Wochenrückblick: Konsequenzen für Schüler-Deutschlandticket und gescheitertes Bahnprojekt

Das sind die wichtigsten Mobilitäts-News der Woche für Hamburg und Umland: Verkehrssenator Tjarks moderiert den Verbindungsbahnentlastungstunnel ab, höherer Deutschlandticketpreis hat Konsequenzen für Hamburger Gratis-Schülerticket und drei Verkehrsunternehmen schmieden eine mächtige Allianz.
Christian Hinkelmann
Werbung für das kostenlose Schüler-Deutschlandticket in Hamburg.
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Was war diese Woche im Hamburger Verkehrssektor wichtig? Hier fassen wir Ihnen die relevantesten Nachrichten zusammen, damit Sie den Überblick behalten und Zeit sparen.

Deutschlandticket soll künftig 63 Euro kosten

Das Deutschlandticket wird wohl schon wieder teurer. Nach 49 und 58 Euro soll es voraussichtlich ab dem kommenden Jahr 63 Euro kosten – ein Plus von 8,6 Prozent und damit weit über der Inflationsrate. Das haben die Verkehrsminister der Länder am Freitag entschieden, weil weder Bund noch Länder bereit waren, ihre Anteile am Defizit zu erhöhen. Formal muss die Preiserhöhung durch den Bundesrat beschlossen werden. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte eigentlich in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, dass das Deutschlandticket bis 2029 nicht teurer werden soll.

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) wertet die Einigung trotzdem als Erfolg, denn neben der Finanzierung sei es auch gelungen, die von der Bundesregierung geplante Absenkung der Bundeszuschüsse abzuwehren, schrieb er auf seinem Linkedin-Profil. „Es bleibt für die Metropolregion Hamburg ein Turbo für die Mobilitätswende.“ Das kostenlose Schüler-Deutschla…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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6 Antworten auf „Wochenrückblick: Konsequenzen für Schüler-Deutschlandticket und gescheitertes Bahnprojekt“

Noch ein Wort zum D-Ticket: Wie gesagt ist der ÖPNV am Limit – in den Hauptberufszeiten. Sollte das D-Ticket wirklich dem Klimaschutz dienen, sollten die Hauptberufszeiten (montags bis freitags bspw. 7 – 9 Uhr, 16 – 18 Uhr) ausgenommen werden. Alle Berufstätigen/Studierenden/Schüler/Schülerinnen, welche mit dem ÖPNV zur Arbeit/Uni/Schule fahren (müssen), werden wieder eine Monatskarte brauchen. Das D-Ticket wäre ein Freizeitticket und könnte dann bspw. nur 19 Euro pro Monat kosten. Das würde so manchen vor allem am Wochenende zum Umstieg auf die Bahn animieren. Und die Finanzierung des ÖPNV wäre wieder leichter.

Zum Deutschland Ticket. Das Dienstwagenprivileg bleibt erhalten. Es begünstigt einkommensstarke Arbeitnehmer*innen und es handelt sich häufig um große, umweltschädliche Modelle. Eine klimaschädliche Subvention aus Steuermitteln für nicht sehr viele Menschen. Die Pendlerpauschale wird erhöht, zumindest in urbanen Gebieten, eine Klimaschädliche Subvention aus dem Steueraufkommen. Das Deutschlandticket soll teurer werden. Die einzige klimaschonende Subvention wird teurer. Die einzige , sehr erfolgreiche Maßnahme zum Klimaschutz seit Jahren in Deutschland, an der Jede*r teilnehmen kann oder, bei einer offensiven Politik zur Ertüchtigung des ÖPNV zukünftig teilnehmen könnte, wird teurer und dann für einige Menschen nicht mehr bezahlbar. So kann man eine gute Idee kaputt machen und den Individualverkehr / den PKW fördern. Dies ist eh die Politik der cducsuspd. Leider war das kleine Zwischenhoch in der Verkehrspolitik durch die Ampel zu kurz um hier die Weichen pro ÖPNV zu stellen.

Hallo Frau Kodrzynski,
ich bin auch für die Förderung klimaschonender Verkehrsträger. Allerdings möchte ich einwerfen, dass die Pendlerpauschale bzw. Entfernungspauschale nicht für PKW-Besitzer gedacht ist, sondern für alle Pendler. Sie gilt nämlich unabhängig des gewählten Verkehrsmittels.
Beim Dienstwagenprivileg kann ich das Privileg (außer bei E-Fahrzeugen) nicht so recht erkennen. Die private Nutzung des Dienstwagens erhöht die Steuerlast des Nutzers entsprechend und der Arbeitgeber zahlt für diesen Anteil ebenfalls Monat für Monat die Umsatzsteuer.
Übrigens bin ich absoluter Bahn-Fan. Allerdings kommt sie nicht, wenn es darauf ankommt. Deshalb fahre ich leider ca. 45.000 km im Jahr mit dem Dienstwagen. Wenn ich beruflich in der Schweiz unterwegs bin, habe ich bislang kein PKW benötigt!

Wie ich schon mal schrieb, handelt es sich beim D-Ticket weniger um eine Klimaschutzmaßnahme und mehr um eine Sozialleistung. Dieses Ticket wird in den meisten Fällen von denen genutzt, die ohnehin schon zuvor mit den Öffis gefahren sind, weil sie keinen privaten PKW besitzen, keinen Parkplatz am Zielort finden oder aus Überzeugung. Diejenigen fahren jetzt günstiger. Aber dem Klima würden andere Maßnahmen mehr helfen, wofür das Geld aber fehlt.

Das Ticket rettet’s auch nicht mehr. Zwei gerade noch mal glimpflich verlaufene Unfälle mit ecovista Gelenkbussen auf der A24, jetzt der Super-GAU mit der Oberleitung bei Uelzen: Die Generalsanierung HH-B wird zur Katastrophe für einen klimafreundlichen Verkehr.

Wenn ich dann noch erlebe, wie frei die A20 ist, selbst an einem Freitag nachmittag Mitte September Richtung HL, mit nur wenigen LKWs. Und selbst die manchmal „rabiaten“ Fahrstile aus einem Bundesland „tief, tief im Westen“ und ihrer Nachbarn mit den gelben Nummernschildern hielten sich in Grenzen. Auch auf der A1 gab es keinen Stau.
Wenn man dagegen diesen durch Dieselbetrieb und Eingleisigkeit „amputierten“ Umleitungsverkehr über Grevesmühlen sieht, und dass jetzt auch noch für einen längeren Zeitraum die eingleisige Strecke zwischen Rostock und Gelbensande voll gesperrt ist, dazu der unsichere und eingeschränkte Betrieb über Salzwedel, dann sieht das alles nicht gut aus für einen Umstieg auf klimafreundlichen Verkehr. Der wird dafür sicher viele Nutzer auf einem langen Zeitraum verlieren. Viele werden sich zweimal überlegen, sich diese Einschränkungen, Zwänge und Unsicherheiten anzutun, wenn die bequeme Variante gerade zu im wahrsten Sinne auf der Straße liegt.

Dann bleibt nur noch in den entsprechenden Stadtteilen, im kleinsten Rahmen „klimafreundlich“ zu verkehren und die andere Realität auszublenden. Oder seinen Frust gegenüber Fußgängern auf baustellenbedingt eingeschränkten Fußwegen in die Pedale zu treten. (Wie gestern selbst wieder mal erlebt.)

Sehr richtig! Und daher finde ich es auch nicht in Ordnung, mögliche Steuervorteile für Autofahrende zu verteufeln! Denn der ÖPV/ÖPNV ist am Limit. Das ließe sich auch mit unbegrenzt viel Geld nicht so schnell ändern. Daher muss es parallel den privaten PKW-Verkehr geben, damit der Verkehr in Deutschland nicht kollabiert.

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