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Hochbahn arbeitet an längeren Bahnsteigen für die U3

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks verkündet in NAHVERKEHR HAMBURG-Veranstaltung, dass die Hochbahn an einem neuen Ausbauprogramm für die U3 arbeitet, gibt Einblicke, warum in diesem Jahr keine HVV-Angebotsoffensive zu erwarten ist und wie die ersten Ideen zur Integration von selbstfahrenden Bussen in den HVV-Tarif aussehen.
Christian Hinkelmann
Auf keiner U-Bahnstrecke in Hamburg sind die Bahnsteige so kurz wie auf der U3 - hier beispielsweise an der Haltestelle Borgweg gut zu erkennen. In den nächsten Jahren sollen diese Bahnsteige verlängert werden.
Auf keiner U-Bahnstrecke in Hamburg sind die Bahnsteige so kurz wie auf der U3 - hier beispielsweise an der Haltestelle Borgweg gut zu erkennen. In den nächsten Jahren sollen diese Bahnsteige verlängert werden.
Foto: Christian Hinkelmann

Auf keiner anderen U-Bahnstrecke in Hamburg fahren so kurze Züge wie auf der historischen Ringlinie U3. Der Grund ist simpel: Die Bahnsteige auf der rund 111 Jahre alten Strecke sind größtenteils zu kurz für längere Fahrzeuge.

Während auf den anderen Linien 120 Meter lange Bahnsteige die Regel sind, kommt der Großteil der 26 U3-Stationen nur auf 90 Meter lange Bahnsteige. Betroffen sind 13 Haltestellen zwischen Barmbek über St. Pauli und Berliner Tor – mit Ausnahme von Saarlandstraße, Kellinghusenstraße und Schlump.

Das hat zur Folge, dass auf der gesamten U3 nur zwei aneinandergekoppelte Züge der modernen Baureihe DT5 (oder vom ganz alten Typ DT3; siehe Bild oben) eingesetzt werden können, die auf 80 Meter Länge kommen. Ganz selten sieht man auf der U3 auch einen älteren Zug der Baureihe DT4 fahren, was die Kapazität noch weiter senkt: Weil ein DT4-Fahrzeug rund 60 Meter lang ist, können dort keine zusammengekoppelten DT4-Züge fahren wie auf den anderen Linien. Damit werden die eh schon kurzen U3-Bahnsteige also noch weniger ausgeschöpft.

Für Fahrgäste und die Hochbahn ist das seit Jahrzehnten ein Ärgernis: Die U3 ist eine der meistgenutzten U- und S-Bahnlinien in Hamburg und könnte nicht nur zum Hafengeburtstag und dem DOM längere Züge gebrauchen. Und die Hochbahn könnte mit längeren Bahnsteigen ihre Fahrzeugtypen flexibler im ganzen Netz einsetzen.

Bahnsteigverlängerungen waren bisher zu teuer

Doch bislang waren nachträgliche Bahnsteigverlängerungen auf der U3 kein Thema. Zu teuer und extrem aufwändig, denn dafür müssten teilweise extra die Ein- und Ausgänge an den Haltestellen umgebaut, bzw. verlegt werden. Das würde zu langen Sperrungen führen, schrieb die Hochbahn im Jahr 2015 auf ihrer Website. Stattdessen plante das Verkehrsunternehmen damals lieber mit einem dichteren Takt auf der Linie.

Und selbst, wenn in den vergangenen Jahren einzelne Stationen an der U3 im Rahmen von Sanierungen komplett auseinandergenommen und neu zusammengesetzt wurden, verzichtete man auf vorsorgliche Bahnsteigverlängerungen. Als zum Beispiel in den beiden vergangenen Jahren 14 Monate lang der Tunnelabschnitt unter der Mönckebergstraße umfassend saniert und dabei sogar die Tunneldecke geöffnet wurde, entschied sich die Hochbahn dort bewusst gegen Bahnsteigverlängerungen in den Haltestellen Rathaus und Mönckebergstraße. Alternativ sei man an der Frage dran, ob die Leistung der U-Bahn nicht über andere Methoden in den kommenden Jahren erhöht werden könne, erklärte Hochbahn-Technikvorstand Jens-Günther Lang im Januar 2021 auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage.

Plötzliche Kehrtwende bei dem Thema

Doch jetzt hat es eine Kehrtwende bei diesem Thema gegeben. Diese ziemlich überraschende Neuigkeit verriet Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) kürzlich im NAHVERKEHR HAMBURG-Mobilitätstalk.

U_Bahnzug vom Typ DT5 in der Haltestelle Sternschanze
Auf der U3 können nur 6-Wagen-Züge (zwei zusammengekoppelte 40-Meter Fahrzeuge der Baureihe DT5) fahren, weil die meisten Bahnsteige lediglich 90 Meter lang sind – wie hier an der Sternschanze.
Eine Menschenmenge drängt am U-Bahnhof Hauptbahnhof Nord in Hamburg in einen Zug der Linie U2
Auf allen anderen Hamburger U-Bahnlinien sind deutlich längere Züge möglich: Entweder 8-…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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15 Antworten auf „Hochbahn arbeitet an längeren Bahnsteigen für die U3“

Ein dichterer Takt ist doch viel fahrgastfreundlicher als längere Züge. Gewiss, zunächst erhöhte es den Personalbedarf. Aber wenn sich die Verantwortlichen endlich zum automatischen Fahren der U-Bahnen durchringen könnten, würde früher oder später auch der Ring davon profitieren. Oder warum wird der Ring nicht zur Pilotstrecke, denn dort ist der Bedarf doch offensichtlich am höchsten?

Wenn ich die Artikel hier lese, bleiben stets viele Fragen offen. Wir kritisieren die Verantwortlichen, aber scheinen nicht alle Hintergründe zu kennen. Es wäre eine tolle Sache – aber leider utopisch – wenn die Verantwortlichen (Verkehrssenator, Chefin von HVV, Hochbahn- und S-Bahn-Chef …) die Artikel hier zunächst kommentierten, bevor diese online gehen.

Hallo,
das wird wohl aus organisatorischer Sicht ein unerfüllter Wunsch bleiben, aber genau dafür haben wir unsere Mobilitätstalks eingeführt, damit Sie dort ihre Fragen zu aktuellen Themen direkt an die Verantwortlichen stellen können – wie am 29.6. eben an Herrn Tjarks. Seien Sie beim nächsten Mal gern mit dabei und stellen Sie dann Ihre Fragen persönlich, damit wir alle mehr Hintergrundwissen bekommen.

Herzliche Grüße

Christian Hinkelmann

Anstatt die Bahnsteige zu verlängern, kann man sich auch Gedanken machen, dass die Züge grundsätzlich in 120 m Länge fahren und dann an bestimmten Bahnhöfen die Türen zu bleiben, wo der Zug außerhalb des Bahnsteig hält. In anderen Städten, wir Barcelona, ist sowas möglich. Dies kostet wesentlich, weil hierfür hoffentlich nur die Software der Hochbahn angepasst werden muss und schon hätte sich die Sache erstmal erledigt. An 13 Haltestellen könnte die Bahn alle Türen öffnen und an 13 eben nicht… Somit würde man die Kapazität steigen können.

Nur leider ist Deutschland so sehr an Gesetzen und Sicherheiten gebunden, dass sowas einfaches leider niemals möglich sein wird.

Echt schade, dass sowas in Deutschland immer sehr lange in die Umsetzung braucht…

Zur Kritik an dem Bahnsteigverlängerungen muss man sich aber auch ehrlich machen und nachschlagen, wer in den vergangenen Jahrzehnten die Verkehrspolitik in Hamburg.bestimmt hat, nämlich die SPD. Busbeschleunigungsprogramm und keine Verlängerung der U4 über die Elbe, so sah es unter Bürgermeister Scholz aus. Da ist doch mit dem jetzigen Mobilitätssenator und den Grünen mal Schwung in die Verkehrspolitik gekommen. Allerdings sind das alles auch Langzeitprojekte und es kann eh nie allen recht gemacht werden.

Eine neue Angebotsoffensive kann die Hochbahn garnicht bieten, weil ihr schlicht das Personal fehlt. Allein dieses Wochenende war ich auf der Metrobuslinie 18 gleich von 2 Busausfällen betroffen und Fahrgäste auf der Linie klagen, dass das ständig passiert – dabei haben wir noch nicht einmal Ferien und auch keine Grippewelle. Gerade auf der Linie ist das sehr ärgerlich, denn die fährt bereits konstant unter Bedarf. Bei dem jetzigen Fahrplan müssten Gelenkbusse eingesetzt werden um bedarfsgerecht zu fahren – es kommen aber nur Solobusse zum Einsatz. und wenn dann einer ausfällt (vor allem am Wochenende, wenn es keinen Verstärkerverkehr gibt) ist der nächste voll bis unter die Hutkrempe.
Gerne kommt dann von seiten der Hochbahn das Argument dass Am Stühm-Süd Gelenkbusse zu groß sind (wobei gelegentlich, wenn kein andere Fahrzeug zur Verfügung steht auch dort schon Gelenkbusse gefahren sind! Und es geschafft haben zu wenden). Aber dann muß man entweder den Bereich ausbauen, oder aber die Linienführung ändern (z.B. den 18er mit Gelenkbussen bis Barmfelder Dorfplatz oder Bramfeld am Damm betreiben und zum Stühm-Süd eine Zubringerlinie schaffen – oder aber ab Stühm-Süd eine längst überfällig Express-Bus-Linie mit Solobussen einrichten). Der Zustand jetzt zumindest trägt nicht zum Gelingen einer „Verkehrswende“ bei.

„[…] dass die neu eingeführten Xpressbuslinien zwar sehr erfolgreich seien, die ebenfalls neuen Quartiersbusse dagegen noch nicht so sehr.“

Welche Linien sollen diese neuen Quartiersbusse in Langenhorn und Eidelstedt sein? 🤨

Das ist nicht zu glauben. Jetzt wo fast alle Stationen aufwendig saniert wurden, kommt man auf die Idee die Bahnsteige zu verlängern. Die hätten schon so gut wie alle 120m lang sein können. Habe mich schon vor über 20 Jahren gefragt, warum diese nicht sukzessive verlängert wurden. Z.B. als Rödingsmarkt seinen zweiten Zugang bekam. Jetzt müssen die Stationen wieder für viel Geld angefasst werden. Hier wird mit Steuergeldern umher geschmissen, als gäbe es keinen Morgen. Aber das ist Hamburg. Eine Provinz, die noch viel von anderen Städten lernen kann. 🙄

Tja, lieber Tobias, genau das habe ich mich auch all die letzten Jahre gefragt und auch hier im Forum thematisiert. Aber es ist eben Hamburg, in jeder Beziehung. Da müssen erst einmal alle möglichen Fehler gemacht werden, bis man merkt, dass man etwas schon längst und damit viel preiswerter hätte haben können. Ich denke da z.B. an die S4, die schon vor 40 Jahren hätte fertig sein können. Dann hätte diese Linie ganz normal einen 5-Minuten-Takt in der HVZ, wie jede andere S-Bahnlinie, und Herr Tjarks müsste nicht verschämt auf eine Frage deswegen antworten, dass „nicht alle Linien einen 5-Minuten-Takt bekommen können“. (Leider kam ich mit meinen Fragen nicht mehr dran. Ich hatte so einiges Unbequemes auf Lager.)
Jedenfalls freue ich mich schon auf die auch vom Verkehrssenator so sehr als „Lösung für alle Probleme“ gehypten autonomen Fahrzeuge. Das wird bestimmt der nächste Flop. Bis man dann endlich irgendwann erkennt, dass es mit einer Vergrößerung des Schnellbahnnetzes und einem Aufbau eines ergänzendem Stadtbahnnetzes und eines 5-Minuten-Taktes auf allen Linien besser gewesen wäre.

Hätten die Hanse und ihr Vorläufer, der Wendische Städtebund, genau so gewirtschaftet, dann wären die nicht mal eine Fußnote in der Geschichte geworden.

Das gleiche Spielchen läuft übrigens gerade beim S4-Bau ab. Da ist nun einmal die bisherige Fernstrecke wegen des Umbaus der GUB-Anbindung verlegt und es könnte ganz problemlos ohne weitere Einschränkungen für die Fahrgäste die alte und kurze Brücke über die GUB ersetzt werden. Aber nein, das wird nicht gemacht. In ein paar Jahren wird man dann feststellen, dass diese Brücke neu gebaut werden muss, entweder weil sie doch zu klapprig ist oder weil jemandem einfällt, die GUB endlich für den Personenverkehr auszubauen.
Dann aber bitte erst, wenn die S4 fertig ist, damit wir nicht wieder monatelangen SEV wegen dieser Brücke ertragen müssen.

Warum denkt man in Hamburg immer nur von heute auf gestern? Warum kann man in Hamburg nie perspektivisch denken?

Also meine Freude über das nächste Riesenprojekt, das irgendwann mal kommen soll, hält sich in deutlichen Grenzen. Und dass in den vergangenen Jahren bei jeder Sanierung vehement jede Bahnsteigverlängerungen abgelehnt wurde, versteht doch kein Mensch. Vor allem nicht, wenn dann Digitalisierung und engere Takte als Begründung genannt wurden, die jetzt bei der U3 aber nicht genutzt werden sollen.
Noch eine Frage zu Metrobussen: Was bringen die eigentlich, außer kürzere Liniennummern?

Senator Tjarks spielt mal wieder Geld versenken. Erst wenn der letzte Bahnsteig auf 120 Meter verlängert wurde können wirklich auf der Linie dreiteilige Züge fahren. Aber das ist erst Ende des kommenden Jahrzehnts möglich. Jeder jetzt vorgenommene Bahnsteigausbau ist fast 20 Jahre lang versenktes Geld ohne jeglichen Nutzen für die Fahrgäste. Da wäre es vielleicht schlauer den Takt auf der U3 zu verdichten, um eine erhöhte Transportkapazität zu einzelnen Spitzentagen wie dem Dom und dem Hafengeburtstag zu schaffen. Ferner könnte man auch mal überlegen, Fahrzeuge zu beschaffen, die mit einem Fahrzeug die volle Bahnstieglänge ausnutzen und nicht dauernd zwei ungenutzte Führerstände, die zudem noch teuer sind, durch die Gegend zu fahren. so könnte pro Langzug Platz für 20-30 Passagiere geschaffen werden. So funktioniert das in anderen U-Bahnsystemen. Das Argument, wir brauchen die kurzen Fahrzeuge, weil unsere Werkstatthallen nicht länger sind, ist lächerlich. Eine Halle anziubauen ist allemal billiger als 26 Bahnsteige um 40 Meter besonders in unterirdischen Stationen mit beengten Platzverhältnissen zu verlängern.

Immer die gleichen alten Kamellen.
Und wie kuppelt man dann, sagen wir mal, zwei 80-m-Fahrzeuge, für, sagen wir mal, die U1? Ach, das geht ja gar nicht. Na, dann können eben auf der U1 nur 80-m-Züge fahren. Komisch, ungenutzte Fahrerstände sind pfui und klauen Platz, aber nach Ahrensburg müssen unbedingt Klos in den Zügen sein.
Übrigens: Menschen werden befördert und nicht „transportiert“.

Moin,
betrifft Bahnsteigausbau U3.
Es sind nur 13 Haltestellen, deren Bahnsteig verlängert werden muss.
Gruß Michael

Hallo Michael,

danke für den Hinweis. Das stimmt. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

Beste Grüße, Christian Hinkelmann

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