Umzug des Fernbahnhofs Altona: Im Sommer geht es los

Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren und im Sommer soll der offizielle Baustart für den neuen Fernbahnhof Altona folgen. Auf S-Bahn-Fahrgäste warten Einschränkungen.
Von Christian Ohrens
Abgeholzter Bahndamm am S-Bahnhof Diebsteich.
Abgeholzter Bahndamm am S-Bahnhof Diebsteich.
Foto: Christian Hinkelmann

Vor einem Jahr hatten sich die Deutsche Bahn, die Stadt Hamburg und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) im Streit um den geplanten Umzug des Fernbahnhofs Altona um einige Hundert Meter Richtung Norden geeinigt (siehe hier).

Seitdem steht die Frage im Raum, wann denn nun die Arbeiten am neuen Fernbahnhof offiziell beginnen sollen. NAHVERKEHR HAMBURG hat bei den Verantwortlichen nachgefragt und sich auf der künftigen Großbaustelle umgesehen.

Großbaustelle wirft erste Schatten voraus

Wer am Bahnhof Diebsteich aus der S-Bahn steigt, der mag gar nicht glauben, dass das hier noch zur “schönsten Stadt der Welt” gehört. Der Bahndamm rund um die Ostseite des Bahnhofs ist komplett gerodet und wirkt somit nackt, kahl und kühl. Der S-Bahnhof selbst wirkt verlottert und heruntergekommen. Kein Wunder. Wer investiert noch groß in eine Station, die in rund anderthalb Jahren eh abgerissen wird, um Platz für Hamburgs neuen Verkehrsknoten im Westen zu machen.

Ein paar Stiefmütterchen in Form eines Totenkreuzes auf dem kahlen Boden des Bahndamms geben der Szenerie zusätzlich etwas Morbides. Bahnhofs-Gegner Aktivistinnen und Aktivisten der Initiative „Prellbock Altona“ hatten sie gepflanzt. Sie hatten in den vergangenen Monaten mehrfach gegen die Rodungen protestiert – auch, wenn die Deutsche Bahn auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage betonte, für jeden gefällten Baum die Anzahl der gesetzlich geforderten Ersatzpflanzungen zu verdoppeln.

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11 Antworten auf „Umzug des Fernbahnhofs Altona: Im Sommer geht es los“

Auch wenn man sich schon fragen muss, warum nicht zwei Bahnsteige für die S-Bahn vorgesehen sind, da aufgrund der vielen S Bahn Projekte es wahrscheinlich zu Kapazitätsengpässen kommen wird, ist es natürlich abwegig, dieses Projekt mit Stuttgart 21 zu vergleichen. In Stuttgart wird ja nicht nur die Fernbahn mit km langen Tunneln verlegt, auch für S-Bahn sind umfangreiche Tunnelbauten vorgesehen. Die Gegner von Stuttgart 21 haben letztlich mit den exorbitanten Kosten argumentiert. (Dort 8 Mrd. und in Hamburg wohl um die 600 Millionen) Und “Prellblock” argumentiert nicht besonders stringent: Diebsteich liegt nicht auf dem Land; dort gibt es erhebliche Wohnbebauung. Und wenn man die jetzige Bahnfläche des Bahnhofes Altona in vernünftiger Weise umgestaltet, dann kann Altona sehr gewinnen. Was allerdings wie ich finde auch hätte geprüft werden müssen, den S _ Bahnbereich von Altona nach Diebsteich und Holstenstrasse und Bahrenfeld auch in eine Tunnellage zu bringen, um die Bahnschneise in Altona zu beseitigen. Und auch wenn die alternativen Ideen für den Erhalt des Sackbahnhofs Altona durch aus nachdenkenswert gewesen sind, gilt auch hier: Die Politik hat anders entschieden und auch hier geht es um ein Infrastrukturprojekt und nicht um ein Atomkraftwerk.

Naja, da sollte man Mini-Initiativen mit Partikularinteressen (Wohnungsbau verhindern und Autoverladestation behalten) nicht überbewerten. Zwar mögen sie durch ihre Klagewut Projekte verzögern und damit verteuern, um künftigen Generationen Steine in den Weg zu legen, aber am Ende wird ja alles gut. Mit S21 hat das Projekt wahrlich nichts zu tun, aber was bleibt einem außer Stimmungsmache, wenn alle Fakten gegen die eigene Position sprechen?

Endlich verschwindet der alte Fernbahnhof Altona. Der war mir viel zu gut verknüpft, viel zu zentral gelegen und einfach zu gut zu Fuß erreichbar. In der relativen Randlage, wo Immobilieninvestoren noch was reißen können, gefällt mir Fern- und Regionalbahn sehr viel besser. Und man hat da weniger Ferkehrsmittel zur Auswahl, was Entscheidungen von Fahrgästen einfacher macht.

naaj vielleicht hätte man ja auch in die Richtung gehen sollen, den Sackbahnhof in Tunnellage zu bringen. Aber letztlich ist das eine Entscheidung, die in einem demokratischen Gemeinwesen in einer bestimmten Form getroffen wird. Das mag nicht jedem gefallen, aber das Drama, dass “Prellblock” daraus konstruiert hat, war weit überzogen.

Morgen tagt ein sehr im “Untergrund” lebendes Dialogforum.
Auch das kann an den harten Fakten zu diesem Projekt Diebsteich wohl keine rettenden Ideen einbringen.
Das sind die harten Fakten:
* Das umfangreiche SMA-Gutachten zum Diebsteich bleibt weiterhin Verschlusssache. Warum? Was wird verheimlicht?
Selbst die Bürgerschaft darf es nicht bekommen.
* Der Deutschland-Takt wird in Hamburg durch den Diebsteich ausgebremst.
Wer einen guten Deutschland-Takt haben möchte, braucht zwei große Bahnhöfe, die gut verbunden sind: Hauptbahnhof und Kopfbahnhof Altona.
Da haben die drei Verkehrsinis Pro-Ausbau, Prellbock und Bahn für Alle zusammen mit Prof.Wolfgang Hesse eine gute gemeinsame PM veröffentlicht.
* Und last but not least:
Alle reden von Co2 Vermeidung und neuen Klimaschutzzielen.
Aber der Diebsteich wird kein Co2 Vermeider sein.
Eher ein Diebsteich Super Spreader Co2!
Alle Versuche, bei den Faktencheckgesprächen einen unabhängigen Gutachter zu Co2 und Klimaschutz einzusetzen, scheiterten an Senator Dressel und der Deutschen Bahn.
* Die Kosten
Hier werden wir uns noch die Augen reiben.
Die BI Prellbock hatte vor 2 Jahren gesagt: “Mehr als 1,0 Milliarden €” wird der Diebsteich kosten.
Wenn aber die Deutsche Bahn wie beim S-Bahnhof Ottensen ganz dolle Preisexplosionen erlebt, wirds mehr.
Die Gretchenfrage neben Co2, Deutschland-Takt wird aber sein:
Wird die Deutsche Bahn die weiteren 18 Weichen einbauen, die Senat, VCD-Nord mit der Deutschen Bahn abgesprochen hatten.
Oder bleibt sie stur und baut nach ihrem 2013er Plänen, die 2017 die Planfeststellung ausmachten.
Das betrifft auch die S-Bahn.
Wenn es bei einem Bahnsteig mit 2 S-Bahngleisen bleibt:
Keine S32 ab Diebsteich
Wo hält eine S21 nach Kaltenkirchen
Wo hält eine S4
Wo hält die Expresslinie nach Pinneberg/Elmshorn
Aber wir werden sehen: Der Bundestagswahlkampf hat begonnen.
Es wird unangenehme Fragen an die Kandidat*Innen geben.
Diebsteich bleibt der kleine Stuttgart 21, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Sehr geehrter Herr Flieg wech!
oder
Sehr geehrter Frau Flieg wech!

Meine Antwort:
1.Ich glaube nichts, aber ich weiß das 77 % der Altonaer den jetzigen Bahnhof erhalten möchten.
2.Prellbock Altona ist überhaupt nicht verblendet sondern hat seit bald 6 Jahren sehr gute Argumente und Fakten und damit mischen wir uns ein:
Für eine starke Schiene, für einen 2.großen Bahnhof Altona.
Für einen starken Umweltschutz.
Ja!!! Für einen super guten Kopfbahnhof Altona mitten da, wo 110.000 Menschen leben.
3.Wir sind weder besessen noch RAF Sympathisanten.
Wir sind aber seit mehr als 6 Jahren eine gut organisierte Bürgerinitiative und haben viele Freunde, Spender*Innen und viele gute Freunde in der Deutschen Bahn, Lokführer, Angestellte.
4.Wir setzen uns weiterhin mit faden und teilweise falschen Arguementen zum Projekt Diebsteich auseinander.
Und wir merken immer wieder, dass Politik und Deutsche Bahn sich einfach vor Prellbock verstecken oder schweigen.
5. Ich selbst halte es jetzt mit dem Bundeskanzlerkandidaten Olaf Scholz, der Demokratie für die Bürger*Innen auf Augenhöhe fordert.
Genau richtig!
Prellbock ernst nehmen und auf Augenhöhe sich mit uns auseinandersetzen.
Darum wollen wir am Dialogforum Schiene Hamburg teilnehmen, wollen mit anderen BI`s in Hamburg und um Hamburg zusammenarbeiten.
Vor allem das Thema Klimaschutz ist für uns wichtig.
Da kann Scholz -aber auch der Altona-SPD Bundestagsabgeordnete Dr.Matthias Bartke – beitragen:
*Wie sieht der genaue Text des “Letter of intend 2014” beim Verkauf des Bahnhofsgelände von Grube an die FHH/Scholz genau aus?
*Warum wird das SMA Gutachten zum Diebsteich nicht veröffentlicht?
Selbst die Bürgerschaft bekommt es zur Zeit nicht.
Und das schon seit jetzt seit 11/2 Jahre ist dieses SMA Gutachten für Politik, BI`s Experten, etc. tabu!!!
*Warum weigern sich die Senatoren Dressel+Tjarks und die Deutsche Bahn hartnäckig weiter, ein neutrales Co2 Gutachten Diebsteich versus Erhalt Bahnhof Altona zu erstellen?
Gerade jetzt nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts.
Alle wollen Co2 Emissionen massiv senken – aber ein Gutachten wird verweigert?
* Was ist mit den 9 Weichenpaaren und den Schienen dazu, die zusätzlich jetzt irgendwie am Diebsteich eingeplant werden müssen.

Und nun Herr/Frau “Flieg wech” zu
4 wichtigen Fakten:
Fakt 1
Weniger Autos mehr Schiene und mehr Fahrrad, geht viel besser am barrierefreien Fernbahnhof Altona und seine 8 Gleisen plus 2 Gleise, die am Bahnhof vorbeiführen – gegenüber – nur 6 Gleise am Diebsteich.
Und am Bahnhof Altona könnte wohl auch ein 9 Gleis gelegt werden.
Ich träume von einem Autoreisezug oder Nachtzug mit wunderbaren Waggons NUR für Fahrräder – Ebikes gleich im Waggon an einer Ladestation.
Ohne eine Barriere rauf auf das Gleis am Bahnhof Altona – rein in den Spezialwaggon.
Fakt 2
Für einen Deutschland-Takt und 1/2 Stunden Takt in allen Richtungen braucht HH den Hauptbahnhof u n d den Fernbahnhof Altona.
Fakt 3
Der Diebsteich müsste für einen modernen und zukünftigen Ausbau der S-Bahn einen neuen S-Bahnhof mit mindestens vier Gleisen und einen Bahnsteig-Halt für Regionalzüge bekommen: Für die S32, S4, S3, S21 und z.B. Halt des Westerlandzugs.
Fakt 4
Altona hat 19 Buslinien und mehrere Nachtlinien sowie einen wichtigen S-Bahnknoten, 4 Stadtteile und mehrere Straßentangenten aus allen Richtungen.
Das alles vom Fern-und Regionalverkehr abzuschneiden ist in meinen Augen und nach Prellbock Berechnungen ein Skandal.

A.Müller-Goldenstedt – Mitglied Prellbock Altona e.V.

Hallo Herr Müller-Goldenstedt,
da Sie im Gegensatz zu Herrn Jung hier im Forum antworten, möchte ich Sie fragen warum die Initiative Prellbock so gegen die S4 eingestellt ist. Liegt es daran, dass es sich um das “andere Ende von Hamburg” handelt und Sie keinen Bezug dazu haben? Für mich ist es absolut unverständlich, dass, wenn man für die beste umwelt- und kundenfreundliche ÖPNV-Anbindung Altonas ist, dies nicht auch Fahrgästen in anderen Regionen zugesteht, die die gleichen Ansprüche haben. Und das bei uns im Bezirk Wandsbek ein riesiger Nachholbedarf im ÖPNV besteht, werden Sie sicher nachvollziehen können.
(Aber bitte schlagen Sie mir jetzt nicht die A1-Variante vor, denn die bedeutet ein weiteres Hereinteilen der Strecke mit dem schnellfahrenden RE und somit kein besseres, taktdichtetes Angebot als die RB81 heute.)

Sehr geehrter Herr Jens Ruge
ich denke, die sehr kompetenten Leute aus den 2 Inis zur S4 auf der Ostseite haben insgesamt recht gute Argumente.
http://www.buergerinitiative-bahnstrecke-hh-hl.de/
Und die Frage ist natürlich berechtigt: Geht es um Güterverkehr oder geht es um S4.
Dito die Frage: Sind Regiozüge aus Lübeck und Bad Oldesloe mit wenigen Halten bis Hamburg nicht die bessere Alternative.
Diese Frage ist legitim.
Dazu die Frage: Wer wird eine durchgehende S4 Ost benutzen, wer die schnelleren Regio-Züge.
Dazu hat die S4 Bürgerini viele gute Argumente gesammelt.
Was die Westseite der S4 angeht, da gibt es noch nicht so viel zu berichten.
Kiel will sie gerne und am liebsten bis Elmshorn.
Dann will Kiel eine Expresslinie Pinneberg ohne Halt bis Hamburg rein.
Prellbock hat in den Faktencheck Gesprächen immer wieder auf das Thema hingewiesen und unser Vorschlag war: Einen sehr modernen S-Bahn Diebsteich mit mindestens 4 Gleisen/Bahnsteigkanten zu bauen.
Aus dem Raum West-SH pendeln täglich über 100.000 Menschen nach Altona rein. Davon aber zur Zeit 60% mit dem Auto.
Aber auch die seit 40 Jahren überfällige Schiene nach Osdorf raus, ist doch wichtig und darf nicht länger ein Wahlkampf-Torso bleiben, der dann von SPD,CDU, Grüne, etc. zu Wahlzeiten herausgeholt wird.
Die S32 ab Holstenstraße zu beginnen: sehr teuer und kompliziert.
Aber zum Schluß dieses:
Solange der Senat, die Bürgerschaft und die beteiligten Verkehrssysteme DB/NaSH/HVV etc. und die Schienen-Inis sich nicht zusammen an einen Tisch setzen und endlich einen Masterplan Schiene für Hamburg beraten und sich einigen und diesen in den Parlamenten verabschieden und dann auch Geld da ist, bleibt die jetzige Verkehrs-Politik Stückwerk.
Siehe nur das Monsterprojekt U5 mit 6 -7 Milliarden €.
Nahverkehr Hamburg hat dazu ja auch schon öfters kritisch geschrieben: Zu letzt am 19.09.2019

Ähm, von der Bürgerschaft fühle ich mich (irgendwie) vertreten. (Bzw. muss Mehrheiten, die nicht meinem Wählerwillen entsprechen, hinnehmen. Von irgendwelchen Inis will ich nicht vertreten werden. Als Wähler will ich gar nicht, dass sich die Bürgerschaft und die Inis einigen und die Bürgerschaft Ihnen entgegen kommt. Woher nehmen Sie die Anmaßung, dass man sich mit Ihnen einigen muss? Dann Gründe ich die Ini “Pro S4+Diebsteich” und will auch beteiligt werden. Stimme dann einer Einigung nur zu, wenn die S4 und Diebsteich genauso kommt wie geplant!

Hallo Herr Müller-Goldenstedt,
vielen Dank für Ihre Antwort, die mich in meiner Meinung über die Initiative Prellbock bestätigt, leider. Und ich sehe auch, dass sich Ihre Initiative nur für Altona und den Hamburger Westen interessiert, ebenso leider.
Ansonsten: Wer schnell nach Hamburg hinein will, nimmt den RE. Mir (und vielen anderen RB81-Nutzer*innen) geht es aber um einen attraktiven innerstädtischen SPNV in unserem Bezirk, also um das, was bei Ihnen in Altona völlig normal ist. Und dazu haben Sie mir überhaupt nicht geantwortet.
Schade.

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