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Neue Mobilitätsdienste spielen im Hamburger Alltag (noch) kaum eine Rolle

Obwohl E-Scooter, Carsharing, Leihräder und On-Demand-Busse das Hamburger Stadtbild prägen, zeigen aktuelle Daten, dass sie im Vergleich zu HVV, eigenem Auto und Fahrrad im tagtäglichen Alltagsverkehr kaum genutzt werden. Ausgerechnet ein besonders umstrittenes Verkehrsmittel schneidet unter „den Neuen“ in einer Studie am besten ab.
Christian Hinkelmann
Neue Mobilität: Abgestellte E-Scooter an einem U-Bahnhof in Hamburg.
Neue Mobilität: Abgestellte E-Scooter an einem U-Bahnhof in Hamburg.
Foto: Christian Hinkelmann

E-Scooter, die überall am Straßenrand und auf Plätzen herumstehen, Carsharing-Autos, die die Parklücken vorwiegend in Wohngebieten füllen und alle paar Minuten ein goldener Shuttlebus von Moia, der vorbeigeflitzt. Die vielen neuen Mobilitätsdienste, die sich seit Jahren immer zahlreicher als Alternative zum eigenen Auto und zum öffentlichen Nahverkehr anbieten, gehören inzwischen zum gewohnten Alltagsbild im Hamburger Straßenverkehr und haben eine auffallend hohe Sichtbarkeit – hauptsächlich in den zentraleren Stadtteilen.

Rund 4.300 Carsharing-Autos gibt es derzeit in Hamburg, ca. 3.600 Stadträder, 320 Moia-Busse, 28 HVV-hop-Shuttles (ehemals Ioki) und eine kaum überschaubare Masse von rund 20.000 E-Scootern. Den Auftakt machte vor 14 Jahren die Deutsche Bahn mit dem Stadtrad-Verleihsystem. Damals eine Revolution. 2011 die nächste Neuheit: Carsharing ohne feste Stationen. Daimler und Europcar brachten das wegweisende Modell unter dem Namen Car2go neu in die Hansestadt. 2013 zog BMW mit DriveNow nach. Im Sommer 2017 startete dann der erste On-Demand-Shuttledienst Clevershuttle von der Deutschen Bahn und brachte eine ganz neue Mobilitätsform auf den Straßen. 2018 und 2019 folgten Ioki und Moia. Und im Sommer 2019 verbreiteten sich über Nacht überall in der Stadt neuartige E-Scooter.

Die Stadt Hamburg ist stolz auf diese New-Mobility-Dienste. Gern präsentiert sie sich als Vorreiter für neue Mobilität und bietet sich der Branche als Experimentierfeld an. Doch obwohl Räder, Roller und Shuttles inzwischen fest zum Hamburger Stadtbild gehören und mancherorts sogar ziemlich dominant wirken, spielen sie im tatsächlichen Alltag der Hamburgerinnen und Hamburger noch immer kaum eine Rolle.

Das geht aus neuen Zahlen einer Mobilitätsstudie im Auftrag der Hamburger Verkehrsbehörde hervor. Eine erste Kurzfassung dieser Studie mit dem Namen „MobiHam“ hatte die Behörde bereits im Mai veröffentlicht. Kürzlich wurden daraus weitere Detailergebnisse genannt.

Demnach ist die Nutzung von Carsharing, Leihrädern, E-Scootern und On-Demand-Shuttles im direkten Vergleich zu den traditionellen Verkehrsmitteln, wie HVV, Auto, Fahrrad und das Zufußgehen sehr niedrig.

Und: Ausgerechnet eine Fahrzeugkategorie, die in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit die meiste Aufregung erzeugt hatte, ist von den Nutzungszahlen her unter den neuen Fortbewegungsmitteln am erfolgreichsten.

Die Ergebnisse im Detail

Insgesamt hatte die Hamburger Verkehrsbehörde für die MobiHam-Studie im vergangenen Jahr 8.350 zufällig ausgewählte Menschen schriftlich, telefonisch und online befragen lassen – in deutscher, englischer und türkischer Sprache. Eine Runde fand zwischen April und Anfang Juli statt, die andere im Oktober und November. Die Studie gilt aufgrund der hohen Fallzahl als repräsentativ.

Das sind laut der Untersuchung die vier beliebtesten Fortbewegungsarten in Hamburg:

  • Zufußgehen
    Ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht das Zufußgehen. 79 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mindestens einmal im Monat Fußwege zurücklegen. Das ist deutlich weniger als bei der letzten Befragung dieser Art im…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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5 Antworten auf „Neue Mobilitätsdienste spielen im Hamburger Alltag (noch) kaum eine Rolle“

Man sollte die störenden E-Roller, so wie in Paris komplett, verbieten. Sie dienen lediglich der Touristenbespaßung oder für völlig überflüssige Fun-Fahrten von (häufig zwei und zudem noch übergewichtigen) Jugendlichen und dienen keinem echten Verkehrsbedürfnis. Spannend wäre gewesen in der Studie zu ermitteln wohin die ehemaligen Nutzer des Stadtrades hin abgewandert sind. Zu vermuten ist, dass eine Teil der jetzt nicht mehr mit dem Stadtrad durchgeführten Fahrten mit den Rollern erfolgt. Klar Radfahren erfordert eine gewisse körperliche Anstrengung, da ist Rollerfahren leichter.
Auch bei Moija stellt sich die Frage, wielange VW dieses Geschäftsmodell noch finanziell unterstützt. Angesichts der Tatsache, dass man selten ein Moija Fahrzeug mit mehr als einem Passagier sieht, kann der Betrieb nur hochdefizitär sein. Und ich bin gespannt, wann Moija bei der Stadt um Subventionen anklopft, um ihren „ach so sehr wichtigen“ Service weiter durchführen zu können.
Wie methodisch blind die Studie ist, zeigt sich darin, dass nur Ioki und Moija aks on Demand-Dienst betrachtet werden, dagegen Taxis nicht, aber letztlich sind Taxen nichts anderes als ein (etwas teurer) on Demand Dienst.
Und last but not least, wäre auch zu ermitteln gewesen, um wieviel höher der ÖPNV-Anteil wäre, gäbe es in Hamburg eine Straßenbahn. Jeder weiß, dass bei einer Umsellung einer Buslinie auf eine Straßenbahn die Passagierzahlen ohne jegliche Werbung um 30% steigen. Aber das wäre bei der jetzigen Straßenbahnphobi des Hamburger Senats zu viel verlangt!

Wie ging die Datenerhebung denn von statten? Wurde da gefragt ob man 1-3x monatlich/wöchentlich/täglich fährt (also nach der eigenen Wahrnehmung), oder nach *allen* Wegen gefragt, und entsprechend ausgewertet?

Auf den E-Rollern sehe ich fast nur männliche Jugendliche. Und ich bezweifle, dass es sich in der Regel dabei um Fahrten handelt, welche ohne E-Roller auf andere Weise durchgeführt worden wären. Nein, ich glaube, der Spaß steht im Vordergrund.

Und da haben wir das Dilemma von umweltfreundlichen und preisgünstigen Alternativen zu den herkömmlichen Verkehrsmitteln: Sie sollen die Menschen motivieren, auf den privaten PKW zu verzichten. Soweit die Theorie. Aber in der Praxis führen solche neuen System zu mehr Mobilität, was dem Klima nicht dienlich ist. Dies gilt leider auch ausdrücklich fürs 49-Euro-Ticket.

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