Der Frust ist groß bei vielen Hamburger S-Bahn-Fahrgästen in diesen Tagen. Seit dem Wintereinbruch in der vergangenen Woche geht es im Netz drunter und drüber: Umleitungen, Verspätungen, Zugausfälle, täglich wechselnde Linienführungen. Verlässlichkeit? Fehlanzeige.
Dabei ist der aktuelle Wintereinbruch kein Ausnahmeereignis. Auch wenn es in den vergangenen Jahren selten vorkam, dass die Temperaturen über mehrere Tage konstant unter dem Gefrierpunkt lagen: Schnee und Frost gehören in Norddeutschland weiterhin zum Normalfall. Es geht nicht um arktische Kälte oder meterhohe Schneeverwehungen, sondern um Temperaturen knapp unter null und ein paar Zentimeter Neuschnee – mit Ansage.
Viele ältere Hamburgerinnen und Hamburger erinnern sich noch gut an deutlich härtere Winter in den vergangenen Jahrzehnten. Damals schien die S-Bahn trotz widrigerer Bedingungen oft stabiler zu funktionieren als heute.
47 Jahre ist es inzwischen her, als ein eisiger Winter weite Teile Norddeutschlands lahmlegte…









10 Antworten auf „Wie Hamburgs S-Bahn den Winter verlernt hat“
Herzlichen Dank für die schönen Fotos vom Winter 1979. Ich wusste bisher nicht, dass auch der alte VT 08 auf den S-Bahnstrecken zum Einsatz kam. Diese Dinge galten ja damals schon als museumsreif und fristeten ihr Dasein auf den Abstellgleisen in Altona. Wie gern wäre ich damals mit einem solchen nach Poppenbüttel gefahren?!
Könnte man neue S-Bahn Generationen nicht mit einer Akku Reserver ausstatten? Die müsste ja nur vielleicht eine Station reichen, damit ein vereister Stromschienenabschnitt überfahren werden kann.
Die Übernahme der S-Bahn durch die Stadt Hamburg ist tatsächlich bereits geprüft worden. Die Harburger Rundschau berichtete am 11. Juli 1991 über den Plan von Bgm Voscherau. Die Probleme waren damals schon dieselben wie heute: hohes Defizit, Investitionsstau usw. Die Summe, die auf Hamburg zukommen würde (man rechnete mit 100 Mio DM), hat dann aber doch alle verschreckt (Der Presse-Artikel liegt hier vor)
Dass sind doch total dumme Argumente. Na klar, die S-Bahn kostet Geld, aber das Defizit zahl die Stadt doch sowieso jetzt schon!
Es ist doch nichts anders als bei den Energienetzen, da haben vorher auch alle nur auf die Kosten geschaut und mitlerweile ist klar dass der Nutzen die direkt kontrollieren zu können riesig ist. Bei der S-Bahn muss man sich ja nur mal die U-Bahn anschauen um zu sehen wie es sein könnte. Vielleicht sollte irgendjemand mal für die S-Bahn eine Volksini starten…
Verdienstvoller Artikel, der zeigt, wie früher mit pragmatischen Lösungen auch unter weit schwierigeren Bdingungen als heute der Verkerh aufrechterhalten werden konnte. Ich erinnere mich noch gut an den Winter 1978/79 als ich mit Erstaunen Diesellokomotiven auf den S-Bahngleisen sah. Zudem fuhren diese Dieselloks Tag und Nacht um Schneeverwehungen und ein Festsetzen des Schnees an de Stromschienen zu verhindern. – Gerade wenn die Straße schwächelt muss die S-Bahn funktionieren und die DB wie Stadt wären gut beraten ein Notprogramm aufzustellen, wie der S-Bahnbetrieb bei Winterbedigungen resilienter aufgestellt werden kann. Auch gegen das Festfrieren von Stomabnehmern haben Bahnen wie in der Schweiz und Schweden, die regelmäßig und pünktlich unter winterlichen Bedingungen fahren, technische Lösungen, man muss nur über den Tellerand schauen.
Könnte man die S-Bahn in Hamburg vielleicht wirklich städtisch betreiben, wie von Neu Wulmstorf vorgeschlagen? Würde gerne mal eine rechtliche Einschätzung dazu lesen
Leider könnte es die Stadt auch nicht richten da sie die Überlastung des Netzes auch nicht abstellen könnte (und hält sich da lieber raus?). Im Gegenteil: Sie möchte noch mehr Verkehre (S6) in das System „pressen“! In Tokyo habe ich erlebt dass jede Linie ihre eigenen Gleise hat! Auch in London gibt es nebeneinander fahrende Linien. Die Städte sind natürlich nicht mit Hamburg vergleichbar – aber sie zeigen den Weg auf den man gehen muss!
Lieber Christian Hinkelmann, vielen lieben Dank für Ihren wohltuenden Bericht!
So muss Journalismus gehen: Hintergründe erklären, berechtigte Kritik aber auch Verständnis äußern, Lösungen aufzeigen.
Ich hoffe, dass den Text auch die lesen, die immer sofort bei jeder Kleinigkeit schreien: „Die S-Bahn ist unfähig und marode!“
Helfen würde der Umbau der Stromabnehmer und Stromschienen auf das nach unten gerichtete System der U- Bahn. Einmaliger Aufwand, große Wirkung. Es werden doch demnächst viele Züge geliefert, die noch gar nicht benötigt werden. Kann also immer eine Anzahl in die provisorische Umrüstungswerkstatt, währenddessen wird ein ganzer Außenast umgerüstet. Nach und nach wird das System umgestellt. Bedeutet natürlich geplante und mit SEV abgefederte Streckensperrungen und kurze Insellösungen, aber danach wird es verläßlicher. Perspektivisch sollte FHH das Netz der DB abkaufen. Volksentscheid?
Die Sätze
„Wie sich ein gut gepflegtes Netz im Winter auswirkt, zeigt der Vergleich mit der Hamburger U-Bahn. Sie befindet sich vollständig in städtischer Hand und gilt technisch seit Jahren als sehr gut aufgestellt.“
zeigen eine Lösungsmöglichkeit für die Hamburger Politik auf.
Das Hamburger (Gleichstrom-) S-Bahn-Netz und der Betrieb sollten aus der DB herausgelöst und in einem städtischen Betrieb analog der Hochbahn oder sogar von Hochbahn selbst betrieben werden.