Wie Städte weltweit in der Corona-Krise den Verkehrsraum neu verteilen

Corona macht möglich, was Verkehrswende-Debatten nie geschafft haben: Eine beherzte Umverteilung des knappen Verkehrsraums in Großstädten. Ein paar Beispiele.
Christian Hinkelmann
Eine so genannte Pop-Up Bike-Lane in Berlin
Eine so genannte Pop-Up Bike-Lane in Berlin

Berlin und New York tun es, Paris und Mailand auch, Mexiko-City und Bogotá sowieso: Es geht um die Sperrung von ganzen Straßen oder einzelnen Spuren für den Autoverkehr, damit Fußgänger und Radfahrer in der Corona-Krise mehr Abstand halten können.

Angefangen hatte dieser ungeahnte Trend im März in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, die als weltweit erste Metropole quasi über Nacht auf 117 Kilometern Länge Autospuren in temporäre Radwege umfunktioniert hat (siehe hier).

Was dann folgte, kann getrost als kleine Verkehrsrevolution bezeichnet werden. Immer mehr Großstädte rund um den Erdball setzten plötzlich das in die Tat um, was jahrelange Diskussionen um Klimaschutz und Verkehrswende nie so richtig geschafft hatten: Eine beherzte Umverteilung des Straßenraums – weg vom Autoverkehr.

Berlin baut innerhalb weniger Tage 12 Kilometer Radwege

In Deutschland gehört Berlin zu den Spitzenreitern in dieser Bewegung. Seit Wochen lässt der dortige rot-rot-grüne Senat an immer mehr Hauptverkehrsstraßen breite provisorische Radwege auf vorübergehend gesperrten Autospuren einrichten. Fast täglich kündigen Stadtverwaltung, Bezirke und die Verkehrssenatorin Regine Günther (GRÜNE) per Twitter neu eingerichtete Strecken an. Allein in Friedrichshain-Kreuzberg entstanden in Rekordzeit 12 Kilometer neue „Corona-Radwege“ (siehe hier

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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Heute kaum vorstellbar: Im Frühjahr 1976 wurde dieser Eisenbahnwaggon von einem Lastwagen auf einem schmalen Gleis über die Kreuzung Barnerstraße/Bahrenfelder Straße mitten in Ottensen (bei der FABRIK) gezogen. Das markante Eckgebäude steht immer noch und soll demnächst abgerissen werden. (Foto: Rainer Dodt)

Best-of: Die Geschichte von den Lastwagen-Güterzügen in Ottensen

Wer mit offenen Augen durch Ottensen und Bahrenfeld läuft, hat sie vielleicht schon mal gesehen: die vielen alten Gleisreste in Straßen und Industriehöfen. Was viele nicht wissen: Auf ihnen rollte noch bis 1981 eine Art Güterstraßenbahn. So sah der Betrieb damals aus.

7 Antworten auf „Wie Städte weltweit in der Corona-Krise den Verkehrsraum neu verteilen“

Hört sich gut und logisch an, was die genannten Städte da machen.
Und Hamburg? Da haben wir einen ehemaligen Siemens Manager als Verkehrssenator und eine eine stockkonservative und autofokussierte SPD, die so etwas in Bausch und Bogen ablehnen. Toll.

Die Grünen in Hamburg sind solche Opfer
Dass die SPD als Autofahrerpartei dagegen ist, ok. Aber die Grünen könnten ja wenigstens etwas Umweltschutz vortäuschen

In Paris will die Bürgermeisterin außerdem (auch ohne Corona) die 15-Minuten-Garantie bringen: Maximal 15 Minuten zu Fuß von jedem Ort der Stadt bis zu jedem lebenswichtigen Bedarf. Mit dem Rad noch schneller. Dann machen solche Radwege wirklich Sinn, weil die Kurzstreckenfahrer dann den ÖPNV nicht mehr brauchen.

Aber man sollt schon ehrlich sagen, dass man jetzt grüne Konzepte durchdrückt und die auch nicht wieder zurücknimmt. Das verstärkt dann die Trends Home-Office und Online-Shopping. Zurück zur Fußgänger-Stadt des 19. Jahrhunderts. Die Welt wird zum Dorf und Dörfer brauchen keine Bahnen mehr.

Hallo liebes Team, ich muss mal sagen: ein toller und fundierter Überblick! Vielen Dank dafür! Ich lese eure Berichte fast jeden Tag sehr gern und kann mir vorstellen, wie arbeitsintensiv das ist. Deswegen bin ich ab sofort euer neuer Abonnent. Macht was aus meinem Geld 🙂

Machen wir uns keine Illusionen! Hamburg wird auch hier die Rolle einnehmen, die sie bereits bei Fußgängerzonen und beim ÖPNV sowieso schon inne hatte: die des Nachzüglers.

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