Was war diese Woche im Hamburger Verkehrssektor wichtig? Hier fassen wir Ihnen die relevantesten Nachrichten zusammen, damit Sie den Überblick behalten und Zeit sparen.
Hamburg entzieht DB den Osdorf-Anschluss
Kein Geld, zu langsam und zu wenig Kontrolle: Nachdem in den vergangenen Wochen immer klarer wurde, dass der Deutschen Bahn in den nächsten Jahren 15 Milliarden Euro für den Aus- und Neubau fehlen, der DB-Konzern auf seinen Hamburger Baustellen den Zeitplänen weit hinterhinkt und nun auch noch mitteilte, dass er die geplante S-Bahn nach Osdorf nicht vor dem Jahr 2050 fertig bekommt, hat der Hamburger Senat die Notbremse gezogen und der Deutschen Bahn den Bau der geplanten Linie nach Osdorf entzogen. Stattdessen soll die stadteigene Hochbahn den Anschluss bauen – als Verlängerung der U5.
Vorteil: Die Hochbahn hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie effizienter, verlässlicher und kostenstabiler planen und bauen kann als die DB. Zudem ist das städtische Unternehmen durch den Senat besser kontrollierbar. Und es gibt noch weitere gewichtige Gründe, warum diese Entscheidung für die Fahrgäste richtig war. Welche das sind, haben wir hier analysiert. Die DB darf jetzt nur noch ein kurzes Teilstück der S6 weiterplanen.
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Neue Bahn-Chefin und viele Turbulenzen
Es war eine turbulente Woche bei der Deutschen Bahn: Am Montag präsentierte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nicht nur die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla, sondern auch seine lang erwartete DB-Zukunftsstrategie, die in der Fachwelt allerdings auf ein überwiegend negatives Echo stieß. Auch für Hamburger Verkehrsprojekte bedeutet sie nichts viel Gutes. Warum, das haben wir hier für Sie analysiert.
Eine weitere Personalie flog dem Verkehrsminister umgehend um die Ohren: Die geplante Rückkehr des umstrittenen Ex-DB-Netz-Vorstands Dirk Rompf an die Spitze der Nachfolgegesellschaft DB Infrago löste so laute Kritik auf der Arbeitnehmerseite aus, dass Rompf am Donnerstag freiwillig zurückzog. Der derzeitige Infrago-Chef Philipp Nagl soll im Amt bleiben.
Mehr hier: nahverkehrhamburg.de, tagesschau.de [Rompf], t-online.de [Nagl]
HVV-Prüfmarathon: Anteil der Schwarzfahrer sinkt weiter
Beim diesjährigen „Prüfmarathon“ hat der HVV am Donnerstag 28.037 Fahrgäste kontrolliert. Dabei wurden 949 Menschen ohne gültigen Fahrschein erwischt. Das entspricht einer Quote von 3,38 Prozent – spürbar weniger als in den Vorjahren (siehe Tabelle). Damit lag die Schwarzfahrerquote so niedrig wie seit mindestens drei Jahren nicht mehr.
Bemerkenswert: Obwohl die Quote gesunken ist, wurden absolut mehr Fahrgäste ohne Ticket festgestellt als 2024 (damals 650 Personen). Grund ist die deutlich höhere Zahl an Kontrollen. Rund 300 Kontrolleure waren den ganzen Tag über an zahlreichen Haltestellen und in Fahrzeugen im Einsatz. Der HVV hatte die Aktion – wie schon in den Vorjahren – im Vorfeld öffentlich angekündigt.
Tabelle: HVV-Prüfmarathon 2025 im Dreijahresvergleich
| Jahr | Kontrolliert | ohne Ticket | ohne Ticket | mit Ticket | mit Ticket |
|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 28.037 | 949 | 3,38 % | 27.088 | 96,62 % |
| 2024 | 17.225 | 650 | 3,77 % | 16.575 | 96,23 % |
| 2023 | 15.852 | 729 | 4,60 % | 15.123 | 95,40 % |
HVV beerdigt Kunden-Bonusprogramm
Das erst vor gut zwei Jahren gestartete Bonusprogramm „HVV Plus“ wird schon wieder eingestellt. Bereits in der kommenden Woche (30. September) soll Schluss sein. Gestern wurden die Kunden darüber informiert. Mit dem Programm bekamen HVV-Deutschlandticket-Abonnenten kleine Rabatte und Geschenke bei Hamburger Unternehmen, wie Franzbrötchen oder Kaffee-Gutscheine.
Mehr hier: hvv-deutschlandticket.de
Hamburg weist nur wenige neue Tempo-30-Abschnitte aus
Obwohl im Frühjahr die rechtlichen Hürden für die Anordnung von 30er-Zonen, Radstreifen und Busspuren gesenkt wurden, hat sich in Hamburg bisher wenig getan. „Seit April 2025 wurde nach Kenntnis der BVM auf circa vier Kilometern des Hamburger Straßennetzes eine Reduktion der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h angeordnet“, teilt eine Sprecherin der Verkehrsbehörde von Anjes Tjarks (Grüne) auf Anfrage von NAHVERKEHR HAMBURG mit.
Zuständig für die Anordnung sei die Innenbehörde von Andy Grote (SPD). Insgesamt gelte derzeit auf etwa 60 Prozent des Hamburger Straßennetzes ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Auch seit 2022 nahm die Länge der Abschnitte nach Angaben der Verkehrsbehörde nur leicht zu, um gerade einmal 13 Kilometer. Wie sich die Längen der Busspuren und Radfahrstreifen verändert haben, seit die neue Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung gilt, kann die Verkehrsbehörde nicht sagen. Eine NAHVERKEHR HAMBURG-Analyse aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass es in den vergangenen Jahren bei diesem Thema sowieso kaum voranging.
Mehr hier: umwelt.nrw.de [Übersicht der Änderungen]
Langfrist-Trend: Fahrrad ist stärkster Gewinner in Hamburg
Zwischen den Jahren 1990 und 2023 hat der Fahrradverkehr in Hamburg um 132 Prozent zugelegt, der HVV (Gesamtgebiet) kommt in dieser Zeitspanne auf ein Plus von knapp 74 Prozent, der Autoverkehr in der Hansestadt ist im gleichen Zeitraum um 15 Prozent gesunken. Das hat der Hamburger Senat auf Nachfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Philipp Heißner erklärt.
Mehr hier: buergerschaft-hh.de
Autoarmes Ottensen: Umbau startet im kommenden Jahr
Nach jahrelanger Planung startet im Frühjahr 2026 das Projekt „Freiraum Ottensen“. Der Umbau von Ottenser Hauptstraße, Bahrenfelder Straße und Co. dauert fast zwei Jahre und kostet 7 Mio. Euro. In fünf Abschnitten werden Geh- und Radwege verbreitert und Poller die Zufahrt regeln.
Mehr hier: ndr.de, abendblatt.de [€]
S-Bahn-Sperrung zwischen Hauptbahnhof und Schanze
Wegen des Einbaus neuer Brückenteile ist die S-Bahn-Strecke zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Sternschanze von Samstag (27. September) bis 6. Oktober gesperrt. Ein Ersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet. Auch Autofahrer müssen mit Straßensperrungen rechnen.
Mehr hier: abendblatt.de [€], lok-report.de
Bleiben Sie mobil und kommen Sie gut ins Wochenende.









5 Antworten auf „Wochenrückblick: Hamburg zieht Konsequenzen nach DB-Problemen“
HVV-Prüfmarathon:
Was für ein Ergebnis: Gerade einmal 1000 Leute erwischt, bei 60 EURO ergeben sich daraus 60.000 EUR0. Allerdings werden erfahrungsgemäß max. 50% = 30.000 EURO eingetrieben. Dafür waren dann 250 Kontrolleure unterwegs. Wenn man einen Durchsnittslohn von 150 pro Person in Betracht zieht, dann ergibt sich daraus ein Verlust von 10.000 EURO. Man sollte diese albernen Kontrollen einfach lassen und stattdessen die insg. 700 Fahrkartenkontrolleure z.b als Sicherheitspersonal in den U Bahn Haltestellen einsetzen oder ähnliches.
du musst mit einberechnen, dass die Schwarzfahrerquote ohne regelmäßige Kontrollen insgesamt höher ausfallen dürfte. Wenn bei 1,2 Mio Fahrgästen am Tag die Schwarzfahrerquote nur um 0,5 % geringer ausfällt, sind das schon 6000 Fahrten mehr, für die ein Ticket gelöst wurde. Bei 3,90€ für eine Einzelfahrt wären das 23400 €
Klar ist aber auch: Reich wird der hvv durch Kontrollen nicht. Es geht um Schadensbegrenzung
Es geht nicht nur um Schadensbegrenzung, sondern auch um das Gerechtigkeitsempfinden, was sich mit Geld nicht beziffern lässt. Leider kosten die Uneinsichtigen, Asozialen und Kriminellen unserer Gesellschaft sehr, sehr viel Geld. Wir müssen diesen schädlichen Elementen aber Einhalt gebieten, um unsere Lebensqualität zu erhalten.
Ihr Gerechtigkeitsempfinden ist schön und gut, aber es kann nicht die Aufgabe der Hochbahn sein, dies zu finanzieren. Mein „Gerechttigkeitsempfinden“ ist betroffen beim ÖPNV, wenn man jedem Fahrgast den gleichen Beitrag unabhängig vom Einkommen abverlangt und damit Wohlhabende relativ höher subvnetioniert. (ÖPNV ist eigentlich nicht kostendeckend und muß von öffentlichen Geldern unterstützt werden).
Es ist Ihnen sicherlich bekannt, dass eine positive Korrelation zwischen Einkommen und Steuerlast besteht. Somit finanzieren die Einkommensstärkeren einen höheren Anteil der Subventionen. Würden die Einkommensstärkeren dagegen zusätzlich geringere Leistungen vom Staat beziehen, käme das einer Besteuerung im Quadrat gleich.
Den Nutzen der Verkehrsunternehmen an den Fahrkartenkontrollen hat Ihnen bereits weiter oben ursusmutus erklärt.