Volksabstimmung über Stadtbahn?

Werden Hamburgs Bürger bald per Volksentscheid über den Bau einer Stadtbahn abstimmen? Nach den Grünen hat sich jetzt auch Hamburgs CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich für so ein Referendum ausgesprochen.
Christian Hinkelmann
Fotomontage: Stadtbahn am U-Bahnhof Hoheluftbrücke in Hamburg
Fotomontage: Eine Stadtbahn am U-Bahnhof Hoheluftbrücke in Hamburg (Originalfahrzeug aus Le Havre, Frankreich)
Foto: Christian Hinkelmann

“Fast alle Experten sind der Meinung, dass die Stadtbahn sinnvoll ist, die CDU ist dafür. Aber es muss ein gesellschaftliches Bündnis für ein solches Projekt geben. Vielleicht haben wir nicht nur Umweltverbände, sondern auch die Wirtschaft als Partner, so Wersich in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Daher könne er sich sehr gut vorstellen, dass Hamburg in den kommenden Jahren eine Volksabstimmung zur Stadtbahn erleben werde.

Vor einem Monat hatten sich bereits Hamburgs Grüne in einem neuen Verkehrskonzept für ein Stadtbahn-Referendum ausgesprochen. Eine konkrete Trassenfestlegung gab es noch nicht. Man könne sich aber gut die Metrobuslinie 5 vorstellen, heißt es in dem Programm. Die M5 gilt mit 60.000 Fahrgästen am Tag als meistbelastete Buslinie Europas.

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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12 Antworten auf „Volksabstimmung über Stadtbahn?“

Der Volksentscheid wäre die einzige Chance, die die Stadtbahn noch hat. Geht der Entscheid aber contra Stadtbahn aus, ist sie für immer erledigt. Die Trasse aber zunächst nur auf der jetzigen M5 zu planen wäre Selbstmord für das gesamte Projekt, weil es über alle Maßen unwirtschaftlich wäre, wegen 12km Strecke ein zusätzliches Verkehrsmittel inklusive Betriebshof und Ausbildung der Mitarbeiter (voraussichtlich Busfahrer, die dann die Bahn fahren werden) einzurichten. Auch darin sind sich die Experte nämlichn einig,dass es nur Sinn macht, wenn man das alles weitreichender plant.

Die Argumentation für das Verkehrsmittel Stadtbahn muß natürlich anhand einer ganz anderen Referenz als nur einer(!) Buslinie erfolgen – das sollte wohl logisch sein. Ansonsten verkümmert es nur als sog. Alternative neben dem modernsten Busnetz (ein Widerspruch in sich..).
Aber in Hamburg weiß man nie, bzw. wurde immer(!) eines Schlechteren belehrt… in anderen Städten (mit kompetenten Verkehrs- und Stadtplanern) gibt es Dinge, die nennen sich dann Zielnetz, integrierte Ausbauplanung, etc..

Thema Fahrpersonal:
In Köln bzw. bei der KVB werden seit Jahren Studenten als Stadtbahnfahrer eingestellt und in einer siebenwöchigen Schulung ausgebildet…

Busfahrer, was halten Sie von den ursprünglich geplanten Trassen für die Stadtbahn? Sprich neben dem heutigen Laufweg des M5 auch z.B. auf großen Teilen des M20/M25 (dort ist ja auch nicht unbedingt wenig los). Weiter waren noch Teile des M3 und M6 in Gespräch, wenn ich mich recht entsinne. Halten Sie solch ein Netz für sinnvoll? Und wäre es im Sinne einer modernen Stadtbahn – mit Führung möglichst getrennt vom übrigen Verkehr – überhaupt möglich, auf erwähnten Strecken die Stadtbahn fahren zu lassen? Auf der M5 kann ich mir das noch gut vorstellen, da ohnehin schon separate Busspuren vorhanden sind und diese wenn dann nur ein “Upgrade” in Form von Gleisen erfahren würden. Aber wie sieht es auf dem M6 aus? Wenn man den Artikel zu den Umbauarbeiten im Zuge der Busbeschleunigung liest, scheint es hier im wahrsten Sinne des Wortes Engpässe zu geben. Andersrum gedacht bräuchte man mit einer Stadtbahn z.B. auf der M6 vielleicht nicht mehr zwangsläufig einen 5-Minuten-Takt, so dass sogar mehr Freiräume geschaffen würden. Wo in Hamburg wäre eine Stadtbahn noch sinnvoll? Danke Ihnen im voraus fürs Antworten & die Infos!

Ich wäre auch dafür, das eine Straßenbahn in Hamburg gibt. Ich fahre täglich die Linie M3 zwischen S Holstenstraße und Trabrennbahn Bahrenfeld. Sobald sich in der Hauptverkehrszeit ein Bus verspätet, ist dann der Bus im Laufe der Fahrt fast total überfüllt. Eine Straßebahn ist da sicherlich besser und hat auch mehr Platz drin.

@Kevin Schmidt
ja, die ursprünglich von der Hochbahn geplante Trasse halte ich für die bis jetzt am sninvollsten geplante Option, auch wenn eine erste Achse auf der jetzigen M5 verlockend ist. Wenn man das aber zunächst nur dort plant, dann würde es keine Erweiterung geben, weil man dann immer und noch leichter als jetzt auf die hohen Kosten verweisen würde…. Es gibt die Pläne noch zur Ansicht: http://www.stadtbahn-hamburg.de/php/stadtbahn-linien.php
Die Planungen haben natürlich auch berücksichtigt, ob eine Trassenführung umsetztbar (möglich) ist. Die Planung der Hochbahn war ja komplett fertig und schon im Feststellungsverfahren. Massive Widerstände gab es vor allem aus Winterhude. Nicht überall wurde die Stadtbahn getrennt vom IV geplant. Teilweise müssten IV-Spuren zurückgebaut werden oder größere Baumbestände und Grünflächen “geopfert” werden.
Ich darf aber auch nochmals erwähnen, dass die geplante Busbeschleunigung in weiten Teilen das Niveau einer Stadtbahn erreichen wird (bzw.soll, man weiss ja in HH nie). Das sind teilweise die selben Maßnahmen, wie bei der Bahn, nur dass eben keine Bahn, sondern Busse fahren. Auf den Hauptachsen sollen dann moderne Gelenkwagen mit einer höheren Kapazität unterwegs sein. Den dichten Takt will man ja durch die Vorrangschaltung der Busampeln sicherstellen. Die Hochbahn hat meines Wissens einen Prototyp mit 5 Türen in Auftrag gegeben, um den Fahrgastwechsel zu beschleunigen. Die Gelenkwagen, die man kennt, sollen so modifiziert werden, dass mehr Fahrgäste befördert werden können. Das will man durch eine andere Verteilung und Anzahl der Sitzplätze erreichen. Auch das Thema Doppelgelenkbus ist noch im Rennen.
“Wo wäre eine Stadtbahn außerdem noch sinnvoll?” Vielleicht noch ein Ost-West- Trasse um die S-Bahn zu entlasten ansonsten sollte man gucken, was man im bestehenden Bahn-und Busnetz noch optimieren kann, gerade in Sachen Tarifsystem (Zahlgrenzen etc). Vor allem aber sollte man zusehen, dass möglichst deutlich weniger Leute das Auto nehmen, damit die Fahrgastzahlen weiter und somit der Druck auf die Politik weiter steigen (steigt) Das ist in HH aber sehr schwierig, weil das eigene Auto in HH sehr beliebt ist, wie wir wissen.

@ÖPNV-Nutzer
ja, in Köln fahren einige Studenten die Bahn, aber…

1.) die Studenten fahren nicht alle Linien, weil die Ausbildung auf das absolut Nötigste reduziert wurde. Normalerweise dauert eine solche Ausbildung mind. 12 Wochen. Außerdem dürfen die Studenten nur max 19 Tage/Monat einen Dienst leisten

2.) Man hat in Köln einige Hundert Busfahrer, in Hamburg einige Tausend

3.) In Köln hat man Probleme die Fahrpläne zu halten, weil es dort an Personal mangelt. Zu Spitzenzeiten und bei Großveranstaltungen am WE fallen sogar reihenweise Pläne aus. Wenn man sowas über Studenten abfangen muß, zeugt das nicht gerade von einer professionellen Personalpolitik. Auch bei der Hochbahn werden im Fahrdienst reichlich Sonderdienste geleistet, weil Personal knapp ist. Hier in HH wird das aber auf Wunsch auch bezahlt, Lohn HH im Schnitt 14€/Stunde, jede Überstunde im Schnitt ca 19€/Sunde (plus Zuschläge wegen Wochenende/Feiertag, Nacht etc. In Köln verdient ein Student ca 10€/Stunde und die Fahrer müssen das abbummeln. Kein Wunder, wenn sich da keiner freiwillig zum Dienst meldet.

@Busfahrer:
Dh nach ihrer Argumentation man kann in jedem Fall Studierende für eine nur 12km kurze und oberirdische Tramlinie 5 einsetzen.

Aber darum geht es gar nicht. Sie haben die Ironie in meiner Aussage nicht verstanden:

Selbst eine 12 km Strecke ist mal nicht eben in zwei Jahren errichtet. Im allerbesten Falle frühestens 2018.
Und bis dahin soll die Hochbahn kein qualfiziertes Personal hierfür bereithalten können?! Würde ziemlich armselig bzw planlos daherkommen…
Und um die KVB gehts überhaupt nicht. Nur darum, eine Quelle für meine ironische Aussage zu haben

@ÖPNV Nutzer
Ich glaube Sie haben da auch etwas nicht verstanden:-) Klar kann die Hochbahn Personal dafür bereitstellen, was am Ende aber auch alles Geld kostet. Meine Aussage sollte bedeuten, dass ein professionell arbeitendes Unternehmen nicht auf Studenten setzten sollte, um Engpässe oder Schwierigkeiten bei der Fahrplangestaltung zu bewältigen und aus Kostengründen billiges Personal zu rekrutieren. Genau das machen die KVB allerdings. Die Sache mit den Studenten bei der KVB haben Sie ja ins Spiel gebracht (Dass es Ironoe sein soll ist ja nicht offensichtlich, denn die KVB setzt ja, wie gesagt, in der Tat Studenten dafür ein) Im Übrigen habe ich schon immer argumentiert, dass die Planung auf so einem kurzen Stück nicht sinnvoll ist, weil man ja all die Dinge wie Personal, Material und Infrastruktur beschaffen bzw herstellen muss. Dabei spielt es auch keine Rolle, wer am Ende die Bahn fährt. Ob es nun Ironie war oder nicht, eine Trasse nur auf der jetzigen M5 ist Blödsinn und Studenten als Fahrer einzusetzen ist ebenso Blödsinn. Der einzige Vorteil es auf der M5-Trasse zu machen, wäre dass man in der Bevölkerung eher eine Zustimmung erhalten würde. Wenn man jetzt aber in ein paar Jahren weitere Teilstrecken errichten will, muss man wieder ein Feststellungsverfahren durchlaufen, wieder Gelder beantragen, wieder mit Anwohnern streiten usw.usw. AM Ende schafft man dann gar nichts weiter und die ganze Welt lacht über HH, weil die eine Straßenbahn für 12km bauen und 1,2Mio Fahrgäste mit Bussen durch die Gegend karren.

@Busfahrer:
Niemand wird Hamburg belächeln, falls auf nur 12km Schienenstrecke effektiv und wirtschaftlich jährlich rund 20 Mio Fahrgäste transportiert werden.
Auch wenn das Streckennetz der meisten Deutschen Straßenbahnbetriebe größer ist, die Fahrgastanzahl ist meist geringer. Dennoch werden auch diese Kommunen nicht ausgelacht.
Alleine die hohe Fahrgastanzahl bei geringer Streckenlänge prädestiniert ja gerade den Schienenverkehr.

@Marcus
naja, die Fahrgastzahlen sind eigentlich schon so hoch, dass man dort eine Straßenbahn bauen könnte. Ich glaube aber, dass es dann nicht weiter ausgebaut würde. Die Gründe habe ich w.o. geschildert. Die Fahrgastzahlen werden weiter steigen, auch auf den anderen Hauptachsen. Da muss man einfach meiner Meinung nach die Planungen gleich so weit führen, dass das wachsende Aufkommen auch auf den anderen Hauptachsen bewältigt werden kann. Insgesamt fürchte ich aber ohnehin, dass ein Volksentscheid contra Stadtbahn ausfallen würde.

@ww
ich glaube nicht, dass die Welt über Ulm wegen der Bahn gelacht hat. Das liegt aber wohl eher daran, dass Ulm in der Welt nicht so bekannt ist, wie Hamburg und ein paar Einwohnerchen weniger hat, als HH :-))
Wenn ich 120.000 Einwohner habe und ich fahre 20.000 Einwohner mit der Bahn, ist es was anderes, als wenn ich 1.8Mio Einwohner habe und ich fahre 60.000 Fahrgäste mit der Stadtbahn und die anderen 600.000 fahre ich dann mit Bussen.
Na, wenn das nicht lächerlich ist

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