Rekord: Kopenhagen hat erstmals mehr Fahrräder als Autos

Rekord in Kopenhagen: In der dänischen Hauptstadt gibt es erstmals mehr Fahrräder als Autos. Allein im vergangenen Jahr hat der Radverkehr dort um 15 Prozent zugenommen.
Von Christian Hinkelmann

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat einen Verkehrsrekord aufgestellt: Erstmals gibt es dort offenbar mehr Fahrräder als Autos. Das berichtet die britische Zeitung “The Guardian” (hier Original lesen).

Demnach haben die 20 Fahrradzähler in der Stadt (562.000 Einwohner) bis Ende November 265.700 Fahrräder gezählt, die Zahl der Autos soll dagegen nur bei rund 252.600 Autos liegen. Allein im vergangenen Jahr soll der Radverkehr in Kopenhagen um 15 Prozent zugenommen haben. In den vergangenen 20 Jahren lag das Plus laut “The Guardian” sogar bei 68 Prozent.

Die dänische Hauptstadt versucht seit 1970 zielstrebig, den Autoverkehr zu verringern. Damals gab es noch rund 350.000 Autos und rund 100.000 Fahrräder.

Seitdem wird kräftig in den Ausbau der Fahrradwege investiert – allein in den vergangenen zehn Jahren waren es rund 130 Millionen Euro. Dazu gehörte zum Beispiel der Bau mehrerer reiner Fahrradbrücken in der Innenstadt. Breite Fahrradwege sind selbst in engen Innenstadtstraßen selbstverständlich. In die Vororte Kopenhagens gibt es regelrechte Fahrradautobahnen.

Zum Vergleich: Hamburg hatte im Jahr 2008 nur 2,6 Millionen Euro in den Fahrradverkehr investiert, 2014 waren es immerhin 11,4 …

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14 Antworten auf „Rekord: Kopenhagen hat erstmals mehr Fahrräder als Autos“

Eine komplett autofreie Innenstadt Kopenhagens mit Fahrrädern, Fußgägern, U Bahn und Straßenbahn ist in einigen Jahren tatsächlich vlrstellbar, erste Baumaßnahmen gibt es ja dazu einschließlich Planungen die Stadtbahn wieder in die Innenstadt vorzustrecken.

Leider fehlt dazu in Hamburg nahezu alles, statt an der Elbphilharmonie Fahrradabstellplätze zu bauen, sind die Fahrradwege erstlinig Autoabstellplätze. Soviel zum fahrradfreundlichen Hamburg. Der ÖPNV soll nach 2025 mit einer mäandernten U 5 angeblich besser werden, alle andere Verbesserungen sind Fehlanzeige, vielleicht außer der Einsparung von 5 Min. Fahrzeit bei einigen Bussen mit Millionenaufwand.
Da kann man erstaunt nach Dänemark blicken, nur blicken ohne Konsequenzen hilft nicht viel.

U4-Verlängerung, S21, S4, … kann man doch alles auf dieser schönen Seite verfolgen. Wenn das “Bündnis für den Radverkehr” ähnlich erfolgreich ist wie jenes fürs Wohnen, steht es auch nicht (mehr) so schlecht um den Umweltverbund.

Die sechs Minuten bei der M5, die ja nur ein kleiner Teil der Busbeschleunigung sind, sind auch nicht so wenig. Das macht bei zwei Fahrten zwölf Minuten pro Tag. Bei 220 Arbeitstagen also 44 Stunden pro Jahr. Also mehr als eine Arbeitswoche Einsparung pro Fahrgast. Klar, nicht jeder fährt komplett von Niendorf bis zum Hauptbahnhof, aber man nutzt ja nicht nur an Arbeitstagen den Bus, sondern z.B. auch wochenends oder wenn man abends nochmal etwas unternimmt. Zudem sind niedrigere Umläufe mit der selben Zahl an Fahrzeugen möglich und die Pulkbildung reduziert sich -> mehr Kapazität und bessere Anschlüsse. Mit so wenig Geld kann man nicht mehr Geld erreichen, zumal es nichts nützt, ein Verkehrssystem gegen andere auszuspielen.

Und glauben Sie mir: das Kopenhagener U-Bahnnetz möchte auch niemand in Hamburg haben. Von einem Netz kann man nicht einmal sprechen. Es sind nur zwei Linien mit zusammen nicht einmal 28 Kilometern, wovon der Großteil parallel läuft.

2019 wird Kopenhagen (86 km² Fläche) etwa 40 km U-Bahn haben.
Hamburg liegt auf 750 km² bei 104 km.

Ich sehe selbst da Kopenhagen vorn.

@Lokstedter:
Der Großteil des schienengebundenen ÖPNV wird in Kopenhagen auch nicht per U-Bahn, sondern per S-Bahn abgewickelt. Das S-Bahn-Netz ist ziemlich gut ausgebaut (und es gibt W-LAN in den Zügen).

Die neue U-Bahn-Ringlinie wird zudem bald fertiggestellt. In Hamburg will ich das erstmal sehen, dass man tatsächlich anfängt, die U5 zu bauen.

“U4-Verlängerung, S21, S4, … kann man doch alles auf dieser schönen Seite verfolgen”
Wie sagte sinngemäß, so vermute ich ihr Lieblingspolitiker O. Scholz: Das kommt alles wenn ich nicht mehr regiere.
Aber schön, dass es so optimistische Menschen wie Sie gibt, die der Hamburger Sozialdemokratie im Bereich Verkehr soviel zutrauen. ( wo sie in der Vergangenheit immer kläglich versagt haben)

nur macht ein Vergleich nach dem Motto “schlechteste Situation in Hamburg” vs “beste Situation in Kopenhagen” absolut keinen Sinn.
Man könnte auch Vorzeige Beispiele/top ausgebaute Radwege in Hamburg gegen schlechte Seitenstraßen in Kopenhagen (z.b. irgendwo Kopfsteinplflaster) zeigen und dadurch sagen das Hamburg mehr Fahrradstadt ist als Kopenhagen 😉 also wirklich im warsten Sinne des Wortes kommt es auf den BLICKWINKEL an 😀

Das Bild stellt die übliche Situation in beiden Städten dar.
Wo soll es denn in HH einen Radweg geben, der mit dem gezeigten aus CPH vergleichbar ist?

15% Zuwachs von einem ohnehin sehr hohem Niveau aus.

Kopenhagen erntet jetzt die Früchte einer nachhaltigen Radverkehrspolitik: Allen Bevölkerungsschichten, und ganz besonders Kindern, durch geeignete Infrastruktur das Radeln ermöglichen.

Zum Vergleich Hamburg: Anstatt die verwahrlosten Radwege auszubauen, ersetzt Rotgrün sie durch Streifen. Kindern wird dadurch das Radfahren zu einem großen Teil unmöghlich gemacht – der Elternbringeverkehr zu Schulen, Sportvereinen etc nimmt rapide zu.

Die Zeche zahlen nicht nur die Kinder, denn Bewegung macht klug, wie die Pädagogik spätestens seit den alten Römern weiß: Mens sana in corpore sana. Nicht bewegen macht dumm.

Die Zeche zahlt der Radverkehr: Der Nachwuchs ist zunehmend abgeschnitten. Die Kinder lernen alle, auch kurze Weger mit dem Kfz zurückzulegen.

Die Zeche für diese kurzsichtige rot-grüne Radverkehrspolitik zahlen Stadt und Umwelt.

Den Aspekt der nicht nachwachsenden Fahrradfahrer_innen-Generation hab ich noch gar nicht auf dem Schirm gehabt. Unsichere Radwege/-routen sind da der Hauptgrund NICHT Fahrrad zu fahren – selbst beim schönsten Sommerwetter. Und NEIN: Radstreifen, die schnell auf die Strasse gepinselt werden so dass neben 4-Klässlern tonnenschwere LKWs vorbeidonnern sind keine Lösung.

@Vorstadt STrizzi. Was was Sie da schreiben ist ist Verlauf völliger Quatsch. Kinder durften schon immer und dürfen auch in Zukunft auf dem Gehweg fahren, offiziell bis 10, toleriert wird das aber eher bis 14. Und dann ist ein gut ausgebauetr Radstreifen das Sicgherste was es gibt, man gucke sich nur die letzten dramatischen Fahrradunfälle in Hamburg an – alles Abbiegeunfälle mit Radweg auf dem Gehweg. …

Wenn man den Radfahrern mehr Raum geben möchte, ohne dabei die Fußgänger zu beeinträchtigen, muss man diesen Raum dem motorisierten Verkehr wegnehmen. Was in Kopenhagen funktioniert, trifft im Autoindustrieland Deutschland, leider, auf deutlich höhere Widerstände. Wahrscheinlich müssen Fahrradfahrer, und auch ÖPNV-Nutzer, einfach noch etwas Geduld haben, bis sich unsere Autoindustrie durch ihre Realitätsverweigerung (Stichwort: Elektromobilität) selbst ruiniert hat. Dann nimmt vielleicht auch die Anzahl der Vollgas-Lobbyisten im Bundestag ab …

Nun ja, selbst E-Autos verbrauchen Platz, der in verdichteten Gebieten einfach nicht vorhanden ist. Insofern unterscheiden sie sich nicht von konventionell betriebenen. Das Einzige was Abhilfe schafft sind Fahrräder, ein guter und dichter ÖPNV, sowie zum geringen Teil auch Carsharing.

Die Überschrift ist übrigens unsinnig. Selbst in Hamburg gibt es seit jeher mehr Fahrräder als Autos. Die Aussage des Artikels ist jedoch eine völlig andere als die Überschrift suggeriert. In Kopenhagen wurden an den Zählstellen erstmals mehr Fahrräder gezählt als es gemeldete PKW gibt.
Nun müsste man noch schauen, wie die Zählstellen verteilt sind und wie die Stadtstruktur ringsherum ist und wie sich diese in den letzten Jahren verändert hat – Kopenhagen wächst ja kräftig – sodass man diese Zahlen auch sinnvoll einordnen müsste.
Ein Problem bleibt dann aber noch: Besitz und Nutzung sind zwei Kenngrößen, die man üblicherweise nicht gemixt angibt, weil bspw. Leihfahrzeuge deutlich mehr genutzt werden als private Fahrzeuge. Ein Sharing-Fahrzeug ersetzt oft 8 – 12 Fahrzeuge und dann gibts da noch das Problem, dass Besitz nichts über die Nutzung aussagt.

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