Schlechter Winterdienst auf Hamburger Radwegen? So geht es besser

Viele Hamburger Radwege sind im aktuellen Wintereinbruch schlecht geräumt. Dass das mit vertretbarem Aufwand auch deutlich besser laufen könnte, zeigt eine Großstadt in Finnland. Sie setzt auf strenge Vorgaben, hohe Strafen, ein innovatives Feedback-Modell und Schwarmintelligenz. So sieht ihr Erfolgsrezept im Detail aus.
Christian Hinkelmann
Ein Radweg in der finnischen Stadt Oulu. Der Winterdienst gilt dort gilt weltweit als Vorbild.
Ein Radweg in der finnischen Stadt Oulu. Der Winterdienst gilt dort gilt weltweit als Vorbild.

Der Winter hat Hamburg fest im Griff – und wie jedes Jahr stehen Radfahrende jedes Jahr wieder vor demselben Problem: schlecht geräumte und kaum befahrbare Radwege voller Schneematsch und Eis – selbst auf viel genutzten Hauptverbindungen.

Und in genau derselben Regelmäßigkeit argumentieren die Verantwortlichen dann, dass es eben nicht anders gehe: Auf Geh- und Radwegen sei Streusalz verboten, auf Radfahrstreifen die Tauwirkung zu schwach, eine Intensivreinigung zu teuer und irgendwo müsse der Schnee von den Autofahrbahnen ja hingeschoben werden. Oft landet er dann eben auf Fahrradspuren. Damit ist die Sache dann meist erst einmal ausgestanden – bis zum nächsten Wintereinbruch.

Verbessert hat sich daran in den vergangenen Jahren wenig: Zwar wurde Ende 2021 das Radwegenetz, das bei Schnee und Eis überhaupt geräumt wird, von 280 auf 315 Kilometer Länge erweitert, doch das entspricht nur einem Viertel aller Hamburger Radwege. Bei der seit Jahren laufenden Suche nach einem besseren Streumittel für Radwege kommt die Stadt kaum voran und die Zahl der Winterdienst-Mitarbeitenden ist zuletzt sogar deutlich reduziert worden.

Dass es auch besser gehen kann, zeigt ein Blick nach Finnland. Oulu, die nördlichste Großstadt der EU mit 212.000 Einwohnenden, nennt sich selbst die „Welthauptstadt des Winter-Radfahrens“ und macht vieles anders als Hamburg: Die finnische Stadt hat die Logik „erst Straßen, dann Radwege“ bei der Schneeräumung komplett umgekehrt, setzt auf penible Qualitätsvorgaben, ein innovatives Kontroll-Modell mit hohen Strafen und die Schwarm-Intelligenz der Bevölkerung. Außerdem gibt es da noch eine sehr ungewöhnliche Maßnahme, die erst einmal absurd klingt, aber offenbar extrem erfolgreich ist.

Lesen Sie in diesem Hintergrundbericht das Winterdienst-Erfolgsrezept im Detail und was Hamburg davon lernen kann.

Das Oulu-Modell

Die nordfinnische Großstadt Oulu kennt sich mit Winterwetter bestens aus. Fünf Monate lang im Jahr liegt dort Schnee. Die Temperaturen liegen oft bei minus 30 Grad. Und trotzdem fahren dort im Winter erstaunlich viele Menschen mit dem Fahrrad: 12 Prozent aller Wege legen sie damit zurück. Das ist weltweit gesehen ein sehr hoher Wert. Zum Vergleich: In Hamburg liegt die Zahl im Gesamtjahr (also inklusive Sommer) bei 22 Prozent. Speziell zur Winternutzung gibt es in Hamburg keine Zahlen, wie die Verkehrsbehörde kürzlich auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage mitteilte. Sie dürften aber deutlich darunter liegen.

Im Vergleich zur Hansestadt genießt der Winterdienst auf Radwegen in Oulu eine ausgesprochen hohe Priorität. In den Verträgen mit den beauftragten Unternehmen sind hohe Qualitätsstandards definiert. Wer die Vorgaben erfüllt, beko…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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2 Antworten auf „Schlechter Winterdienst auf Hamburger Radwegen? So geht es besser“

Dass bei dem für Hamburger Verhältnisse doch eher üppigen Schneefall das Räumen der Radwege nicht so gut funktioniert, ist eine Sache. Was mich viel mehr stört, ist die Tatsache, dass auch 3 Tage nach dem ersten Schnee viele Gewege so gut wie nicht geräumt sind. Der festgetretene Schnee wird langsam zu einer Eisbahn, die teilweise auch sehr uneben ist. Das ist nicht nur für ältere Menschen richtig gefährlich.

Viele Anwohnende kommen leider ihrer Streu- und Räumpflicht nicht nach. Bei mir in der Gemeinde (vorwiegend Einzelhäuser) habe ich festgestellt, dass weniger als 10 % der verantwortlichen Anwohnenden die Gehwege zumindest halbwegs von Schnee und Eis befreien.

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