Rechnungshof bemängelt Busbeschleunigungsprogramm

Der Hamburger Rechnungshof hat in seinem neuesten Jahresbericht das Busbeschleunigungsprogramm des SPD-Senats kritisiert. Die Prognosen zur Reisezeitverkürzung seien nicht nachvollziehbar hergeleitet, heißt es darin. Die Prüfer fordern Aufwand-Nutzen-Rechnungen vor dem Umbau von Kreuzungen.
Christian Hinkelmann
Bauarbeiten zur Busbeschleunigung in Hamburg mit einem Metrobus der Linie M5
Bauarbeiten zur Busbeschleunigung am Bezirksamt Eimsbüttel. Bau der Halteinsel für die Metrobuslinien M4 und M5. Im Hintergrund ein Doppelgelenkbus (XXL-Bus) der Linie M5.

Der Hamburger Rechnungshof hat mehr Sorgfalt beim Busbeschleunigungsprogramm des SPD-Senats angemahnt. In seinem gestern vorgestellten Jahresbericht bemängeln die Prüfer, dass der Nutzen des 259 Millionen Euro teuren Programms nicht in jedem Fall nachgewiesen sei.

Konkret wird kritisiert, dass der verantwortliche Landesbetrieb Straßen Brücken und Gewässer (LSBG) die in Gutachten prognostizierten Fahrzeitverkürzungen auf den einzelnen Buslinien aufgrund eigener Einschätzungen um 19 bis 29 Prozent erhöht hat, ohne dies näher zu erklären.

Die Rechnungsprüfer gestehen dem LSBG zwar zu, Gutachterprognosen kritisch zu hinterfragen – sofern dies aber in der Folge zu Änderungen führe, sei es unverzichtbar, die neuen Annahmen und ihre Grundlagen aussagekräftig zu dokumentieren, heißt es in dem Bericht. Dies müsse vor allem dann gelte, wenn solche veränderten Werte in Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Baumaßnahmen einfließen würden. „Ohne die transparente Herleitung der verwendeten Daten sind diese als Entscheidungsgrundlage nur eingeschränkt tauglich“.

Der Landesbetrieb hat bei diesem Punkt – laut Prüfbericht – inzwischen Besserung zugesagt.

Außerdem kritisieren die Rechnungsprüfer, dass bei den Busbeschleunigungsarbeiten auf der Metrobu…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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5 Antworten auf „Rechnungshof bemängelt Busbeschleunigungsprogramm“

@Radfahrer
Die idee mit der aufladbaren Karte gab es in Hamburg bereits; nur nicht als eigenständige Karte.

Bei der Hochbahn konnte man in Bussen mit dem neuen Terminal mit der EC-Geldkarte bezahlen. Wenn man, wie den Entwertern die einige Städte verwenden, mehrere Geräte montiert, mehr Werbung dafür gemacht und der Handel die Geldkarte ebenfalls mehr anhenommen hätte wäre das ein gutes Medium geworden das Bargeld ab zu lösen.
Leider hat der Handel kein Interesse an der Geldkarte. Da alle Zahlungen kommen anonymisiert aus einem Sammelkonto der Banken kommen kann der Handel die Person (wie beim Bargeld) nicht identifizieren oder das Kaufverhalten auswerten.

Busbeschleunigung ist auch durch Entlastung des Busfahrers möglich. Er sollte keine Fahrkarten mehr verkaufen. In anderen Städten gibt es z.B. Entwerter oder sogar elektronische Lesegeräte. Man hält einfach sein RFID-Karte vor das Gerät, der Startpunkt wird auf der Karte mit Guthaben notiert. Am Ziel wird der Fahrpreis abgebucht. Die Karte kann an allen Fahrkartenautomaten wieder aufgeladen werden. Keine Kleingeldsorgen mehr!
Das System gibt es! – In San Francisco
Die Stops der Busse sind dort bedeutend kürzer als bei uns.
Bestimmt ließe sich das System für 260 Millionen Euro realisieren.
Zeitungsverkauf, durch Busfahrer, sollte ein absolutes NoGo sein.

Endlich bemüht sich mal eine offizielle Instanz mit diesem Verschwendungswahnsinn der SPD. Hoffentlich ziehen die bald die Bremse, daß das Geld endlich in sinnvolle Projekte und Maßnahmen fließen kann.

Ich halte das Busbeschleunigungsprogramm für sinnvoll. Man sollte es jetzt keines falls mehr stoppen, denn damit ist niemanden geholfen. Die Busspuren helfen vor allem bei Stau, außerdem ist es eine einmalige Investition, die wenig Folgekosten hinterherzieht.

So wichtig und sinnvoll die einzelnenm Maßnahmen des busbeschleunigungsprogramms im Detail sein mögen, da werden sich die Hamburger Behörden wohl vorhalten müssen, den Busverkehr künstlich schön gerechnet zu haben. Um auf den Linien der eigentlich notwendigen und sinnvollen Stadtbahn etwas entgegen zu setzen?

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