So viel Verlust machen die Verkehrsunternehmen in Hamburg

Trotz vergleichsweise hoher Ticketpreise und Rekordfahrgastzahlen ist der Betrieb von Bahnen, Bussen und Hafenfähren in Hamburg ein Minusgeschäft. So groß sind die Verluste.
Von Christian Hinkelmann
Ein U-Bahnzug vom Typ DT5 auf der Linie U3 vor der Elbphilharmonie in Hamburg
Ein U-Bahnzug vom Typ DT5 auf der Linie U3 vor der Elbphilharmonie in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

Öffentlicher Nahverkehr in Deutschland ist fast nie gewinnbringend, so lange man den volkswirtschaftlichen Nutzen ausblendet. Ticketverkäufe und sonstige Einnahmen (z.B. Vermietung, Beteiligungen) decken nur einen Teil der Betriebskosten.

Auch in Hamburg muss die Stadt jedes Jahr hohe Millionenbeträge für Bahnen, Busse und Fähren zuschießen.

Der effizienteste Verkehrsbetrieb in Hamburg ist die Hochbahn, die im vergangenen Jahr 91,6 Prozent ihrer Kosten selbst decken konnte. Das geht aus einer Übersicht des Hamburger Senats auf Anfrage der Linksfraktion hervor (Drucksache 21/10023).

Hochbahn hat Rekord-Kostendeckungsgrad

Damit liegt sie bundesweit an der Spitze und weit über dem Durchschnitt der deutschen Verkehrsunternehmen von 76,1 Prozent.

Trotzdem blieb immer noch ein Defizit von knapp 51 Millionen Euro übrig, das von der Stadt ausgeglichen wurde.

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) kamen im vergangenen Jahr auf einen Kostendeckungsgrad von 89,8 Prozent und einem Verlust von 13,6 Millionen Euro.

Hadag erwirtschaftet nur die Hälfte ihrer Kosten selbst

Die AKN, die im Besitz der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein ist, konnte im Jahr 2016 nur 58,8 Prozent ihrer Kosten selbst aufbringen und benötigte allein von der Stadt Hamburg einen Zuschuss über 3,2 Millionen Euro.

Schlusslicht unter den Hamburge…

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17 Antworten auf „So viel Verlust machen die Verkehrsunternehmen in Hamburg“

na und, diese Rechnung suggeriert als wären Infrastrukturbereiche eine rein betriebswirtschaftliche Einrichtung. Der Gewinn, den die “Volkswirtschaft” Hamburg und Umgebung aus dem ÖPNV zieht, ist um ein vielfaches höher als die läppischen 229 Mio, die die Allgemeinheit dazugibt.

Dennoch sind es Steuergelder, die alle zahlen, also auch die Autofahrer, und die Bürger schauen inzwischen viel genauer hin, wofür das Geld ausgegeben wird. Viele Bürger werden 227 Mio. Euro “nur” für Nahverkehr daher auch für zu viel halten. Denn außerdem sind die öffentlichen Kassen ja auch hoch verschuldet und würde in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens eigentlich viel mehr Geld gebraucht. Daher muss sich der Nahverkehr darauf einstellen, dass die Zuschüsse noch weiter zurückgefahren werden! Die Verkehrswende ist damit eher ein Thema für Sonntagsreden.

also ich gehe jetzt auf diesen ganzen vorurteilsbeladenen Argumentationsansatz im Einzelnen gar nicht ein. Allerdings stimmt es leider, daß man in Deutschland wirklich immer noch zwischen öffentlichen und privaten “Schulden” meint, unterscheiden zu müssen und daß man den Unterschied zwischen Investition und Konsum nicht versteht. (und Ausgaben in die Infrastruktur- auch die Erhaltung – sind immer Investitionen, wenn man volkswirtschaftlich denken würde). Egal: wir werden diese wirre Vorstellung nicht werden ändern können.

Wenn man die gezahlten Steuern gegenrechnet, sieht die Sache schon ganz anders aus! Dann macht der Staat ein sattes Plus. Dann sollte auch mal geschaut werden was alles so subventioniert wird: Nicht nur Theater, Ballet, Oper, Museen und Sport, auch private Unternehmen wie VW oder Daimler oder der Straßenbau werden subventioniert. Der ÖPNV kommt da eher schlecht weg. Es gibt keinen funktionierenden Staat ohne massive Eingriffe mit z.B. Subventionen und Lenkungs-Steuern in die Wirtschaft.

Jeder Pkw wird im Schnitt mit 2000 Euro pro Jahr durch die Gesellschaft bzw. den Steuerzahler subventioniert. Das zahlen auch alle und somit auch die autofrei lebenden Bürger. Das macht im Jahr über 80 Mrd. Euro, die fürs Verkehrswesen mehr ausgegeben werden als eingenommen wurde durch Steuern und Versicherungen. Trotzdem wird man unbedarfte Personen finden, die sich einreden, sie seien die “Melkkuh der Nation”, so wie einige ÖPNV-Nutzer die Ticketpreise für zu hoch halten und denken, da werden die Staatskassen gefüllt.

229 Mio€ von der Hansestadt für den HVV.
Mal so eben 400 Mio nicht rückzahlbares Darmlehnen nur für Hapag Llyod …..

Hamburg gibt pro Bürger pro Tag also 0,33€ aus, damit der Nahverkehr funktioniert.
Würde mich sehr interessieren, was für den Straßenbau/unterhaltung ausgegeben wird.
Und vor allem für die Hafenwirtschaft, damit Container in und aus dem Hafen fluschen.
Und ob die Relationen stimmen.
Der HVV und seine ArbeitnehmerInnen machen eine gute Arbeit!!!!
Aber der Ansturm auf Bus und Bahn ist so hoch geworden, dass es zu bestimmten Zeiten sehr unangenehm ist, mit Bus und Bahn zu fahren.
Die Ausfallquote ist noch zu hoch.
Und Nahverkehr kann ja mal Vergleiche anstellen, was andere Städte für den Nahverkehr ausgeben:
Zürich?
Marseille,? die Patenstadt von Hamburg
Amsterdam?
Eins ist aber für mich eindeutig: Die HVV Tickets sind zu teuer!!
Von Altona mit der S bis Hauptbahnhof 2,20€, eine Station weiter bis Berliner Tor 3,20€

die Diskussion ist so sinnvoll, wie die über die Größe des Universums. Man kommt zu keinem Ergebnis. Wie viel oder wie wenig (oder auch gar nicht) dazu geggeben wird, ist ganz allein eine politische Frage. Man könnte auch ohne Probleme Gewine einfahren oder den ÖPNV kostenlos machen. Es ist alles nur eine Frage des WOLLENS. Was wollen wir unterm Strich? Wollen wir von A nach B kommen oder wollen wir, in Dekadenz verloren, unser Statussymbol zur Schau tragen und damit hinter anderen dekandenten Statussymbolen stundenlang im Stau stehen?

1. Also, was bedeutet den Kostendeckungsgrad ? Soweit ich weiss, bekommt die AKN in erheblichem Umfang Gelder von den umlegenden Gemeinden, damit sie dann dort überhaupt hält. Wie sieht es
hier aus ? Sind diese Gelder nun schon “erwirtschaftet” ? Oder sind diese in den Zuschüssen erfasst.

Herr Hinkelmann, könnten Sie uns darüber einmal aufklären ?

2. Wieviele Abo-Karten Inhaber gibt es eigentlich beim HVV ? Ich muss gerade einmal wieder daran denken, dass es mal das Thema “kostenloser Nahverkher” gab. Ich verstehe einfach nicht, dass man so etwas nicht auf 3 oder 4 Mio Einwohner in der Region mit einer Abgabe (ähnlich GEZ) macht und den Personalausweis gleichzeitig zur Fahrkarte. Auswärtige, die sicher zum grössten Teil in Hotels übernachten bekommen eine Fahrkarte ähnlich wie ne Kurabgabe drauf gedrückt. Alleine der Wegfall der Fahrkartenautomaten, der Wegfall von Verwaltung, der Wegfall von Eigenentwickelten digitalen Tickets usw. würde ja schon einige Millionen Euro sparen.

Jan

“Kostendeckungsgrad” heißt in Hamburg: soviel Prozent der Ausgaben konnten vor Verlustausgleich erwirtschaftet werden. Das ist, denke ich, sehr diskussionswürdig.

Denn: Damit schaut man sich immer nur eine einzige Art von staatlichen Zuschüssen an.

Die Verkehrsunternehmen bekommen neben dem Verlustausgleich auch eine Vielzahl weiterer Leistungen, direkt oder indirekt, von der Stadt. Die Motivation dahinter ist häufig die gleiche oder zumindest ähnliche wie beim Verlustausgleich. Die günstigeren Fahrkarten für Azubis, Schüler und Studenten werden zum Beispiel durch Ausgleichszahlungen ermöglicht. Diese Ausgleichszahlungen rechnen die Verkehrsunternehmen aber zum “selbst erwirtschafteten” Teil. Die Hochbahn erhielt einige Zeit sogar für den Betrieb von Klos separate Zuschüsse von der Stadt, die, genau, “selbst erwirtschaftet” waren. Infrastruktur-Investitionen wie die Ausgaben zum U4-Ausbau laufen auch durch die Hochbahn-Kassen, werden aber natürlich über postwendende Zuwendungen der Stadt ausgeglichen. Das findet alles im Hamburger “Kostendeckungsgrad” keinen Widerhall.

Für die S-Bahn wäre nach dieser Logik die Kostendeckung sogar über 100 %. Sie macht nämlich keinen Verlust, sondern sogar Gewinn. Der Trick: Die S-Bahn hat einen vergüteten Verkehrsvertrag, die Hochbahn nicht.

Warum leistet sich Hamburg eigentlich soviele unterschiedliche Verkehrsdienstleisterinnen? Hochbahn, VHH, AKN, Hadag? Und dann gibt es noch zig Tochterfirmen und Beteiligungsmodelle. Wird es nicht langsam aber sicher mal Zeit für eine Firma mit einer Verwaltung? Gern mit Schleswig-Holstein zusammen!

Der Kostendeckungsgrad steigt, selbst bei der Hadag (ich kenn aus der Vergangenheit eigentlich nur schlechtere Zahlen, unter 50% bei der Hadag war nichts besonderes). ÖPNV kostet nun mal Geld, rein privatwirtschaftlich ohne Zuschüsse wird man kaum einen 100-pozentigen Deckungsgrad herstellen können oder aber die Leistungen erheblich einschränken müssen. Die Höhe des Zuschusses ist bei einer Leistungsvorgabe daher auch eine politische Frage, die auch beinhaltet, dass in den nicht so nachgefragten Stadteilen und Randgebieten auch eine bedarfsgerechte Anbindung für die dortigen Bürger im Sinne einer Daseinsvorsorge bereitgestellt wird. Entsprechend hat auch die Hadag mit Ihren “hohen” Verlusten eine Berechtigung, da sie z.B. Finkenwerder in vertretbarer Reisezeit an das Stadtzentrum anbindet. Mein Fazit ist: Für die erbrachte Leistung und den Fahrpreis ist der Kostendeckungsgrad, bei aller berechtigter Kritik im Detail, nicht zu beanstanden.

Und wieviel Verlust machen die Schulen? Die Polizei? Die Strassenverwaltung? Die Parkpflege? Es handelt sich doch um oeffentliche Ausgaben fuer oeffentliche Aufgaben, da von Verlusten oder Subventionen zu redden ist ziemlich unsinnig…

Auf den hohen Kostendeckungsgrad in HH sollte man nicht stolz sein, sondern eher das Gegenteil!

Von den ÖPNV wird erwartet, dass sie möglichst kostendeckend arbeiten. Ähnlich auch von Flughäfen. Vom PKW individualverkehr, nicht. Der PKW individualverkehr hat den schlechtesten Kostendeckungsgrad aller Verkehrsmittel überhaupt, denn die Steuereinnahmen reichen bei weitem nicht für die entstehenden Wartungskosten – von Neubaukosten ganz zu schweigen. Aber darüber regt sich kein Bürger auf….

Einige andere Städte Europas haben – politisch gewollt – z.B. nur 50% Kostendeckungsgrad, dafür umso billigere Fahrkarten als HH.

Die völlig verkürzte betriebswirtschaftliche Betrachtung der Verluste führt zu völlig falschen Schlüssen. Die eingesparten CO2 Mengen durch den ÖPNV, die vermiedenen Unfalltoten und Staus werden überhaupt nicht bewertet. Eine gesamtwirtschafltiche Betrachtung unter Einbeziehung der ökologischen Paramenter wäre hier dringend von Nöten.
Und in welche Stadt auf der Welt ist der ÖPNV profitabel? Während in Deutschland über die Kosten lamentiert wird, bauen die Städte anderenortens besonders in China ihren ÖPNV massiv aus, weil sie wissen, dass es gesamtwirtschaftlich güsntiger ist U-S-und Straßenbahnen zu bauen und Busse zu betreiben statt immer mehr Straßen, als Absatzvoraussetzung für die Autoindustire, zu bauen, auf denen man sowieso nur im Stau steht.
Also die wirtschafltichen Ergebnisse des HVV sind gut, besser wäre allerdings das Wiener Modell: Ein Ticket für jeden für 1EUR/Tag. Mit diesem Konzept wurde bei den Wiener Linien der Zuschussbedarf reduziert, die Mindereinnahmen wurden durch mehr Nutzer und Zahler aufgewogen!!

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