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Treppen-Posse am Hamburger Hauptbahnhof geht weiter

Seit zwei Jahren baut die Deutsche Bahn an fünf zusätzlichen Bahnsteigtreppen, um den überfüllten Hauptbahnhof zu entlasten. Doch das Projekt wird einfach nicht fertig. Jetzt wurde bekannt, dass sich der Bau weiter verzögert. Das ist der aktuelle Zeitplan, das sind die Gründe und so reagiert die Verkehrsbehörde.
Christian Hinkelmann
Die historische Halle des überfüllten Hamburger Hauptbahnhofs soll in den nächsten Jahren durch einen Anbau bis über die Steintorbrücke verlängert werden. Der Pariser Architekt Hans-Michael Földeak sieht darin wenig Nutzen für die Fahrgäste und zeigt im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview Grafiken eines Alternativ-Entwurfs, der schneller und günstiger mehr Kapazitäten schaffen soll.
Die historische Halle des überfüllten Hamburger Hauptbahnhofs soll in den nächsten Jahren durch einen Anbau bis über die Steintorbrücke verlängert werden. Der Pariser Architekt Hans-Michael Földeak sieht darin wenig Nutzen für die Fahrgäste und zeigt im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview Grafiken eines Alternativ-Entwurfs, der schneller und günstiger mehr Kapazitäten schaffen soll.
Foto: Christian Hinkelmann

Vergrößerte Halle, zusätzliche Bahnsteige, neue Tunnelstation: Der überlastete Hamburger Hauptbahnhof soll in den nächsten zwanzig Jahren grundlegend ausgebaut und erweitert werden. Ein Milliardenprojekt, bei dem kaum ein Stein auf dem anderen bleiben wird.

Dagegen muten die fünf provisorischen Treppen, die die Bahn seit Anfang 2021 außerhalb der Halle von der Steintorbrücke zu den Bahnsteigen bauen lässt, eigentlich wie Peanuts an. Rund ein Dreivierteljahr hatte die DB ursprünglich für den Bau veranschlagt. In dieser Zeit sollten die vormontierten Fertigtreppen mit einem Kran eingehoben und angeschlossen werden.

Im Oktober 2018 hatte der damalige DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla nach einem gemeinsamen Rundgang mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) durch den Hauptbahnhof diese Treppen als Kurzfristmaßnahme ankündigte und als Zeitziel „in drei Jahren“ ausgeben – also bis November 2021.

Doch diese kleine provisorische Baumaßnahme entwickelte sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Treppenwitz. Die ersten vier Treppen flogen noch pünktlich zwischen Juli und November 2021 am Hamburger Hauptbahnhof ein – doch dann begann die Sache, sich zu verhaken. Erst mit vier Monaten Verspätung, Ende März 2022, wurden drei Treppen eröffnet. Der vierte Aufgang blieb gesperrt, der fünfte wurde nie geliefert. „Anschlussarbeiten an der Technik“,  „Abnahmeverfahren“ und „Probleme mit der Elektrik“ waren damals die Antworten der Deutschen Bahn auf entsprechende Nachfragen von NAHVERKEHR HAMBURG.

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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15 Antworten auf „Treppen-Posse am Hamburger Hauptbahnhof geht weiter“

Ich denke, es ist in der Tat langsam mal nötig, dass die Mobilitätsbehörde sich überlegt, wie der Bahn, und sei es mit Zahlungen bei Verspätungen, wie die Bahn mal sanktioniert werden kann. Meine Lieblingsidee ist es ja, Großbaustellen im ÖPNV in Hamburg der Hochbahn zu übergeben. Die halten zumindest ihre Zeitpläne ein, meist auch die Finanzrahmen.

Die ersten Vorschläge für die Treppen gab es schon im Jahr 2015. Also von der idee bis zur finalen Umsetzung rd. 10 Jahre, das ist schon Rekord, und das für banale feste Treppen. Angesichts der Höhe hätte man sich Rolltreppen gewünscht. Für ältere oder mobilitätseingeschränkte Passagiere, oder Fahrgäste mit Kinderwagen, viel Gepäck oder Fahrrädern sind die Treppen völlig untauglich. Die Forderung von Prellbock-Altona ging auch weiter, es sollten ebensolche Treppen von der Altmannbrücke zu den Bahnsteigen Gleis 13-14, Gleis 11-12,Gleis 7-8 gebaut werden, um den Fußweg vom nordöstlichen Teil der Hafen-City zum Hauptbahnhof zu verkürzen. Geschehen ist nichts, weil DB Station&Service möglichst viele Passagiere an den Fressbuden auf dem Südsteg des Hauptbahnhofs vorbeischeuchen will, damit man höhere Mieten kassieren kann. Ein typischer Bahnkrimi wie er sich leider tagtäglich abspielt. Daher ist es höchste Zeit die Infrastruktur der Bahn aus dem DB Konzern herauszulösung und in eine gemeinnützige Anstalt öffentlichen Rechts zu überführen. – Bezüglich des Umbaus des Hamburger Hauptbahnhofs kann man auch nur anmerken: Die bisher vorgelegten Pläne nach dem Architektenwettbewerb sind reine Hochhausbebauungspläne für das Bahnhofsumfeld, Pläne für eine (technisch nicht so einfache) Neugestaltung der Gleisanlagen wurden bisher nicht vorgelegt. Die kommen vermutlich erst, wenn die Ergebnisse der Studie zum Verbindungsbahnentlastungstunnel vorgelegt werden. Was sich aber jetzt schon zeigt, der Umbau des Hamburger hautpbahnhofes gerät schon wieder zu einem Immobilienprojekt und keinem Bahnprojekt. Und die Bedürfnisse der Fahrgäste werden mit Füßen getreten, denn 20 Jahre lang werden sie sich von einem Provisorium zum nächsten durchschlängeln müssen.

Leute, ich habe mal hochgerechnet: Die S4 wird 2030 bis Rahlstedt teileröffnet und 2034 fertig gestellt. Frühestens. Das sind meine optimistischsten Schätzungen. Die „Verkehrspolitik“ wird natürlich anderen Optimismus verbreiten, aber so wird es sein.

Hat sich überhaupt der >hvv für diese ganzen Verzögerungen beim Treppenbau interessiert? Oder ist das Thema nicht kultig genug?

Volle Zustimmung:

Es gibt faktisch kein einziges Infrastrukturprojekt, egal ob so groß wie Stuttgart21 oder zweite Münchener Stammstrecke, oder so klein wie der Einbau einer neuen Treppe oder die Fertigstellung eines neuen S-Bahnhofs in Ottensen in den letzten Jahren, das die DB auch nur ansatzweise im Zeitplan fertigstellen konnte – von den Kosten mal ganz abgesehen.

Die S4 Ost und West, die HBF-Erweiterung, Diebsteich, die Elbbrücken, die Sternschanzenbrücke und der Verbindungstunnel bieten der Bahn also reichlich Gelegenheit, ihre Expertise in Sachen Terminverschiebungen und Kostensteigerungen auf ganz neue Ebenen zu steigern.

Wenn die neuen Projekte nach und nach starten, und sich die neuen und die schon jetzt laufenden dann so sehr verschieben, dass diese Projekte gleichzeitig für Behinderungen bei der Bahn in Hamburg sorgen, dann kann Hamburg 2025 und 2027 bei den ÖPNV-Kongressen bestenfalls als leuchtendes Beispiel für nicht funktionierende Mobilität herhalten.

Am Schlimmsten an der Geschichte ist die Reaktion der Verkehrsbehörde: es reicht halt nicht, überall mit dem Fahrrad zu erscheinen und Einweihungen zu feiern und ansonsten die „Achseln“ zu zucken. Es soll sich niemand mehr über Korruption in anderen Ländern aufregen: Was sich in Ottensen und am Hauptbahnhof abspielt, ist nach meiner Meinung verdeckte Korruption. Die Ausreden – oder sind es Lügen?! -, die die Bahn präsentiert sollten längst Anlaß für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss sein oder sogar für ein Strafverfahren. Letztlich werden hier Steuergelder verschwendet und darüberhinaus die Verkehrswende fast schon mutwillig torpediert. Das es auch anders geht, zeigt die Verlängerung der U4 nach der Horner Geest. Dort gibt es keine Preissteigerungen oder Lieferprobleme. Leider ist es wohl auch sehr schwierig, zu recherchieren, was wirklich hinter der Unfähigkeit oder besser der – Unwilligkeit der Bahn steckt. Die einen Journalisten wie beim NDR oder auch den Hamburger Regionalzeitungen haben kein Interesse, Skandale aufzudecken und „Nahverkehrhamburg“ mutmaßlich nicht die Ressourcen (aber sicherlich bemüht, diesem Skandal auf die Spur zu kommen.)

Ja, leider. Die Deutsche Bahn ist ein Staat im Staate. Mein alter Chef (Gleisbau und Eisenbahntrassierung) meinte mal zu mir, dass das im Prinzip schon an Wirtschaftskriminalität grenzt, was die machen. Aber die können machen was sie wollen und es ist im Wesentlichen allen egal oder gar politisch so gewollt. Sieht man im Prinzip an so ziemlich allen Projekten der DB.

Dein Kommentar bringt die Sollbruchstelle der Verkehrswende perfekt auf den Punkt. Man stelle sich vor, Google würde sagen „Dieses Problem fixen wir erst 2024!“. Richtig: Die Nutzer wären sofort weg und die Aktie würde ins Bodenlose fallen.

Bei der (S-)Bahn stellen die UserInnen jeden Tag fest: Es ist Tjarks und Co. komplett egal, ob der Service funktioniert. Sie machen das einzig Richtige: Sie fahren weiter Auto, weil sie ihr Leben von solch dreister Verantwortungslosigkeit und Dritt-Welt-Zuverlässigkeit nicht abhängig machen wollen.

Die Treppen waren die geilsten Ideen überhaupt.
Man steigt (bei vorher „ungünstiger“ Wagenauswahl) im strömenden Regen aus und stiefelt mit Gepäck die Treppe hoch🤣

Ja und, es zwingt Sie doch niemand, bei strömendem Regen mit Gepäck diese Treppen hochzustiefeln. …Oder machen vorher einfach eine „günstigere Wagenwahl“.

Ich hätte diese Treppen einmal gern genommen als mein Zug über die Ericus-Spitze geleitet wurde und Gleis 11 oder 12 ankam und mein Wagen auch „passgenau“ dort hielt. Ich wollte schon darauf und freute mich, einen kurzen, schnellen Weg zur RB81 zu haben, da fiel mir gerade noch ein, dass die Treppe zu den Gleisen 5 und 6 immer noch nicht freigegeben ist. Also musste ich doch noch durch das Gewühl in der Halle, um dann festzustellen, dass diesmal die RB81 von Gleis 7 oder 8 abfuhr.

Ach ja, die Horner Geest und Herr Tjarks, der ja in Jenfeld aufgewachsen ist.
Dazu ein Schmankerl aus dem letzten Wochenblatt über den radfahrenden Senator. Unter der Überschrift „Ideen für Jenfeld“ steht u.a. „Sobald die S4 in Richtung Rahlstedt gebaut ist, sollen die Jenfelder einen schnellen Busanschluss zur neu entstehenden S-Bahn-Station Bovestraße bekommen.“
Da können die dann auch gleich wie gewohnt die 1, 2 Stationen bis Wandsbek Markt weiter fahren. Was sie in der Mehrheit wohl auch machen werden.
Wie wäre es denn mal mit einem Weiterbau der U4-Verlängerung bis Jenfeld Zentrum? Das würde wirklich was bringen bezüglich der „Mobilitätswende“.

Tjarks ist das typische Bsp. eines Politikers, der aufgrund von gutem networking in seine Position gekommen ist, aber dem selbst beim Fachthema Verkehr die politischen Grundlagen fehlen. Mit Sekundärtugenden kann man keine Verkehrswende betreiben. Übrigens hätte oder könnte man die S4 über Jenfeld – im Tunnel dann – führen, dann wäre die Lübecker Bahn auf einem Abschnitt sogar viergleisig, Jenfeld angeschlossen und die S4 noch erheblich sinnvoller als ohnehin schon.

Genau, das wäre eine gute Idee.
Ich hatte so etwas ähnliches vor langer Zeit mal für Wandsbek Markt vorgeschlagen. Meine Idee war damals, alle S-Bahn-Linien (S1, S11 und S4) gemeinsam östlich Hasselbrook in einen Tunnel zu führen, der dann Wandsbek Markt unter der U-Bahn-Station seine Haltestelle bekommt. Hinter der S-Bahn-Haltestelle sollten sich dann die Linien verzweigen: S1 und S11 nach Friedrichsberg und S4 nach Bovestraße. Das hätte zwar für beide Äste einen zusätzlichen „Buckel“ gegeben, der aber eine ungeheuere Netzwirkung entwickelt hätte. Wandsbeker Chaussee hätte zwar den S-Bahn-Anschluss verloren, wäre aber bei weitem nicht mehr so frequentiert, da dort ja hauptsächlich umgestiegen wird, was dann zu einer Umstiegsstation mit weitaus besseren Möglichkeiten (Busanschlüsse und Anschluss an die S4) verlagert worden wäre. Die frei werdende Haltestelle Wandsbeker Chaussee hätte dann sogar zu einer Regionalhaltestelle der Güterumgehungsbahn umgebaut werden können.

Aber mich fragt ja keine*r… 😥

da muß man aber sagen, daß das bei den Planungzeiten das dann wohl in 2022 erst real geworden wäre und auch erhenblich teurer sein würde. Was den Anschluß von Jenfeld angeht, gibt es mit der Horner Geest Erweiterung eine Alternative aber diese sollte geplant werden, damit die Erweiterung 2030-2033 beginnen kann. Jenfeld ist ein hochbesiedelter Stadteil und liegt eben NICHT an der S4 Trasse. Und das mit Bussen überbrücken zu wollen, ist doch irreal zumal dann viele doch gleich mit dem Bus aus der City fahren. Der Ausbau von S-Bahnen nicht nur in Hamburg krankt ja daran, daß man auf 105 Jahren Trassen Erweiterungen vornimmt, die natürlich unter anderen Bedingungen erstellt wurden damals. So würde man niemals Autobahnen planen und das zurecht nicht.

Ja, die Idee war vom Anfang der 2010er (oder war’s sogar noch davor?) als in einem Hotel in Rahlstedt eine Präsentation mit Leuten von der S-Bahn stattfand. Mit 2022 wäre das aus damaliger Perspektive vielleicht sogar hingekommen.

Lustig finde ich immer wieder, wenn offiziell immer mal wieder geschrieben wird, dass mit der S4 Jenfeld an die S-Bahn angeschlossen wird. Nur weil ein kleines Zipfelchen ganz im Westen bis an die Bahntrasse und die künftige Haltestelle Holstenhofweg reicht. (Dort wo früher mal der Übergabebahnhof der Wandsbeker Industriebahn war.)

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