Corona-Studie: Ein Viertel befürwortet Einstellung von Nah- und Fernverkehr

Ein Viertel der Bevölkerung hält es laut Studie für angemessen, wenn der Öffentliche Verkehr in Corona-Krise komplett eingestellt würde. Weitere Studie sieht Veränderung des Mobilitätsverhaltens.
Von Christian Hinkelmann
Blick in die Halle des Hamburger Hauptbahnhofs mit einem Regionalzug und einem ICE
Blick in die Halle des Hamburger Hauptbahnhofs mit einem Regionalzug und einem ICE

Kontaktverbot, Grenzschließungen, geschlossene Geschäfte und keine Veranstaltungen mehr: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist das öffentliche Leben in Deutschland seit Wochen weitgehend eingestellt. Und viele Menschen würden offenbar auch noch weitere Maßnahmen für angemessen halten, wie aus einer aktuellen Corona-Studie der Universität Mannheim hervorgeht.

Demnach gaben am vergangenen Wochenende knapp 25 Prozent der Befragten an, dass sie eine Einstellung des Nah- und Fernverkehrs in Deutschland zur Eindämmung der Corona-Pandemie momentan für angemessen halten.

Im Vergleich zu anderen Maßnahmen ist dies der niedrigste Wert. 40,7 Prozent der Befragten halten beispielsweise eine Ausgangssperre, 86,8 Prozent Grenzschließungen und 95,5 Prozent ein Veranstaltungsverbot für angemessen.

Akzeptanz für Verkehrseinstellung nimmt ab

Auffallend ist, dass die Akzeptanz gegenüber einer kompletten Einstellung des Nah- und Fernverkehrs in den vergangenen Wochen stetig gesunken ist. Am 21. März lag s…

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8 Antworten auf „Corona-Studie: Ein Viertel befürwortet Einstellung von Nah- und Fernverkehr“

Rentner und SUV-Boomer ??‍♂️

Verwundert mich nun nicht. Nutzen ihre Dreckschleuder und wollen die Mobilität anderer behindern.

Mehrere Studien zeigen, dass etwa 25 bis 30 Prozent nicht mehr täglich am Arbeitsplatz sind. Und “nur” das hat schon einen derart durchschlagenden Erfolg auf den Straßen und beim Klima? Home-Office ist daher mit großem Abstand der größtmögliche Klimaschutz-Hebel, mit dem man in normalen Zeiten auch noch die Kapazitätsengpässe in Bus und Bahn und im Hauptbahnhof in den Griff kriegen würde.

Eine breite Unterstützung ist dafür sicher: Die Firmen wollen sich für weitere Wellen wappnen und die Betroffenen merken gerade, wie viel Zeit am Stück ihnen jede nicht gemachte Fahrt ins Büro bringt. Die Klimaschützer bekommen endlich die kurzfristige Reduzierung von CO2 anstatt auf den Bau von Bahnstrecken zu warten, die in 10 oder 15 Jahren vielleicht mal Autofahrer zum Umsteigen bewegen. Die Stadtbewohner bekommen so weniger Lärm und weniger Dreck und die Autofahrer sind froh, weil weniger Stau. Diese Gelegenheit muss unbedingt genutzt werden.

Denn am Jahresende werden alle Politiker von Gemeinderat bis Bundestag nun aus der Praxis wissen, wie viele Milliarden es kostet, wenn im ÖPNV Einnahmen zu 75 bis 95 Prozent wegbleiben! Schon die Weiter-Finanzierung des ÖPNV wird ein riesiger Kraftakt, der nur mit Landes- oder Bundesmitteln überhaupt gelingen kann.

Die Frage beim Einnahmen der Verkehrsbetriebe ist ja, wie der Anteil von Zeitkarten ist. Ich schätze im Berufsverkehr sollte er bei 80-90% liegen. Die Leute geben doch ihre Zeitkarten (Monats-oder Jahreskarten) nicht zurück.

Man sollte vorsichtig sein, ohne die genaue Stichprobe zu kennen, das Ergebnis der Studie zu zitieren. Es ist absolut richtig und wichtig, dass der ÖPNV und die Bahn einen (wenn auch etwas ausgedünnten) Regelfahrplan fahren, auch wenn das aufgrund fehlender Einnahmen teuer wird. Es ist schon befremdlich, dass Nahverkehr jetzt sich in den Kreis derer einreiht, die das Hohelied der Autoindustrie singen: Das private Auto mit nur einer Person besetzt ist der beste Corona-Schutz!. Das sind auch diejenigen, die nach dem Ende der Krise wieder zur Sparpolitik alten Stils zurückkehren wollen und einem vorjammern, dass für neue Projekte im ÖPNV kein Geld vorhanden sei, wobei gleichzeitig Kaufanreizmaßnahmen zur Wiederankurbelung der Autoindustrie diskutiert werden. Andersherum wird ein Schuh draus: Die jetzige Verringerung des Verkehrs durch Corona zeigt, wie gut das Stadtklima plötzlich wird, wie entspannt die Städte, wie leer die Straßen, wie lebenswert der öffentliche Raum wird, wenn der MIV eingedämmt wird. Im Zeichen von Corona werden plötzlich Maßnahmen umgesetzt, an die sich zur Herbeiführung einer Verkehrswende niemand herangetraut hätte. Aber genau der Klimawandel erfordert ähnliche Maßnahmen, aber nicht so, dass das Wirtschaftsleben nachhaltig beschädigt wird. Ein “weiter so” nach Corona darf es in der Verkehrspolitik nicht geben.

Wozu gibt es Damentoiletten? Habe ich mein ganzes Leben noch nicht gebraucht!
Ja, es gibt immer wieder Menschen, die Verstehen den Begriff Daseinsvorsorge nicht und auch nicht, dass die klassische Eurpätische Stadt nicht ohne Öffis funktioniert. Wirklich drollig finde ich aber, dass der ÖPNV von einigen in der Corona-Krise in Frage gestellt wird, nicht aber der Internationale Luftverkehr. Wenn man zwei Wochen mit der Bahn von China nach Deutschland unterwegs ist, ist leicht erkennbar, wer an Corona leidet. Und über die auf dieser Strecke nötigen Platzkarten lässt sich leicht heraus finden, wer noch in Quarantäne muss.
OK, es ist nicht wirklich mein Vorschlag, den Luftverkehr komplett einzustellen. Aber tatsächlich ist doch durch die Vielfliegerei das Virus so schnell über die ganze Welt verteilt worden und insbesondere dorthin, wo viel geflogen wird, dass die Regierungen mit Gegenmaßnahmen zu langsam waren. Und zumindest aus dem Anfang der Pandemie in Europa lassen sich Kreuzfahrschiffe und der Ski-Tourismus als wirksame, nachher nicht eingrenzbare Verteiler auf ganz Europa nachvollziehen. Zwei Klima-Euro auf den Liter Kerosion und das Problem wird merklich geringer. Und im Pandemie-Fall eben die nötige Zeit Quarantäne für die Einfliegenden aus betroffenen Gebieten. Nachträglich die Grenzen dicht zu machen ist ungefähr so sinnvoll wie das Zelt zu wenn der Mückenschwarm drinnen ist, den Hai-Schutzkäfig zu schießen, wenn der Hai mit einem drinnen ist oder Faradayschen Käfig zu schließen, wenn sich darin nur eine schwer vom Blitz verletzte Person befindet.
Gruß, Mathias

So wie der ÖPNV vor drei Wochen ablief mit tw. so überfüllten Bahnen, dass nicht mal jeder einen Stehplatz fand, konnte ich mir die Einstellung des Verkehrs auch gut vorstellen. Ich möchte überhaupt nicht wissen, wieviele Erkrankungen durch die dort erzwungenen Kontakte verursacht wurden. Aber inzwischen hat der Bedarf durch die vielen anderen Einschränkungen so stark abgenommen, dass das Risiko in Bussen und Bahnen derzeit im Allgemeinen gut beherrschbar ist. Es gibt halt kaum andere Ziele als den Arbeitsplatz.

Ganz schlecht ist allerdings, dass die Bahn nun anfängt, die Züge zu kürzen und Bauarbeiten auf Biegen und Brechen durchführt. Da sollte der Staat nun eingreifen, weil das erhebliche Probleme verurschacht. Gestern hat z.B. ein um ein halbe Stunde verspäteter Zug dazu geführt dass der nachfolgende Zug, die Fahrgäste beider Züge aufnehmen musste (bei halber Kapazität, da verkürzt), dann doch recht voll war. Das war grentwertig.

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