Die Geschichte hinter Hamburgs Dorf-U-Bahn

Warum fährt die U-Bahnlinie U1 im Hamburger Nordosten eigentlich weit bis aufs Land hinaus? Die Strecke wurde vor über 100 Jahren mit voller Absicht so geplant - wegen einer aus heutiger Sicht lächerlichen Rivalität. Das ist die ganze Geschichte.
Frank Muth
Hamburgs Dorf-U-Bahn zwischen den Stationen Buckhorn und Hoisbüttel. Im Berufsverkehr fährt hier alle 10 Minuten ein Zug.
Hamburgs Dorf-U-Bahn zwischen den Stationen Buckhorn und Hoisbüttel. Im Berufsverkehr fährt hier alle 10 Minuten ein Zug.

Wer auf den HVV-Linienplan in Hamburg schaut, bemerkt schnell eine Besonderheit: Im Nordosten fährt die U-Bahn quasi bis aufs Dorf, während anderswo ganze Stadtteile mit riesigen Wohnsiedlungen vom U- und S-Bahn-Netz abgehängt blieben. 

Diese Überlandabschnitte machen die U1 mit einer Streckenlänge von insgesamt 55 Kilometern zur längsten U-Bahnlinie Deutschlands.

Warum ist das so? Wieso fährt dieses Innenstadt-Massentransportmittel in eher dünn besiedelte Bereiche am äußersten Stadtrand und sogar ins holsteinische Umland hinaus?

Aus heutiger Sicht mag man die Gründe dafür kaum glauben. Es ging um alte Rivalitäten, um Steuer-Einnahmen und auch Hamburger Stolz.

NAHVERKEHR HAMBURG erzählt hier die Geschichte hinter dieser kuriosen U-Bahn-Strecke.

Um die Hintergründe der Dorf-U-Bahn nach Ohlstedt und Großhansdorf zu verstehen, müssen wir tief in die Vergangenheit zurück. Ende des 19. Jahrhunderts explodierten die Einwohnerzahlen in Hamburg regelrecht. Städte waren attraktiv und boten Arbeit, während es den Menschen auf dem Land nicht gut ging. Im Raum Hamburg brummte die Wirtschaft. Die Anziehungskraft war daher riesig.

Hamburg platzte aus allen Nähten

Doch woher die dringend benötigten Flächen für neue Wohngebiete nehmen? Das Hamburger Stadtgebiet war damals noch viel kleiner als heute: Altona gehörte beispielsweise noch nicht dazu. Bei der Straße “Schulterblatt” war bereits die Grenze zu Preußen (siehe hier). Auch Wilhelmsburg im Süden und Wandsbek im Osten waren preußisches Gebiet. Kurz: Die Stadt platzte aus allen Nähten. 

Dazu kam: Hamburg und das Königreich Preußen mochten sic…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Frank Muth erlebte als Fahrgast in mehreren Städten mit, wie sich die Straßenbahn zur Stadtbahn oder Niederflurtram weiterentwickelte. Das weckte in ihm die Frage, wie Bahnsysteme funktionieren, woran sie im Alltag oft scheitern — und wie sich das ändern ließe. Frank Muth schreibt seit vielen Jahren für die Fachpresse über Verkehrsmittel, ihre Geschichte und über die Zukunft der Mobilität.

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15 Antworten auf „Die Geschichte hinter Hamburgs Dorf-U-Bahn“

In Wandsbek -Gartenstadt geboren und Großeltern (mütterlicherseits) in Großhansdorf besucht! U-Bahn fahren als Kind war Abenteuer!Geboren 1950!😏

Sehr interessanter Artikel, vielen Dank. Ein Besuch am nie gebauten Bahnhof Beimoor hinter Großhansdorf ist sehr empfehlenswert. Und auf Maps kann man noch ab S Bahn Poppenbüttel die Schneise erkennen, die jahrzehntelang für eine Weiterführung Richtung Norden freigehalten wurde. Erst in den letzten Jahren wurde auf dem Gebiet Wohnungsbau betrieben.

das liesse sich relativ einfach umsetzen in Ahrensburg; Einfach den Bahnsteig Richtung S-Bahn verlängern und unter der bestehenden Brücke einen Fahrstuhl einbauen bzw. eine Treppe. Mit etwas Fantasie läßt sich das sehr elegant und auch preiswert umsetzen. Aber ich befürchte, daran fehlt es auch hier. Wahrscheinlich wird wieder erwartet, daß die Umsteiger Treppe runter, rüber über die Straße zum U Bahn Vorplatz wandern und dann Treppe runter zur U Bahn.

Kurze Frage in die Runde: Möchten Sie in Zukunft mehr von solchen Historien-Geschichten über den Hamburger Nahverkehr lesen? Und falls ja: Wie häufig und worüber genau?

Beste Grüße, Christian Hinkelmann

Ja unbedingt. Mich würde generell auch interessieren wie im einzelnen in der jüngeren Vergangenheit U Bahnhöfe wie z.b Niendorf Nord (von Niendorf Mitte) oder auch die U3 Ergänzung nach Mümmelmannsberg entwickelt wurden, warum sie so angelegt wurden, welche Kosten damals entstanden bzw. welche Rolle in den achtziger bei den Entscheidungen der Bau von Atombunkern spielte (bzw. wie wurden U Bahnen eigentlich generell finanziert, stimmt es, daß HH ohne Bundeszuschüsse die Erweiterung der U1 nach Wandsbek Anfang der sechziger Jahre ohne Bundeszuschüsse gebaut hat. Entsprechende Informationen dazu sind im Internet doch recht spärlich.

Ich finde den Beitrag sehr spannend! Mich würden auch die „Geisterbahnhöfe“ interessieren, die nie genutzt wurden (in Steilshoop, Hauptbahnhof Nord,…). Außerdem die Entwicklung zur Erweiterung des Hauptbahnhofs.
Historische Fotos und Pläne wären eine tolle Ergänzung!

Vielen Dank für diesen informativen Geschichtsbeitrag! Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.
So etwas macht NAHVERKEHR HAMBURG immer wieder interessant.

Danke für diesen Artikel. Ja, das Flair da draußen auf der U1 ist irgendwie ganz besonders. Wirklich eine schöne Strecke durchs Grüne und wenn man genau hinguckt, kann man in den Stationen viele kleine Relikte aus der Anfangszeit entdecken.

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