Selbstfahrender Hochbahn-Bus dreht in der HafenCity wieder seine Runden

Kleiner autonom fahrender Bus fährt wieder auf Versuchsstrecke in der HafenCity – mit gesteigerter Höchstgeschwindigkeit. Fahrgastbetrieb startet später als ursprünglich geplant.
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Ein selbstfahrender Testbus der Hochbahn in Hamburg

In der HafenCity ist ab sofort wieder der kleine autonom fahrende Bus der Hochbahn unterwegs. Den ganzen Sommer lang soll das Fahrzeug auf einem rund 800 Meter langen Rundkurs im öffentlichen Straßenverkehr (Am Dalmannkai, Großen Grasbrook, Am Sandtorkai, Am Sandtorpark) seine Runden drehen – und zwar schneller als bisher: In der ersten Erprobungsphase im August und September vergangenen Jahres durfte der selbstfahrende maximal 15 Km/h fahren, in der aktuellen Versuchsphase sind bis zu 25 Km/h möglich, wie die Hochbahn mitteilte.

Die Pause auf der Teststrecke hatte das Projektteam genutzt, um die Hard- und Software am Fahrzeug und an der Strecke zu verbessern. Außerdem wurden entlang der Versuchsstrecke weitere Sensoren aufgehängt, die dem Minibus des Herstellers IAV zusätzliche Daten über die Verkehrssituation geben.

Streckenplan direkt aus der Leitstelle

Laut Hochbahn erhält das Shuttle erhält seinen Streckenplan inklusive der zu bedienenden Haltestellen künftig von der Leitstelle, die straßenseitige Infrastruktur liefert zusätzliche Daten über das Geschehen auf der Straße. So meldet die Infrastruktur an der Strecke dem Minibus unter anderem Informationen zu Fahrzeugen, Radfahrern oder Passanten, die sich außerhalb des Sichtfeldes seiner Sensoren und Kameras befinden. Dies ist beispielsweise dann besonders relevant, wenn Objekte sich in einer nicht einsehbaren Kreuzung befinden oder von einem größeren Fahrzeug verdeckt werden. Außerdem ermöglicht diese Kommunikation das Passieren von Ampelanlagen ohne eine Aktion des Fahrzeugbegleiters.

Auf der Teststrecke operiert das Shuttle auf Basis von drei Informationsquellen: die eigene Umfeldwahrnehmung, Informationen von der durch Siemens bereitgestellten Streckeninfrastruktur und durch Hamburg Verkehrsanlagen (HHVA) integriert bereitgestellten neuartigen Streckeninfrastruktur sowie einer von der Stadt Hamburg zur Verfügung gestellten und auf wenige Zentimeter genaue Karte über die aktuelle Strecke.

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Radfahrer und Zweite-Reihe-Parker waren in der ersten Testphase im vergangenen Jahr für den selbstfahrenden Bus noch eine Herausforderung (Bild aus September 2019). Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

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Der neue selbstfahrende Bus der Hochbahn verlässt seine Ladestation auf dem Gelände von Vattenfall in der HafenCity (Bild von der ersten Testphase im September 2019). Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

Fahrgastbetrieb startet mit Verspätung

Der selbstfahrende Bus wird weiterhin von mitfahrenden FahrzeugbetreuerInnen kontrolliert, die notfalls eingreifen und die Steuerung des Fahrzeugs übernehmen können. Dies war bei der ersten Praxistestphase im vergangenen Jahr offenbar öfter der Fall (siehe hier).

Fahrgäste dürfen derzeit noch nicht mit dem autonom fahrenden Bus mitfahren. Erst in einigen Monaten, ab Spätsommer 2020, sollen die ersten Fahrgäste an Bord gehen dürfen. Das ist später als ursprünglich geplant: Im vergangenen Jahr hatte die Hochbahn noch angekündigt, ab Mitte 2020 mit dem Fahrgastbetrieb beginnen zu wollen (siehe hier). Auch dann werden noch FahrzeugbetreuerInnen an Bord sein.

Bis Oktober 2021 will die Hochbahn den Bus dann ganz allein fahren lassen – dann beginnt nämlich der weltgrößte Verkehrskongress ITS in der Hansestadt, bei dem das HEAT-Projekt eine wichtige Rolle spielen soll.

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Diese Sensoren an der Ecke Großer Grasbrook/Am Dalmannkai versorgen den selbstfahrenden Bus mit zusätzlichen Daten (Bild von der ersten Testphase im September 2019). Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

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Noch dürfen keine Passagiere in den neuen selbstfahrenden Bus einsteigen (Bild von der ersten Testphase im September 2019). Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

Zahlreiche Unternehmen sind am Testbetrieb beteiligt

Der Testbetrieb mit dem selbstfahrenden Bus in der Hamburger HafenCity läuft unter dem Projektnamen HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation), für das sich zahlreiche Unternehmen zusammengetan haben. Neben der Hamburger Verkehrsbehörde, der Hochbahn und dem Fahrzeugbauer IAV sind auch Siemens, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) an dem Projekt beteiligt. Der Bund unterstützt das Experiment mit 3,7 Millionen Euro.

Ziel des Projekts ist es, zu erforschen und nachzuweisen, dass selbständig fahrende Kleinbusse vollständig in den Straßenverkehr und den Öffentlichen Nahverkehr einer Metropole integriert werden können.

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9 Antworten auf „Selbstfahrender Hochbahn-Bus dreht in der HafenCity wieder seine Runden“

Mal ein Bus mit Null Infektionsrisiko – jedenfalls im Sommer 2020. Das ist doch mal was Positives.

Aber was, wenn der HVV mitbekommt, dass Fahrten ohne Fahrgäste wirklich besser planbar und stressfreier sind.? Welche Schlüsse wird der HVV daraus ziehen?

Spannend. Mal sehen, was die Testfahrten an neuen Erkenntnissen bringen.
Ich bin lediglich etwas skeptisch, ob diese Fahrzeuge auch in der Lage wären sich ins Innenstadtgetümmel zu stürzen. Und wenn man eine ganze Flotte davon betreibt, werden die zu verarbeitenden Datenmengen völlig durch die Decke gehen.
Also vielleicht sind die in ruhigeren Wohnvierteln besser aufgehoben.

Eigentlich nicht Neues in diesem Artikel.
Diese Fragen bleiben weiterhin aktuell:
1.Hindernisse wie Parken in der 2.Reihe – was passiert?
welches Betriebssystem, ich hoffe nicht windoews 10….
2.Gesamt-Kosten des Projektes und wer bezahlt es?
3.Wo sind die anderen selbstfahrenden Fahrzeuge geblieben – z.B. der Paketzustellselbnstfahrende
oder Pizzazustellselbstfahrende 4 rädrige Kisten auf den Fußwegen
4.Warum bietet der HVV den verschiedenen Firmen hier eine Experimentierfeld?
und was kostet das dem HVV?
5.Bleibt das ein Exot in der Hafencity oder fahren dann auch solche Busse in Osdorf?
6. Hat der HVV nicht wichtigeres zu tun? Neue Tarifsysteme? Neue Busverbindungen?
7.Fährt der 120 Bus weiterhin alle Stunde, obwohl die SPD den Hamburg Takt will?
8.Könnte der neue Verkehrssenator das Projekt einfach stoppen, weil es wichtigeres gibt?
9. Wann beginnt in Hamburg eine zielgerichtete Debatte zu einem längst überfälligen Verkehrsmasterplan? ( den gibt es seit wann nicht mehr, ich denke seit bestimmt 20 Jahre – gab es überhaupt schon einmal in Hamburg einen Verkehrsmasterplan )

Was wollen Sie mit einem Super-Plan, der drei Jahre diskutiert und dann nochmal zwei Jahre implementiert wird? Dann beginnt eine Planung und nach zehn Jahren merkt man erste Auswirkungen.

Alle Parameter, die Mobilitätsbedarf erzeugen, sind in Bewegung. Homeoffice, Schule, Einkaufen, Feiern. Alles steht unter Vorbehalt und die bisherigen Datenansätze dafür kann man komplett in die Tonne treten. Wozu noch eine solche Planung?

Wir haben eine so dynamische Entwicklung, dass Projekte mit zehn Jahren Laufzeit bei der Fertigstellung schon Dinosaurier sind. Eisenbahnstrecken dauern meist sogar 25 Jahre. In den Geschichtsbüchern wird stehen, dass die unendliche Ausweitung von Mitspracherechten und Planungsstufen dazu geführt hat, dass das System Schiene in Deutschland verkümmerte.

Darum sind selbstfahrende Busse wichtig. Denn nur ohne den teuren Fahrer ist das Versprechen von 10-Minutentakten am Stadtrand und im nahen Umland überhaupt noch einlösbar. Corona hat ja gerade deutlich gemacht, dass die Achillesferse des ÖPNV in der Finanzierung liegt. Der ÖPNV kämpft längst ums finanzielle Überleben. Wenn man ihn jetzt dauerhaft aus Steuermitteln finanziert, ist in dem Moment finito, wenn die Steuergelder für andere Dinge gebraucht werden. Weil z.B. die Friedensdividende (ohne die es den massiven ÖPNV-Ausbau seit 1990 nie gegeben hätte) nicht mehr existiert. Attraktivitätssteigerungen im ÖPNV wird es nur geben, wenn dies keine dauerhaften Betriebskosten verursacht.

Es gibt nichts mehr langfristig zu planen, weil gerade niemand weiss, wohin die Reise geht! Es gibt nur zwei Orientierungspunkte: Die Mobilität wird teurer und muss emissionsfrei werden. Und die Bürger werden viel heftiger darüber diskutieren, wofür das Geld ausgegeben wird.

Schön, dass das kleine Spielmobil wieder durch die Hafencity fährt. So gibt es jetzt wieder eine vierte Touristenattraktion der Hochbahn neben Meeresrauschen, fulminantem Licht- und Klangspektakel und Elbe/Schiffe gucken.
Aber hat das Ganze noch etwas mit zukunftsfähigem ÖPNV zu tun?

Busfahrerinnen und Busfahrer sind anscheinend die knappe Ressource im Vergleich zum Energiebedarf für all die Datenmengen…

So, jetzt habe ich gestern noch den HVV in einer Mail auf die Situation bei der RB81 hingewiesen. Mal sehen, ob ich eine Antwort bekomme und sich sogar mal etwas tut (wobei ich Letzteres bezweifele).
Ist aber auf jeden Fall wichtiger als diese Spielerei in der Hafencity.

Vor zwei, drei Jahren führte eine Beschwere von mir, die ich an nah.sh geschickt habe, zwar nicht zu irgendeiner Verbesserung und sicherlich auch nicht zu einer Sensibilisierung, aber immerhin erhielt ich einen 25 EUR DB Gutschein.
Also vielleicht dort nochmal die Beschwerde adressieren?

Hallo DirkHamburg,

danke für den Tipp.
Ich hatte schon mehrfach die verschiedensten Verantwortlichen bzw. politischen Gremien versucht zu sensibilisieren. Es kamen sogar einmal zwei HVV-Vertreter zur öffentlichen Stadtbezirkssitzung. Aber es blieb beim klassischen hanseatischen Schönreden und Darlegen, warum das alles nicht geht. Ich hatte den Eindruck, dass die betreffenden Personen sehr ungern zu dieser Sitzung kamen. Leider kann man als Gast bei solchen Gremiensitzungen nur zuhören. Ich hätte da gern schon mal an einer oder anderer Stelle nachgehakt.
Was hilft’s. Ich will durch meine Penetranz wenigstens dem HVV zu verstehen geben, dass es Leute gibt, die sich nicht mit der Situation abfinden und dem HVV (und den Verkehrsunternehmen) nicht alles durchgehen lassen.

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