Verkehrs-Branchenverband plädiert für Redeverbot in Bus und Bahn

Heute Nachmittag diskutieren und beschließen Bund und Länder im Kampf gegen Corona möglicherweise weitere Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Der Verkehrs-Branchenverband VDV schlägt eine ungewöhnliche Maßnahme vor.
Ein Bericht von Christian Hinkelmann
Menschen steigen in der Corona-Krise in eine S-Bahn in Hamburg
Menschen steigen in der Corona-Krise in eine S-Bahn in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

Lange Zeit hatte die Politik den öffentlichen Nahverkehr in der Corona-Pandemie weitgehend ausgeklammert, wenn es um das Herunterfahren des öffentlichen Lebens in den bisherigen Lockdowns ging.

Während Restaurants, Theater, Modegeschäfte, Friseure, Sportstudios und viele mehr dicht machen mussten und das Privatleben der Menschen durch Kontaktverbote und mancherorts Ausgangssperren massiv beschnitten wurde, fuhren Bahnen und Busse in den größten deutschen Metropolen fast unverändert weiter – dank ihrer Systemrelevanz. Die größte für Fahrgäste wirklich spürbare Einschränkung in den vergangenen zehn Monaten war lediglich die Einführung der Maskenpflicht im April 2020.

Doch diese Situation könnte sich jetzt ändern, denn der ÖPNV ist in den vergangenen Tagen unerwartet stark in den Fokus der Politik geraten, die derzeit fieberhaft nach weiteren Möglichkeiten sucht, das Infektionsgeschehen in Deutschland auszubremsen.

Wenn es nach der einigen führenden Politikerinnen und Politikern geht, sollten künftig möglichst noch weniger Menschen mit Bus und Bahn fahren als bisher. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte beispielsweise am vergangenen Freitag: “Jede Fahrt in der S-Bahn oder im Bus, die vermieden werden kann, hilft.” (Tagesschau). Und auch die Landesregierung in Sachsen riet vor einigen Tagen, nur noch zwingend nötige Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zu unternehmen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Auslastung im sächsischen Nahverkehr von derzeit 40 Prozent auf nur noch 25 Prozent abzusenken (siehe hier).

Doch wie sollen sich die Fahrgastzahlen in Bahnen und Bussen weiter senken lassen? In den vergangenen Tagen gab es hierzu teilweise wilde Spekulationen: Passagier-Obe…

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3 Antworten auf „Verkehrs-Branchenverband plädiert für Redeverbot in Bus und Bahn“

Ob das trotz FFP2- bzw. OP-Maske medizinisch viel bringt, kann ich nicht beurteilen. Das werden unsere 80 Mio. Bundestrainer, Verkehrsplaner und mittlerweile eben auch Virologen sicherlich besser können.

So oder so wäre es aber eine wünschenswerte Maßnahme, die hoffentlich auch “nach Corona” bleibt. Es muss ja nicht alles schlecht gewesen sein.

Nein, Renate, Du musst nicht Montagmorgen gut gelaunt in Dein Handy brüllen, um Deiner Freundin Petra mitzuteilen, wie toll Dein Wochenende war, weil Du mit Deinem Göttergatten mal von Buxtehude einen Ausflug nach Stade gemacht hast.

Nein, Juan, Du musst Dich mit Deinen drei Kommilitonen nicht in einer Lautstärke unterhalten, die an eine Sportpalastrede erinnert. Dass man kein Wort versteht, macht es nicht viel erträglicher.

Nein, Hans Werner, die Station Elbbrücken, an der Du gerade vorbeifährst, ist nicht so sinnlos, wie Du es beim Blick durch die Glasscheibe vermutest. Und selbst wenn sie es wäre, musst Du es nicht ungefragt anderen Fahrgästen mitteilen.

Da hilft mittlerweile selbst im Schnellbus eigentlich nur noch der Griff zu guten Active-Noise-Cancellation-Kopfhörern. Meine Coronaprämie wusste ich da sinnvoll zu investieren.

Hallo Lokstedter, Ihr Anliegen hätten Sie auch ohne die Anspielung “Sportpalastrede” herüberbringen können. Fand vermutlich nicht nur ich unpassend.

Zum Beitrag selbst:
Ich befürchte, dass wir uns “nach Corona” (falls es das jemals geben wird) auf neue “70/80er Jahre” im Schnellbahnausbau einrichten müssen. Es wird wohl kein Geld mehr da sein, z.B. für die gerade erst so schön schnell noch hochgepushte U5-City-Planung. Und das befürchten wohl auch schon die Planer selbst. Denn ihre Planung sieht mir nicht sehr nach Überzeugung und Begeisterung aus: Hbf Nord in bestehender Bestandsstruktur mit gefährlich engen und schmalen Bahnsteigen als tendenziell hochfrequentierter Umsteigeknoten, auf den sich fast alles konzentrieren müsste, da: Jungfernstieg (neu) so abgelegen, tief, abseits jeder attraktiven Erschließung sein wird, und beim Stephansplatz die Sparvariante mit ähnlichem Ergebnis gewählt wurde. Das sieht mir alles nicht nach einem festen Glauben an die U5 aus.
Wir können vermutlich froh sein, wenn die gerade begonnen Projekte und kleine, schon weit geplante noch gebaut werden. Also: S4 (Was für ein Glück, dass mit ihr gerade noch rechtzeitig angefangen wurde!!!), U4-Verlängerungen um zwei Stationen nach Osten und eine, mit viel Glück zwei, Stationen nach Süden, den (ursprünglich) U5-Ostast nach Steilshoop/Bramfeld als Zweig der “längsten U-Bahnlinie Europas (der Welt?)”, vielleicht noch eine Elektrifizierung der A1 zur S21-Verlängerung. Und das war’s dann vermutlich. S-Bahn Osdorfer Born, “Ferlemanntunnel”, U5 südlich und westlich Sengelmannstraße: davon werden wir uns wohl (vorerst – auf wie viele Jahre?) verabschieden müssen.
Wenn dann demnächst die “autonome Mobilität” als eine Art “neues Busbeschleunigungsprogramm” das neue Nonplusultra – neben dem Fahrrad – wird, dann werden Schienensysteme abgeschrieben sein. Hoffen wir, dass die Selbstfahrshuttles und co. nicht im Autoverkehr stecken bleiben. Denn: Wer “ordentlich auf die Tube drücken” möchte, wird sich auch nicht von einem langsam fahrenden, fahrerlosen e-Mobil ausbremsen lassen wollen.

Hat denn irgendwer statistische Daten gefunden, wie viele Ansteckungen es im ÖV gibt. Oder wie sich die Wahrscheinlichkeit einer COVID-19 zwischen regelmäßigen ÖV-Nutzern und Nicht-Nutzer verhält? Bevor es massive Einschränkungen gibt, wüsste ich gern, ob es sich lediglich um das Bauchgefühl vermutlich vornehmlich von Nicht-Nutzern handelt oder um echte Gefahr. Wenn es eine echte Gefahr ist, frage ich mich, warum es immer noch so viele Schaffner und Kassierer im Dienst gibt. Die setzen sich ja wärend der gesamten Arbeitszeit einer ählichen Gefahr aus.

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