Schleswig-Holstein: Das bedeutet der Koalitionsvertrag für den Verkehr im Norden

Bahn-Reaktivierungen, ein neues ÖPNV-Ticket, viel Geld für den Straßenbau und wenig grüne Akzente: Das steht im neuen Koalitionsvertrag in Schleswig-Holstein zum Thema Verkehr – und diese Themen fehlen darin komplett.
Christian Hinkelmann
Regionalzüge im Hauptbahnhof Kiel in Schleswig-Holstein
Regionalzüge im Hauptbahnhof Kiel in Schleswig-Holstein

Der Koalitionsvertrag der neuen schwarz-grünen Landesregierung in Schleswig-Holstein steht. Auf 244 Seiten skizziert er den Fahrplan für die kommenden Jahre im Land. Auf neun Seiten davon geht es konkret um die Zukunft der Mobilität – ein Thema, um das sich die CDU in den nächsten Jahren verantwortlich kümmern wird. Sie soll den Minister für das Wirtschaftsministerium stellen, in dem auch der Bereich Verkehr mit angesiedelt ist. Wer den Ministerposten übernimmt, ist derzeit noch offen.

Wie geht es laut Koalitionsvertrag mit dem öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein weiter? Kommt nun der Nordtarif, der die Tarife von HVV und NAH.SH ersetzen soll? Wird Timmendorfer Strand, wie bisher geplant, seinen Bahnanschluss verlieren? Hat die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Geesthacht in Zukunft wieder mehr Priorität? Und wie stehen CDU und Grüne im Norden zu den geplanten S-Bahnstrecken nach Kaltenkirchen und Elmshorn?

NAHVERKEHR HAMBURG hat den schleswig-holsteinischen Koalitionsvertrag analysiert und erklärt, welche Verkehrsprojekte die künftige Landesregierung mit Priorität anschieben will und welche Vorhaben überraschenderweise gar nicht mehr in dem Papier auftauchen.

Wer den neuen Koalitionsvertrag aufschlägt und zum Bereich „Mobilität“ blättert, bemerkt sofort: Zuerst geht es um das Auto. Der motorisierte Individualverkehr soll „weiterhin eine wichtige Rolle“ spielen. „Für uns sind alle Verkehrsträger gleichberechtigt“, heißt es in den einleitenden Sätzen des Mobilitäts-Kapitels, die klar die Handschrift der CDU tragen. Die Grünen hatten sich vor der Landtagswahl nämlich noch dafür ausgesprochen, den Autoverkehr insgesamt reduzieren zu wollen (siehe hier).

90 Millionen Euro für Landstraßen

In Zahlen ausgedrückt wollen beide Parteien jährlich mindestens 90 Millionen Euro allein in die Sanierung von Landstraßen stecken. Radwege neben den Landstraßen sollen dagegen nur mit 20 Millionen Euro jährlich saniert werden.

Um auch ohne Verbote mehr Menschen zum Umstieg auf B…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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8 Antworten auf „Schleswig-Holstein: Das bedeutet der Koalitionsvertrag für den Verkehr im Norden“

Dieser pessimistische Tonfall bezüglich der S32 macht mich nachdenklich. Scheinbar ist dafür die Priorität bei der Bahn auch nur so mittelhoch… Und die Osdorfer müssen nochmal Jahrzehnte auf ihren Schnellbahnanschluss warten. Klar, als Westteil der U5 wäre da auch frühestens in 15 Jahren was gefahren, aber jetzt ist nicht mal das absehbar…
Davon abgesehen ist mir die Entscheidung für die S-Bahn generell unverständlich. Mit größeren Tunneln und längeren Stationen ist sie teurer zu bauen und erforderliche Taktung, Haltestellenabstände, Beschleunigung etc verlangen eher nach einer U-Bahn…

Der Verkehrsteil im K-Vertrag beginnt damit, dass die CDU den Grünen die Realität vor Augen führt: In großen Teilen des Landes ist eine Verkehrswende total illusorisch. Wer vor Ort mal die Busfahrpläne mit fünf Fahrten studiert hat, die sich noch dazu großteils am Schülerverkehr ausrichten (in den Ferien kein Verkehr!), weiss das auch. Nur scheinbar viele Grüne nicht, die im wohlhabenden Hamburger Umland zu leben scheinen. Viele Kreise wären mit einer Aufstockung des Busangebots nicht nur finanziell völlig überfordert, sondern es stellt sich auch die Frage, ob mehr konventionelle Busse dort überhaupt irgend etwas bringen würden. So ist dort das Autofahren (leider) oft die einzige Option.

Es ist gut, dass die Grünen ihre Nahverkehrssteuer aufgeben mussten. In der derzeitigen Situation von riesigen Preissteigerungen ist das in der Realität auf dem Land nicht mehr durchsetzbar. Tagesschau berichtete gestern, dass politische Rattenfänger bereits den Unmut der Bevölkerung über die Kostenexplosion ausnutzen! Der Norden war traditionell wenig anfällig, weil die Politik immer den Menschen gerade im hohen Norden und an der Westküste zugehört hat und nicht so sehr auf die im Speckgürtel von Hamburg.

OFF TOPIC: oh ja daran erinnere mich noch als der Schuleiter in Norderstedt (CDU Mitglied) sich 1985 damit brüstete, daß von 100 Schulleitern der Gymnasien in SH 95 in der CDU sind. (Und das SH nach dem WW2 ein sicherer Ort für Naziverbrecher gewesen ist, hier mal so ein Bsp: https://de.wikipedia.org/wiki/Herta_Oberheuser….naja geschenkt).

Was Sie hier zum Thema Verkehrswende anbringen, hört sich so an als ob Sie seit den sechziger Jahren in einen Dornröschenschlaf verfallen sind. Tatsächlich kann man durch den weiteren Ausbau von Straßen nämlich die Verkehrs – und damit den Kampf die Klimawechsel nicht nur verlangsamen, sondern vo allem verhindern bzw. unmöglich machen. Und warum, weil Leute wie Sie nicht einmal 20 Minuten auf einen Bus warten können?! ÖPNV auf dem Land ist kompliziert, nicht nur weil das Angebot mangelhaft ist, sondern auch, weil man es den „Autofahren“ zu einfach macht, nicht auf ihre Blecheimer verzichten zu müssen.

20 Minuten? Selten so gelacht! Wohl ein Städter und lange nicht auf dem Land gewesen? hvv.de klicken bildet: Schon hinter der Hamburger Staatsgrenze gibt es oft nur Stundentakt. Ob der Metrotakt Nord da viel Verbesserung bringt? Soll ja immerhin „geprüft“ werden.

Und richtig auf dem Land sind die Menschen oft erstaunt, wenn sie an Ferientagen oder am Wochenende überhaupt mal einen Linienbus zu Gesicht bekommen! Und was nützt ein Bus, wenn ich ins übernächste Dorf muss und wegen der bescheuerten Linienwege dafür zweimal umsteigen muss und über eine Stunde unterwegs bin? Bei Regen und Sturm fürs Rad zu weit. Mit der Blechkiste nurfünf Minuten leise und sauber mit E-Antrieb.

Rote Dostos in Kiel Hbf statt in Lübeck Hbf: Mit diesem Problem könnte sich doch mal die Landesregierung auseinandersetzen!
(Denn ich weiß schon, wo die wieder dann fehlen. ?)

Der SH-Tarif ist viel zu teuer, im Vergleich zum HVV-Tarif, für Fahrten nach Kiel ist der FlixBus mit den Durchschnittspreis von 6 Euro, einfach günstiger als die Schiene, das ist doch auch irgendwie verkehrt, oder ein super Sparpreis ICE Hamburg Kiel für 17,90 €.
Der SH Tarif vom Land einfach eine voll Katastrophe.

Moin, stimmt, der SH-Tarif ist doch viel zu teuer.
Die Lösung liegt doch „in der Luft“: Nachfolge des 9 € Ticket wird das 29 € Ticket. Rieseneinsparpotential im gesamten Fahrkartenvertriebsbereich und viele andere Argumente.

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