„Geheimer“ S-Bahn-Zug macht Testfahrt nach Ahrensburg

Die seit Jahren geplante S-Bahn-Linie nach Ahrensburg kommt in Bewegung. Still und heimlich hat die Hamburger S-Bahn am letzten Wochenende einen ersten Testzug auf die Strecke geschickt.
Christian Hinkelmann
Fotomontage: Zug auf der geplanten S-Bahnlinie S4 mit Ziel Bad Oldesloe
Fotomontage: Zug auf der geplanten S-Bahnlinie S4 mit Ziel Bad Oldesloe

Da hat sich der eine oder andere Sonntagsspaziergänger an den Bahngleisen zwischen Hamburg und Ahrensburg sicher verwundert die Augen gerieben. Am Vormittag des 1. Mai rauschte völlig überraschend eine S-Bahn der Baureihe 474 über die Regionalstrecke. Ist die seit Jahrzehnten geplante S-Bahnverbindung nach Ahrensburg etwa in einer Nacht-und-Nebel-Aktion offiziell gestartet?

Nein, bestätigen interne Kreise aus dem Haus der Hamburger S-Bahn. Es habe sich lediglich um eine interne Testfahrt gehandelt, um zu prüfen, ob die Bahnstrecke nach Ahrensburg überhaupt für Hamburger S-Bahnzüge geeignet ist. Unter anderem wurde dabei geprüft, ob z.B. die Bahnsteigkanten der Unterwegshaltestellen und andere Einrichtungen zu den Zügen passen. Gleichzeitig machte die Fahrt zum ersten Mal „begeifbar“, wie ein S-Bahn-Verkehr nach Ahrensburg aussehen könnte.

Den Informationen nach fuhr der Zweisystemzug aus eigener Kraft bis Ahrensburg und wieder zurück. Wo er aus dem Hamburger S-Bahn-Netz ausfädelte ist nicht bekannt.

Und warum wurde die Fahrt geheim gehalten?

Offenbar wollte die Hamburger S-Bahn kein großes Aufsehen erwecken, denn die erste offizielle S-Bahn-Tour nach Ahrensburg soll erst in einigen Wochen erfolgen – im Rahmen einer groß angelegten Präsentationsfahrt. Mehr oder weniger zeitgleich soll eine 2,5 Millionen Euro teure Vorentwurfsplanung für das Projekt angeschoben werden.

Die S4 nach Ahrensburg ist seit Jahren ein Dauerbrenner im Hamburger Nahverkehr. Obwohl der Bedarf an der Strecke gegeben ist und Fahrgastzuwächse von 50% erwartet werden, ging die Planung bisher kaum über politische Lippenbekenntnisse hinaus.
Erst, nachdem sich der Bund in diesem Frühjahr prinzipiell dazu bereit erklärte, das 350 Millionen Euro teure Projekt mitzufinanzieren, kam es zum entscheidenden…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Ein S-Bahn-Sonderzug der Linie S4 in Rahlstedt. Bis dieses Bild Alltag wird, dauert es wohl noch viele Jahre. (Foto: Christian Hinkelmann)

S4-Eröffnung rutscht möglicherweise um Jahre nach hinten

Neue Verzögerungen in zwei Planfestellungsverfahren machen die bisherige Zeitplanung für Hamburgs neue S-Bahnlinie endgültig zur Makulatur. NAHVERKEHR HAMBURG erklärt, wann die Strecke wohl öffnen wird und welche Beschleunigungsmöglichkeit es möglicherweise gäbe.

Bis in die 1960er Jahren fuhren direkt neben dem heutigen Stadion des FC St. Pauli Güterzüge – nur eines von vielen Beispielen, wie sich die Verkehrsinfrastruktur in Hamburg in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Best-of: Als noch Züge zum Millerntor-Stadion fuhren

Neun Beispiele zeigen anhand von historischen Stadtplänen, wie stark sich die Verkehrswege in Hamburg seit den 1940er-Jahren verändert haben, wo Bahngleise und Straßen verschwunden sind und wo neue dazu kamen. Eine Zeitreise.

Ein S-Bahn-Zug der Baureihe 490 am Bahnhof Elbbrücken in Hamburg (Foto: Christian Hinkelmann)

Easy Peasy? S-Bahn so unzuverlässig wie seit Jahren nicht mehr

Die Pünktlichkeit bei Hamburgs S-Bahn stürzt deutlich ab. Unsere Analyse zeigt, warum das Netz aktuell so instabil ist, welche Linien besonders betroffen sind – und was Fahrgäste in den kommenden Monaten realistisch erwartet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner