Provisorische Treppen am Hauptbahnhof: Verpasste Aufstiegschance

Der Bau von fünf provisorischen Fußgängertreppen am Hamburger Hauptbahnhof gerät zur Posse: Nach jahrelanger Planung und monatelangem Bau kann die Deutsche Bahn derzeit nicht sagen, wann das Projekt komplett fertig wird. Ein Treppenwitz, meint NAHVERKEHR HAMBURG-Redakteur Thomas Röbke. Ein Zwischenruf.
Thomas Röbke
Eine der neuen provisorischen Treppen von der Steintorbrücke zu den Bahnsteigen am Hamburger Hauptbahnhof.
Eine der neuen provisorischen Treppen von der Steintorbrücke zu den Bahnsteigen am Hamburger Hauptbahnhof.
Foto: Christian Hinkelmann

Wenn man sich in einer deutschen Großstadt mit Auf- und Abstiegen bestens auskennt, dann auf jeden Fall in Hamburg. Die fünf Fußgängertreppen (siehe hier), die zur Entlastung der Menschenströme im Hamburger Hauptbahnhof beitragen sollen, qualifizieren jedoch nicht zur Meisterschaft, momentan stehen die Signale eher auf Regionalliga.

Die Idee, als schnelle Entlastungshilfe im überfüllten Hauptbahnhof zusätzliche Zu- und Abgänge direkt von den Bahnsteigen zu bauen, tauchte erstmals im Zuge der geplanten Olympia-Bewerbung Hamburgs vor sieben Jahren auf (siehe hier). Damals war noch die Altmannbrücke im Gespräch, daraus wurde später die Steintorbrücke. Schon aufgrund ihrer Nähe zum ZOB und zur Mönckebergstraße zweifellos die sinnvollere Alternative. Im Herbst 2018 kam dann der offizielle Anpfiff von Bahn und Stadt. Das Treppenspiel konnte beginnen (siehe hier).

Treppen erst in der Nachspielzeit eröffnet

Die Partie begann erst einmal defensiv ­– mit zweieinhalbjähriger Planung. Im September 2021 wechselten dann endlich die Treppen mit den Bahnsteignummern 4, 5 und 6 ins nun …

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Thomas Röbke ist freier Redakteur in Hamburg und schaut bei der Arbeit direkt auf den ZOB. Nach Aussage seiner Mutter war sein erstes Wort „Bus”. Vorm Einschlafen schaut er gerne bei Youtube Videos mit Hamburger Straßenbahnen. Wenn er wach ist, schreibt er über alles außer Sport.

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8 Antworten auf „Provisorische Treppen am Hauptbahnhof: Verpasste Aufstiegschance“

Was ich mich immer frage: wenn man für eine Handvoll Treppen, die als Stahlgerüst auf einen Bahnsteig gestellt werden, 2.5 Jahre Planungszeit braucht, wie kann man dann beim Bau noch von irgendetwas überrascht werden?! Was ist in der ganzen langen Zeit passiert, wenn man schon nicht die Örtlichkeit genau untersucht?
Ich werde das Gefühl nicht los, dass es einfach an wahnsinnig träger Bürokratie liegt…

Ich teile die Einschätzung des Kommentators. Um bei einem Vergleich aus Hamburg zu bleiben, die Bahn ist wie der HSV, sie schafft es nicht. Andererseits sollte uns das nicht wundern. Die Erfahrung zeigt ja, der Bahnhof Elbbrücken ist mit einem Jahr Verspätung fertiggestellt worden. Ich konnte die jahrelange Renovierung des S-Bahnhofes Stadthausbrücke sehen und leider begleiten, der Einbau eines einzelnen Fahrstuhls an den Landungsbrücken stand unter keinem guten Stern. Die Treppen am Hauptbahnhof sind nun auch keine Wunderwerke der Ingenieurskunst und sie sind auch nicht einzigartig. Nun sind das alles keine Baumaßnahmen die noch nie irgendwo anders durch geführt wurden, also keine Pilotprojekte die eine besonders ausgeklügelte Planung und Erfindungsgeist voraussetzen. Ich sehe es wie der Kommentator, der geplante Um- und Ausbau des Hauptbahnhofes erscheint mir wie eine Drohung für die Zukunft. Ausserdem frage ich mich, warum muss noch Umgebaut werden wenn es – irgendwann in ferner Zukunft – einen besseren Zugang zu den Bahnsteigen gibt. Darum sollte es doch gehen oder? Nun möchte ich aber auch nicht nur meckern sondern auch einen Vorschlag machen. Die gesamte Planung für Schnellbahnen in Hamburg wird der Hochbahn übertragen, dort scheinen ja Fachleute zu sitzen die die Umgebung kennen, die Planen können und die Finanzen im Auge behalten.

Ein interessanter Beitrag, allerdings kann man als Nutzenden kaum verstehen wie so es so schwierig sein soll neue Zugänge zu machen, zumal es ja nur provisorien sind. Dass man bei so einen (wie alt ist noch mal der Hauptbahnhof?) mit unwägbarkeiten rechnen müsste, kann sich sogar ein uneingeweihter vorstellen. Warum aber ein Bahnsteig besonders schwierig ist, ist noch viel weniger zu verstehen. Und die Informationspolitik der Bahn macht nur wütend. Dass man Fehler machen kann ist eines, aber offen damit umgehen ist ein ganz andres Ding. Aber irgendwie scheint ja die deutsche Bahn solche Presse zu lieben, sonst würde sie vielleicht mal anfangen anders zu agieren.

die Deutsche Bahn ist halt darauf getrimmt, alle Teile des Unternehmens in Profit Center zu verwandeln. Weder ist es eben ein umweltfreundliches Unternehmen noch interessiert man sich für die Beförderung von Gütern bzw. Passagieren. Gebaut wird nur, wenn öffentliche Mittel bereitgestellt werden, Zeitpläne sind dann eh egal – die Gemeinschaft zahlt ja eh -. Jeder Unternehmer, der sich so am Markt verhalten würde wie die Deutsche Bahn, wäre entweder im Knast oder pleite. Ob es nun um die albernen Treppen am Hbf geht, die skandalösen Zustände, was den Bau des Haltepunktes Ottensen angeht, die 75 Millionen, die für den Bau des Haltepunktes Elbrücken ausgegeben wurden. Die Reihe der Bauskandale liesse sich endlos fortsetzen. Leider fühlt sich in der Hamburger Politik auch niemand bemüßigt, endlich glaubwürdig dazwischen zu gehen.

Die Treppen sehen zwar stylisch aus und entnsprechen dem neuen Corporate Design der DB, sind aber disfunktional, weil nur Treppenstufen und keine Rolltreppen. Daher quälen sich morgens lange Schlangen von Passageiren die Treppen hoch, Eine Rolltreppe hätte eine höhere Beförderungskapazität. Fraglich ist noch, was der ganze Treppenwitz am Ende gekostet hat und wer was bezahlt? Einfachere Treppen hätten schon vor Jahen erichtet werden können. Und Abgangstreppen von der Altmannbrücke sind dringender denn je. Aber die DB wird sicher schon wieder ein intelligente Ausrede finden, warum das angeblich nicht geht. Die Treppennummer ist symptomatisch für alles was die DB anfasst: dauert zu lange, kostet am Ende mehr als das Vierfache (siehe S-Bahn-Station Ottensen) und wird mit zwei bis vier Jahren Verspätung Fertig. Daher kann man der DB nur den Rat geben, lasst bitte die Finger vom Neubau des Fernbahnhofs Diebsteich, es wird Euer Stuttgart 21 für Hamburg. Wenn man es noch nicht einmal schafft kaputte Bahnsteidächer, durch die es durchregnet zu reparieren, wie will man dann eine hunderte von Millionen teures Neubauprojekt abwickeln? Und dem Hamburger Klima wäre auch geholfen, wenn Ihr den Bahnhof Altona sanieren würdet und die Bautätigkeit am Diebsteich auf den barriefreien Ausbau der S-Bahnstation dort beschränkt. Die Bürger würden es Euch danken!

Auch wenn Diebsteich verspätet fertiggestellt werden sollte und teurer werden sollt: Es wird gebaut werden und außer 2-3 Herren aus Altona stört der Bau auch niemanden. (Und woher nehmen Sie überhaupt die Annahme, daß Diebsteich teurer wird; bisher gibt es dafür nicht den geringsten Hinweis). Es ist einfach nur ermüdend, mit welchen oft auch schlicht absurd falschen Vergleichen “Prellbock” argumentiert (Stuttgart 21): Diebsteich ist kein verlassenes Industriegebiet, der Ferlemanntunnel wird gerade auch so ausgerichtet, daß die Kapazitätsprobleme der S-Bahn gelöst werden, es wird diese unselige Spaltung von Altona endlich beendet werden. Bis heute haben Sie kein Argument vorgebracht, warum Altona alt für Fernfahrer Richtung Süden eigentlich attraktiver sein soll als Diebsteich. (außer natürlich für die Bewohner von Ottensen. Wenn man die Neuentwicklung von Diebsteich gut hinbekommt, dann kann das ein sehr attraktiver Stadteil werden und Diebsteich als Fernbahnhof kann da einen hervorragenden Beitrag leisten. Für Ihre Ring S-Bahn gibt es im übrigen weder Bedarf, noch auch nur eine politische Partei, die das ernsthaft will von den Kosten ganz zu schweigen.

Sehr schön geschrieben! 🙂
Aber sehr traurig, dass die Deutsche Bahn aber auch nichts (vernünftig) hinbekommt. 🙁
Es handelt sich NUR um ein Provisorium!
Wird interessant was uns beim großen Umbau des Hauptbahnhofes erwartet und beim Neubau des Fernbahnhofs Altona.

Endlich einmal wieder ein Artikel, der dem Portal Nahverkehr Hamburg gerecht wird. Meine Frage an die DB ist: Wieso ist das so, warum bekommt die DB mit ihrem Management das immer nicht hin? Und da gibt es zig weitere Beispiele:
Ein weiterer Treppenwitz ist die S-Bahnstation Ottensen.
Planung mit ?
Bau mit ?
Kosten dreimal gestiegen … kaum zu glauben aber DB amtlich.
Mir graut bei diesen Treppenwitzen vor Diebsteich. Es wird ein Fiasko.Die Bahn weiß jetzt schon, er ist zu klein, an der falschen Stelle, die Kosten werden auf 1 Milliarde€ steigen.
Wo, wie die 22 zusätzlichen und notwendigen Weichen hinkommen, ist in der Planung.
Autoreisezuganlage ??
S 32 Ausfädelung am Diebsteich wie?
Also Nahverkehr Hamburg könnte (s)eine Treppenwitzserie starten.
Der Alltag der DB dazu ist weiterhin fast jeden Tag Treppenwitz:
30.03.2022 IC507 nach Berlin um 8.18 ab Altona.
Fährt pünktlich los und bleibt dann 55 min auf Gleis 8 im Hauptbahnhof stehen. Ausfahrts-Signal defekt.
Es wird ein Elektriker bestellt, der brauchte 50 min bis zum Hbf , um dann in 5 min. das Signal zu reparieren.

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