Hamburg wird sich nicht um Olympische Spiele bewerben. Bei der Abstimmung am Sonntag votierte eine deutliche Mehrheit von 54,9 Prozent gegen eine Bewerbung; die Befürworter kamen trotz intensiver Werbekampagne nur auf 45,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 49,5 Prozent hoch.
Für die Mobilität in der Stadt ist das eine wichtige Entscheidung. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatten im Vorfeld mehrfach gewarnt, dass ohne Olympische Spiele Verkehrsprojekte benachteiligt werden könnten.
Bewertung: Warum das Nein so deutlich ausfiel
Bemerkenswert ist, wie klar das Votum in der Volksbefragung ausfiel. Mit deutlicher Mehrheit wollen die Hamburgerinnen und Hamburger keine Olympischen Spiele in ihrer Stadt.
Nach dem Klimaentscheid ist es binnen kurzer Zeit die zweite Abstimmung, in der die Bevölkerung zeigt, dass sie andere Prioritäten setzt, als ihre gewählten Vertreter. Der Senat hat ein Thema ganz oben auf die Agenda gehoben, das für viele Menschen in Hamburg schlicht keines ist. Und er hat dafür die rote Karte gezeigt bekommen.
Hanseatinnen und Hanseaten gelten seit jeher als Pragmatiker und vergleichsweise immun gegen teure Symbolik. Weltruhm und internationale Aufmerksamkeit sind ihnen weniger wichtig als der konkrete Vorteil für ihr eigenes Leben. Enttäuschte Olympia-Befürworter mögen das kleingeistig und mutlos nennen – ebenso gut lässt es sich als Realismus lesen. Und als politischen Vertrauensverlust.
Am Thema Verkehr wird dies besonders greifbar:
- Wer sich jeden Morgen über S-Bahn-Chaos, Stau und überfüllte Busse ärgert, glaubt dem Senat schlicht nicht, dass zusätzliche zehn Millionen Olympia-Besucher dort verkraftbar wären.
- Wer miterlebt, dass die Deutsche Bahn in Hamburg kaum etwas pünktlich fertigbekommt und selbst für einen kleinen S-Bahn-Halt in Ottensen sieben (!) Anläufe braucht, traut Worthülsen wie „Infrastruktur-Booster“ oder „Management Attention“ nicht über den Weg.
- Und wer sieht, wie die Kosten fast aller großen Bahnprojekte zuletzt deutlich gestiegen sind, nimmt dem Senat das Versprechen günstiger Spiele nicht mehr ab.
Die eigentlich guten Mobilitätsargumente des Senats sind angesichts dieser Schwächen schlicht verpufft.
Auffallend ist auch: Für Olympia stimmten vor allem die wohlhabenderen Stadtteile – die Elbvororte, Poppenbüttel, Duvenstedt, Eppendorf, die HafenCity. Am größten war die Ablehnung dort, wo weniger Wohlstand herrscht, etwa auf der Veddel und in Wilhelmsburg. Heißt auf das Mobilitätsthema übersetzt: Wo die Autonutzung groß und die tagtäglichen HVV-Probleme eher unbekannt sind, lockten die Spiele. Wo die unzuverlässige S-Bahn zum Alltag gehört, traut man dem Senat allein durch Olympia keine Verbesserungen in ihrer Lebensrealität zu.
Für den Senat ist das eine deutliche Aufforderung: Kümmert euch mehr darum, dass unser (mobiler) Alltag hier und heute besser funktioniert, und verrennt euch nicht in glitzernde Leuchtturmprojekte in fernen Jahrzehnten.
Gleichzeitig hat das Votum einen Teil der Hamburger Mobilitätspolitik demaskiert. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren die Lösung fast aller Verkehrs- und Klimaprobleme im Bau milliardenteurer U- und S-Bahn-Strecken gesehen – finanziert mit viel eigenem Geld, aber vor allem auch mit der Hoffnung verbunden, dass der Bund den Großteil der Kosten übernimmt. Angesichts globaler Krisen, neuer Inflationswellen und immer knapperer Kassen in Bund und Stadt wirken diese Riesenprojekte zunehmend aus der Zeit gefallen. Man kann das intensive Werben von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) in den vergangenen Wochen für Olympia auch so verstehen, dass sich manches davon nur noch mit der Aussicht auf zusätzliches Olympia-Geld pünktlich fertigstellen oder überhaupt realisieren lässt. Möglich, dass die olympische Absage nun das Aus für das eine oder andere Vorhaben einläutet.
Den Senat könnte dies in Schwierigkeiten bringen: Einerseits ist er durch den Klimaentscheid verpflichtet, schärfere Klimaziele umzusetzen, andererseits geht ihm für seine avisierten Lösungen offensichtlich das Geld aus und ohne Olympia fehlen erhoffte Sonderzahlungen. Damit könnte er zu größeren Zumutungen für Autofahrende gezwungen werden, um die Klimaziele anderweitig zu erreichen.
Das Nein zu Olympia würde die Verkehrswende somit unbequemer für die Hamburgerinnen und Hamburger machen.
NAHVERKEHR HAMBURG erklärt, welche Großprojekte im Nahverkehr jetzt ins Wanken geraten, welche trotz des Neins wohl gesichert sind – und warum ausgerechnet eine S-Bahn-Linie zum großen Verlierer werden dürfte.
So könnte das Olympia-Aus auf große Verkehrsprojekte wirken
U5: Das Zieljahr 2040 wackelt
Beim Hamburger Vorzeigeprojekt U5 hängt nun vieles daran, wie es mit Olympia in Deutschland insgesamt weitergeht. Dafür gibt es zwei Szenarien:
- Szenario eins: Die Spiele finden gar nicht in Deutschland statt. Dann ändert sich an der Förderung der U5 wenig. Hamburg würde weiter versuchen, bis zu 80 Prozent der Baukosten über den Bund zu finanzieren – über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), den zentralen Geldtopf, aus dem der Bund den Nahverkehrsausbau der Länder bezahlt. Hamburg würde in diesem Topf mit zahlreichen anderen Städten konkurrieren. Ohne Olympia in Deutschland würde sich dort an Hamburgs Förderchancen nichts ändern. Allerdings: Aus den deutlichen Warnungen von Senatsseite aus den vergangenen Wochen lässt sich ablesen, dass man dort inzwischen selbst Zweifel hat, einen so großen Teil der GVFG-Mittel allein für Hamburg beanspruchen zu können.
- Szenario zwei: Die Spiele kommen nach De…









17 Antworten auf „Olympia-Aus in Hamburg: Was jetzt aus den großen Verkehrsprojekten wird“
Nach dem Entscheid heißt es für Hamburg sich ehrlich zu mchen, was ist finanzierbar und was in einem realistischen Zeitrahmen von 5-7 Jahen umsetzbar, auf welche Prestigeprojekte kann da verzichtet werden. Da ist zuerst die sinnlose Geldvernichtung durch die Verlagerungs des Bahnhofs Altona zu nennen. Diesen zu sanieren und Modernisieren, wäre die wichtigste Aufgabe. Dann bliebe in Diebsteich Platz für einen 4-gleisigen Ausbau der S-Bahn und den nach wie vor sinnvollen Abzweiger der S6 zur Sience City. Die unbezahlbaren U5 Pläne sollten zu allererst eingedampft werden. Eine tangentiale Straßenbahn, die die äußeren Stadtteile miteinander verbindet wäre die am schnellsten umsetzbare und wirksamste Lösung um den Hbf. zu entlasten. Dann sollten auch die organisatorischen Maßnahmen zuerst angefasst werden, wie Durchbindung von 6 RE/RB-Linien am Hbf., der Halt der Fernzüge auf allen Hamburger Fernbahnhöfen (sofern sie auf der Strecke liegen). Auch mit dem vorhandenen Geld ließe sich in Hamburg vielmehr für den ÖPNV erreichen, wenn man nur von den Mega-Unsinnsprojekten abrücken und kleinere Brötchen backen würde. Aber dafür muss erst das Denkverbot in Sachen Straßenbahn fallen.
Die wohl interessantesten Sätze zur Thematik kommen von Prellbock Altona:
https://prellbock-altona.de/wp-content/uploads/2026/06/PM_23_26_Nolympia.pdf
„Der Erhalt des Bahnhofs Altona ist für einen reibungslosen Olympia-Verkehr unverzichtbar.“
Veröffentlich – Aufgepasst! – am 02.06.2026 – NACH dem Referendum!
Umgedreht heißt der Satz: „Ohne Olympia-Verkehr ist der Erhalt des Bahnhofs Altona verzichtbar.“ – geschrieben zu einem Zeitpunkt, zu dem bereits feststeht, dass es keinen Olympia-Verkehr geben wird! Gibt Prellbock hier seine Kernforderung offen auf?
Das selbe Spiel wiederholt sich einige Zeilen weiter unten:
„Ein Projekt, das derzeit massiv von der DB und einigen Grünen Spitzenpolitikern gepusht wird, wird garantiert nicht zu Olympia 2040 oder 2044 fertig: eine Hochgeschwindigkeitsneubaustrecke Hamburg (de fakto [sic!] erst ab Meckelfeld) nach Hannover. Hier ist das Ausbaukonzept Alpha E+ für die Bestandsstrecke das einzig zielführende Konzept.“
Wenn die Strecke für Olympia gar nicht rechtzeitig fertig sein muss, weil es kein Olympia gibt – dann ist sie wohl doch das zielführendere Konzept? Immerhin weiß der Verfasser zu diesem Zeitpunkt ja bereits vom Olympia-Aus.
Zu der Pressemitteilung könnte man viel schreiben…
Ganz witzig fand ich:
Im Hauptbahnhof endlich die Durchbindung der Regionalbahnen aktivieren
• Alle Regional und Fernbahnen aus und in den Norden ab Altona fahren lassen.
Wie geht denn das zusammen, der RE aus Lüneburg fährt bis Altona, macht da Kopf und fährt weiter nach Kiel?
Aber gut finde ich, dass sie die U4 nach Harburg fordern, nördlich der Elbe darf dafür Straßenbahn gefahren werden…
Im Umland soll alles ausgebaut und elektrifiziert werde, aber eine NBS nach Hannover darf partout nicht sein. Genau das ist Ideologie.
„Im Hauptbahnhof endlich die Durchbindung der Regionalbahnen aktivieren
Alle Regional und Fernbahnen aus und in den Norden ab Altona fahren lassen.“
-> ergibt unter einer Bedingung Sinn: Nämlich dann, wenn mit „Altona“ eigentlich „Diebsteich“ gemeint ist …
Dazu Jens Ruge, Sprecher von irgendwas:
Das Wichtigste ist doch, dass Prellbock Altona mit seinen Irgendwas-Forderungen alles Mögliche thematisiert, aber auf jeden Fall von dem Thema, über das in der ÖPNV-Fanszene nicht diskutiert werden sollte (und dabei meine ich nicht die Straßenbahn), ablenkt. Dass ist wie mit den ellenlangen Dauermeckereien Kollaustraße im anderen Forum, dort wo das unerwünschte Thema inzwischen erfolgreich auf die Themenübersichtsseite 2 verbannt wurde. Und dazu dient auch der ständige Wunsch, die Bahnlinie OD-NMS so richtig umfassend auszubauen und dann mit RE vollzustopfen. Dann passt wenigstens nichts anderes mehr auf …
🤓
Erlauben Sie mir bitte, Herr Hinkelmann, vorab Ihren wunderschönen Satz zu zitieren, der mir aus dem Herzen spricht.
„Hanseatinnen und Hanseaten gelten seit jeher als Pragmatiker und vergleichsweise immun gegen teure Symbolik. Weltruhm und internationale Aufmerksamkeit sind ihnen weniger wichtig als der konkrete Vorteil für ihr eigenes Leben.“
***
Eines begreife ich nicht: Ich dachte, Olympia würde für den Austragungsort ein richtig gutes, gewinnträchtiges Geschäft sein. Dann müsste es doch möglich und logisch sein, dass vom Bund vorab finanzierte Investitionen wie für U-Bahnlinien nach den Spiel aus dem Gewinn zurückgezahlt werden. Es kann doch nicht sein, dass sich eine Stadt oder Region in Deutschland auf Kosten der anderen bereichert!
unabhaengig davon, dass Hamburg mittlerweile wenn ueberhaupt bekannt welttweit als spiessig und langweilig gilt; und den groessten Puff in Europa zu haben, ist auch nicht gerade prickelnd. Unabhaengig davon kommt Hwrr Jung gar kein Hanseat. Dafuer braucht es drei Generationen.
Dieser Artikel bietet noch mehr Sätze, die kaum zutreffender formuliert sein könnten. Mein Favorit:
„Kümmert euch mehr darum, dass unser (mobiler) Alltag hier und heute besser funktioniert, und verrennt euch nicht in glitzernde Leuchtturmprojekte in fernen Jahrzehnten.“
Wunderschön! 😆 😆 😆
Ich denke übrigens Olympia hätte schon Chancen gehabt wenn das IOC nicht so offen korrupt wäre
Man muss da einfach ehrlich sein: In der Zeit der De-Investiton von den 1980ern bis in die 2010er kam die Fähigkeit abhanden, Baustellen in vernünftiger Zeit zu planen und fertig zu stellen. Und diese Kompetenz könnte man sich zwar in 10 Jahre drauf schaffen, bräuchte dann aber sicher noch einmal 15 Jahre um tatsächlich zu bauen. Und dann wären wir für Olympia deutlich zu spät. Es war einfach nicht erreichbar und das haben die Hamburger realistischer als der Senat eingeschätzt. Der Senat könnte derweil mal versuchen, Stadtplanung, Verkehrsplanung, Straßenverkehrsbehörde und die Verhandlungen mit Bundesbehörden einheitlich zu denken und zu gestalten. Dann könnte man sich auch für größeres Qualifizieren. Momentan hat man genug damit zu tun, den ÖV für die Neubauquartiere einzurichten und sich auf den zukünftig mit dem Fehmarnbelttunnel höhrern Skandinavien-Verkehr auf der Schienen einzurichten, Stichwort S4, Elbbrücken, Überwerfungsbauwerk Wilhlemsburg, NBS nach Hannover usw.. Auch alles viel zu träge und nicht Olympia-würdig.
Ein Kommentar, der mir aus der Seele spricht.
zusätzlich zu den Baustellen im ÖPNV können noch die teilweise desaströsen Straßenverhältnisse – Schlagloch an Schlagloch – bis zur Sperrung ganzer Straßen, Brücken oder Unterführungen wegen Baufälligkeit. Und dort macht die Dysfunktionalität von Hamburg nicht halt – das ist nicht Thema dieses Forums, aber Hamburger Parkanlagen sehen aus, als würde demnächst dort das Dschungelcamp gedreht werden, Spielplätze sind teilweise traurige Anblicke, usw.
Und wenn’s Hamburg schon im Kleinen nicht hinbekommt, fragt man sich, wie das im Großen gegangen wäre (auch wenn ich dennoch pro Olympia war).
Gewiss kann man geteilter Meinung sein, was Olympia für Hamburg bewirkt hätte, das dürfte nun Spekulation bleiben. Aber eines ist sicher: Paris als Vorbild für gelungene Spiele unterscheidet sich von Hamburg grundlegend, zumindest was die Verkehrspolitik angeht: Während SPD, CDU und Grüne in Hamburg vorrangig den Autoverkehr fördern oder zumindest nicht beeinträchtigen wollen, haben sich die Zuständigen in Paris für den entgegengesstzten Ansatz entschieden. Zum Beispiel (sehr eindrucksvoll):
https://www.focus.de/earth/saubere-luft-die-folgen-der-radikalen-pariser-verkehrspolitik-mit-karten_a4fe90d1-13bc-4da0-9af7-2b86cab13b8e.html
Tatsächlich hatte Paris mit wesentlich grösseren Problemen zu kämpfen als Hamburg. Dass dort trotz Métro und RER neue Strassenbahnlinien gebaut worden sind, ist insofern billige Polemik 😉
Danke für den sehr informativen und sachlichen Artikel. Ich denke auch, dass es jetzt als erstes der S6 an den Kragen geht, womit ich nicht sagen will, dass ich sie für sinnvoll gehalten hätte.
Letzlich hat gerade Sachlichkeit und Ehrlichkeit im einseitig finanzierten Senatswahlkampf gefehlt. Es wurden auch verkehrspolitisch abstrakte Wunschträume projiziert (grüne Verkehrsachsen ohne PKW, Kapazitäten für 10 Mio. Touristen im ÖPNV), die man – angesichts der Konzeptionslosigkeit und der Umsetzungsstaus in der Realität – vernünftig nicht nachvollziehen konnte. Wir werden bei künftigen Kostensteigerungen, Fristüberschreitungen und völligem Begraben insbesondere von sinnvollen Projekten künftig regelmäßig die Ausrede hören: mit Olympia wäre das nicht passiert.
Was den Ausbau des Hauptbahnhofs angeht, der bereits heute teilweise lebensgefährlich überfüllt ist und bei dem es nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis es zu einer Massenpanik mit Todesopfern kommt, fällt Tjark nichts anderes ein, als auf den Bund und die Deutsche Bahn zu verweisen und einen Zeithorizont von 20 Jahren für den Ausbau zu nennen. Wenn man sich die Zustände bei der S-Bahn ansieht, bei denen Hamburg ebenfalls vor allem durch Untätigkeit und Zuständigkeitsgerangel „glänzt“, gilt Ähnliches. Hamburg ist in der Verkehrspolitik vor allem eines: UNTÄTIG. Zur U5: Laut Analyse sollte Hamburg bei Olympia zusätzlich rund 1,1 Milliarden Euro vom Bund erhalten. Dieses Geld würde jedoch in keinem Fall ausreichen, um die fehlenden 8 Milliarden Euro Bundesmittel für dieses Projekt zu ersetzen. Hamburg wird daher zwischenfinanzieren müssen und dafür vermutlich auf das Sondervermögen „Schnellbahnbau“ zurückgreifen unabhängig von Olympia. Vielleicht sollte man auch einmal darüber nachdenken, dass ein Schildvortrieb sowie fahrerlose Züge zwar die Umsätze von Herrenknecht und Siemens steigern, gleichzeitig aber erhebliche zusätzliche Kosten verursachen. Diese kann und sollte sich Hamburg – selbst mit Olympia – eigentlich nicht leisten.
Was will Hamburg eigentlich mit den 2,3 Milliarden Euro machen, die die Stadt aus dem 500-Milliarden-Euro-Sonderprogramm für Investitionen der Bundesregierung erhält? Auch dazu hat man seitens des Senats bislang noch nicht einmal eine konkrete Idee vernommen. Und welche Ideen gibt es in Hamburg seitens des Senates eigentlich, was die Anforderungen im Hinblick auf den Klimaentscheid angeht? (übrigens habe ich für Olympia gestimmt obwohl ich dagegen bin, weil nämlich gar nicht so sicher bin, ob ich in 14 Jahren noch lebe mit Mitte siebzig und den jungen Leuten im Zweifel ihre Party nicht vermasseln wollte; rational betrachtet sollte man sehen, daß Hamburg weltweit viel zu unbekannt, provinziell und unbedeutend ist, um sich eine solche Veranstalung ans Bein zu binden.
Da muss ich Ihnen zustimmen: nicht nur was den ÖPNV angeht, auch was die Fahrrad-Infrastruktur angeht, aber auch so „Kleinigkeiten“ wie das Abstellen der Bettelampeln und Anpassen der Ampelphasen zum Schutz für Fahrradfahrer, ist das Tempo, was aus Herrn Tjarks Behörde an den Tag gelegt wird, durchaus steigerungsfähig.
Ja, die SPD-geführte Innenbehörde und die Polizei blockieren viele Pläne des Verkehrssenators, weil deren Interesse alleine beim Autoverkehr liegt. Aber dennoch ist das, was hier geleistet wird, viel zu langsam und zu wenig.
Ich finde, der Senat hat sich diese Ablehnung über Jahre hinweg ziemlich konsequent erarbeitet. Für finanziell schwächere Haushalte wird es immer schwieriger, in Hamburg über die Runden zu kommen, und junge Familien finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Gleichzeitig wurde die Infrastruktur viel zu lange vernachlässigt, mit den bekannten Folgen: marode Brücken und eine Stadt voller Baustellen. Dass diese Maßnahmen notwendig sind, steht außer Frage, aber ihre Umsetzung ist so komplex, dass sie für viele Hamburgerinnen und Hamburger kaum noch nachvollziehbar ist.
Dazu kommen Dauerbaustellen bei zentralen Themen. Der Hauptbahnhof und das Berliner Tor sind seit Jahren in einem Zustand, der einfach nicht mehr zeitgemäß ist, ohne dass man das Gefühl hat, dass hier wirklich Priorität draufliegt. Stattdessen setzt der Senat immer wieder auf große, teure Projekte mit viel Strahlkraft. Keine Straßenbahn, kein klarer Fokus auf Busspuren/Bus-Schnellsysteme, dafür viele Kilometer neue, teilweise automatisierte U-Bahn mit Fertigstellung irgendwann. Im Sport ähnlich: wenig nachhaltiger Ausbau in der Breite, aber gleich die ganz großen Ambitionen wie Olympische Spiele.
Beim Radverkehr zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele ambitionierte Konzepte und Visualisierungen, aber wenig Klarheit, wie das Ganze konkret planerisch und politisch durchgezogen werden soll. Und natürlich spielt auch die Bundespolitik aktuell eine Rolle, die die allgemeine Stimmung zusätzlich belastet.
Unterm Strich entsteht so der Eindruck, dass an vielen Stellen an den eigentlichen Bedürfnissen der Stadt vorbeigeplant wird.
Wenn das Geld wirklich so knapp ist, muss man es eben sinnvoll nutzen. Und uns damit zu erpressen, dass alles nur noch mit Olympia möglich wäre, ist natürlich das völlig falsche Signal.
Wenn man schon keinen ÖPNV-Masterplan hinbekommt, sollten zumindest kleinere Projekte angegangen werden, statt in völlige Untätigkeit zu verfallen. Insbesondere am Hbf gibt es eine große Anzahl and Maßnahmen, die man unabhängig voneinander umsetzen könnte. Das sollte meiner Meinung nach dringend versucht werden, um endlich spürbare Entlastung zu schaffen.