U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn, U-Bahn, S-Bahn und jetzt doch wieder U-Bahn: Die unendliche Geschichte rund um einen Bahnanschluss für den Hamburger Stadtteil Osdorf ist um ein Kapitel reicher. Statt der zuletzt geplanten S-Bahn-Linie S6 soll nun doch die künftige U-Bahn-Linie U5 in den Hamburger Westen verlängert werden.
Das hat der rot-grüne Senat am Dienstag überraschend entschieden. Demnach soll die im Bau befindliche U5 hinter dem bisher geplanten Endbahnhof an den Volkspark Arenen um zwei weitere Stationen an der Luruper Hauptstraße und im Osdorfer Born ergänzt werden. Knapp vier Kilometer lang soll der zusätzliche Streckenabschnitt werden.
Der offizielle Planungsauftrag ist bereits am Dienstag an die Hamburger Hochbahn gegangen. Rund um das Jahr 2040 könnten die ersten U-Bahnen nach Lurup und Osdorf fahren – etwa zehn Jahre früher als mit der eigentlich geplanten S-Bahn-Linie S6. Die wäre nach aktueller Schätzung der Deutschen Bahn nämlich erst um 2050 fertig geworden, erklärte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) im Hamburger Rathaus.
Die Strecke der S6 soll trotzdem weitergeplant werden, allerdings in gekürzter Form bis zur Bahrenfelder Trabrennbahn. Dort entsteht in den nächsten Jahren die Science City Bahrenfeld mit zahlreichen neuen Wohnungen. Auch das olympische Dorf ist dort vorgesehen, falls Hamburg die Olympischen Spiele 2036 oder 2040 austragen sollte. Bis wann die verkürzte S6 realisiert werden soll und ob die Stadt dafür auf Fördergeld aus Berlin hoffen kann, ist noch unklar.
Der Hamburger Senat bekleckert sich mit dieser abermaligen Umplanung der Schienenanbindung für Osdorf und Lurup nicht unbedingt mit Ruhm. Immer wieder wurden in den vergangenen 50 Jahren verschiedene Bahnpläne begonnen, abgebrochen und durch Neuplanungen ersetzt.
NAHVERKEHR HAMBURG erklärt die Hintergründe, warum die neue U-Bahn-Planung für die Menschen in der Stadt trotzdem ein Segen ist – und wieso die Osdorferinnen und Osdorfer wegen der Deutschen Bahn knapp zehn Jahre verloren haben.
Fünf Kehrtwenden in 50 Jahren
Wie sich die Geschichten doch gleichen: Vor fast genau 52 Jahren überraschte das Hamburger Abendblatt mit einer ganz ähnlichen Schlagzeile wie gestern: „Osdorf und Lurup sollen einen U-Bahn-Anschluss bekommen.“ Dank eines vollautomatischen Signalsystems sollten die Züge im 90-Sekunden-Takt fahren. 1983 sollten die ersten Züge rollen.
Bekanntlich wurde daraus nichts. Stattdessen war es nur der Auftakt für ein verkehrspolitisches Trauerspiel. Wegen der Ölkrise kassierte der damalige SPD/FDP-Senat das Projekt nur ein Jahr später wieder. Ende der 1970er-Jahre überraschte die damalige Bundesbahn dann mit der Eröffnung des unterirdischen S-Bahnhofs Altona mit einer Bauvorleistung in der Tunnelausfahrt: einer Nische für den späteren Bau eines Streckenabzweigs Richtung Osdorf. Doch auch diese Idee verlief im Sande.
Rund um das Jahr 2009 da…









8 Antworten auf „U-Bahn statt S-Bahn nach Osdorf: Warum die Planänderung für Hamburg ein Segen ist“
Spannend, danke fürs Nachzeichnen! Hat man vom BRT-System in Bahrenfeld eigentlich noch etwas gehört?
Busspuren auf der Luruper Hauptstraße/Bahrenfelder Chaussee könnten die Fahrtzeiten der X3 gen Holstenstraße vermutlich deutlich reduzieren, wenn sich die Politik das trauen würde.
Damit ist die S6 praktisch tot. Jene S6, die bald zwischen Harburg/Neugraben und Elbgaustraße verkehren soll, wird faktisch eine Verstärkerleistung der S5 sein und könnte auch gleich so benannt werden. Das Hauptproblem der S6 nach Bahrenfeld ist, dass sie den ganzen Tag verkehren muss, was den ganzen Tag 18 S-Bahnen pro Stunde und Richtung zwischen Harburg und Hauptbahnhof bedeutet. Wer will das bezahlen? Nee, hier wäre eine Straßenbahn zwischen Trabrennbahn und Altona (neu) über Holstenkamp wirklich die bessere Lösung, mit Verlängerungsmöglichkeiten nach Westen (Elbe-Einkaufszentrum und S Klein Flottbek) und Osten (U Schlump oder US Sternschanze)
Der teure S6-Planungauftrag an die DB besteht ja weiterhin, wird aber nicht mehr im vollen Maße für die Stummel-S6 benötigt (deren Chancen ja auch mager sind). Dieser Planungsuftrag könnte nun auf zwei weitere S-Bahn-Projekte umgewidmet werden:
1) Ausbau der drei S2-Halte östlich von Bergedorf für Langzüge. Damit könnten ganztägig Langzüge verkehren, und die Verstärker bis Bergedorf könnten (als Voll- oder Langzüge) auf die kurze Morgenspitze und vielleicht zwei Stunden am Nachmittag reduziert werden. Ansonsten reichen Langzüge im 10-min-Takt.
2) Verlängerung der S5 von Stade nach Himmelpforten, mit Zwischenhalten in Stade Klinikum, Haddorf und Hammah. Himmelpforten wird für die nächsten Jahrzehnte der natürliche Endpunkt sein, weil dort die Zweigleisigkeit der Niederelbebahn endet und ein Ausbau nicht absehbar ist.
Zur U5: Der nächste logische Schritt der Stadt wäre nun die Ankündigung, dass bald der Westast vom Westen gebaut werden soll, mit zwischenzeitlichen Endpunkt Hagenbeck und dortigem Anschluss an das restliche Netz für Überführungsfahrten (wofür die Fahrzeuge Führerstände bräuchten). Dann wäre auch 2040 realistisch.
Das mit der Frühinbetriebnahme mit der Strecke von Osdorf nach Hagenbecks habe ich auch gedacht und bin froh, dass es schon jemand angesprochen hat!
Seien wir doch mal ehrlich: Das hier ist nur ein weiterer Akt von „Warten auf Godot“.
Ich möchte nicht darüber urteilen, ob die strecke sinnvoll ist oder nicht. Das müssen Leute machen die sich auskennen. Das der Auftrag in Hamburg erfolgt und die Planung und Ausführung auch in Hamburg liegt bedeutet, das wird gebaut, häufig bleibt es auch im Kostenrahmen und im Zeitrahmen. Es passiert also etwas, was man von Planungen der Bahn nicht behaupten kann. Das ist der ganz große Vorteil der U-Bahn Strecke.
Sehr gute Entscheidung, die schon viel eher hätte gemacht werden müssen. Das sage ich ganz ohne Neid und Häme.
Sehr interessant finde ich vor allem die Argumentation mit der Nichtupgradefähigkeit der S6. Stimmt vollständig. Vielleicht sollten auch andere nicht upgradefähige Projekte besser eingestampft werden, zumal, wenn sie vom selben schlecht organisierten Unternehmen geplant und ausgeführt werden?
Der Anschluss der Science City sollte auch besser über ein Hochleistungsbussystem erfolgen, das die Bedienung der auch danach weiterhin bestehenden Verkehrsströme aus dem Osdorfer Born nach Altona übernehmen kann.
Eine, meiner Meinung nach, positive Entwicklung. Die Entscheidung für eine S-Bahn habe ich aus diversen Gründen nie verstanden. Es spricht einfach so viel für die U-Bahn: simple Verlängerung statt komplexer Ausfädelung, kleinere Tunnel, kürzere Stationen, dichterer Takt, Hochbahn statt DB, Wirtschaftlichkeit, schnellere Umsetzbarkeit, keine Störung am DESY…
Hoffen wir mal, dass sich jetzt dann auch wirklich mal was tut und nicht die sechste Umentscheidung kommt.
Klar, auch die U-Bahn ist sicher nicht ideal, aber wenn man ein Verkehrsmittel hat, für das man quasi nicht auf einen Fahrplan schauen muss, nimmt man sicher ein paar Minuten Fahrzeit mehr in Kauf. Auch nach z.B. Volksdorf, Niendorf, Fuhlsbüttel fährt man vom Hbf 20-30 min. Das sollte also zu verkraften sein. Und nach Altona gehts dann halt weiter mit dem (dann wesentlich leereren) Bus oder mit einem Umstieg zur S-Bahn.
Was mich auch positiv stimmt ist das zumindest in den gezeigten Skizzen nach Westen zeigende Linienende der U5 in Osdorf. Ja, Hamburg will das nicht, aber zumindest bestünde jetzt noch technisch die Möglichkeit einer Verlängerung nach Schenefeld; anders als bei diesem sinnlosen Südschlenker der S6 Planungen.
Ich wünsche dem ganzen Projekt jedenfalls viel Erfolg (Aller Tiraden gewisser Ost-Hamburger zum Trotz).
Dann bleibt zu hoffen, dass die 120 Mio, die die Bürgerschaft für die Planung der S6 der Deutschen Bahn in den Rachen geschmissen hat, nicht verwendet wird. Was mich überhaupt wundert. Wozu braucht man für die Planung einer 8km langen S-Bahn Strecke 20 Jahre? Die U5 soll wohl wirklich bis 2040 fertig werden, das sind noch 15 Jahre und in den dreissiger Jahren wird es dann wohl ziemlich viele Baustellen geben. Die immer noch angedachte Teilstrecke der S6 sollte als Stadbahn angelegt werden und dann in Richtung Altona Alt und Ring 2 bis Winterhude gebaut. Das wären um die 25 Km und damit ein sinnvolles Projekt. Ich bin in den siebziger Jahren oft mit der 11 nach Bahrenfeld gefahren von Altona und das ging zügig und war bequem. Ottensen müßte halt untertunnelt werden diesmal (oder eine Trasse zwischen zwei Häuserzeilen gefunden werden, damit es nicht zu erheblichen Verkehrsbehinderungen durch diese „Ungetüme“ kommt.