Nutzen liegt jährlich nur 0,4 Millionen Euro über Kosten

Dass der gesamtwirtschaftliche Nutzen der geplanten S-Bahn nach Kaltenkirchen nur knapp höher ist als die Kosten, ist seit Ende vergangenen Jahres bekannt. Aber wie gering der Kostenvorteil wirklich ist, zeigen neue Zahlen aus dem schleswig-holsteinischen Landtag: Nur 430.000 Euro im Jahr.
S-Bahn und AKN nebeneinander im Umsteigebahnhof Eidelstedt in Hamburg
S-Bahn und AKN nebeneinander im Umsteigebahnhof Eidelstedt in Hamburg

Der gesamtwirtschaftliche Nutzen der geplanten S-Bahn nach Kaltenkirchen liegt nur wenige hunderttausend Euro pro Jahr über den Kosten. Das geht aus neu veröffentlichen Detailunterlagen einer Kosten-Nutzen-Analyse hervor, die NahverkehrHAMBURG vorliegen.

Demnach liegt der gesamtwirtschaftliche Nutzen des Projekts bis 2025 bei insgesamt 4,08 Millionen Euro im Jahr. Darin erfasst sind zum Beispiel Einsparungen durch Reisezeitverkürzungen, sowie niedrigere PKW-Betriebskosten, da die künftige S-Bahn voraussichtlich mehr Autofahrer zum Umstieg auf die Bahn motiviert als die heutige AKN.

Dieser Summe stehen Kosten in Höhe von insgesamt jährlich 3,65 Millionen Euro bis 2025 entgegen, die beispielsweise für den Ausbau der AKN-Strecke und den Betrieb der S-Bahn nötig sind.

Im Ergebnis liegt der gesamtwirtschaftliche Nutzen somit lediglich um 430.000 Euro pro Jahr über den Kosten – und das, obwohl die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein die Kosten bereits radikal gedrückt haben. So wurde zum Beispiel die für das Projekt nötige Einrichtung einer neuen S-Bahnlinie in Hamburg (S32) deutlich verkürzt. Sie soll nicht mehr – wie ursprünglich geplant – von der Elbgaustraße über die Innenstadt nach Harburg fahren sondern schon am Hauptbahnhof enden.

Wie hauchdünn das wirtschaftliche Plus des S-Bahn-Projekts ist, wird in den Erläuterungen zur Kosten-Nutzen-Analyse deutlich. Darin heißt es: “Sollten dem Projekt weitere Kosten auferlegt werden, ist das bisherige positive Ergebnis gefährdet.” (

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15 Antworten auf „Nutzen liegt jährlich nur 0,4 Millionen Euro über Kosten“

Ok, die S32 wird also völlig zweckentfremdet und soll also plötzlich nicht nach Harburg fahren? Da werden sich sicher vieeele drüber freuen…

Also da kann man schon über den Sinn streiten,

Wieso wird nicht einfach die S4 nach Elbgaustraße geführt?

Aber wohl wayne. Die Politik gibt’s vor, es wird wohl so kommen wie geplant…

hauch dünn und knapp wirtschaftlich? Also wenn für jemanden eine halbe Million nichts wert ist, dann darf er sie gerne mir überweisen!

Manchmal wünsche ich mir eine Diktatur mit einem sympathischen und intelligenten Ideengeber an der Spitze, der sagt, wo es langgeht. Dieses ganze Hin und Her, aus dem dann nix außer viel Diskutiererei hervorgeht, ist langsam unerträglich. Klar, man muss Großprojekte aus allen Blickwinkeln vorher beleuchten, damit man so genau wie möglich weiß, worauf man sich einlässt. Es gibt eigetnlich immer auch viele Negativ-Gründe. Aber deswegen gar nichts zu machen, ist fatal.

Das Nahverkehrssystem in HH ist -wie schon an anderer Stelle erläutert- erstaunlich effektiv, hat aber seit gefühlt 100 Jahren keine Erneuerung oder Verdichtung erfahren. Und genau das ist das größte Übel. Daran muss endlich gearbeitet werden! Wenn das Schienennetz insgesamt mal engmaschiger würde, dürfte diese seltsam abstrakte Zahl des “wirtschaftlichen Plus” auch deutlich höher ausfallen, als da jetzt für die S21 ausgerechnet wurde.

Und es gibt noch viele Stellen, an denen U- und S-Bahn relativ einfach ausgebaut werden könnten.

Also ich würde sagen: Dumm gelaufen. Ich denke nicht, dass der Bund solch ein Projekt, welches Gafahr läuft unwirtschaftlich zu werden, unterstützt. Da können sich die Länder noch so querstellen und Hanno Krause kann auch noch so viele Briefe an Frau Merkel schreiben.

Wenn der wirtschaftliche Nutzen einer S-Bahn nach Kaltenkirchen nur unwesentlich über den Kosten liegt, und auch noch etliche Mitarbeiter der AKN sich gegen das Projekt stellen, sollte man doch das gesamte Vorhaben nicht weiter verfolgen. Denn daß voraussichtlich eine S-Bahn mehr Autofahrer zum Umstieg auf die Bahn motiviert als die heutige AKN, ist reines Wunschdenken.

In dem PDF des Landtages steht unter anderem “Im Ergebnis bleibt […] S 32 vom Hauptbahnhof bis zur Elbgaustraße.”
Aber ist es nicht aktuell in der HVZ der Teil der S3/S31, der mit die stärkste Auslastung hat? Entsprechend sollte die neue S32 doch gerade bis Harburg (Rathaus?) fahren, um diesen Ast zu entlasten.

Wenn ich die Strecke Hbf bis Harburg-Rathaus (HH-Harburg lässt meines Wissens ein Wenden einer S-Bahn in der HVZ nicht zu) mittels Google Maps mit 12,5km Länge annehme und weiterhin unterstelle, dass derzeit nur an Tassengebühr (also Nutzung der S-Bahn-Gleise ohne Haltestellen) von 1,70€/km anfallen (siehe Wikipedia, Tassengebühr), wären das 12,5km*1,70€/km = 21,25€ je Zug
Weiter angenommen: Nur werktags von 6-9 Uhr und 16-18 Uhr fährt die S32 bis Harburg-R im 10min-Takt in beide Richtungen. Dann sind das 2*18 + 2*12, also 60 Züge pro Tag. Bei 250 Werktagen pro Jahr also 15.000 S-Bahnen pro Jahr. Multipliziert mit den 21,25€/Zug von oben macht das jährliche Kosten von 318.750€. Da ist noch kein Strom eingerechnet, kein Tf der das Fahrzeug fährt, keine Abschreibung, keine Gemeinkosten. Nur die Infrastruktur.

Gegen diese knapp 320.000€ sehen die 431.000€ aus der Grafik sehr klein aus. Ob die stimmen, möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten

Entscheidend ist der Kosten-Nutzen-Faktor – und dieser ist 1,12 ! So What ?!

Die super toooooooolle Hafen-City-U-Bahn [Investoren-U-Bahn] (Jungfernstieg – Überseequartier) hat auch nur einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,08 gehabt. Die Verlängerung der Investoren-U-Bahn zu den Elbbrücken hat einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,10.

Ausserdem muss man schon berücksichtigen, dass Kaltenkirchen und Ulzburg mit zwei (!) Bahnstrecken mit Hamburg verbunden ist (über Eidelstedt und über Norderstedt-Mitte).
Wenn man die AKN-Strecke nur bis Quickborn zur S-Bahn ausbauen würde und selbst sogar einen durchgehenden 10 Minuten-Takt Mo-Fr 7:00-20:00 anbieten würde, wäre der KNF bei dieser Streckenaufwertung zur elektrifizierten S-Bahn bestimmt auch noch um einiges in diesem Abschnitt deutlich höher !!!

Also keine Ausreden hier für eine evtl. vollständige Beerdigung für dieses Projekt !!!

Statt einer S32 sollte man eher die S31 statt von Altona direkt von Elbgaustraße starten lassen und muss dafür nicht Extra eine neue Linie auf machen und die Linie kann ja auch über Dammtor, Sternschanze und Holstenstraße fahren und die S21 dafür über den Citytunnel und alle Probleme sind gelöst.

Die Überlegung extra eine neue Linie nur wegen dem Halt Elbgaustraße der entfällt bei der S21 dafür eine neue Linie zu machen die aber nicht bis nach Harburg fährt ist Blödsinn und wie oben beschrieben deutlich einfacher.

Außerdem hält die S21 dann ja auch Zentraler in Eidelstedt an der Station Eidelstedt Zentrum und daher ist es auch Blödsinn deswegen wie gesagt eine neue Linie zu errichten und einfach wie eben schon oben beschrieben was einfach umzusetzen ist und auch ein besserer Fahrplan dann, zumal die S31 ja sowieso bis Harburg fährt und zur Not ein dichterer Takt gefahren werden kann bei S3/S31 dann.

Ich frage mich sowieso was da für Leute bei der S-Bahn arbeiten wenn Fahrgäste mehr im Kopf haben als die Angestellten die sich so ein Blödsinn ausdenken.

@Chris: Aber es gäbe das neue Problem, dass es keine(!) Verbindung mehr von Sternschanze nach Altona gäbe (ausser in HVZ die S11). Da gibt es einige, die das nicht so toll finden würden.

Merke: Nicht zu voreilig über Leute schimpgen, die sich “Blödsinn ausdenken”, wenn bei der eigenen Idee ein wichtiger Punkt nicht gelöst ist.

@Dirk dafür kann man am HBF aber umsteigen bzw als Alternative dann Holstenstraße in den Bus, daher ist diese Verbindung für mich sowieso nicht sinnvoll da es genug Alternativen dafür gibt…

Da die meisten sowieso mit der S31 fahren können diese auch bis HBF und dann umsteigen oder Holstenstraße und dann in den Bus bzw gleich mit der S3 fahren und wenn man sich anschaut wie leer die Bahn zwischen Altona und Holstentraße ist weiss ich auch wovon ich rede da ich diese bahn mehrmals am tag nutze und mich das auch selber betreffen würde und kein stück stören.

Was würde man nur ohne die Besserwisser machen? Das eigentliche Ergebnis merken? Die S21 ist sogar noch sinnvoll – nach bundesweit einheitlichen Kriterien! – wenn man als Ersatz für die Bedienung der einen Haltestelle Elbgaustraße eine S32 bis Hauptbahnhof einrechnen muss und man den Fahrgastzuwachs nur konservativ errechnet! Die S21 ist eindeutig förderfähig und dann kann man im Sommer die Planfeststellung wie geplant beginnen. Über die S32 nach Harburg muss 2017 oder 2018 neu entschieden werden.

Also Champagner auspacken und nicht alles schlecht reden. Das hätten man aber wirklich besser wissen können…

Eine Optionslösung einer S-Bahnhaltestelle “Furtweg” [Umstieg u.a. auf die Buslinien in Richtung Lurup / für den 186 hätte man ggf. dort noch eine Kehre planen müssen] statt einer S32 als Ersatzlösung für den Wegfall der S21 (Eidelstedt-Elbgaustrasse) hat man mienes Wissens nach natürlich nicht geprüft.

Dabei wäre es überhaupt nicht besonders schwierig, dort eine Hts. “Furtweg” zu bauen. Spundwände rechts und links in Höhe Mesterfeldweg. Böschung auffüllen (Erdreich natürlich teilweise tauschen). Zwei Seitenbahnsteige. Zwei Aufzüge, zwei Treppen, eine Fahrtreppe. Technische Anlagen. Fertig !

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Jedenfalls kommt es zu einem Planfeststellungsverfahren, denn die vorbereitenden Ingenieursleistungen sind gerade bis zum 19.03.15 ausgeschrieben.
LINK (u.a.) hier: http://ausschreibungen-deutschland.de/212839_Elektrifizierung_der_AKN-Strecke_A1_S21_-_Eidelstedt_bis_Kaltenkirchen_2015_Kaltenkirchen

und hier: http://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:031355-2015:TEXT:DE:HTML

@Chris: Also, wenn ich Richtung Altona fahre (jetzt auch häufig nach Klein Flottbek), dann komme ich Hauptbahnhof gar nicht vorbei. An der S3 auch nicht. Ich komme nämlich mit der U3 über Sternschanze. Die umsteigeverbindung wird übrigens von einer Menge Leute benutzt. Und ein zusätzliches umsteigen in Holstenstraße in den Bus (Bäh, da bin ich ja am Bus erst angekommen, wenn ich mit der S-Bahn in Altona bin), das ist echt keine Alternative.

Und noch mal ganz ehlrich: Wenn man die Kompetenz der Menschen bei der S-Bahn in Frage stellt und das ganze als Blödsinn bezeichnet, dann sollte man solche Vorschläge echt nicht machen.

Egal wie sinnvoll ein Projekt ist – in Deutschland gibt es immer jemanden, der Gründe dagegen findet und seine Pfründe verteidigt. Und seihen es nur ein paar BR-Mitglieder, die Ihren Posten behalten wollen.

Die Frage ist doch, für wen fährt die AKN? Für die zahlenden Kunden (Reisende, Pendler) oder die AKN-Angestellten?

Selbst wenn man den Umweltgedanken mal weglässt (auf einmal sind Dieselfahrzeuge fast schadstofffrei und super leise?) bleibt für mich als Kunden:
Es ist einfach total nervig, sich jeden Morgen und jeden Abend in Eidelstedt hinzustellen und auf den jeweiligen Anschlusszug zu warten. So gewinnt man keine Autofahrer für den HVV.

Das Ganze erinnert oft an die Diskussion in den 90er Jahren um das Ladenschlussgesetz. Und in diesem Falle gibt es sogar eine quasi Jobgarantie für die AKN-Mitarbeiter auch nach der Umstellung.

Also bitte das Projekt nicht zerreden lassen!

Ich finde es immer lustig, wenn hinter der Aktion von Betriebsräten und Aufsichtsräten der Verdacht steht, dass diese Damen und Herren nur “eigene Pfründe” sichern wollen. Mal Ehrlich, ich bin im Januar 62 Jahre alt geworden. Glauben sie wirklich das es da noch etwas für mich zu sichern gilt? Ein Aufsichtsratskollege von mir ist sogar noch ein Jahr älter. Es soll aber Leute geben, die nicht nur an sich selbst und ihre persönlichen Befindlichkeiten denken sondern auch an ihre Mitmenschen, in diesem Fall Arbeitskollegen. Vielleicht ist es ja so, das sie in ihrem Betrieb nicht so einen starken Betriebs-/Aufsichtsrat haben der ihre Interessen vertritt. Wenn diese Geschichte vielleicht Wirklichkeit wird, dann bin ich längst im Ruhestand.

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