Schauspieler Peter Lohmeyer und Experten fordern Popup-Radwege in Hamburg

Der Ruf nach mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger auf Hamburgs Straßen wird in der Corona-Krise immer lauter. Verkehrsexperten und ein Prominenter unterstützen die Bewegung. Heute entscheidet die Bürgerschaft.
Ein so genannter Popup-Radweg an der Hamburger Alster - organisiert vom Radfahrerverband ADFC.
Foto: Christian Hinkelmann

In Hamburg wächst der Druck auf den rot-grünen Senat und die SPD-geführte Verkehrsbehörde, Radfahrern und Fußgängern in der Corona-Zeit mehr Platz auf den Straßen einzuräumen.

Immer mehr Experten, Politiker und Verbände fordern, dass an mehrspurigen Hauptstraßen eine Autospur vorübergehend für Radfahrer reserviert wird.

Zu den prominentesten Unterstützern für so genannte Popup-Radwege gehört der in Hamburg lebende Schauspieler Peter Lohmeyer („Das Wunder von Bern“). Auf Anfrage von NahverkehrHAMBURG fordert er vom rot-grünen Senat: „Los her damit, aber ganz schnell. Wir wollen doch immer Weltstadt sein, klappt nur leider nicht in der Umsetzung.“

Bürgerschaft hat sich bis heute nicht mit dem Thema beschäftigt

Tatsächlich hinkt Hamburg bei diesem Thema anderen Weltstädten hinterher. Während New York, Paris, Berlin und rund 60 weitere Metropolen in den vergangenen sechs Wochen im Eiltempo Autospuren in temporäre Radfahrspuren umgewandelt haben (siehe hier), damit Radler und Fußgänger in der Pandemie-Zeit mindestens 1,5 Meter Abstand halten können, sehen die Verantwortlichen in der Hansestadt keinen Bedarf (siehe hier). Die Bürgerschaft hat sich bislang nicht mit dem Thema beschäftigt, obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO schon zu Beginn der Corona-Pandemie einen dringenden Appell an die Städte weltweit gerichtet hatte: “Bitte gehen Sie zu Fuß oder nutzen Sie das Fahrrad, wann immer es geht!”

„Seit wann heißt hanseatisch: behäbig?“, fragt der Schauspieler und bekennende Radfahrer Peter Lohmeyer vor diesem Hintergrund und fordert: „Schnell und flexibel müssen wir sein.“

In Corona-Zeiten reichen selbst neu angelegte Radwege kaum aus, wenn Radfahrer untereinander ausreichend Sicherheitsabstand einhalten. Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

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Meist sind aufgrund der schmalen Radwege in Hamburg kaum ausreichend Sicherheitsabstände zwischen Radfahrern möglich, wie hier am Dammtor (Archivbild). Experten befürchten, dass der Radverkehr mit den steigenden Temperaturen noch weiter zunehmen wird. Honorarpflichtig

Verkehrsforscherin sieht günstigen Zeitpunkt

Schnell würde am liebsten auch die Verkehrsforscherin Philine Gaffron von der TU Hamburg handeln, denn die Gelegenheit für eine Umverteilung der Straßenverkehrsflächen ist ihrer Meinung nach gerade günstig: „Mobilitätsverhalten hat sehr viel mit Gewohnheit zu tun und wird deswegen oft besonders dann überdacht, wenn der eigene Alltag neu organisiert werden muss: neuer Job, neue Wohnung – oder eben die Covid-19 Pandemie“, so die Wissenschaftlerin zu NahverkehrHAMBURG.

„Gerade fahren sehr viel weniger Menschen Bus und Bahn und manche nutzen eher das Auto. In Hamburg besitzen aber über 40 Prozent der Haushalte gar keinen eigenen Pkw, in manchen Bezirken sogar über 50 Prozent. Dafür haben fast 80 Prozent mindestens ein verkehrstüchtiges Fahrrad. Es wäre also gerade jetzt, wo wir langsam wieder öfter das Haus verlassen aber immer noch Abstandsregeln beachten müssen, wichtig und sinnvoll, die Fahrradnutzung für alle so sicher und attraktiv wie möglich zu machen – eben auch durch das Angebot von me…

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7 Antworten auf „Schauspieler Peter Lohmeyer und Experten fordern Popup-Radwege in Hamburg“

In dieser Frage sollte nicht die Bürgerschaft beschließen müssen. In einem rot-grünen Senat, der nach einem sehr kräftigen Schluck aus der Pulle für den grünen Partner nach der letzten Wahl ganz klare Prioritäten pro Nachhaltigkeit haben sollte und angesichts einer Situation, in der der ÖPNV auf längere Zeit weder die vollen Kapazitäten ausschöpfen kann und soll noch besonders beliebt ist, muss die Fahrradinfrastruktur besondere Aufmerksamkeit erfahren. Denn es ist seit jeher bekannt, dass Verbesserungen beim ÖPNV immer zum Umstieg vom Fahrrad auf Busse und Bahnen führten. Jetzt dürfte der Umstieg aus den Bussen und Bahnen nicht zu mehr Autoverkehr sondern zu mehr Radverkehr führen, zumal in den nächsten fünf wärmeren Monaten. Wenn Senator Westhagemann das nicht hinbekommt und von fehlendem platz fabuliert, muss er sofort “Grotemäßig” geschasst werden.

Die Realität anzuerkennen ist etwas anderes als Dienstgeheimnisse zu verplappern. 🙂

Da sich Busse und Bahnen derzeit wieder füllen und der Pkw-Verkehr wieder zulegt, würde ich sagen: schade. Eine früh ergriffene Initiative wäre tatsächlich eine Chance. Hätte mich als Kampfradler sehr gefreut.

Aber nun ist es wohl zu spät, auch wenn das ein bunter Strauß an Personen anders sieht. Die sind derzeit vermutlich nicht nur “Verkehrsexperten”, sondern Fachleute für Virologie und Epidemiologie. Und in wenigen Wochen wieder Bundestrainer.

Vielleicht kommen für die Hamburger Parteigenossen der Dame aus der Heide aber ein paar kleine symbolische Häppchen. Irgendwo ein paar hundert Meter einer wenig befahrenen Straße und voila, hurra, Hamburg gehört zu den wenigen Städten, die was “gemacht” haben. Paar Pressefotos und dann weitermachen wie gewohnt.

Interessanter und bedeutender wird da wohl die Frage, wie der Senat zukünftig zugeschnitten sein wird und wohin das Amt V wandert — auch wenn man das nicht überbewerten sollte, denn in Reihen der Innenbehörde bzw. Polizei wird sich wohl wenig bis nichts ändern.

Wir brauchen keine temporären oder Pop Up Radwege sondern dauerhaft Verbesserungen!
An der Alster ist doch nur ein Beispiel für die Mutlosigkeit des Senats. die Elbbrücken wären ein weiteres Beispiel. Da teilen sich Fußgänger und Radfahrer einen 1,5 Meter breiten Streifen damit Autos 6 Fahrspuren zur Verfügung haben. Oder wie wäre es mit der Bürgerweide? Richtung City endet der Radweg im Park auf dem Gehweg und Statdtauswärts verlüft der Radweg erst am Zaun um dann Richtung Fahrbahn zu schwenken. Ein Warnhinweis für Fußgänger die aus dem Bahnhof kommen fehlt völlig.
Ich bin für die Umsetzung des §2 StVO, “Fahrzeuge haben die Fahrbahn zu benutzen”
Alle Fahrräder auf der Fahrbahn schafft auch Sicherheit und bei der Gelegenheit kann man dann gleich das Zeichen 315 StVO abschaffen.

Wann kommt hamburg endlich von seiner Autofixierung weg. Pop-up-Radwege sind nicht nur in Corona-Zeiten wegen des Abstandsgebotes, sondern generell zur Beschleunigung des Radverkehrs und Vermeidung von Unfällen ein sehr wirksames und quasi über Nacht umsetzbares Mittel, um den Verkehrsraum neu zu verteilen und einen Anreiz für das Radfahren zu schaffen. Seit 8 Jahren doktort der Senat an den Velorouten rum, nichts ist bisher wirklich fertig von einer durchgängigen Beschilderung ganz zu schweigen.. Daran muss sicher weiter gearbeitet werden und Pop-up Radwgen auf den Hauptverkehrsachsen sind nur eine begrenzte Lösung, denn das Fahren im Abgasmief der Autos und LKW auf den Pop-up Bikelanes ist dauerhaft nicht zwingend erstrebenswert. Da allerdings der Belag auf den Hauptstraßen besser ist, als auf 80% der hamburger Radwege bedeuten die breiten Fahrstreifen leichteres und schnelleres und weniger Unfallträchtiges RAdfahren als auf den viel zu schmalen und schlecht gepflegten Hamburger Radwegen. Fazit: Die Neuverteilung des Straßenraums zugunsten der Radler muss in den nächsten Wochen und Monaten oberste Priorität haben.

Das Umland muss mitgedacht werden, denn sonst kommen über 250.000 Auto-Einpendler nicht mehr in die Stadt rein, die aber vielfach systemrelevant sind und ohne die ein Wiederanlaufen der Wirtschaft unmöglich ist.

Schon im Normalfall gibt es NULL Infrastruktur, um diese Menge an Autofahrern irgendwo an der Stadtgrenze abzufangen. Es gibt keine Parkplätze und keine Kapazitäten in Bussen und Bahnen, um diese Mengen auch nur ansatzweise zusätzlich befördern zu können! Mit dem Abstandsgebot verringert sich die Kapazität des ÖPNV übrigens auf ein Viertel bis ein Achtel. Auch die 130.000 Auspendler fahren vorwiegend Auto. Bei 50 bis 70 Kilometer Weglängen ist Radfahren unrealistisch und bei dem Hamburger Wetter wäre selbst ein E-Bike keine Dauerlösung.

SPD und Grüne kommunizieren dieses Problem nicht oder haben es nicht verstanden. Es sei ihnen verziehen, wenn selbst eine Verkehrsexpertin zu diesem Thema sowas nicht mitdenken und daraus dann differenziertere Forderungen ableiten kann. U5 und S4 führen beim Senat zu einer Selbstzufriedenheit, dass man doch schon ganz viel tue. Dabei dauert das viel zu lange und nach weiteren Wellen (oder heftigen Klimaschäden) wären Ausbaugelder für Bahnen sowieso Luxusprobleme.

Hamburg und seine Nachbarländer müssen sich endlich der Tatsache stellen, dass die jetzige Stadt-Umlandstruktur bei weiteren Pandemien und Klimaschäden wie ein Kartenhaus zusammen fällt. Wer nur isoliert den Straßenraum umverteilt, schafft mit so einer Symptombekämpfung nur neue Probleme.

Homeoffice bringt Linderung, aber dazu muss eine ganze Infrastruktur (für die wöchentlichen Präsenztage im Büro) kommen. Auch auf dem Land. Die ganze Metropolregion muss auf kurze (Fuß-)Wege für alle täglichen Bedürfnisse umsteuern (s. das Viertelstundenstadt-Konzept für Paris). Wer in Produktion oder Dienstleistung außer Haus arbeitet, muss eine gute Wohnung im Umkreis von fünf Kilometern um seinen Arbeitsplatz bezahlen und finden können! Buspuren und breitere Radwege (und Gehwege) sind nur mit einem breiten Konzept zur Verkehrsreduzierung wirklich nachhaltig. Denn sonst verlagert man die Probleme bzw. zwingt die Menschen dazu sich anzupassen. Genau so begann die Autoflut nach dem Krieg auch einmal.

Wieso bauen die Umlandgemeinden dann nicht vor der Stadtgrenze entsprechende Parkplätze für ihre Bürger? Wieso hebt man die Steuern dort nicht an, damit die Umlandgemeinden nicht schneller wachsen als Hamburg?

Ginge es nach Hamburg, könnte die S21 nach Kaki auch längst gebaut werden. Den Hamburger Abschnitt, der einen sehr hohen Kosten-Nutzen-Faktor hat, hat man politisch mit jenem in Schleswig-Holstein verknüpft, damit letzterer noch wirtschaftlich genug ist. Und nun verzögert sich alles wegen Klägern aus dem Umland, nicht aus Hamburg.

Da ist es etwas zu leicht, immer nur mit dem Finger auf die Stadt zu zeigen und zu stänkern. Ansonsten: Anpassung ist ein schönes Wort. Wenn’s im Umland zu nervig ist und man glaubt, Hamburger Radfahrer hätten es besser: einfach nach Hamburg ziehen und mit dem Drahtesel zur Arbeit fahren. Tada.

ich bin seit Ende Maerz in Hamburg als London Fluechtling radelnd unterwegs und ueberwiegend ist das Radwegesystem hier eine einzige Katastrophe. Während ich in London ohne weiteres in die City radeln kann ohne Selbstmord zu begehen, tobt in Hamburg auf den aufgezeichneten Radwegen das reine Chaos. (Dieses System hat man in London bereits 2005 abgeschafft). Es gibt weder genug Platz, Fußgänger werden laufend gefährdet, beim UEberholen kann der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden usw.. Allerdings müssen auch Radfahrer begreifen, dass sie sich im Moment an roten Ampeln hintereinander einreihen müssen. Ohne mehr Disziplin gerade auch hier geht es nicht.

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