätze nachts um 3 Uhr im Hochbahn-Kurzzug und verpasste Anschlüsse mit 20 Minuten Wartezeit. Der HVV kann mich mal – die 5 Euro für MOIA habe ich gerade eben noch über 😉

Ich bin mir sicher, dass die MOIAs – anders als mancher Hochbahnwagen – wenigstens keine halbe Nacht mit vollgekotzter Sitzgruppe durch die Stadt fahren. Dafür sorgt schon die Nase des Fahrers.

Man wird sehen müssen, wie sich das System in Hamburg einpendelt, wenn dann wirklich die Randbereiche wie Volksdorf oder Rissen bedient werden (oder einmal das südliche Hamburg, welches ein solches System viel nötiger hätte, da wir ja immer noch sehr geduldig den Versprechungen der ´U5 Bringer´ lauschen müssen). Man braucht eigentlich keine wichtigen Studien um zu erkennen, dass MOIA keine neuen Verkehre erzeugt, da Menschen eben aus anderen Gründen sich von A nach B bewegen. Die Anteile werden eben nur neu verteilt. Und da stellt sich durchaus die Frage, ob das gerade im Innenstadtbereich nur von Autos und Taxis etc. kommt.
Der strategische Vorteil dieser neuen Systeme würde in den Randbereichen (sowohl örtlich als auch zeitlich) durchaus Sinn ergeben und einen Mehrwert darstellen. Im Innenstadtbereich werden wohl eher potentielle 1.Klasse Kunden aus dem eigentlich effektiven ´Transport von Vielen mit Wenig´ buchstäblich aussteigen und den´Transport von Einigen mit Vielem´also in Richtung Autoverkehr bzw. motorisierter Individualverkehr stärken. Gründe wurden schon vielfältig ausgeführt: Sitzplatzgarantie, Sauberkeit und nächtlicher Transport am WE zu akzeptablen Preisen. Eben die Vorteile, die ein Auto so mit sich bringt.

Ich kann nicht anders, aber ich finde die Wadenbeißerei in Richtung Aluhutträger lustig. Was wird das? Prävention? Inhaltliche Auseinandersetzung? Vor allem wenn ich Sätze lese wie “…wie die Leute mit krankheitsverbreitendem Klimpergeld ihr Ticket kaufen…” frage ich mich schon, wer nicht wissentlich irgendwelchen Theorien nachhängt, um daneben einen ca. 4000 Jahren alten Gebrauch von Münzen zu ignorieren, der ja eigentlich wissenschaftlich beweisen könnte, dass wir schon lange an all den Krankheiten verstorben sind.
Früher (also politisch unkorrekt) gab es einmal eine Zeit in der man lebte und leben ließ. Wenn jemand dies oder das nicht wollte, war halt gut. Musste man ja nicht auch machen. Aber war halt früher…
Und ein guter Aluhutträger KANN das System MOIA eben gar nicht benutzen. Ist halt seine persönliche Entscheidung und niemand anderes wird (auch von diesen nicht) daran gehindert es eben zu benutzen.
Was ich viel putziger finde, war die Erkenntnis, dass es sich ja bei MOIA gar nicht um eine Abkürzung handelt. Die beste Erklärung bot ein Artikel der W&V, der darlegte was aus dem Branding (interessante Bezeichnung) MOIA zu interpretieren wäre. Leider war er unvollständig, da er nicht darlegte, was letztendlich das ´auf den Kopf stellen´und spiegeln von Symbolen bedeutet und welch illustres Fass da aufgemacht werden kann. Aber jetzt muss ich meinen Aluhut wieder aufsetzen, da mich schon interessiert, warum gerade in der Karwoche zur besten Sendezeit (nur 8:46 ET war weltweit gesehen besser) eine der bedeutendsten Kathedralen der christlichen europäischen Welt, der ja selbst durch Umberto Eco literarisch komische Dinge nachgesagt wurden, in der gerade vorherrschenden Zeitperiode zufällig einem Unfall zu Opfer fällt. Und dann auch noch in Frankreich. Ihr könnt ja in der Zwischenzeit Alupapier für mich und meinesgleichen sammeln.

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