Niemand fühlte sich für die Mülleimer zuständig. Also wurden sie abgebaut. Problem gelöst

Zwei HVV-Koordinatoren sollen Ordnung in die Zuständigkeiten an Hamburgs Haltestellen bringen. Ein Ortstermin zeigt, wie viele Akteure dort mitreden – und warum dadurch manchmal schon das einfache Entfernen einer Bananenschale scheitert.
Thomas Röbke
Dirk Carstensen und Simon Henze (v.l.) sind die wahrscheinlich einzigen Haltestellenumfeld-Koordinatoren der Welt. Zwei Behörden (Verkehr und Umwelt) und die Verkehrsunternehmen im HVV finanzieren ihre Vollzeitstellen. (Foto: Thomas Röbke)
Dirk Carstensen und Simon Henze (v.l.) sind die wahrscheinlich einzigen Haltestellenumfeld-Koordinatoren der Welt. Zwei Behörden (Verkehr und Umwelt) und die Verkehrsunternehmen im HVV finanzieren ihre Vollzeitstellen. (Foto: Thomas Röbke)

Warum ist der Zugang so verdreckt? Wieso geht das Licht nicht? Und weshalb liegt hier noch Schnee im Weg?

Viele HVV-Fahrgäste stellen sich solche Fragen täglich auf dem Weg zur U-Bahn, S-Bahn oder dem Bus. Die Antworten darauf sind selten einfach. Meist sogar richtig kompliziert.

Denn an Hamburgs Bus- und Bahnstationen treffen ungewöhnlich viele Zuständigkeiten aufeinander. Allein an einer simplen Bushaltestelle sind es mindestens drei: Das Busunternehmen ist lediglich für die Infotafel mit dem Fahrplan und den Haltestellenmast zuständig.

Das Wartehäuschen gehört der Werbefirma Wall. Der Boden innerhalb des Unterstands muss auch von Wall sauber gehalten werden. Die restliche Haltestelle drumherum wird wiederum von der Stadtreinigung geputzt. Pro Bushaltestelle sind also zwei verschiedene Reinigungsdienste im Einsatz – die einen im Unterstand, die anderen davor. Bereits das Entfernen einer Bananenschale kann somit an unsichtbaren Zuständigkeitsgrenzen scheitern.

An größeren Ba…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Thomas Röbke ist freier Redakteur in Hamburg und schaut bei der Arbeit direkt auf den ZOB. Nach Aussage seiner Mutter war sein erstes Wort „Bus”. Vorm Einschlafen schaut er gerne bei Youtube Videos mit Hamburger Straßenbahnen. Wenn er wach ist, schreibt er über alles außer Sport.

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4 Antworten auf „Niemand fühlte sich für die Mülleimer zuständig. Also wurden sie abgebaut. Problem gelöst“

Sehr schöner Artikel! und auch gewagt von Herrn Carstensen und Henze das ganze am Beispiel Sternschanze zu erklären, da gibt es sicher auch einfachere Haltestellen. Wobei es vielleicht etwas fies ist, aber was mich interessieren würden was die beiden zu U Steinstraße denken…

Seit nunmehr 13 Jahren gibt es diese Haltestellenumfeld-Koordinatoren. Wenn ich mir die aktuellen Bilder vom Bahnhof Sternschanze betrachte, habe ich den Eindruck, dass die Koordinatoren offensichtlich ihre Aufgabe nicht erwartungsgemäß erfüllt haben.

An anderen Orten mögen sie erfolgreicher gewesen sein. Ich kann das nicht beurteilen. Insofern war es möglicherweise keine gute Idee, ausschließlich den Bahnhof Sternschanze zur Dokumentation ihrer Arbeit auszuwählen. Ich hätte mir zusätzlich ein gutes Beispiel erhofft.

Schmutz bringt jeder Fahrgast und Passant in die Haltestelle – mehr oder weniger. Aber Vandalismus inkl. Graffiti muss man an der Wurzel packen. Hier bedarf es wesentlich wirksamerer Sanktionen. Das Übermalen mit angeblich „guten“ Graffitis ist eine Bankrotterklärung, welche diese ungewollten „Kunstwerke“ nur „salonfähig“ machen und damit das Übel verstärken.

Eine wunderbare Beschreibung des Organisationschaos und des ständigen Verschiebens von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zwischen den Hamburger Behörden und Verkehrsbetrieben. Eine ähnliche Story ließe sich zum Altonaer Bahnhof und seinem Umfeld schreiben. Der normale Bürger nimmt das nur als allgemeine Verwahrlosung des öffentlichen Raumes wahr. Wenn einmal Bürokratieabbau angesagt ist, dann sind das genau die Bereiche, wo die Behörden wechselseitig versuchen sich aus der Verantwortung zu stehlen und dem andren den schwarzen Peter zuschieben, aber bloß nichts selber machen. Hier könnten die politisch Verantwortlichen in der Stadt wirklich einmal etwas für das „Stadtbild“ tun.

Toller Artikel! Gut, dass es solche Haltestellenkoordinatoren gibt. Noch besser wäre es, wenn es sie nicht geben müsste. Ich würde vorschlagen, die Instandhaltung und Pflege an allen Standorten an die Stadtreinigung zu übergeben und die anderen Akteuere zahlen dafür einen Obulus.

Es ist doch von bemerkenswerter Ineffizienz, besonders zu Witterungsbedingungen wie derzeit, wenn drölf Akteuere jeweils Menschen beauftragen, ein paar Quadratmeter an jeder Haltestelle in Ordnung zu halten. Die sind dann ja mehr mit Herumfahren beschäftigt als mit ihren eigentlichen Tätigkeiten.

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