Share Now: Deutlich weniger Elektroautos in Hamburg als ursprünglich zugesagt

Exklusiv: Carsharing-Anbieter verfehlt eigenes Elektrifizierungsziel um Längen. Elektro-Flotte ist laut NAHVERKEHR HAMBURG-Recherchen deutlich kleiner als zugesagt. Share Now wirft Stadt Hamburg vor, zu wenig Ladesäulen gebaut zu haben. Behörde wehrt sich.
Christian Hinkelmann
Abestellte Carsharing-Wagen von DriveNow am Hamburger Flughafen
Abestellte Carsharing-Wagen von DriveNow am Hamburger Flughafen

Der Carsharing-Dienst Share Now betreibt in Hamburg deutlich weniger Elektroautos als gegenüber dem Senat zugesagt. Das haben exklusive Recherchen von NAHVERKEHR HAMBURG ergeben.

Demnach setzt das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und BMW beim Großteil seiner Hamburger Flotte weiterhin auf klimaschädliche Verbrennungsmotoren und wirft zur Begründung der Stadt vor, beim Ausbau von Ladesäulen für E-Autos Zusagen nicht eingehalten zu haben.

Die Wirtschaftsbehörde will das nicht gelten lassen – räumt aber ein, beim Ausbau öffentlicher Ladeplätze hinter dem Zeitplan zu sein und nennt dafür mehrere Gründe.

Konkret geht es um zwei Absichtserklärungen, die die Stadt Hamburg im Mai 2017 jeweils mit Daimler und BMW geschlossen hatte. Zu diesem Zeitpunkt betrieben beide Autokonzerne noch die getrennt operierenden Carsharing-Dienste car2go und DriveNow, die seit Anfang 2020 unter der gemeinsamen Marke Share Now unterwegs sind.

Autokonzerne haben bis zu 950 E-Fahrzeuge versprochen

In diesen Absichtserklärungen („Memorandum of Understanding“) sagte Daimler zu, dass die Hamburger car2go-Flotte bis Ende 2019 zu mindestens 50 Prozent aus Elektrofahrzeugen bestehen soll. In absoluten Zahlen versprach der Autokonzern – in Bezug auf den damals aktuellen Flottenbestand –mindestens 400 E-Fahrzeuge (hier Original-Erklärung lesen).

BMW ging in seiner Absichtserklärung mit der Stadt Hamburg damals sogar noch weiter und versprach, bis Ende 2019 bis zu 550 elektrifizierte Fahrzeuge in der Hanses…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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