Viele Jahre war Hamburgs Fahrradverleihsystem „Stadtrad“ extrem erfolgreich und deutschlandweit Vorreiter. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen haben andere Großstädte wie Köln Hamburg abgehängt. Mit seinem „KVB-Rad“ wurde die Domstadt am Rhein 2024 zum Bikesharing-Champion unter den deutschen Millionenstädten.
Die Kölner Leihräder wurden insgesamt mehr als doppelt so häufig ausgeliehen wie ihre Pendants vom Stadtrad. Für das Hamburger Fahrradverleihsystem geht es nach einer langen Verlustphase und einer zusätzlichen siebenstelligen Finanzspritze im vergangenen Jahr nur ganz langsam wieder aufwärts. Andere Städte ziehen immer weiter an der Hansestadt vorbei.
NAHVERKEHR HAMBURG zeigt, wieso Hamburgs andauernde Bikesharing-Krise nicht an den Gründen liegen kann, die die Verkehrsbehörde von Anjes Tjarks (Grüne) mantraartig immer wieder vorschiebt. Denn nicht nur in Köln läuft es besser. Auch eine andere Stadt an der Elbe hat Hamburg inzwischen abgehängt. Und selbst eine viel kleinere Unistadt aus dem Schwarzwald schließt langsam zur Hansestadt auf.
NAHVERKEHR HAMBURG erklärt, was Hamburg von anderen Bikesharing-Städten lernen kann und wie eine andere Großstadt mit demselben Betreiber, der hinter dem Stadtrad steckt, knallhart abrechnet.
Die roten Hamburger Stadträder wurden im vergangenen Jahr rund 1,7 Millionen Mal ausgeliehen. Das klingt erst einmal nach viel – bis man die Zahlen des Fahrradverleihsystems mit denen aus anderen Städten vergleicht. Die Kölner KVB-Räder, benannt nach den Kölner Verkehrsbetrieben, kamen 2024 auf 4,4 Millionen Ausleihen.
Abgehängt wurde Hamburg ebenfalls von seiner Partnerstadt Dresden, die ebenfalls an der Elbe liegt. Das dortige „Mobibike“ der Dresdner Verkehrsbetriebe verzeichnete rund zwei Millionen Ausleihen im vergangenen Jahr. Dabei wohnen sowohl in Dresden als auch in Köln deutlich weniger Menschen als in Hamburg. Bei Touristinnen und Touristen sind alle drei Städte beliebt.










10 Antworten auf „Wie das Hamburger Stadtrad wieder Bikesharing-Meister werden könnte“
Ich kann die für die Bereiche Neugraben und Poppenbüttel geäußerte Kritik für den Bereich Bergedorf nur wiederholen. Auch hier gibt es die Stationen fast nur in zentraler Lage – so dass die Nutzung für den Weg Wohngebiet Bahn oder Wohngebiet Zentrum nicht möglich ist.
Ein komplettes Free Floating Modell lehne ich auch ab – das sollte dann aber auch genauso für die E-Scooter gelten. Vielmehr müsste es „an jeder Strassenecke“ (meint: von überall aus in max. 5 Minuten zu Fuß erreichbar) für Leihräder und Scooter geben
Ich würde gerne hunderte über die Stadt verteilte Stadtrad-Parkplätze, an jeder Straße alle 200-400 Meter wo man einfach Räder ausleihen und abgeben (und ohne mit einem Schloss murksen zu müssen).
Aber die Idee einer allgemeinen Flexzone finde ich nicht gut, im Gegenteil die einfach auf Bürgersteigen rumliegenden Scooter sind eine Frechheit und sollte. auch nur auf solchen Parkplätzen abgelegt werden dürfen.
Auch ich nutze das Stadtrad Hamburg seit Jahren nicht mehr. Kürzlich wollte ich einen neuen Anlauf nehmen, loggte mich in mein weiterhin bestehendes Konto ein. Bisher im Light-Tarif, wollte ich in den Deutschlandticket-Tarif wechseln. Online ist das nicht möglich. Der Chatbot riet mir, unter Angabe meiner Kundennummer eine E-Mail zu schreiben. „Der Wechsel wird dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt für dich vorgenommen.“ Die Antwort ließ eine Woche (!) auf sich warten: „Ein Tarifwechsel ist nur möglich, wenn der aktuelle Vertrag ordnungsgemäß gekündigt wird.“ Weiter: „Nach Ablauf der offiziellen Vertragslaufzeit kannst du dich neu für den Tarif deiner Wahl registrieren. Leg dir dafür ein aktuelles Profil an.“ Um meinen Tarif zu wechseln, muss ich also komplett kündigen und ein komplett neues Profil anlegen? Komplizierter geht es kaum. Ich habe die Lust erstmal wieder verloren.
Das kann ich gut verstehen, zumal es ja Alternativen gibt. Ich hätte genauso gehandelt. Warum muss so vieles unnötigerweise so kompliziert sein?
Den einen Punkt kann ich als langjähriger Stadtradnutzer absolut bestätigen: die „letzte Meile“ zwischen Stadtrad-Station und Endpunkt der Reise ist ein Knackpunkt. Ich brauche mit dem Rad 30 Minuten aus der Horner Geest in die Innenstadt. Zur Stadtrad-Station sind das aber nochmal 10 Minuten Fussweg (was für die Stationsdichte außerhalb der Innenstadt schon recht gut ist), also eine durchaus relevante Zeitspanne im Vergleich zum eigenen Rad. Und zur U Horner Rennbahn brauche ich 20 Minuten zu Fuß, mit dem Stadtrad 5 Minuten + 10 Minuten Fussweg – da lohnt es sich nicht wirklich das Stadtrad zu nehmen.
Und wenn man sich mal die Stadtradstationen wie die an den S-Bahn Stationen Neugraben und Neuwiedenthal anguckt: wohin sollen die Leute von dort aus mit den Rädern fahren? Es gibt nur zwei Stationen nördlich der Bahnlinie (immerhin: inzwischen gibt es zwei, zuerst waren es nur die an den S-Bahnsationen) und keine für Leute die südlich wohnen. Immerhin kann man aus dem Fischbecker Heidbrook mit dem Stadtrad zu S-Bahn fahren. Das gleiche an den S-Bahnstationen der S1 Richtung Poppenbüttel: schön das jede S-Bahn Station eine Stadtradstation hat, aber es gibt kaum welche drum herum. So kann man mit das Stadtrad statt der S-Bahn nehmen (vielleicht praktisch wenn die ausfällt), aber nicht das Stadtrad zur S-Bahn – es sei denn man wohnt in Bergstedt.
Eine flexiblere Möglichkeit die Räder abzustellen wäre sehr wünschenswert – man sieht die jenseits der Stationen abgestellten Räder ja auch schon auf der Anzeige.
Moin lieber HVV-Fan,
besten Dank für Ihre Rückmeldung zu meiner Recherche. Ihre Erfahrungen passen gut zu den Entwicklungen in anderen Städten, die mit Flexzonen höhere Ausleihzahlen erzielen. Ich habe in Hamburg oft ein ähnliches Problem wie Sie es beschreiben.
Freundliche Grüße
Paul Meerkamp
Flexzonen, als Bewohnerin der Innenstadt kann ich das nicht befürworten. Die gesamte Innenstadt ist bereits für E-Roller eine einzige Flexzone und das bedeutet, dass die Roller überall abgestellt werden. Wenn dann noch die Räder dazu kommen, sind die Gehwege voll. Mit Schrecken lese ich auch, dass die Fa. Donky anscheinend angedroht hat sich evtl. für Hamburg zu bewerben. Wer in den letzten 10 Jahren die Schrotträder der Firma in Hamburg und Berlin gesehen hat, wendet sich mit Grausen ab. Das möchte ich nicht im Stadtbild sehen.
Moin Frau Kodrzynski,
besten Dank für Ihre Rückmeldung zu meiner Recherche. Meiner Erfahrung nach ist der Zustand der Räder von Donkey Republic in Kiel und Dänemark vergleichbar mit den Stadträdern. Die Wartungsintervalle hängen vermutlich auch von der Art der Finanzierung und entsprechenden Vorgaben der Auftraggeber ab.
Freundliche Grüße
Paul Meerkamp
Das Stadtrad ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der Hamburgischen Mobilitätskultur. Im Mix mit unseren Angeboten im HVV entstehen in der Kombination ideale Wegeketten.
Umso wichtiger wäre es für die weitere Entwicklung, dass das Stadtrad analog zu den genannten Beispielen als Teil des Systems ÖPNV wahrgenommen werden, also als Teil des HVV. Eine Integration in die Switch-App wäre da nur ein erster Schritt und deutlich zu wenig. Vielmehr muss es tariflich, von der Buchung her und von der generellen Anmutung her Teil des HVV sein.
Moin Herr Brodehl,
besten Dank für Ihre Rückmeldung zu meiner Recherche. Ich bin gespannt, wie sich das Stadtrad weiter entwickeln wird und welche Rolle der HVV dabei spielt. Wir werden das bei NAHVERKEHR HAMBURG weiter beobachten.
Freundliche Grüße
Paul Meerkamp