Der Weg ist das Ziel: Pariser Grafiker erfindet HVV-Pläne neu

Der HVV-Schnellbahnplan ist altbekannt. Ein Grafiker aus Frankreich hat ihn jetzt radikal verändert – ohne Auftrag. Was ihn antrieb, obwohl er noch nie in Hamburg war und wie er solche Karten künftig automatisch erstellen will, verrät er im Interview.
Matthias Schinck
Ein Ausschnitt aus einem HVV-Linienplan des Grafikers Jug Cerovic.
Ein Ausschnitt aus einem HVV-Linienplan des Grafikers Jug Cerovic.

Sie existieren in fast jeder Großstadt weltweit und sollen einen schnellen Überblick verschaffen: Die schematischen Liniennetzpläne des öffentlichen Nahverkehrs. Mal sehen sie etwas aufgeräumter aus, mal sehr überladen.

Der in Frankreich lebende Architekt und Grafiker Jug Cerovic hat es sich zum Ziel gesetzt, solche Pläne neu und übersichtlicher zu gestalten. Bis heute hat er über 50 Netzpläne von Städten aus aller Welt erstellt und einen Großteil davon in einem Buch veröffentlicht. Sein neuestes Werk ist eine detaillierte Schnellbahn-Netzkarte von Hamburg, in die er mehrere Monate unbezahlte Arbeit investiert hat. 

Wie seine eigenen HVV-Pläne aussehen, warum er das getan hat und ob er schon Kontakt mit dem Verkehrsverbund hatte, verrät er im Interview mit NAHVERKEHR HAMBURG exklusiv. 

NAHVERKEHR HAMBURG: Herr Jug Cerovic, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ungefragt den ÖPNV in Hamburg verbessern zu wollen?

Jug Cerovic: Nach den meisten Projekten, die ich anpacke, werde ich nicht gefragt. Es ist ein genereller Ansatz von mir. Ich habe Lust etwas zu tun und mache es dann einfach. Manchmal wird daraus ein Auftrag, manchmal etwas Konkretes und jedes dieser Projekte kann anderweitig verwendet werden.

NAHVERKEHR HAMBURG: Sie arbeiten als Architekt?

Cerovic: Ich habe Architektur studiert und betreue einige Architekturprojekte in Paris, aber Karten sind meine Passion. Seit ich ein Kind bin, male ich Karten. Als ich vor circa zehn Jahren in meine Heimatstadt Belgrad zurückkam, gab es nicht wirklich einen Netzplan, den man verwenden konnte. Sie können zwar ein paar Omas am Straßenrand fragen, wohin der Bus fährt aber kaum jemand weiß das genau. Als ich acht Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir nach Paris. Ich wollte für Belgrad eine ähnliche Karte zeichnen, wie ich sie von Paris kannte. Ich musste nichts Neues erfinden. Ich benutze einfach die gleichen Farben, Linien und Symbole und erstellte eine Karte für Belgrad.

Ich habe mit einer Architektursoftware angefangen, aber das war nicht das Richtige. Also habe ich mir das Grafikprogramm Illustrator beigebracht und zeichnete die Karte. So fing das damals an. Ich habe es immens genossen, weil es funktionierte.

NAHVERKEHR HAMBURG: Waren Sie mal irgendwann in Hamburg und welche Städte reizen Sie besonders? Man findet ja über 50 Karten auf Ihrer Website.

Cerovic: Ich war noch nie in Hamburg. Ich war nur in wenigen dieser Städte. Ich würde sogar sagen, dass es besser ist, die Städte nicht zu kennen. Ansonsten machen Sie Ihre Arbeit nicht richtig. Ich war damals nicht zufrieden mit der existierenden Paris-Karte. Früher war die Karte gerade einmal so groß wie zwei Kreditkarten. Sie war fantastisch. Als im Jahr 2000 die neue Karte eingeführt wurde, war ich nicht glücklich damit. Ich entdeckte damals, dass die grafische Sprache weniger wichtig war. Es ist vielmehr die Struktur der Karte, die wichtig ist. Es ist wie bei einem Gebäude: Sie können zwar eine Fassade anbringen, aber wenn die Struktur nicht gut ist, wird es zusammenbrechen. Ich probierte es mit einigen anderen Städten aus und es endete in einem Megaprojekt. Mittlerweile umfasst es 60 oder 70 Städte. Als Reisende wären wir über eine Universalkarte glücklich. Jedes Mal, wenn ich eine neue Stadt besuche, muss ich die neue Struktur der Karten erlernen.

Schritt für Schritt die städti…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Matthias Schinck ist hauptberuflich Informationsgrafiker, Artdirector und Zeitungsmacher. Daneben schreibt er darüber, was ihn bewegt: Bus, Bahn und Rad. Für eine Weile lebte er in einem Van und ist Experte für mobiles Arbeiten. Der Liebe wegen hat er in Hamburg den Anker geworfen.

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7 Antworten auf „Der Weg ist das Ziel: Pariser Grafiker erfindet HVV-Pläne neu“

Der HVV-Plan ist auf jeden Fall verbesserungswürdig, vor allem das eckige Design.

Allerdings ist auch am hier vorgestellten Design einiges noch sehr unglücklich gestaltet. Ich vermute mit besserer Ortskenntnis ließe sich das aber beheben. Von der Grundidee ergeben sich auf jeden Fall Vorteile.

Als bisher bessten HVV-Plan empfinde ich den von Lars Hänsich, wie er auf Wikipedia zu finden ist.

Wollte auch gerade die Hänisch-Pläne erwähnen. Die sind super. Übersichtlich, irgendwie schöner als die “normalen” USAR-Pläne und beinhalten betriebliche Besonderheiten, wie z.B. die S11, S2.

Die Integration von S, U-Bahn und Buslinien in einen Liniennetzplan ist sicher verdienstvoll. Aber in den Plänen die U-Bahn stärker zu betonen als die S-.Bahn, die in Hamburg doppelt soviel Leute transportiert wie die U-Bahn ist falsch. Es sollte eine klare Hierarchie zwiswchen den Verkehrsmitteln geben, alles andere irritiert den ortsunkundigen Nutzer

Den ortsunkundigen interessiert die Verkehrsleistung und Netzlänge sicherlich sehr. Davon abgesehen: Menschen werden befördert, nicht transportiert. Einführungsveranstaltung, erstes Semester.

Da idealer Weise die Strichstärken vom Hamburger Lieblingsfahrzeug einerseits und von U-/S-Bahn andererseits so prägnant unterschiedlich gewählt wurden, passt dafür als zusätzliche Information noch gut eine mittlere Linienstärke zur Unterscheidung für ein weiteres Verkehrsmittel auf den Plan. ?
Einziger Nachteil dieses Netzentwurfs ist meiner Meinung nach nur die einheitlich graue Färbung der S-Bahn-Linien. Da sollten auch die Linienfarben benutzt werden.

PS:
In den gemeinsamen Abschnitten von S-Bahn-Linien könnte der Strich in den entsprechenden Farben schraffiert werden. Dadurch würden bis zu vier dicke Linien nebeneinander vermieden werden und es wären trotzdem alle Informationen vorhanden.

Mir gefällt der obere Plan dennoch besser. Der wirkt so elegant und geschmeidig wie die plattdeutsche Sprache, die eher wie Schlittschuhlaufen statt auf Stelzen gehen ist. Kann aber auch daran liegen, dass ich so gerne mit dem Bus dahingleite.

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