Oslo investiert 1,5 Milliarden Euro in Radverkehr-Ausbau

Hamburg will im Laufe der kommenden Jahre zur Fahrradstadt werden und viele neue Radwege bauen. Doch ein Blick über den Tellerrand zeigt: Andere Städte investieren ein Vielfaches in die Rad-Infrastruktur. Beispiel Oslo: Die norwegische Hauptstadt will pro Jahr 46 Millionen Euro dafür ausgeben. In Hamburg sind es nur rund 11 Millionen.
Von Christian Hinkelmann
Fahrradfahrer in der Stresemannstraße in Hamburg
Fahrradfahrer in der Stresemannstraße in Hamburg

Der rot-grüne Senat will den Radverkehr in Hamburg massiv ausbauen und die Hansestadt zur Fahrradstadt machen. Das erklärte Ziel: Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts soll sich der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr von heute 12 Prozent auf 25 Prozent mehr als verdoppeln.

Dafür nimmt der Senat viel Geld in die Hand: Im vergangenen Jahr wurden laut Fahrrad-Fortschrittsbericht 11,5 Millionen Euro in den Radverkehr investiert. In den nächsten Jahren sind ähnliche Summen geplant (Einzelheiten hier).

Doch ein Blick ins Ausland zeigt: Andere Städte investieren deutlich mehr Geld in ihre Fahrradinfrastruktur. Beispiel Oslo: Die norwegische Hauptstadt will in den nächsten zehn Jahren 460 Millionen Euro bereitstellen. Das sind pro Jahr 46 Millionen Euro. Das Radwegenetz soll damit von derzeit 180 Kilometer auf 510 Kilometer anwachsen. Nach 2025 will Oslo noch einmal eine knappe Milliarde Euro in den Ausbau des Radwegenetzes investieren. Das hat das schwedische Consulting-Unternehmen “Spacescape” mitgeteilt (Einzelheiten hier).

Darüber hinaus steckt Oslo viel Mühe in die Analyse der Radverkehrsbedürfnisse. So wurde für die neue Radverkehrsstrategie 2015-2015 genau geprüft, wer eigentlich  die typischen Radfahrer sind, welche Unterschiede es zwischen den einzelnen Stadtteilen aber auch Männern und Frauen sowie Kindern und Erwachsenen gibt. Für diese Analysen wurden Fragebogen verteil…

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10 Antworten auf „Oslo investiert 1,5 Milliarden Euro in Radverkehr-Ausbau“

Dafür hat Hamburg aber auch einen Hauptbahnhof, der absolut nicht mehr konkurrenzfähig ist und wo viele Millionen reingesteckt werden müsste.

Oslo ist mit Hamburg absolut nicht vergleichbar.
In Oslo gibt es auch beheizbare Bürgersteige, die meisten Vergewaltigungen / Frau in Europa und viele unzufriedene Menschen, denen die Dunkelheit und die exorbitanten Bierpreise auf den Senkel gehen.
Hamburg sieht sich mit zusätzlichen Ausgaben konfrontiert welche Oslo in diesem Ausmaß nicht hat.
Und wenn erst mal die hinsichtlich der Erschließungskosten viel zu teure Öl- und Gasförderung zum Erliegen kommt ( wer braucht heute noch Erdöl ?, Energiewende ist angesagt ) werden die Norweger heulend und zähneklappernd zu “Mutti” angekrochen kommen um auch in die EU aufgenommen zu werden.
Ich gebe meinem Vorschreiber recht, das ist wichtiger :
Im Zuge des Abrisses der potthässlichen City-Hochhäuser (die wurden jüngst verkauft) am besten gleich den halben Steintorwall/Klosterwall weghauen und da kommt dann ein Stumpfgleis 14a für den Metronom hin.
Das Gedränge bei Gleis 13/14 zur HVZ und am Sonntag Mittag, wenn die Touries abreisen ist ja lebensgefährlich.

” Erst vor wenigen Tagen hatte Oslo angekündigt, die erste Autofreie Hauptstadt Europas zu werden. Bis 2019 will die neu gewählte Stadtregierung alle Privatautos aus der Innenstadt verbannen. ”

Das kann jeder. Wir in Hamburg werden Innovationshauptstadt Europas und jedem Privatauto einen Parkplatz in der Innenstadt garantieren.

Wichtiger ist doch, was mit dem investierten Geld geschieht:
Wenn in Hamburg für teuer Geld Radwege so angelegt werden, dass die Radfahrer immer zwischen Straße und Fußweg wechseln müssen, erhöht sich die Unfallgefahr und das Geld hätte man lieber woanders ausgeben sollen.
In Hamburg wird der Anteil der Radfahrer sowieso weiter steigen, weil die Alternative für die Menschen fehlt, die sich umweltfreundlich, komfortabel und relativ schnell fortbewergen wollen. Die Radfahrer werden auch immer mehr Straßenraum nutzen, weil der Platz auf den Fusswegen nicht ausreicht. Was der rot-grüne Senat jetzt noch machen könnte, wäre die Infrastruktur so zu verbessern, dass Autofahrer, ÖPNV-Nutzer und Radfahrer sich weniger in die Quere kommen. Die Umbauten für die Busbeschleunigung zeigen, dass dies eindeutig nicht das Ziel des Senates ist…
Wenn 259 Mio € für Busbeschleunigung ausgegeben werden mit dem Effekt, dass eine Linie beschleunigt werden konnte, dass Radfahrstraßen aufgehoben werden, und dass die Kreuzungen noch mehr Autoverkehr verkraften können, ist das für den ÖPNV, aber auch für den Radverkehr unsinnig ausgegebenes Geld.

Ich wünsche den Osloern, dass das zur Verfügung gestellte Geld sinnvoll – also im Interesse der Fahrradfahrer – ausgegeben wird…

Ich bin gebürtiger Hamburger, lebe aber in Kopenhagen. Und ich muss sagen: Was in Hamburg in Sachen Radwege gemacht wird, ist absolute Grütze. Kopenhagen wird von der Politik immer gerne als Beispiel genannt; tatsächlich nimmt man sich aber kein Beispiel an der Stadt. Schade eigentlich!

Hier sind die Radwege dermaßen gut ausgebaut, dass tatsächlich die wenigsten Leute Auto fahren. Dafür wurde für den Ausbau der Radwege (die in jeder größeren innerstädtischen Strasse vorhanden sind: das ist in HH auch nicht wirklich absehbar) auch viel Geld in die Hand genommen, und Fahrspuren für Autos sind teilweise auch weggefallen. Das traut man sich in Hamburg doch sowieso nicht…

Mein Fazit: In Kopenhagen fahre ich Fahrrad, in Hamburg Auto oder auch manchmal U-Bahn…

@gonger
Oslo hat, nachdem es die Bedingungen des IOC erfahren hat, die Bewerbung zurückgezogen. Das kann der HH SPD nicht passieren.
Norwegen hat EUR 780 Milliarden in Pensionsfonds aus Überschüssen angelegt, bei 4,5 Mio Bewohnern. In D hat allein der Bund 1,2 Billionen Schulden.

Es stimmt, Oslo/Norwegen ist wirklich nicht mit HH/D vergleichbar. Hier werden die dümmsten Projekte durchgezogen ( Olympia/Stuttgart 21) koste es was es wolle.

“wer braucht heute noch Erdöl ?, Energiewende ist angesagt ”

Ich würde sagen: die Hamburger. Anders kriegen die ihre Mobilität ja nicht hin und da traut sich auch niemand, heute die Weichen zu stellen.

Tschuldjung, ich vergaß: Mit einem Elektroauto kann man jetzt gratis parken in Hamburg. Die Meldung fand ich großartig: Da war wieder echte Hamburger Kompetenz zu spüren: denn die lächerlichen Parkgebühren in Hamburg gibt es ja nur da, wo viel zu wenig Parkraum vorhanden ist – und nicht aus Umweltgründen zur Eindämmung des Autoverkehrs. Das E-Auto braucht aber genauso viel Platz wie ein normales Auto. Hallo? Hamburg? Jemand zuhause? Mal nachdenken?

Als Münchner, der 20 Jahre die Abgase der Autostadt Hamburg eingeatmet hat, geniesse ich seit 2 Jahren jede Sekunde in Oslo. Radfahren ist hier ein Traum und das harmonische Zusammenspiel von Fußgängern, Radfahrern, Rollerskifahrern, Elektroautos, Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen zeigt, wie einfach Verkehr funktioniert, wenn alle Beteiligten ihren Verstand gebrauchen und Autofahren in der Stadt nicht gefördert wird. Wenn alle sich an die Spielregeln halten, dann regen auch Citymaut, zahlreiche automatische Straßensperrungen für Autos zwischen 07-09 Uhr und empfindliche Strafen (Radfahren ohne Licht = 95 EUR, 1x Falschparken ab 70 EUR) niemanden auf.
Man kann auch in Hamburg mit wenig Geld viel erreichen, wenn man nur wollte. Solange das Hauptbestreben der Hamburger Politik jedoch darin besteht, möglichst viele Autos auf möglichst vielen Fahrspuren direkt in die Innenstadt zu leiten, ist das Chaos vorprogrammiert. Es sind noch viele Critical Masses in Hamburg notwendig um das Verhalten der Betonköpfe zu ändern, für eine lebenswerte Stadt.

Vielen Dank für diesen Vergleich! Es lohnt immer der Blick über den Tellerrand, der uns diesmal wieder schön vor Augen führt, was dieses Hamburger “Fahrradstadt”-Gefasel eigentlich wert ist. Nicht, dass man mich missversteht: (fast!) jede Investition in das Radwegenetz ist gut angelegt und richtig. Aber man sollte diese Selbstverständlichkeit nicht unbedingt als dicke Innovation verkaufen.

Björn hat schon recht: Der Hauptbahnhof ist tatsächlich die drängendste Aufgabe. Die genannten “Fahrradstadt”-Kosten werden gegen das Geld, was hier verbraten werden müsste, lächerlich sein.

Dass die Hamburger Verkehrsplaner auch dann versagen, wenn sie Geld für Fahrradinfrastruktur in die Hand bekommen, haben sie ja am Harvestehuder Weg bewiesen. Obwohl im Alstervorland massenhaft Platz für einen tollen Radweg wäre, lässt man den vorhandenen separaten Radweg verwahrlosen und nötigt die Radfahrer, sich mit Auto-Durchgangsverkehr auf einer engen Straße zu drängen. Dümmer geht’s nimmer.

Radverkehr auf der Straße ist auf einigen Hauptstraßen und ruhigen Nebenstraßen im Häusermeer sinnvoll, aber es ist doch kein Patentrezept! Wo Platz ist (wie im Alstervorland oder an der südlichen Bebelallee), ist ein separater Radweg allemal besser und sicherer, das ist doch völlig selbstverständlich. Schlimm ist, dass das Verpulvern von Geld für völlig sinnbefreite Maßnahmen anscheinend auch noch mit Billigung des ADFC geschieht.

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