S-Bahn-Pünktlichkeit: Wann es wieder besser wird

Die S-Bahn war im vergangenen Jahr öfter zu spät als vom HVV erlaubt. Das sind die Gründe, und so lange werden Fahrgäste noch auf Besserung warten müssen.
Christian Hinkelmann
S-Bahn am Hamburger Hauptbahnhof. (Foto: Christian Hinkelmann)
S-Bahn am Hamburger Hauptbahnhof. (Foto: Christian Hinkelmann)

Fahrgäste haben es längst gespürt – nun ist es auch statistisch belegt:
Die Hamburger S-Bahn war im vergangenen Jahr so unpünktlich wie seit Jahren nicht mehr.

Im Jahresdurchschnitt waren nur noch 93,6 Prozent aller S-Bahn-Züge pünktlich unterwegs, also weniger als drei Minuten verspätet. Der Hamburger Verkehrsverbund fordert eine Mindestquote von 94 Prozent. Dieses Ziel wurde klar verfehlt.

Zum Vergleich: Im Jahr zuvor lag die Pünktlichkeitsquote noch bei 95,8 Prozent – mehr als ein Prozentpunkt höher. Der Absturz ist deutlich.

Für die Hamburger S-Bahn ist es zudem das schlechteste Ergebnis seit sechs Jahren. Zuletzt lag die Quote im Jahr 2019 noch niedriger, damals bei 92,4 Prozent. Dieses Jahr galt jedoch als einmaliger Ausreißer. Ein ähnlich schwacher Wert wurde zuvor nur 2015 erreicht.

Ein Blick auf die Langzeitstatistik seit 2011 zeigt zudem einen klaren Trend:
Die Pünktlichkeit der Hamburger S-Bahn nimmt seit Jahren schleichend ab. Unterbrochen wurde diese En…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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4 Antworten auf „S-Bahn-Pünktlichkeit: Wann es wieder besser wird“

Tja, und was passiert? Die S-Bahn selbst reagiert mit SED-Sprechblasen, der Hamburger Verkehrssenator schweigt wie üblich. Der Skandal sind nicht die Verspätungen, sondern die Reaktionen der Verantwortlichen. Die S-Bahn nach Wedel könnte seit Jahrzehnten viergleisig sein, marode Infrastruktur ist seit 15 Jahren vorhersehbar gewesen, wenn man nichts investiert, und am Hbf wird auch in den nächsten 7 Jahren nichts gemacht und danach lediglich ein Bürogebäude gebaut.

Ich glaube zweigleisig würde erstmal reichen? Was an der Wedeler Strecke so wurmt ist das partiale Verbesserungen relative einfach möglich wären – zwischen Wedel und Ölweiche, und 500m rechts und 1000m links von Sülldorf liegt doch nichts im Weg.

Aber da kommen dann die Kosten-Nutzen-Analytiker und sagen das lohnt sich nicht – und es stimmt ja, würde die S1 in Blankenese immer pünktlich sein wäre es verschwendetes Geld. Ist sie aber nicht, so werden durch die Eingleisigkeit alle Verspätungen immer schlimmer. Aber sowas dynamisch auszurechnen geht wohl nicht. Oder einfach mal festzustellen dass hier die KNA versagt und es trotzdem einfach zu bauen weil doch ziemlich klar ist dass eingleisge S-Bahnstrecken nicht gut sind…

Die Eingleisigkeit zwischen Blankenese und Wedel als Grund aufzuführen, halte ich für fragwürdig. Denn diese Situation besteht seit Anbeginn, ohne dass diese in früheren Jahren einen nennenswerten Einfluss auf die Pünktlichkeit hatte. Die S1 galt ja bis zuletzt als Musterschülerin.

Das Flügeln in Ohlsdorf fand ich immer schon fragwürdig. Ich möchte nicht wissen (oder doch?), wie viele Menschen schon in Poppenbüttel statt am Flughafen gelandet sind – also mit der S-Bahn „gelandet“.

Allgemein zur Unpünktlichkeit: Diese wird von den Fahrgästen sicherlich unterschiedlich wahrgenommen. Für den innerstädtischen Verkehr im Fünfminutentakt spielt es wohl keine Rolle.

Das Hamburger S-Bahn System hat aus meiner Sicht mehrere teilweise schon lange bestehende Schwachpunkte. Es ging lange gerade noch so aber zusätzliche Belastungen – wie beschrieben – überschreiten möglicherweise die Belastungsgrenze. Einige Bespiele: Die eingleisige Strecke zwischen Blankenese und Sülldorf wird schon seit Jahrzehnten im Berufsverkehr über Stunden im 10-min Takt befahren. Das würde im Inselverkehr funktionieren aber nicht im Mischverkehr mit anderen Linien. Störungen aus dem restlichen Netz reflektieren sich dann in das Netz zurück. Eine Lösungsmöglichkeit: Bis zum zweigleisigen Ausbau entkoppeln mit Umsteigen in Blankenese. Zugteilung in Ohlsdorf: Störungen auf zwei Ästen und beim wetterabhängigen Kuppeln kulminieren auf dem Gemeinschaftsabschnitt. Eine Lösungsmöglichkeit: abwechselnd direkt fahren und den anderen Ast per Pendel ergänzen (oder „Frevel?) nur zum Flughafen direkt fahren und Pendel nach Poppenbüttel. Wechsel der Stromabnahme beim S5 (in Zukunft sogar 2x): Geheizte Stromabnehmer um Betätigung bei Frost sicherzustellen! Last not least: Warum führen Bauarbeiten zu Verspätungen? „Dazu gibt es doch Baufahrpläne die entsprechende „Puffer“ enthalten! Es dauert zwar länger – aber das steht dann schon im Fahrplan. Oder machen zu viele Zwangspunkte abweichende Fahrzeiten unmöglich?

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