Was der Regionalbahnverkehr an der Ostsee mit dem Mittelmeer zu tun hat

Der Nahverkehr im hohen Norden wird bunter. Zum Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag startet eine ganz neue Bahngesellschaft ihren Betrieb auf drei Strecken. Das ändert sich für Fahrgäste und das hat das Mittelmeer damit zu tun.
Christian Hinkelmann
Sonderzug am Haltepunkt "Schulen am Langsee" in Kiel.
Ab Sonntag gibt es auf drei Regionalbahnstrecken im Norden einen neuen Betreiber - die alten roten Züge bleiben - vorerst.
Foto: Christian Hinkelmann

Es wird mitten in der Nacht passieren: Um genau 0:05 Uhr am kommenden Sonntagmorgen wird sich am Kieler Hauptbahnhof der erste Zug der neuen Bahngesellschaft Erixx Holstein auf der Regionalbahnlinie RB84 in Bewegung setzen und Richtung Lübeck rollen. Zwölf Minuten später kommt von dort der letzte Gegenzug der Deutschen Bahn in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt an.

Damit ist der Betreiberwechsel auf dieser und zwei weiteren Regionalbahnstrecken im hohen Norden vollzogen. Still, leise und unauffällig. Die Fahrgäste werden davon wenig mitbekommen: Die Züge auf den Regionalbahnlinien RB76 (Kiel – Kiel-Oppendorf), RE83 (Kiel – Lübeck – Lüneburg) und RB84 (Kiel – Lübeck) bleiben nämlich erst einmal dieselben, nur die Betreiberlogos ändern sich – und die Fahrkartenautomaten an den einzelnen Bahnstationen, die künftig nicht mehr von der DB aufgestellt werden, sondern von erixx Holstein. Statt grau-rot sind die neuen Automaten silber-blau und sehen etwas moderner aus.

Neue Batteriezüge haben Verspätung

Eigentlich sollte der Betreiberwechsel am Sonntag spektakulärer ausfallen: Komplett neuentwickelte Batterie-Züge sollten den Betrieb übernehmen und erstmals einen elektrischen Bahnbetrieb auf Strecken im Land ermöglichen, die keine Oberleitung haben. Ein seltenes Großereignis in der Bahnbranche.

Dazu hatte das Land Schleswig-Holstein vor sec…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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7 Antworten auf „Was der Regionalbahnverkehr an der Ostsee mit dem Mittelmeer zu tun hat“

Moin in die Runde,
vielleicht lohnt es sich die folgenden Meldungen erst zu lesen und dann…
https://www.nah.sh/de/themen/neuigkeiten/neuer-fahrplan-fuer-nahverkehrszuege/
https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/37693-schleswig-holstein-am-wochenende-betriebsstart-fuer-erixx-holstein.html?utm_source=pocket_reader
Die Realität des Betriebes werden wir bald beurteilen können.
Tatsache ist, das zwischen Lübeck und Lüneburg die Tagesrandverbindungen deutlich verbessert werden.

Erste Eindrücke vom Erixx SH: Der Verkehr läuft mit den üblichen Startschwierigkeiten an. Heute gibt es leider sehr viele Verspätungen und Komplettausfälle beim RE83, weiterhin ist Personalmangel wohl das Hauptproblem. Auf Twitter wird aber noch nichts im Detail kommuniziert, habe den Hashtag #RE83 bei DB Regio SH wirklich vermisst, das Profil des Erixx ist da sehr wortkarg bisher. In der Kombination – viele Störungen gepaart mit wenig Information – ist das ein deutlich schlechterer Auftritt als von DB Regio.

Was mir aber heute Morgen direkt positiv auffiel: endlich war wieder Servicepersonal im Zug, das habe ich seit Monaten nicht erlebt! Die neuen Ansagen klingen etwas übermotiviert, sind aber deutlich besser zu hören als die alten. Ebenso positiv aufgefallen: wie bestellt und versprochen ist der RE83 jetzt auch werktags in Doppeltraktion nach Lüneburg unterwegs und nicht nur am Wochenende, das war angenehm spürbar.

Auch die neuen Verbindungen in der Nacht sind ein Gewinn, perfekt für Events am Abend, man kommt danach noch aufs Land oder in die Nachbarstadt nach Hause, das ermöglicht Menschen ohne Auto neue Freiheiten, weiter so!

Die Fahrkartenautomaten sind wie bereits erwähnt gruselig, so wie sie jetzt programmiert sind. Lüneburg als Ziel kannte der Automat nicht… dafür gefühlt jede Bushaltestelle in Aachen… auch bei Eingabe „Hamburg“ bekam ich jede Dorfbushaltestelle in Schleswig-Holstein vorgeschlagen, die irgendwie Hamburg im Namen trägt, aber nie intuitiv einfach direkt den Hamburger Hauptbahnhof… und von Fernverkehrstickets reden wir gar nicht erst… warum musste man nur die alten Automaten abbauen? Die Fahrgäste waren geübt in der Bedienoberfläche und es gab fast alles intuitiv zu kaufen. Zumal man in Mölln den neuen Automaten auch an dieselbe bescheuerte Stelle gesetzt hat statt endlich unter das Bahnhofsdach, wo er hingehört.

Fazit: ich bin generell von dieser Ausschreiberei nicht überzeugt, aber ich sehe bessere Zeiten für den Bahnverkehr zwischen Kiel und Lüneburg kommen, wenn alles wie geplant und versprochen jetzt umgesetzt wird. Mit dem nahenden Deutschlandticket kann ich die miserablen Automaten vielleicht verkraften. Ich gehe aber davon aus, dass sie schnell ein Update bekommen werden, weil viele Fahrgäste gerade verständlicherweise am Automaten scheitern und damit Einnahmen flöten gehen.

Hallo Laurenz, vielen dank für deinen wertvollen Erfahrungsbericht. Das hilft uns allen sehr. Auf unsere Community ist einfach Verlass!

Herzliche Grüße, Christian Hinkelmann

Man hätte sich eine Info zu den neuen Fahrzeugen gewünscht. Denn die bisher auf der Strecke Lübeck – Lüneburg eingesetzten Fahrzeuge haben eine zu geringe Kapazität ganz besonders im Sommer für den Fahrradtransport. Ferner ist die Fahrplangestaltung unglücklich wegen der schienengleichen Querung der Hauptstrecke Hamburg-Berlin in Büchen, sodass die Züge dort jeweils mehr als 10 Minuten rumstehen und damit die Fahrzeiten nicht sonderlich attraktiv sind.
Noch problematischer sind die häufigen Betreiberwechsel, die i.d.R. selten eine Qualitätsverbesserung bringen, sondern häufig zumindest in der Betriebsübergangszeit eine Verschlechterung bis das neue Personal eingearbeitet ist. Es ist schon eine Zumutung für die Arbeitnehmer, die die Aufgabenträger regelmäßig organisieren. Häufig wird bei den Betriebsübergangsverträgen für die Beschäftigten dann die Betriebsrente rasiert. Ferner treibt die Ausmusterung der noch relativ modernern Fahrzeuge die Kosten, die letztendlich alle Bahnkudnen über die Ticketpreise bezahlen. Also die Regionalisierung es SPNV ist keineswegs die “Erfolgsgeschichte” wie sie von der Politik meistens verkauft wird.

Die neuen Fahrzeuge https://akkuzug.nah.sh/ hat ja nicht Erixx ausgewählt.
Interessant wird aber, ob die Züge immer ausreichend lang und nicht zu oft Solotriebwagen unterwegs sein werden.
Und wie informiert Erixx bei Störungen (die ja auch von DB Netz ausgehen können)? Z.B. beim Zugfunk-Ausfall fand ich die Informationslage für den DB-Regionalverkehr miserabel. Da hat Erixx die Chance, das besser zu machen.
Der erste Eindruck von den neuen Erixx-Fahrscheinautomaten war eher gruselig. Immerhin für eine Fahrt ohne BahnCard nach Aachen könnte der Kauf einigermaßen einfach über die Bühne gehen, falls auch die Bezahlung auf Anhieb klappt.

Die Anmerkung, dass der Fahrplan beim Übergang zu Erixx Holstein so bleibt ist nicht (ganz) richtig.
Auf der Strecke Kiel-Lübeck wird der Halbstundentakt von ca. 21h bis Mitternacht ausgeweitet und der Oppendorfer erhält als städtischer Nahverkehr eine Ausweitung der Betriebszeit bis nach Mitternacht.
Hoffentlich klappt es dann auch!

Der Artikel liest sich eher wie eine (mehr oder weniger) unterschwellige Werbung für erixx, statt wie ein sachlich geschriebener Artikel. Schade, denn eigentlich bin ich von diesem Blog etwas mehr gewohnt.

Die Ausfälle auf der RB 76 sind selbstverständlich alles andere als schön, doch auch erixx dürfte bei Engpässen zuerst auf dieser Linie den Rotstift ansetzen. Hier von einer pauschalen Verbesserung durch den Betreiberwechsel zu sprechen ist in meinen Augen dann doch recht gewagt – zumal die Schwestergesellschaften in Niedersachsen zuletzt auch nicht gerade mit Bestleistungen bei der Personalbesetzung glänzten.

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