Nur 21 Prozent der Hamburger wollen eine Stadtbahn

Die meisten Hamburger wollen keine Stadtbahn aber dafür mehr U-Bahn. Laut einer repräsentativen NDR-Wahlumfrage sind nur 21 Prozent der Befragten für eine Stadtbahn aber 71 Prozent für den Bau neuer U-Bahnstrecken. Überraschend: Selbst bei den Grünen-Wählern sind die U-Bahn-Befürworter deutlich in der Mehrzahl.
Von Christian Hinkelmann
Stadtbahn aus Bremen in 2010 zur Ausstellung in Hamburg
Eine Stadtbahn aus Bremen im Juni 2010 als Ausstellungsstück auf dem Jungfernstieg in Hamburg
Foto: Bahn-Bus-Bilder.de

Die meisten Hamburger wollen lieber das U-Bahn-Netz ausbauen statt einer Wiedereinführung der Straßenbahn. Im repräsentativen “HamburgTrend” des NDR sprachen sich auf die Frage “Wofür wären Sie?” nur 21 Prozent der Befragten für den Bau einer Stadtbahn aus. 71 Prozent waren für neue U-Bahnstrecken.

Selbst bei den Anhängern der Grünen liegt die Zustimmung zur Stadtbahn nur bei 29 Prozent – und das, obwohl sich die Grünen als einzige Partei in Hamburg seit mehr als 20 Jahren klar für den Bau einer Stadtbahn einsetzen. 54 Prozent der Grünen-Wähler hätten laut der Umfrage lieber neue U-Bahnstrecken in Hamburg.

Bei den Anhängern der Linke sieht das Ergebnis identisch aus.

Unter den CDU-Wählern liegen die Befürworter einer Stadtbahn mit nur 24 Prozent deutlich hinter den Befürwortern eines U-Bahn-Ausbaus mit 70 Prozent – und das, obwohl sich die CDU im aktuellen Bürgerschaftswahlkampf klar für eine Stadtbahn und gegen einen U-Bahn-Ausbau positioniert hat.

Möglicherweise ist dies ein Grund dafür, dass die CDU in der NDR-Wahlumfrage insgesamt dramatisch an Zustimmung verloren hat und nur noch bei 20 Prozent liegt.

Bei der SPD, die sich wiederum klar gegen eine Stadtbahn und für mehr U-Bahn ausspricht, wünschen sich 78 Prozent der Anhänger weitere U-Bahnstrecken und nur 14 Prozent ein…

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15 Antworten auf „Nur 21 Prozent der Hamburger wollen eine Stadtbahn“

Ärm, schon klar, dass 1000 Personen grade einmal ca. 0,06% der gesamten Bevölkerung Hamburgs entspricht? Das ist ziemlich wenig, representativ hört soch anders an. Wenn es 100.000 Einwohner wären hätten wir wenigstens 6% der Bevölkerung…!

In sofern bestätigt sich für mich der Eindruck, dass ein Meinunsgsforschungsinstitut,
und auch wenn’s der NDR ist, eher ein Meinungsmachungsinstitut ist.

Denn 1000 im Vergleich zu 1,8 Millionen ist doch ein bisschen gar nichts…

In sofern hätte ich mir gewünscht, dass der Artikel etwas ausdifferenziert wäre. Beim Lesen kommt mir das Gefühl auf, dass dies die Meinung der 1,8 Millionen Hamburger eindeutig widerspiegelt…

Die Schlussfolgerung der Medien auf die Fragestellung ist die falsche. Denn hier waren (offensichtlich) die Antwortmöglichkeiten “U-Bahn” und “Stadtbahn”. Bei vorigen Umfragen gab es die Antworten “ja” oder “nein” auf die Frage “Wollen Sie eine Stadtbahn?” resp. “…U-Bahn?” Da ist doch klar, dass die U-Bahn jetzt besser abschneidet.

Wäre die Fragestellung gewesen: “Wollen Sie lieber eine U-Bahn, die 5.676 Phantastilliarden kostet, oder lieber eine Stadtbahn für 800,-€?”, kann man sich ausrechnen, wie da die Verhältnisse ausgesehen hätten.

Die sind schon prima, diese Umfragen…

Das Ergebnis verwundert kaum. Die Grünen haben es in 20 Jahren nicht verstanden, das System Stadtbahn in der Öffentlichkeit zu etablieren. Und diese Volksinitiative “Pro-Stadtbahn”, die sich letztes Jahr gegründet haben soll?
Außer einer statischen Internetpräsenz kann ich keinerlei Aktivitäten in der Öffentlichkeit wahrnehmen, während kurzfristig gegründete VI “Kontra Busbeschleunigung” in kürzester Zeit gerichtliche Baustopps zu stande bringen.
Unter solchen Umständen verwundert es nicht, wenn die Leute nach etwas, dass sie nicht kennen gefragt werden, dies natürlich ablehnen. Und so kann unser Bürgermeister weiter seine verkehrspolitischen Halbkennnisse, die hart am Rande der Ahnungslosigkeit liegen, ungestraft öffentlich postulieren.
Inwieweit aber 1000 Leute von rund 1,8 Mio. repräsentativ sein sollen, wäre noch einmal separat zu beleuchten…

Stadtbahn ODER U-Bahn Ausbau

Beides ist notwendig. Für nur eine neue U-Bahn-Linie plant die SPD Jahrzehnte ein. Das derzeitige (unggeplante) Netz von U- und S-Bahnen ist am Stadtrand extrem dünn und alle Linien führen durch die Innenstadt. Eine Stadtbahn ist zur Netzverdichtung (Tarifbereich B) und für tangentiale Verbindungen optimal.

Ich hätte die Frage mit “sowohl als auch” beantwortet. Es wäre interessant zuwissen ob auch andere Personen sich beides wünschen.

@Jan-Christian:
Du weißt schon, wie eine Umfrage funktioniert? Umfragen basieren ja darauf, dass man die Leute zufällig auswählt. Ob nun 10 oder 1000 Leute ändert sich an sich daran erst einmal gar nichts. Auch mit 1.000 Leuten kann man – statistisch betrachtet – schon Fehler von höchstens ein paar Prozentpunkten erreichen. Je mehr Leute man befragt, desto (statistisch) besser wird das Ergebnis – zumindest in der Theorie. Auch bei der Sonntagsumfrage werden ja nicht hundertausende Bürger befragt, was sie wählen würden, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Und bei Wahlen zeigt sich ja, dass die Umfragen halt eben nicht so schlecht sind. Inwieweit diese Umfrage die Meinung der Hamburger widerspiegelt, ist sicherlich fraglich. Woran will man das denn auch nachher messen, dass das Ergebnis stimmt?

Diese Umfrage entspricht genau dem Motto: glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.. Außerdem, wer hat bei er Elbphilharmonie oder der “haltlosen” U 4 die Bürger gefragt und warum sind die früheren U 4 alle nicht gebaut worden, wenn die U Bahn das Allheilmittel ist? Auch bei der Busentzerrung zu Gunsten des IV wurden die Bürger nicht gefragt, was ja nicht ohne Folgen blieb. Gilt Demokratie immer dann, wenn Politiker oder Presse eine Bestätigung brauchen und werden sonst nicht gefragt? Hamburg braucht die Stadtbahn zur Lösung seiner Verkehrsprobleme und dafür wird ein Senat gewählt, der ja sonst sich auch gerne über den Volkeswillen hinwegsetzt, siehe Busspuren zu Gunsten des IV, wenn es um die Interessen seiner Mitglieder geht. So muß es auch sein, wenn etwas notwendig ist, selbst wenn es die Bürger bezweifeln, was ich aber gar nicht glaube, dass es wirklich so ist.
Übrigens in Berlin wurde und wird eine Autobahn (A100) gegen Willen der Bürger durch die Stadt gefräst, während sich erst jetzt nach dem Rücktritt von Wowereit der Verkehrssenator sich erstmals offen zum Ausbau der Straßenbahn bekennen darf und mir hier keine wirklichen Widerstände von Seiten der Bevölkerung bekannt sind
oh

Die U5 ist auf 3,8 Mrd geschätzt. Da Kinder und Rentner keune Steurn zahlen, bleibt in Hamburg ca. 1 Million übrig. die U% kostet also jeden davon 40.000 Euro. Die korrekte Frage müsste also lauten: Bist du bereit, in den nächsten Jahren diese Summe zusätzlich an Steuern zu bezahlen?

Am 26. 01. 2013 fand in der Patriotischen Gresellschaft unter der Überschrift “Mobilität in Hamburg 2030,- U Bahn oder Stadtbahn” eine hochkarätig besetzte Podiumsveranstaltung mit anschließender Diskussion statt, moderiert vom stellvertretenden Chefredaktuer des Hamburger Abendblatts Matthias Iken. (http://www.patriotische-gesellschaft.de/webfile/show/936/Einladung-Stadtentwicklung-Druck.pdf). Herr Elste (HVV) erläuterte den Standpunkt der Stadtregierung, und Herr Doerge, “Warum der Bau einer Sadtbahn sinnvoll ist”. Vor fasst vollem Saal fand eine und in respektvoller Atmoslphäre anregende Diskussion statt. Auch die die anschließenden Fragen aus dem Publikum wurden mit aller Ernsthaftigkeit beantwortet. Am Ende wurde mir berichtet, dass mehr Stadtbahnbeführworter den Saal verließen als reingegangen sind.
Im Laufe der Woche suchte ich dann im Hamburger Abendblatt vergeblich nach einem Bericht über die Veranstaltung. Neue Ideen über die Nuzung der Wiilemsburger Reichsstr. als Gleisbett für eine ggf. U4 nahmen dafür den Platz ein.
Schade, da verdichtet sich schon der Verdacht, dass bewusst eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Tema aus dem Weg gegangen werden soll. Dazu passt, dass Herr Scholz 200 km Straßenfläche in die Waagschale wirft um gegen den Bau einer Stadtbahn zu agitieren. Da muss man fragen, worauf denn die Busse fahren?
Was die Umfrage “ja / nein zu U-Bahn / Stadtbahn” betrifft, so ist sie technisch richtig und 1003 Befragte sind für represantive Umfragen üblich. Es wäre jedoch interessant zu wissen, welche Fragen gestellt und wie gefragt wurde. Die meisten wollen die U-Bahn haben, aber wollen Sie die auch bezahlen? Ich hege dabei den Verdacht, dass dies in der Umfrage nicht gefragt wurde. Hier wäre mehr Tranparenz nötig.
Gruß Harald

@Harald:
Was wollen Sie von den in “der Medienstadt” Hamburg existierenden Zeitungen erwarten? Etwa sachliche Berichterstattung? Man muss sich nur vergegenwärtigen, aus welchem Hause die größte Tageszeitung in HH kommt…

@wgr22453:
ähem, die NDR-Programme sind (bis auf das überregionale NDR2) alle werbefrei. Das Argument von angeblicher Rücksicht auf Werbekunden zählt also nicht.
Auf wen sollte der NDR denn in den Umfrageergebnissen Rücksicht nehmen? Auf den Hamburger Senat? Wozu? Von dem wird er ja nicht finanziert, sondern allein von seinen Zuschauern und Zuhörern – Stichwort GEZ.

Ich bin mit diesem Stadtbahn-Ergebnis auch nicht zufrieden und hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht – aber diese Verschwörungstheorien hier sind Blödsinn.

@Josef:
Falls Sie das Abendblatt meinen: das hat Springer doch längst verkauft.

Mit Bussen kann man schnell und sehr kostengünstig ein leistungsfähiges Netz aufbauen. Das müssen keine superteuren XXL-Busse sein. Wieviele Jahre kann man das Gehalt eines Fahrers für einen einzigen davon zahlen! Das müssen keine teuren Stadtbahnen sein oder im Zickzack fahrende U-Bahnen für 40.000 Euro pro Steuerzahler (wenn es nicht noch weniger Steuerzahler sind als 1 Mio.!)

Schnellbusse und Eilbusse können ein dichtes Netz bilden. Es ist psychologisch untersucht, dass viele Halte und Fahrgastwechsel Stress für die Fahrgäste sind. Also Schnellbusse, die nicht überall halten. Warum nicht sogar parallel zu den Stadtbus-Linien! Mit Haltestellen-Abständen wie eine U-Bahn. Also Eilbusse, die bestimmte Verkehrsbeziehungen bedienen. Mit Einsammeln der Fahrgäste in einem Bereich (z.B. Bramfeld oder Steilshoop) und dann direktem Transport ohne Halt nach Barmbek, dort Halt einmal im Einkaufszentrum, einmal am Bahnhof. Ebenso in Lurup, Eidelstedt, etc.

Busse müssen auch nicht so furchtbar billige Klapperkisten sein. Die Industrie kann viel besseres liefern, siehe die Schnellbusse: ruhigerer Motorlauf, komfortable Federung, echte Sitze, Heizungen. Und das geht sicher noch besser. Wir brauchen also keine Busse Erster und Zweiter Klasse? Warum dann nicht nur noch die besseren beschaffen! Das ist wie damals bei der Abschaffung der 1. Klasse in der S-Bahn: “Natürlich” ist nicht die 2. Klasse auf den Stand der 1. Klasse gebracht worden, nein, nein, sondern umgekehrt.

@ JH

Soso Busse sind also kostengünstig. Du willst allen ernstes mit Bussen Schienenverkehrssysteme ersetzen? Blödsinn! Ein solobus kostet ca. 340.000 €. Der hält dann etwa 7 Jahre und bietet Platz für etwa 130 Fahrgäste. Ein Stadtbahn- oder U-Bahn Wagen bietet 400 (flexity) bzw 800 (DT4) Fahrgästen Platz. Um an die Leistung EINER straßenbahn heran zu kommen brauche ich also 2-3 Busse inkulsive Fahrer, der den größten Kostenpunkt darstellt. Noch dazu muss ich den Bus nach spätestens 7 Jahren ersetzen, während die Straßenbahn gut und gerne 30 Jahre hält. Manche sogar über 40. Anders ausgedrückt ich müsste alleine für das Fahrzeug im Busbetrieb 2,7 Mio. ausgeben um eine Straßenbahn auf ihre gesamte Lebensdauer gerechnet zu ersetzen. Dabei bleibt nun unberücksichtigt dass eine Straßenbahn besser beschleunigt, weniger Personal benötigt, in der Regel mit weniger Umläufen auskommt und in der Wartung günstiger ist. Auch der Schienenbonus ist unberücksichtigt. Zum Vergleich: Ein Straßenbahnwagen kostet zwischen 2,5 und 3,5 Mio.
Habe ich dich wirklich richtig verstanden? Also für micht besteht gar kein Zweifel daran dass es absolut norwendig ist die M5 durch ein Schienensystem zu ersetzen!

Wenn ich die Äu8erungen von SPD Parlamentariern zum Thema Stadtbahn höre kommt der Verdacht auf, dass man die Vorteile dieses Verkehrsmittels gar nicht wahrhaben will und deshalb krampfhaft nicht vorhandene Nachteile sucht. Vor vierzig Jahren sagte der Senator für Wirtschaft und Verkehr als sich unter den Bürgern Wiederstand gegen die Einstellung der Straßenbahn formierte: ,,die Wünsche der Bürger sind nostalgisch wir wissen was gut und richtig ist und das wird gemacht” und heute sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses (SPD) wir können über alles diskutieren nur nicht über die Stadtbahn.

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