Öffentlicher Nahverkehr in Schleswig-Holstein verliert an Akzeptanz

Weniger Kundenzufriedenheit, weniger Marktanteil, weniger Nutzung: Der Öffentliche Nahverkehr in Schleswig-Holstein hat im vergangenen Jahr deutlich an Akzeptanz verloren.
Von Christian Hinkelmann
Regionalzüge im Hauptbahnhof Kiel in Schleswig-Holstein
Regionalzüge im Hauptbahnhof Kiel in Schleswig-Holstein

Das Jahr 2017 war kein gutes Jahr für den Öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein: Zum ersten Mal seit 2009 ist die Nachfrage gesunken, gleichzeitig sind die Fahrgäste unzufriedener und der ÖPNV hat an Marktanteil verloren.

Das haben Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) und der landesweite Verkehrsverbund NAH.SH gestern mitgeteilt.

Demnach ist bei der Bahn die Zahl der so genannten Personenkilometer im vergangenen Jahr um rund 1,1 Prozent auf 1,792 Milliarden gefallen. Personenkilometer errechnen sich aus der Zahl der gefahrenen Kilometer multipliziert mit der Fahrgastzahl. Gleichzeitig ist die Zahl der so genannten Zug-Kilometer leicht gestiegen – von 25,3 auf 25,5 Millionen Kilometer.

Weniger Fahrgäste bei den Bahnen in Schleswig-Holstein

Das bedeutet: Das Verkehrsangebot ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen, während gleichzeitig weniger Fahrgäste unterwegs waren, bzw. kürzere Strecken gefahren sind.

Der Marktanteil des Öffentlichen Nahverkehrs, der so genannte Modal-Split, ist im vergangenen Jahr von 7,6 auf 7,2 Prozent gesunken. Und in diesem Jahr geht dieser Negativtrend offenbar weiter: Laut Nah.SH lag die Nahverkehrsnutzung im ersten Halbjahr 2018 nur noch bei 7,1 Prozent.

Pünktlichkeit bei der Bahn sinkt auf neues Rekord-Tief

Gesunken ist auch die Pünktlichkeit bei den Bahnen in Schleswig-Holstein: …

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10 Antworten auf „Öffentlicher Nahverkehr in Schleswig-Holstein verliert an Akzeptanz“

Leider hat die Politik in Schleswig-Holstein noch immer nicht realisiert, dass sich durch die geplante Stillegung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona und seine Verlagerung nach Diebsteich die Verkehrsqualität im Bahnverkehr noch weiter verschelchtern wird. Nicht nur, dass während er 6-jährigen Bauphase teilweise über 2 wochen hinweg überhaupt keine Züge zwischen Hamburg und Kiel/Flensburg und Hamburg und Westerland fahren werden, sondern durch die Verschlankung der infrastrukturellen Anlagen im Rahmen des Bahnhofsneubaus werden diese gleichzeitig deutlich stör- und damit verspätugnsanfälliger. Nach dem vor dem OVG Hamburg erreichten Baustopp hätte Herr Buchholz nun Zeit seitens Schlweswig-Holsteins gegen die Bahnhofsverlagerung politischen Druck zu erzeugen und alternative Konzepte, die zur Erhöhung der Pünktlichkeit der Bahn führen mit den durch den Verzicht auf die Bahnhofsverlegung eingesparten öffentlichen Gelder relevante Bahnprojekte in Schleswig-Holstein zu fördern: u.a.: vollständiger zweigleisiger Ausbau der Bahnstrecke nach Westerland. Wiederaufbau der 2. Bahnsteigkkante im Bahnsteig 1 in Elmshorn, um dort korrespondieren Anschlüsse von und nach Altona zu schaffen, zweigleiseiger Ausbau und Elelktriifizierung der Bahnstrecke Bad Oldesloe nach Neumünster um nicht vollständig von dem Nadelöhr Engpasskurve Diebsteich/Verbindungsbahn abhängig zu sein, über die (abgesehen von der Verbindung nach Lübeck) der gesamte Bahnverkehr nach Schleswig-Holstein läuft. Ferner ist das Verkehrsministerium in Berlin eine CDU/CSU Hochburg, da wäre anzusetzen und bei Herrn Pofalla, Infrastrukturvorstand der DB AG, seines Zeichens Parteikollege von Ministerpräsident Günther. Also nicht nur Theaterdonner veranstalten, sondern auch bitte politisch aktiv werden. Anderenfalls wird SLH die Bahnprobleme nie in den Griff bekommen.

“Nadelöhr Engpasskurve Diebsteich/Verbindungsbahn abhängig zu sein, über die (abgesehen von der Verbindung nach Lübeck) der gesamte Bahnverkehr nach Schleswig-Holstein läuft.”

Vergessen Sie nicht die Verbindung über Bergedorf nach Schwerin bzw. Rostock, die mehrfach Halt im Kreis Herzogtum Lauenburg macht. Ebenso die AKN ab Eidelstedt bzw. Norderstedt Mitte.

Der Bogen wurde von allen Beteiligten überspannt. Hochpreisstrategie des Landes in Kombination mit der Minimalstrategie der DB führt zwangsläufig zu einer mangelnden Akzeptanz und der Nutzung alternativer Verkehrsmittel. Fahrpreise von über einem Euro pro Entfernungskilometer sind keine Seltenheit. Keine attraktiven Gruppenangebote, (noch) keine Studententickets, keine Talzeitenkarten. Schleswig Holstein dürfte für die Nutzer des ÖPNV das teuerste Bundesland sein. Dazu kommt noch, dass viele Destinationen nur über gebrochene Verbindungen erreicht werden können. auch ein alerter FDP-Verkehrsminister scheint an dieser Strategie nichts ändern zu wollen.

Bei dem was ich in den letzten 2 Jahren alles auf der RE6 und RE7 erleben musste (und das ist bewusst verallgemeinert), finde ich es absolut richtig dass weniger Leute Bahn fahren und (offensichtlich) mehr Auto. Sowas muss sich nämlich kein Mensch antun und bis die Deutsche Bahn das kapiert, wird der Nutzungsrückgang hoffentlich auch so weiter gehen.

Ist der Ruf erst ruiniert, bummelt man ganz ungeniert. In der noch jungen Woche (Dienstag) könnte ich drei Anträge in der HVV-Garantie stellen – für Fahrten ab / bis Elmshorn. Täten das alle, wären alle HVV-Schalter blockiert. Und dabei ist der Sturm am Norden vorbeigezogen. Aber hier ist ja immer schon ab Windstärke 3 “Unwetter”.

ich unterstütze die Nutzung des ÖPNV, keine Frage.
ABER. Wenn Züge nur ausfallen, ewig zu spät sind, klapprige Ersatzzüge fahren (RE6), eine Kopplung in NMS 30 min dauert, 4-Wagen-Züge wegen Ausfall derart überfüllt sind dass man auf den Haltestangen sitzen kann und angehalten werden muss weil ein defekter Bahnübergang per Hand gesichert werden muss (Schlimmer als in Afghanistan vor 80 Jahren oder wie), und das habe ich alles kürzlichst erlebt, dann unterstütze ich, dass jeder der nur kann, sein Auto benutzt. Weil solche Umstände (und ich hab lange nicht alles aufgezählt) grenzen an den Missbrauch von Menschenrechten und sowas soll sich keiner antun und schon gar nicht wenn man dafür noch massig bezahlen muss.
Versagen auf ganzer Linie. DB und Politik.

Die Reisezeit im Vergleich zum Motorisierten Individualverkehr, Flächendeckung, Takt, Fahrkomfort und Zuverlässigkeit bestimmen die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene. Die Leitgeschwindigkeit im SPNV beträgt 160 km/h. Eine akzeptable Beschleunigung erfordert eine Elektrifizierung. Diese Voraussetzungen erfüllen in Schleswig-Holstein nur die Strecken 1040 „Neumünster – Flensburg“, 1120 „Lübeck – Hamburg“ und 1220 „Altona – Kiel“.

Bis auf die weiteren Streckenabschnitte „Elmshorn – Itzehoe“ (Strecke 1210, Höchstgeschwindigkeit 120 km/h) und 1113 „Lübeck – Travemünde Strand“ (Strecke 1113, Höchstgeschwindigkeit 100 km/h) erlauben die restlichen Strecken nur einen Dieselbetrieb.

Wie kann man unter diesen Umständen einen attraktiven SPNV erwarten? – Wer nicht investiert, der verliert!

Sehr geehrter Professor Hummeltenberg,

was ist mit der Strecke nach Büchen? Die sollte man hier nicht vergessen, auch sie ist elektrifiziert und erlaubt die Regionalzüge, ihre bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit auszufahren. Rein inhaltlich stimme ich Ihnen natürlich zu!

Man muss ja mal sagen, dass der S-H-Tarif sowie das SH-Ticket auch überdurchschnittlich teuer ist. In Niedersachsen komme ich für 23 Euro bis in den Harz. Für eine Einzelfahrt nach Travemünde muss ich als Hamburger stolze 19 Euro bezahlen. Als Tageskarte würde man ein SH-Ticket für 28 Euro kaufen. Der S-H-Tarif ist ziemlich fahrgastunfreundlich.

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