Verzögert sich die geplante S4 nach Bad Oldesloe noch weiter?

Verzögert sich die bereits öfter nach hinten verschobene Start der künftigen S-Bahnlinie S4 noch weiter? Das befürchtet der Chef der Hamburger S-Bahn und wünscht sich mehr Tempo.
Von Christian Hinkelmann
S4-Sonderzug in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein
S4-Sonderzug in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein während einer Testfahrt im Jahr 2011
Foto: Christian Hinkelmann

Kommt die lang geplante S-Bahnlinie S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe noch später als zuletzt avisiert? Das befürchtet der Chef der S-Bahn Hamburg GmbH, Kay Uwe Arnecke in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Hintergrund ist, dass sich Hamburg und Schleswig-Holstein noch immer nicht mit dem Bund darauf geeinigt haben, wie die Kosten in Höhe von einer knappen Milliarde Euro aufgeteilt werden sollen. Dem Bund ist das Projekt grundsätzlich zu teuer (siehe hier).

“Ich erwarte zeitnahe Lösung der Finanzierungsfrage”

“Ich erwarte zeitnah eine Lösung dieser Frage. Denn sonst kann auch der immer wieder nach hinten verschobene neue Zeitplan mit einem Baubeginn 2020 nicht eingehalten werden und damit auch nicht die Inbetriebnahme 2027 bis Bad Oldesloe bzw. 2025 bis Rahlstedt”, so Arnecke zu der Zeitung.

“Ich hätte mir auch gewünscht, dass sich frühere Hamburger Regierungen mit noch mehr Herzblut beim Bund für die S 4 einsetzt hätten.”

Der S-Bahn-Chef äußert aber auch die Hoffnung, dass die Gespräche mit dem Bund schnell zu einem erfolgreichen Abschluss kommen werden.

Bau könnte ab 2020 beginnen

Der Baustart der seit vielen Jahren geplanten S-Bahnlinie S4 hatte sich in der Vergangenheit immer wieder verzögert. Ursprünglich sollten die ersten Züge in diesem…

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19 Antworten auf „Verzögert sich die geplante S4 nach Bad Oldesloe noch weiter?“

Am Bau der S4 wird wieder mal deutlich, dass das Verkehrsministerium zu einem Erbhof der CSU verkommen ist. Seither gibt es ein deutliches Süd-Nord-Gefälle bei den Verkehrsprojekten. Wäre es ein Bahnprojekt in Bayern, wäre die Finanzierung überhaupt kein Problem.

Ich habe eine naive Frage: Ist es denkbar, dass in “Berlin” eine Person in der zuständigen Verwaltung sitzt, dem das Projekt seit langem nicht gefällt? und diese erst in den Ruhestand gehen muss, bevor es endlich weiter geht?

Der verkehrliche Nutzen der S4 ist fraglich. Daher ist bei Baukosten von >EUR 1 Mrd. auch kein positiver Kosten-Nutzenfaktor möglich, was die Finanzierung erschwert. Sinnvoller wäre ein drittes Gleis bis Bad Oldesloe, dann ließen sich die RE Frequenzen verstärken und ggfs. zusätzliche Halte einbauen. Ein solches Projekt liesse sich schneller umsetzen, wäre deutlich Kosten günstiger. Der von der Politik immer beschworene Entlastungseffekt einer s4 für den Hbf. In Hamburg besteht ja ohnehin nur darin, dass die Fahrgaststroeme vom den Bahnsteigen 5+6 auf die Bahnsteige 1+2 verlegt werden. Also statt weitere Verzögerungen zu riskieren, jetzt umplanen und das S4 Projekt in der jetzigen Form beerdigen.

Ich glaube nicht, dass solche Fakten gern gesehen sind. Sonst müsste man sich noch selbstkritisch fragen, warum man irgendetwas zeitaufwendig umplanen sollte, obwohl man bereits weit fortgeschritten ist und es “nur” noch an Finanzierungsfragen (-> nicht an der technischen Planung) mangelt. Ebenso wäre interessant zu wissen, wieso man Verzögerungen bei S-Bahngleisen “riskieren” würde, bei Planung, Bau und Betrieb für Regionalbangleise aber nicht. Aber erfahrungsgemäß wird das so bleiben und beim nächsten Thema, wo die DB irgendwie involviert ist, wird der Kram erneut wiederholt. Ebenso will man wissen, was angeblich schneller und billiger sei, was natürlich schon kurios ist, weil andererseits gejammert wird, wenn zu wenig Geld im Schienenverkehr landet. Aber mit den Widersprüchen müssen sich andere rumplagen.

1. Arme Fahrgäste. Die werden also in die unbequemen und langsamen S-Bahnzüge gesteckt, um den Hauptbahnhof zu entlasten. Das wirkt auf mich, als wenn die Verzögerung für die Fahrgäste eine gute Nachricht sei.

2. Auf der Strecke Lücke – Hamburg wird aber in jedem Fall ein zusätzliches Gleis gebraucht. Sonst ist mit Eröffnung des Fehmarnbelttunnels auf der Strecke der Teufel los. Und viele der zusätzlichen Züge aus dem Tunnel erreichen als Güterzüge den Hauptbahnhof überhaupt nicht.

1. Nach bisheriger Planung gibt es keine Verzögerung für die Fahrgäste. Die S-Bahn-Züge mögen zwar in der Spitze langsamer sein als die Regionalbahnzüge, dafür Beschleunigen sie aber deutlich bsser, sodass sich in der Summe an der Fahrzeit voraussichtlich nicht viel ändert. Ob die S.Bahn-Züge unbequemer sind als die Regionalbahnzüge (insbesondere in Kombination mit kürzeren Wartezeiten wegen der höheren Zugfolge) ist wohl sehr subjektiv. Die Realität zeigt z.B. bei der Strecke nach Stade, dass die Umstellung auf S-Bahn-Verkher einen deutlichen Fahrgastzwachs erzeugt.

2. Das ist unbestritten.

zu 1. Es gibt bei S-Bahnen aber auch mehr Halte! Und die machen die S-Bahnzüge im Schnitt sehr langsam. Das mag bei der S4 Ost noch kein so großes Problem sein, weil die Strecke ohnehin lang ist und die S-Bahnstationen in Hamburg rar sind. Aber bei der S4 West würde sich die Fahrzeit Elmshorn – Hauptbahnhof glatt verdoppeln, weil die Regionalbahnen zwischen Pinneberg und Dammtor einfach durchfahren, während die S-Bahn alle ein bis zwei Kilometer halten muss. Entsprechend “begeistert” zeigen sich lt. Zeitungsberichten die dort potentiell betroffenen Politiker (vgl. https://www.shz.de/lokales/elmshorner-nachrichten/elmshorns-politiker-aeussern-bedenken-id21314077.html ). Vorteile hätten nur Passagiere, die derzeit in Pinneberg von der Regionalbahn in die S-Bahn umsteigen müssen. Die mag es geben. Nur sind sie z.Zt. eher selten zu finden (fahren jetzt wohl eher Auto), obwohl die Züge gut gefüllt sind. Eine S-Bahn anstelle einer Regionalbahn könnte also mehr Probleme Schaffen als lösen.

Es ist mir nicht klar warum der Bau eines dritten Gleises über die gesamte Strecke Hamburg HBF-Bad Oldesloe jetzt billiger sein soll als zwei zusätzliche Gleise Hamburg HBF – Ahrensburg. Viele der Kosten entstehen unabhängig davon ob es ein oder zwei zusätzliche Gleise sind – der Bahndamm muss verbreitert werden, anliegende Strassen müssen verlegt werden, Brücken abgerissen und neu gebaut werden weil sie nur für die bestehenden zwei Gleise Platz haben. Ob da die neuen Strassen jetzt ein paar Meter weiter weg gebaut werden und die neuen Brücken zwei Meter länger sind wird da keinen relevanten Unterschied machen – das sich die Strecke die man anpacken muss verdoppelt schon eher.

Zur Erinnerung: das 3. Gleis Ahrensburg-Bargteheide war geplant und wurde gestrichen um Kosten zu sparen.

Wenn die S4 den KNF nicht schafft wird es das dritte Gleis alleine auch nicht schaffen, vor allem wenn es keine neuen Bahnhöfe (nicht zusätzliche Halte an bestehenden Stationen der RB!) und damit keine neuen Erschliessungen gibt.

Ich hatte immer den Eindruck, dass unsere Hamburger Verkehrs- und Wirtschaftspolitik ganz andere Prioritäten hat: Hafen und Elbvertiefung. Das Thema Öffentlicher Verkehr schleppt sich hingegen so dahin. Das ist auch beim Problemthema Hauptbahnhof so. Beim Thema Stadtbahn hat man 2011 sogar auf reservierte Bundesmittel verzichtet, indem man das Projekt stoppte. Bei der U 5 ergeben sich neue Möglichkeiten, Projekte immer weiter in die Zukunft zu verschleppen. Ein Klassiker ist bereits der zusätzliche S-Bahnhof Ottensen, der seit 20 Jahren geplant ist…
Also: Betriebsaufnahme S 4: wohl 2040

Die irrwitzigen Straßenbahnpläne hat ja die CDU schon 2010 eingestampft, während die Fahrrinnenanpassung Niederelbe über anderthalb Jahrzehnte in der Schwebe steht. So muss man sagen: es war ein sehr dunkles Jahrzehnt mit von Beust und Ahlhaus (HSH Nordbank, keine Investitionen in Straßen, Schulen, Kitas und Unis, Elbphilharmonie, Rekordschulden, Verkauf der Krankenhäuser, …), aber immerhin dieser mörderische Plan wurde am Ende beendet, auch wenn schon abzusehen war, dass die CDU u.a. aufgrund ihrer Straßenbahnideen im politischen Nirwana landen wird.

Bin mal gespannt, ob der VCD gegen die S4 auch noch Sturm läuft. Gibt’s dort eine innerstädtische Autoverladestation, die verlegt werden könnte?

Lokstedter
Soweit ich informiert bin gibt es dort 2 Autoverladestationen,
also wird es auch die entsprechende Klagen geben.

Vielen Dank für den Hinweis Lokstedter, dank Deiner Hinweise sind wir immer bestens aufgekärt.

Die Aussage (vom “Fahrradschlosser”) “Für mehr RE-Züge hat der Hauptbahnhof schlicht keine Kapazitäten” ist sehr diffus.
“Kapazitäten” bedeuten zunächst einmal zur Verfügung stehende Bahnsteigkanten”; – ob an denen Rumpelbahnen oder Hochgeschwindigkeitszüge abgefertigt werden, ist egal.
Bei der Frage nach vorhandenen, erreichbaren und wünschenswerten Kapazitäten muss klar getrennt werden zwischen den beiden unterschiedlichen Bereichen des “Keil”-Bahnhofs; – Richtung Bergedorf/Rahlstedt (Gleise 5-8) und Richtung Harburg (Gleise 11-14).
Grundsätzlich ist der derzeit ungedeckte Bedarf aus/in Richtung Harburg deutlich größer.
Dieses Defizit kann durch frei werdende Bahnsteigkanten im Bereich der Gleise 5-8 nur marginal verringert werden:
Nur die Kante an Gleis 8 kann aus Richtung Harburg erreicht werden, – und das auch nicht in voller Länge, sondern nur nördlich der Weiche unter dem Südsteg.
Allerdings können bei freien Kapazitäten auf den Gleisen 5-8 (Nord) dann alle Bahnen Richtung Elmshorn dort abgefertigt werden; – dadurch ergeben sich gewisse freiwerdende Kapazitäten auf den Gleisen 11-14.
Wenn infolge nach Realisierung des heutigen S4-Konzepts alle Regionalbahnen wegfallen, wird für die REs von und nach Lübeck ganztägig nur noch eine “halbe” Bahnsteigkante benötigt. Nur der
morgendliche Sprinter müsste z.B. in den Bereich D-G vorfahren, um Platz für den vier min später auflaufenden Takt-RE im Bereich A-D zu lassen.
Selbst wenn dann der ICE nach Berlin und der RE Richtung Büchen im Halbstunden-Takt fahren, dürfte auf den Gleisen 5-8 gegenüber heute gähnende Leere herrschen.
An fehlenden Kapazitäten im Hauptbahnhof kann eine Takt-Verdichtung von RE8/80 nicht scheitern,.
möglicherweise aber an freien Trassen zwischen Wandsbek Gbf und Bargteheide… – Sie können korrekterweise auch nicht für die Rechtfertigung des S4-Projektes herangezogen werden….

Aber sicher hatte ich die Meldung aus dem Februar 2012 gelesen….

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass auf den Gleisen 5-8 wirklich 32 “Slots” wegfallen werden.
Von der nur noch erforderlichen “halben” Bahnsteigkante, von der die heutigen beiden REs (im 30-Min-Takt) von/nach Lübeck abgefertigt werden werden, können jedenfalls ohne weiteres auch drei REs (im 20-Min-Takt) abgefertigt werden:

Gleisbelegung mit drei REs an ’50 / ’05 ab – 5 min frei – an ’10/ ’25 ab – 5 min frei – an ’30 / ’45 ab
Wendezeiten immer 15 Minuten, –
fünf Minuten freies Gleis dürften reichen für planmäßige Ausfahrt nach HL und Einfahrt des Folgezuges von HL; – bei verspäteter Ausfahrt (Anschlusssicherung) ist Warten auf Einfahrt (oder Verspätung) des Folgezuges unschädlich bei planmäßiger Wendezeit von 15 Minuten.

Bei (heutiger) Gleisbelegung mit zwei REs Wendezeiten 13 bzw. 8 Minuten an ’51 / ’04 ab – sind 22 min frei; – an ’26 – ’34 ab – sind 17 min frei …würden allerdings noch zwei durchfahrende Züge dazwischen passen (nur wenn die andere “halbe” Bahnsteigkante nicht durch wartende Wendezüge belegt sein sollte -was wahrscheinlich ist- )…

Die etwaigen drei REs sollten dann alle in Ahrensburg halten und dort attraktive Umsteigemöglickeiten zu und von S4-Zügen im 20-Min-Takt zwischen (Oldesloe)/Bargteheide und Rahlstedt – Hauptbahnhof herstellen.
Gesonderte S-Bahn-Gleise wären dann nur noch zwischen Hauptbahnhof und Rahlstedt für den dort zwingend erforderlichen 10-Min-Takt erforderlich ! –

Insgesamt drei RE und nur noch drei S4-Züge pro Stunde und Richtung… neben den Fernverkehrszügen und Güterzügen…
Weshalb sollte das nicht möglich sein ??

Zwischen Bad Schwartau und Lübeck sollen doch auch Regionalbahnen von/nach Eutin, Neustadt und Travemünde im 30-Min Takt verkehren (also auch sechs Einheiten pro Stunde und Richtung neben dem Fern- und Güterverkehr).
….und nicht alle Fern- und Güterzüge aus Puttgarden und Travemünde werden über Gbf Wandsbek fahren, – ein gewisser Teil davon wird südlich HL über Bad Kleinen und/oder Büchen abgezweigt…!
….und von notwendigen zusätzlichen Gleisen zu den vorhandenen nur zwei Gleisen dort hat man doch noch nichts gehört ???

Kein Wunder also, wenn “der Bund” sich mit der Finanzierung schwer tut und die längst überfällige Planauslegung Lütjensallee bis Ahrensburg nicht in die Puschen kommt…

Das mit den ganzen Slots am Hbf ist immer eine Rechnung für sich. Die Theorie auf der einen und die Realität auf der anderen Seite. Das gleiche gilt für die Streckenbelegung. Störungen sind ja Mittlerweile auf allen Strecken an der Tagesordnung.

Das an der S4 auf dieser Strecke kein Weg mehr vorbeiführt, sollte eigentlich jedem klar sein.
Die 2 zusätzlichen Gleise bis mind. Rahlstedt müssen kommen. Da bis Dort die Züge brechend voll sind bevor sie auf die Dörfer fahren.

Es kann ja nicht sein das man von Ahrensburg mit dem SPNV besser zum Hamburger Hauptbahnhof gelangt als von Rahlstedt, einem HAMBURGER Stadtteil.
Und ein weiter so mit diesen Rumpelbahnen bis zum Hauptbahnhof (jetzt zwar mit WLAN) kann es nicht geben. Morgens wenn die Züge aus Lübeck und Uelzen in Hamburg eintreffen vibriert der Südsteg am Hbf schon gewaltig und vor Menschen kann man sich kaum noch Retten.

Aber da ist man ja Abhängig vom CSU Filz der sich in den letzten Jahren im Bundesverkehrsministerium Breit gemacht hat.

“Das an der S4 auf dieser Strecke kein Weg mehr vorbeiführt, sollte eigentlich jedem klar sein.”

Ja, sollte eigentlich.
Aber gerade bezüglich der S4 gibt es die lautesten Gegenstimmen, gerade auch in diesem Forum. Leute, die bei anderen Projekten (z.B. U5, S21-Verlängerung) hitzig diskutieren und “die kühnsten Gedanken” entwickeln, meinen plötzlich auf die S4 bezogen, dass diese entweder “nicht gebraucht wird”, “zu teuer würde”, “nicht realisierbar wäre”, “andere Projekte wichtiger sind” oder einfach “betroffene Bürger nicht eingeschränkt werden sollten”. Es ist schon eigenartig. Selbst Ideen für ein “Ausbuddeln” einer alten Bahn nach Geesthacht und deren “Erstmalsverlängerung” nach Lauenburg werden als sinnvoller erachtet als die S4, die endlich mal ÖPNV-seitig halbwegs gleiche Lebensverhältnisse für den Wandsbeker Osten schaffen würde.
Aber leider sind kaum ÖPNV-interessierte Wandsbeker in den Diskussionen aktiv, die gegenhalten könnten. Die Mehrheit scheint wohl aus dem Hamburger Westen zu kommen, da diese Themen erheblich intensiver diskutiert werden und selbst beim Thema S4 schnell auf die S4-West geschwenkt wird. (Nicht nur hier, auch z.B. im Bahninfo-Forum.)

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