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Zusätzliche S-Bahnlinie nach Harburg verzögert sich um weitere Jahre

Dritte S-Bahnlinie über die Elbe kommt noch später und wird zur Endlos-Geschichte. Warum dauert die Einführung einer neuen Linie auf bestehenden Gleisen so lange? Warum ziehen sich die Planungen nun schon über mehr als ein Jahrzehnt hin? Das sind die Hintergründe und deswegen sind weitere Verzögerungen nicht ausgeschlossen.
Christian Hinkelmann
S-Bahnzug an den Hamburger Elbbrücken.
S-Bahnzug an den Hamburger Elbbrücken.

Es klang nach einer außerordentlich guten Nachricht, die Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks von den Grünen und Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke am Dienstag vor der versammelten Presse und anschließend in den sozialen Netzwerken verbreiteten: Hamburg bekommt eine neue S-Bahnlinie. „Die S6 kommt“, hieß es. Ende 2029 soll die dritte Linie über die Elbe fahren.

Was sie dabei allerdings nicht verrieten und was von der breiten Öffentlichkeit auch kaum bemerkt wurde: In dieser wohlklingenden Nachricht steckt für Fahrgäste eine äußerst ärgerliche und negative Botschaft. Stadt und Bahn haben das Projekt nämlich geräuschlos um zwei weitere Jahre nach hinten verschoben. Eigentlich sollte die neue S6, die früher S32 genannt wurde, schon Ende 2027 an den Start gehen. Ursprünglich war sogar mal von 2011 die Rede.

Was die Gründe für die erneuten Verzögerungen sind, wie lang und wirr die Geschichte dieses Projekts inzwischen ist, warum weitere Verzögerungen offenbar nicht ausgeschlossen sind und auf welche Verbesserungen sich die S-Bahn-Fahrgäste in ganz Hamburg im nächsten Jahrzehnt freuen können, lesen Sie in diesem Hintergrundbericht.

Die neue S-Bahnlinie S6 steht offenbar unter keinem guten Stern: Im Sommer 2010 hatte sie S-Bahn-Chef Arnecke in einem Zeitungsinterview erstmals angekündigt und ein hohes Tempo in Aussicht gestellt. Ende 2011 sollten die ersten Züge von Harburg über die Elbe bis nach Altona fahren – als Verstärkung für die beiden hochbelasteten Linien S3 und S31. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Die Gründe wechselten: Zuerst waren nicht genügend Züge da, dann fehlten zusätzliche Weichen und Signale, dann war ein neues Stellwerk nötig und zuletzt haperte es an der Stromversorgung, die zwar prinzipiell eine dritte Linie über die Elbe erlauben würde, aber laut Senat so schwach ausgelegt ist, dass dann alle Züge auf der Strecke nur noch mit verminderter Geschwindigkeit anfahren könnten. Das würde die Fahr…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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19 Antworten auf „Zusätzliche S-Bahnlinie nach Harburg verzögert sich um weitere Jahre“

Habe ich das hier und in der Drucksache richtig gelesen, dass die 2018 unter Monaten Sperrung eingebauten Weichentrapeze an der S2 wieder abgebaut werden? Weil man sie im Regelfall nicht braucht? Und was ist mit unvorhergesehenen Fällen? Ach ja, ich vergaß. Wer in Hamburg Bahn fährt ist aus Sicht des Rennrad-Senators selbst schuld.

Und wie lange wird dafür gesperrt, wieder 8 Wochen?

Leider reiht sich die Nachricht zur S6 ein in die Reihe: Für eine bedarfsgerechte , termingerechte Planung und Bau ist bei der der Bahn niemand zuständig. Da kann die Mobilitätsbehörde nur wenig bis keinen Einfluss nehmen. Es stellt sich die Frage, ob die Bahn mit der Aufrechterhaltung, Sanierung und Neubau von Infrastruktur nicht schon lange überfordert ist.

19 Jahre für eine Taktverdichtung auf einer bestehenden Linie. 19 Jahre seit der ersten Ankündigung. Wenn sie denn überhaupt 2029 wirklich kommt. Trotz der drängenden Probleme, die durch die Elbbrückensanierungen auf die Menschen zukommen.

Was ich daran ehrlich gesagt fast noch frustrierender finde als die ewigen Verschiebungen an sich, ist die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Keine Entschuldigung, kein Bedauern. Niemand trägt Verantwortung, immer waren andere oder andere Gründe Schuld. Kein aufrichtiges „Wir wissen, ist echt blöd gelaufen, tut uns leid“.
Stattdessen wird einfach so getan, als ob der Zeitplan immer so gesetzt war und die Sache als gute Nachricht verkauft.

Und das ist ja nur eines von vielen Beispiel. Offene Fehlerkultur, Transparenz und eine Kommunikation auf Augenhöhe finden einfach nicht statt, es scheint nicht im Ansatz ein Bewusstsein dafür zu geben. Mal ganz davon abgesehen, dass die Geschichte wieder mal zeigt, dass ÖV in Deutschland einfach keine Lobby hat, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz.
Und dann beklagen sich dieselben Menschen über Politikverdrossenheit und dass die Bevölkerung zunehmend das Gefühl hat, dass unser politisches und bürokratisches System dysfunktional ist? Vielleicht mal mehr Selbstkritik und bessere politische Arbeit machen. Dann wählen die Leute auch wieder weniger noch schlechtere Parteien.

Die U4 wird nach Fertigstellung der Strecke bis Horner Geest recht wahrscheinlich dann mittelfristig auch bis Jenfeld geplant. Und für Wilhelmsburg läuft die Machbarkeitsuntersuchung ja gerade. Ich wüsste nicht, dass diese „schon längst hätte fertig sein sollen“.

Im Oktober 2021 hieß es, dass im folgenden Frühjahr die Fertigstellung geplant ist. Also vor anderthalb Jahren. Seitdem hört man nur regelmäßig etwas von Fortschritten beim Stummel zum Grasbrook bzw. Moldauhafen.

So ist es, wie Lokstedter schon geschrieben hat.
Alles weitere sind leider bisher nur fromme Wünsche. Was habe ich hier und auch im Hochbahnblog schon so oft die U4-Anbindung von Jenfeld thematisiert. Von der Hochbahn kam dann sinngemäß die Antwort, dass das Ganze eine Entscheidung der Politik sei.
Solange sich also da nichts tut, kann die Hochbahn nichts machen, auch wenn sie gerne möchte. Und bisher wurde ja immer kommuniziert, „dass Jenfeld mit der S4 angebundenen wird“. (Auf den Stadtplan möchte ich jetzt nicht wegen dieser Aussage schauen. 😒) Ansonsten gibt’s für Jenfeld halt Busse, Busse, Busse. Siehe auch die ganzen Lobhudeleien um den „in Jenfeld aufgewachsenen“ Verkehrssenator, der als Grüner sich sicher ganz woanders heimisch fühlt. (Wochenblatt vom 14.01. oder „Wandsbek informativ“ 02/2023)

Übrigens hatte ich gestern auch etwas zu diesem Thema im Hochbahnblog kommentiert. Dort dauert die Veröffentlichung in der Regel etwas länger.

Es mag zynisch klingen, aber die Menschen, welche sich in überfüllte Züge quetschen, haben offensichtlich keine bessere Alternative.

Die Verkehrswende muss nicht auf stark frequentierten Strecken forciert werden, sondern dort, wo die Züge halbleer fahren.

Als Regionalverbandsvorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn kann ich ohne tiefere Abstimmung wohl so viel sagen, dass wir sehr froh sind, dass sich überhaupt etwas bewegt. (Punkt!)
Und wir sind sehr verwundet, dass da nicht mehr Druck hinter ist, denn sowohl die Norder- als auch Süderelbbrücken müssen dringend saniert werden. Die Zollbrücken neben der S-Bahn Station Veddel werden gerade ausgetauscht. In Wilhelmsburg wird ein Überwerfungsbauwerk benötigt und entstehen, das Güterzüge niveaufrei auf die Gleise der Güterumgehungsbahn, östlich der Personenzuggleise, bringt. Dabei wird wohl der Regional- und Fernverkehr längere Zeit zwischen Harburg und Hauptbahnhof auf die S-Bahn ausweichen müssen. Und das bei schon jetzt chronisch überlaster S-Bahn. Mehr Druck aber auch Transparenz, wo es an Entscheidung fehlt, wäre hilfreich.

Ich denke die wichtigste Nachricht ist die Vorfinanzierung durch die Stadt. Bisher war es doch so dass immer wenn ein Problem auftrat (Anzahl Züge, Strom, Stellwerk) es erstmal 1-2 Jahre Stillstand gab während man darüber grübelte wie die Sache den bezahlt werden könnte.

Insbesondere wenn es der Stadt gelingt in ein paar Jahren doch GVFG-Mittel für diese Arbeiten zu bekommen, denn dann stehen die 425 Millionen ja für die (Vor-)Finanzierung von andere ÖPNV-Projekten zur Verfügung.

(In viel kleineren Maßen spiele ich dasselbe Spiel auch bei meiner Arbeit. Wenn ich zusätzliche Zuschüsse einwerbe darf ich die ersparten Eigenmittel behalten – und so sind immer noch einige zehntausend Pfund aus dem Grafschaftshaushalt von 2018 übrig.)

Wetten, der S4-Zeitplan wird in den nächsten Monaten auch noch um mindestens drei Jahre verschoben? Die S-Bahn ist für die Klimawende endgültig ein Totalausfall. Nichts ist dort egaler als der Fahrgast!

Elf Jahre um auf einer bestehenden Strecke zusätzliche Züge verkehren zu lassen. Aber wahrscheinlich werden daraus noch 12 oder gar 15 Jahre.

Als Fahrgast gibt es nur einen Ausweg: Wenn man sich solcher Verschaukelung nicht mehr aussetzen will, kauft man sich ein E-Auto oder ein E-Bike und wählt diesen Senat ab, der sich von der Bahn nur auf der Nase herumtanzen lässt.

Das Dumme wird ja sein, dass wir in Osdorf oder Wandsbek, Harburg usw. diesen
Senat nicht abwählen können, dazu bekommt er in anderen Stadtteilen zu viel Stimmen. …und der Verkehrssenator wird der Verkehrssenator bleiben. 😉

Da das Problem bereits seit 2007 drückt und zuvor sehr absehbar war (damals Ersatz der Pfeilerbahn), gibt es jetzt außer Heike Sudmann, kaum eine politische Partei, die es nicht versäumt hat, dieses Problem anzugehen.

Das wäre aber auch sehr dumm – denn seit die Grünen seit 2020 den Verkehrssenator stellen hat sich ja nun wirklich viel getan.

Klar – es gibt immer noch Verzögerungen zu erklären weil vorher nichts passiert ist. (Und insbesondere wo die DB arbeitet wird es weitere geben. Und SH mit seinen schwarz-rot-gelben Verkehrsministern – au weia…) Aber dass die Stadt massiv eigenes Geld in die Hand nimmt um mal Fortschritt zu erzielen hat es seit 50 Jahren nicht mehr gegeben…

Ja, für Altona, Eimsbüttel, St. Pauli und co. sicherlich. Aber eben nicht für die bisher schon abgehängten Gegenden. (Und da möchte ich nicht mal nur von meiner eigenen anfangen.) Die werden dann maximal mit Bussen abgespeist oder mit „autonomen Fahrzeugen“ immaginiert. Oder eben auf S4en, U4-Verlängerungen, S6en usw. irgendwann weit in den 2030ern vertröstet.

„Zudem soll im Tunnelbahnhof Altona ein Wendegleis so verlängert werden, dass dort künftig die S31 mit Langzügen (9 Waggons) wenden kann.“

Das wäre dann ja die neue S5, oder? Ich dachte, die soll als Vollzug kurz nach der S3 als Langzug fahren.

Aber ab von solchen Details ist die Nachricht schon bitter. Und in zwei Jahren heißt es dann „voraussichtlich 2031“, während der Wohnungsbau voranschreitet und immer mehr Fahrgäste zu erwarten sind.

Hallo Lokstedter,
das wird sich auf den Ist-Zustand bis Fahrplanwechsel beziehen, der ja leider immer noch überall kommuniziert wird. Gemeint sind da meiner Meinung nach die Bergedorfer Verstärkerzüge der S2. Die sollen ja auch in Zukunft als Langzüge fahren (vermutlich nach Anpassung der Bahnsteige). Die S5 bekommt ja auch irgendwann Langzüge, wohl nur im Gleichstromabschnitt, fährt aber nicht über Altona Mitte.

Vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Es wäre interessant, wenn Sie irgendwann noch tiefer recherchieren, inwiefern die angeblich bestellten Züge wirklich bestellt wurden und wie die Gesamtflotte im Laufe der Jahre aussehen wird. Da kommt die Einsatzverlängerung der Baureihe 474 hinzu. Es scheint alles ziemlich chaotisch und unkoordiniert zu sein.

Es „schreit“ ganz einfach nur noch nach einer schnellstmöglichen U4-Verlängerung nach Wilhelmsburg und Harburg. Warum tut sich da nichts?
Dann bestünden zwei verkehrlich getrennte Linien im jeweils 5-Minuten-Takt (S3/S5 und U4). Verbunden mit einer dadurch besseren Erschließungswirkung müsste das ausreichen, und eine S6 ist nicht mehr nötig.
Denn deren Fahrplanlage wird unbedingt für einen 5-Minuten-Takt auf der S4 gebraucht. Ein nur 10-Minuten-Takt auf der S4 ist in Zukunft absolut nicht ausreichend, selbst nicht mit Langzügen. Da kann es dann irgendwann passieren, dass man trotz Langzug z.B. nicht mehr von Rahlstedt zum Jungfernstieg mitgenommen werden kann, auch nicht mit Stehen im Zug. 😉

Wenn sich Frau Sudmann nur einmal so für Wandsbek engagieren würde, wie sie für Altona oder den Süden tut! Da kommt leider immer nur das Gegenteil, wie eine Straßenbahn anstelle der U5 nach Bramfeld. Sicher ist da auch in Zukunft nichts zu erwarten, auch nicht von der Abspaltung u.a. um die Bundestagsabgeordnete.

Anstelle einer U4 nach Harburg schlug sie auch schon eine Straßenbahn bis nach Kirchdorf vor. Da der Bau der U5 läuft, müssen halt andere Projekte im ÖPNV torpediert werden. Aber um die Verlängerung der Schnellbahn ist es tatsächlich ziemlich ruhig geworden. Eigentlich sollte dazu eine Studie längst fertig sein, aber nun ja, die S6 kommt wohl dieses Jahrzehnt nicht mehr, aber sicherlich vor der U4 bis zumindest ins nördliche Wilhelmsburg. Sofern sie der Politik nicht auf einmal zu teuer wird. Hier im Bezirk können wir ja noch eine Magnetschwebebahn bauen. Ist für ein paar HSV-Spiele und Konzerte doch ganz charmant. Vielleicht könnte man sie nicht nur nach Altona bzw. Bahrenfeld planen (oder zum Elbstrand?), sondern auch in Gegenrichtung hier nach Lokstedt und dann weiter nach Eppendorf und Winterhude/Stadtpark. Zudem sollte die GUB für den Personenverkehr genutzt werden, um Redundanzen zu haben. Da ist für Wandsbek oder irgendwas südlich vom Elbtower leider keine Zeit. Kann man nichts machen.

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