Spurbusse für Hamburg? Teures Experiment!

Die angedachte Einführung von Spurbussen in Hamburg könnte sich für die SPD zu einem finanziellen Abenteuer entwickeln. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen: Die Systeme sind unausgereift, pannenanfällig und unkalkulierbar teuer. Der Bund der Steuerzahler ist skeptisch.
Von Christian Hinkelmann
Ein Spurbus vom Hersteller Bombardier in der französischen Stadt Caen. Das System ist von Anfang an so pannenanfällig gewesen, dass die Strecken schon bald zu einer herkömmlichen Stadtbahn umgewandelt werden sollen.
Ein Spurbus vom Hersteller Bombardier in der französischen Stadt Caen. Das System ist von Anfang an so pannenanfällig gewesen, dass die Strecken schon bald zu einer herkömmlichen Stadtbahn umgewandelt werden sollen.
Foto: Florian Fèvre / Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Keine Stadtbahn – dafür aber möglicherweise ein elektrisches Spurbus-System, das nur einen Bruchteil kosten soll (siehe hier). Mit dieser Vision will Bürgermeister Scholz die Engpässe im öffentlichen Nahverkehr beseitigen und den ÖPNV fit für die Zukunft machen.

Doch ein Blick ins europäische Ausland zeigt: der vermeintlich so günstige Spurbus könnte sich für Hamburg schnell zu einem teuren Boomerang entwickeln. So laboriert die nordfranzösische Stadt Nancy seit zehn Jahren erfolglos an einem System, bei dem Busse in der Innenstadt durch eine mittlere Führungsschiene in der Spur gehalten werden sollen. Außerhalb des Zentrums können sich die Busse elektrisch oder per Diesel frei auf der Straße bewegen.

Spurbus-Systeme in Frankreich entwickelten sich zum Fiasko

Die charmante Idee entwickelte sich schnell zu einem finanziellen Fass ohne Boden. Schon kurz nach Inbetriebnahme gab es mehrere schwere Entgleisungen mit Verletzten – die Busse brachen immer wieder aus der Spurführung aus und schleuderten unkontrolliert auf die Fußwege. Die Behörden zogen die Notbremse und legten das gesamte System für ein Jahr still. Erst nach millionenschweren Nachbesserungen an Fahrzeugen und Strecken durften die Spurbusse wieder fahren – mit scharfen Sicherheitsauflagen. Seitdem sind in der Innenstadt teilweise nur noch 5 Km/h Höchstgeschwindigkeit erlaubt, das Durchschnittstempo liegt bei mageren 12,7 Km/h. Herkömmliche Busse erreichen Werte um die 20 Km/h.
Ein Spurbus im französischen Nancy mit nur einer Führungsschiene im Boden[/caption]Die Folge: Die Fahrgastzahlen sanken kontinuierlich. Inzwischen nutzen in keiner anderen französischen…

Auch interessant

ARGO AI-Deutschlandchef Dr. Reinhard Stolle, Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei der Nutzfahrzeugsparte von VW und Moia-Chef Robert Henrich (v.l.n.r.)

In diesen Stadtteilen will Moia künftig autonom fahren

Der Fahrdienst Moia will noch in diesem Jahr mit den Vorbereitung für einen fahrerlosen Betrieb starten. Dazu hat sich die VW-Tochter ein ambitioniertes Testgebiet ausgesucht. Mit welchen Herausforderungen Verkehrssenator Tjarks rechnet und was mit dem bisherigen Moia-Dienst passiert.

Neue Mobilität: Zwei E-Scooter-Fahrer stehen an einer Ampel in Hamburg-EImsbüttel. Im Hintergrund ein Bus des Ridesharing-Anbieters Moia

Bundestagswahl: Diese Verkehrswende-Versprechen machen die Parteien

Autonomes Fahren, Mobility-Hubs, Sharing-Portale, Ladesäulen-Infrastruktur, digital vernetzte Mobilitätsangebote – was versprechen die großen Parteien zur Bundestagswahl konkret im Bereich der neuen Mobilität? Wir haben die einzelnen Wahlprogramme analysiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.